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EHC - Hannover Scorpions 1:3

Wie so oft im Mannschaftssport, folgte bei den Grizzlies einer mit Siegen nur so gespickten Vorbereitung die Ernüchterung im ersten Punktspiel. Gegen den Rivalen aus der Landeshauptstadt setzte es vor 3343 Zuschauern zum Saisonauftakt eine 1:3 Niederlage, die sich das Team von Pavel Gross zu einem guten Teil selber anrechnen muss. Das soll allerdings die Leistung der Scorpions keinesfalls schmälern, die mit einer sehr kontrollierten und abgeklärten Vorstellung ihrem zahlreich mitgereisten Anhang die Dauerparty auf den Rängen sichtlich erleichterten.

1. Drittel
Mit einem fulminanten Spurt starteten die Grizzlies in die neue Saison und nagelten die Gäste aus Hannover auch prompt in deren Drittel fest. Doch mit viel Glück (u.a. Lattentreffer durch Hospelt) und einem gut aufgelegten Travis Scott im Tor überstanden die Scorpions den Anfangsdruck der Gastgeber unbeschadet. Schon in der 4.Minute drehte sich allerdings der Wind in Richtung Grizzlytor, nachdem das Wolfsburger Team sich durch völlig überflüssige Fouls selbst dezimiert hatte. Während die 2-Minutenstrafe (Behinderung) gegen Neuzugang Hoggan noch in die Kategorie "Kann-mal-passieren" fiel, leistete sich sein Mannschaftskamerad Laliberte bei 4-5 Unterzahl einen unglaublichen Riesenbock, der ihm eine völlig berechtigte Matchstrafe einbrachte. Mit einem nicht aus einem Zweikampf entstandenen Ellbogencheck hatte er Hannovers Patrick Köppchen die Nase ramponiert und leitete damit eine fünfminütige Dauerunterzahl seines Teams ein. Die anfängliche doppelte Überzahl nutzten diese dann auch eiskalt zur 0:1 Führung durch Adam Mitchell (5.), der im Slot einen Abpraller eiskalt verwertete. Glücklicherweise blieb es bei diesem einen Gegentreffer und die Grizzlies machten sich aufopferungsvoll daran ins Spielgeschehen zurückzukehren. Dies gelang auch zunächst und nach einigen ausgelassenen Großchancen war es Neuzugang Haskins, der ebenfalls einen Abpraller nach schöner Vorarbeit durch Hoggan zum 1:1 Ausgleich über die Linie drücken konnte (14.Min).
Ein rasantes und ausgeglichenes Spiel entwickelte sich, welches - trotz Chancen auf beiden Seiten - mit einem gerechten 1:1 in seine erste Unterbrechung ging.

2.Drittel
Jetzt begann langsam der frustige Teil für Wolfsburgs Team und seine Anhänger.
Nach ausgeglichenem und etwas kontrollierter geführtem Beginn auf beiden Seiten, traf Hannovers Brimanis wie aus dem Nichts zum 1:2 (25.Min). Der bis dahin fehlerfrei agierende Reimer im Tor der Grizzlies machte dabei eine äußerst unglückliche Figur, ließ er sich aus Halbdistanz doch in der kurzen Ecke über seinen Fanghandschuh schießen. Diesen Tiefschlag versuchten die Gastgeber in der Folgezeit natürlich vergessen zu machen, doch erst einmal blieben die Scorpions am Drücker, drängten Wolfsburg in dessen Drittel und versuchten minutenlang den Vorsprung zu erhöhen. Erst, als Gross in der 31.Minute eine Auszeit nahm, kamen die Grizzlies wieder sortierter ins Spiel zurück. Doch nun zeigte sich entgültig, wie viel Zach noch in dieser Hannoveraner Truppe steckt: Auch wenn in der ein oder anderen Situation wieder Fortuna Pate stand (so beim erneuten Lattentreffer nach schönem Solo von Armin Wurm) - die Scorpions beherrschen es nach wie vor fast perfekt ein Team, das das Spiel gestalten will, im Keim abzuwürgen. Wie die Gäste in der zweiten Hälfte dieses Drittels die eigene blaue Linie hielten und jeglichen Passweg zustellten, dass trug immer noch die deutliche Handschrift des Altmeisters aus Bad Tölz, in dessen Fußstapfen nun mit Toni Krinner der nächste Tölzer getreten ist. Trotz wieder zahlreicher werdenden Chancen der Grizzlies, machte sich im weiten Rund eine fast greifbare Vorahnung breit, dass dieses Spiel wohl keinen guten Ausgang nehmen würde...

3.Drittel
Die Attraktivität des Spiels nahm nun noch einmal rapide ab. Hannover verlegte sich fast komplett aufs Kontern, Wolfsburg rannte nahezu effektlos gegen das Bollwerk der Gäste an. Gekrönt wurde diese wenig erbauliche Konstellation noch durch einen letzten einfallslosen Powerplayversuch der Gastgeber, die schon im Mittelabschnitt durch drei erschreckend harmlose Überzahlspiele ihr Publikum frustriert hatten. Ohne wirkliche Durchschlagskraft plätscherte der "Sturmlauf" der Grizzlies vor sich hin und fand im direkten Anschluss an besagtes "Powerplay" seinen Tiefpunkt: Alavaara verliert den Puck an der blauen Linie, Hlinka schickt den von der Strafbank kommenden Matt Dzieduszycki gen Reimer und dieser wird zum 1:3 Endstand ausgetanzt. Damit war der Drops gelutscht. Auch ein Herausnehmen des Torhüters führte lediglich zu einem nicht anerkannten Treffer durch Kai Hospelt, dessen Schläger wenige Sekunden vor dem Ende beim Abschluss angeblich zu hoch gewesen sein soll.


Mein subjektiver Eindruck:
Insgesamt mangelte es wohl etwas am Glück, um dieses Derby wirklich offen zu gestalten. Trotzdem fehlte mir vor allem im letzten Drittel häufig die Laufbereitschaft beim Eindringen in das gegnerische Drittel. Hannover steht traditionell gut sortiert an der blauen Linie, da greift das von Gross angestrebte spielerische Eindringen in die Angriffszone einfach nicht. Dump and chase wäre absolut angebracht gewesen, stattdessen fuhren die Grizzlies fast immer auf einer Höhe einem bereits fleißig zurückgeeiltem Abwehrverbund entgegen. Gut herausgespielte Möglichkeiten wurden im Verlauf der Partie dadurch immer seltener, der Frust stieg und stieg...keine intelligente Spielführung in meinen Augen.

Tor
Reimer mit solider Vorstellung; beim zweiten Treffer mit einem spielentscheidenden Bock. Gegen kontrolliert auftretende Teams wie Hannover bedeuten nicht herausgearbeitete Gegentreffer leider meist den Anfang vom Ende...ansonsten zeigte der Wolfsburger Goalie aber auch die eine oder andere Glanztat.

Verteidigung
Durchschnittliche Gesamtleistung. Alavaaras Fehler zum 1:3 war da nur das deutlichste Signal unter vielen kleinen Wacklern im Defensivverbund. Bina deutete noch keine hilfreiche Rolle im Powerplay an und zeigte, warum er nicht sofort draufhält, wenn die Chance dazu gegeben ist. Harmlos!
Blake Sloan knüpft leider an die eher mäßigeren Leistungen der letzten Hauptrunde an und wirkt häufig unglücklich oder zögerlich in seinen Aktionen.
Es bleibt angesichts der in den letzten beiden Jahren so überragenden Personalentscheidung unseres Sportdirektors weiter ein Rätsel, warum er sich mit der Verpflichtung eines echten Blueliners so schwer tut! Im Prinzip reicht es nach wie vor einen Spieler in Unterzahl für Alavaara abzustellen (so er denn gerade auf dem Eis ist), um sämtlich halbwegs gefährlichen Schüsse aus dem Wolfsburger Spiel zu unterbinden.

Sturm
Nach der hirnrissigen Aktion durch Laliberte, fehlte es den Angriffsbemühungen der Grizzlies häufig an Durchschlagskraft. In den wirklich gefährlichen Drangphasen kam allerdings eine Menge Pech hinzu, die in Zukunft sicherlich nicht immer im Spiel sein wird. Abwarten und schaun wie viel Spiele John für seine überflüssige Aktion abbrummen muss. Besonders positiv aufgefallen ist mir, neben einem in erfreulich guter Frühform befindlichen Höhenleitner, Neuzugang Jeff Hoggan. Im Vergleich zur Vorbereitung legte der Stürmer der Grizzlies noch einmal ein Schippe drauf und hat mich fürs Erste völlig überzeugt. Eigentlich mehr als das: In der gegen Hannover gezeigten Form ist er für mich einer der Topspieler der gesamten Liga. Der "Hulkster", wie man ihn schon in seiner Heimat hin und wieder taufte, war nicht nur schnellster Spieler auf dem Eis, sondern glänzte mit bärenstarkem Backchecking, körperlicher Präsenz und überlegener Stock- und Schusstechnik. WOW!
Wie oben schon geschildert, fehlte mir die taktische Balance zwischen Dump and chase und spielerischen Lösungen im Angriffsaufbau - da muss das Team noch etwas mehr Instinkt oder der Trainer etwas mehr Flexibilität entwickeln.mb