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EHC - Eisbären Berlin 1:4

Die Torflaute der Grizzlies hält weiter an. Vor rund 2500 Zuschauern präsentierte sich das Wolfsburger Team einfach zu harmlos, um den Titelaspiranten aus Berlin ernsthaft in Gefahr zu bringen.
Das zwar ausdauernde, aber nun schon im dritten Spiel hintereinander reichlich ideenlose Anrennen der Wolfsburger löste bei deren Anhang dann auch alles andere als Euphorie aus...

1.Drittel
Der Versuch des gewohnten Anfangssturmlaufs war auf Seiten der Gastgeber gerade noch zu erkennen, führte gegen die defensiv äußerst diszipliniert agierenden Eisbären aber zu unverhältnismäßig wenigen echten Torchancen.
U.a. Hospelt, Laliberte, Morczinietz und Höhenleitner scheiterten mit ihren mehr oder weniger guten Einschussmöglichkeiten am Gästekeeper Rob Zepp, ohne dass man diesem Großtaten nachsagen musste.
Als Sebastian Furchner dann in der 11.Minute alleine auf Zepp zufahren konnte, fehlten beim eigentlich gut platzierten Schuss nur wenige Zenti- oder Millimeter...
Die tief stehenden und sortiert agierenden Berliner kamen ab Mitte des Drittels dann ihrerseits zu ersten guten Gelegenheiten – bei der besten fand schließlich Dennis Pederson seinen Meister in Jochen Reimer, so dass auch auf der anderen Seite des Eises kein Torerfolg zu verbuchen war.
So endete der erste Durchgang nicht nur tor- und straf-, sondern auch fast unterbrechungslos. Irgendwie seltsam.

2.Drittel
Wenn’s nicht läuft, kommt häufig auch noch Pech dazu. Diese alte (Sport)Binsenweisheit galt auch an diesem Abend in der Wolfsburger Eisarena.
Nicht nur Lalibertes Auftaktschancen blieben wiederum ergebnislos, auch ein erstes Powerplay der Grizzlies konnte nicht genutzt werden und wurde durch eine Strafzeit gegen Wolfsburg obendrein frühzeitig beendet. Kai Hospelt hatte hinter dem gegnerischen Tor bei einem Sticklift seinem Gegenspieler das Spielgerät ins Gesicht befördert, so dass die Gastgeber wenig später ihrerseits in Unterzahl agieren mussten.
Nicht einmal eine Minute später durfte Hospelt dann auch wieder aufs Eis: Pederson hatte den Puck in der 25.Minute zum 0:1 über die Linie bringen können, der erste große Frustmoment war perfekt.
Und Berlin sorgte weiter für wenig Behaglichkeit im weiten Rund. Mit  Aggressivem Forechecking und gutem Stellungsspiel zerstörte der Gast auch weiterhin fast jeglichen Spielfluss auf Seiten der Grizzlies, die, immer wenn es doch einmal vor dem Kasten der Eisbären brannte, stets verkehrt standen oder unglücklich reagierten. Letztlich ein Verdienst der Spielgestaltung der Berliner.
Als es dem stark spielenden Strakhov auf Seiten der Gastgeber letztlich doch noch gelang einen Abpraller zum 1:1 Ausgleich (35.) über die Linie zu würgen, keimte tatsächlich so etwas wie Hoffnung auf einen erfreulicheren Spielverlauf auf.
Doch nun griff der zunächst sehr zurückhaltend pfeifende Hauptschiedsrichter Bauer gleich zweimal mit seiner Lieblingsstrafe „Hoher Stock“ ins Geschehen ein und schickte sowohl in der 36. als auch in der 40.Minute mit Morczinietz und Ulmer je einen Akteur der Grizzlies auf die Strafbank. Nicht nur, dass beide Strafen mehr als fragwürdig und kleinlich erschienen (ein vorsätzliches Stockhochziehen ins Gesicht eines vorgebeugt fahrenden Wolfsburgers war zuvor z.B. ungeahndet geblieben), sie verhinderten auch jegliches Momentum für das Team des EHC.

3.Drittel
Kaum war die letzte Strafzeit aus dem Mitteldrittel überstanden, versuchten die Grizzlies den Schwung des Ausgleichstreffers wieder aufleben zu lassen.
Eiskalt schoben die Eisbären diesem Vorhaben einen Riegel vor, nutzten beim 1:2 durch Pederson (44.) und beim 1:3 durch Friesen (48.)  Wolfsburger Nachlässigkeiten im Abwehrverhalten eiskalt aus und ließen beim dritten Treffer auch Torhüter Reimer nicht unbedingt genial dastehen.
Frustriert ließen die Bemühungen der Gastgeber nun von Minute zu Minute deutlich nach und lediglich einige wenige auf Seiten der Grizzlies wollten die Niederlage wohl einfach nicht wahr haben.
Das empty-net-goal in der 59.Minute stand letztlich sinnbildlich für dieses Spiel: Verlorenes Bully, zwei Pässe – Tor zum 1:4 Endstand durch Christensen!
Ein aus Wolfsburger Sicht durch und durch nervendes und frustrierendes Eishockeyspiel war (endlich) zu Ende.


Mein subjektiver Eindruck:
Gegen gut organisierte und kampfstarke Mannschaften findet unser Team einfach kein Mittel, um seine läuferischen Qualitäten gewinnbringend ins Spiel zu bringen. Im Gegenteil: Die Grizzlies rennen wie irre an und verfangen sich immer wieder im Abwehrbollwerk des Gegners. Wobei das Anrennen streckenweise gegen komplett zurückgeeilte Gegner stattfindet, da die Verteidigung in solch engen Partien meist recht hilfsbedürftig daher kommt. Insgesamt aber nichts, was sich nicht in den Griff bekommen lassen sollte. Wenn der Knoten einmal geplatzt ist und wir, dem genialen Spielplan sei Dank, so etwas wie einen Rhythmus aufnehmen können, werden die Tore schon wieder fallen. Vielleicht wird das eine Saison, die erst gegen Ende wirklich erfolgreich wird...wer weiß.
Den Mangel an Qualität in unserer Verteidigung werden wir aber vermutlich auch dann noch mit uns herumtragen...

Tor
Dshuni sollte eine Pause bekommen, folglich stand Jochen Reimer zwischen den Pfosten und konnte bei seinem Comeback auch weitgehend überzeugen. Lediglich beim dritten Treffer der Gäste hätte ich mir eine Reaktion mit der Fanghand gewünscht. Ob der Schuss dann zu halten gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt. Insgesamt eine gute Vorstellung.

Verteidigung
Alavaara und Fischer überzeugen mittlerweile wieder in jeder Hinsicht.
Traynor spielt hart und effektiv – macht letztlich das, was man von ihm erwartet.
Das Gleiche kann man auch von Armin Wurm behaupten, der den Ausfall von Martinovic nun zur weiteren Reifung nutzen kann. Dass der Youngster mit der hohen Eiszeit und der Geschwindigkeit gegnerischer Topreihen dabei hin und wieder etwas überfordert wirkt, ist völlig in Ordnung und bleibt häufig trotzdem ohne zählbare Folgen.
Schwierig gestaltet sich die Lage im defensiven Bereich vor allem deswegen, da mit Sloan und Bina gleich zwei als Führungsspieler und Leistungsträger gedachte Akteure weit hinter den in sie gesetzten Erwartungen bleiben.
Wobei meine Wenigkeit im Fall Sloan eigentlich genau das erwartet hat, was der Kapitän der Grizzlies bisher zeigt: Vorbildlichen Einsatz gepaart mit taktischen Fehlentscheidungen und durchschnittlichem Spielverständnis.
Bina hingegen ist zwar neu in Deutschland, aber keineswegs neu auf der größeren europäischen Eisfläche – seine Anpassungsschwierigkeiten sind also nur teamintern zu sehen. Der Wolfsburger Neuzugang strahlt dabei zu keinem Zeitpunkt so etwas wie Übersicht oder Souveränität aus. Die guten Aufbaupässe, die ich mir von ihm versprochen hatte, sind weiterhin Mangelware; an der blauen Linie hat man eher Angst, dass er sich mit seinem Schläger selbst verletzt oder das Gefühl, dass er den gegnerischen Torhüter warmspielen möchte.
Bisher macht er den Eindruck eines sehr, sehr durchschnittlichen Eishockeyspielers, der bestenfalls einen Sascha Genze ersetzen kann. Sollte in den nächsten 3-4 Wochen keine Entwicklung zum Guten eintreten, wäre eine Vertragsauflösung wohl das Beste für den Verein.
Bei Blake Sloan scheint die gezeigte Leistung ja von Seiten der Verantwortlichen gewünscht, zudem ist eine Trennung vom als Kapitän eingesetzten Spieler psychologisch absolut toxisch fürs Team. Da muss man also erneut wohl einfach sagen: Augen zu und durch.

Sturm
Die Einstellung stimmt bei allen, die Abstimmung weniger.
Lediglich die vierte Reihe machte einen gut koordinierten Eindruck. Die übrigen Reihen glänzten eher durch Konter, als durch herausgespielte Möglichkeiten. Gerade beim Rebound stehen die Grizzlystürmer dabei häufig einfach nur falsch und auch die Arbeit im Slot muss endlich wieder intensiviert werden!
Insgesamt betrachtet gilt es jetzt eine Menge Frust zu verarbeiten – da erweist sich der haarsträubende Spielplan nicht gerade als hilfreich. Kein Spiel am Sonntag, um mal richtig Dampf abzulassen! Stattdessen 7 Tage Zeit sich mit den letzten drei Spielen im Kopf herumzuquälen. Nicht gut. Da dem Spiel gegen Krefeld 4(!) Auswärtspartien folgen, kann man nur hoffen, dass das Trainerteam die Angriffsabteilung psychologisch wieder auf Vordermann bekommt, damit wir Mitte Oktober nicht das Tabellenende zieren.
Was mich, abschließend bemerkt, ein wenig aufgebaut hat, war die Reaktion von Kenny im letzten Drittel der Partie. Zwar stand der Gute zwischenzeitlich kurz vor einer Spieldauerstrafe, aber gerade diese Wut, die er letztlich in die Zweikämpfe mitnahm, zeigte mir, dass der Wille einfach nicht das Problem ist. Selbst gegen Ende dieser verkorksten Partie war er mit dieser Einstellung nämlich noch längst nicht allein auf Seiten der Grizzlies. mb