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EHC - Iserlohn Roosters 1:2 n.P.

Nach der enttäuschenden Vorstellung in Krefeld hatte sich das Team von Pavel Gross den Start einer neuen, wenn auch vielleicht kleineren, Serie vor heimischem Publikum vorgenommen. Mit dem Gast vom Tabellenende schienen zudem die Voraussetzungen für eine Wiedergutmachung für den verkorksten Auswärtsauftritt gut und so warteten die Heimfans gespannt auf den Auftritt ihrer Mannschaft.

1.Drittel
Und dieser Auftritt sollte zunächst äußerst ungewohnt ausfallen.
Entgegen den Gewohnheiten der Grizzlies überließen sie diesmal dem Gast aus dem Sauerland die Initiative zu Beginn der Partie.
Die Gastgeber hingegen wirkten, vor allem in ihren Angriffsbemühungen, auffällig gehemmt und zeigten kaum zwingende Spielzüge.
Die Roosters diktierten folglich das Geschehen auf dem Eis und gingen, letztlich verdient, durch Prestin Ryan mit 0:1 in Führung. Der auffälligste Spieler im Team der Gäste hatte in der 5.Spielminute zu einem unwiderstehlichen Solo angesetzt, das EHC-Drittel einmal im Kreis durchkurvt, fast jeden Gegenspieler einmal stehen lassen und schließlich aus Nahdistanz unhaltbar eingenetzt.
Wolfsburg konnte sich auch in der Folgezeit nur wenig vom Druck der Gäste befreien  und erst recht keine passende Antwort geben. Im Gegenteil: Gut zwei Minuten nach dem verdienten Rückstand wanderten mit Alavaara und wenig später Paul Traynor gleich zwei Spieler der Heimmannschaft auf die Strafbank. Das Spiel drohte schon früh gegen die Grizzlies zu laufen. Zum Glück funktionierte die Wolfsburger Defensivabteilung mit Neuzugang Martin Walter weitaus besser als das Spiel nach vorne, so dass den Gästen kein weiterer Treffer gelang.
Während auf Iserlohner Seite vor allem Ryan und Wolf für mächtig Wirbel sorgten, konnte für den EHC lediglich Ken Magowan zuverlässig für Drucksituationen vor Manni Legace sorgen.
Besonders über die beiden Powerplaysituationen der Grizzlies soll an dieser Stelle der gnädige Mantel des Schweigens gebreitet werden.    

 
2.Drittel
Nachdem ein Rest eines Wolfsburger Überzahlspiels abgelaufen war, übernahm der IEC prompt wieder das Ruder und sorgte für reichlich Arbeit im Drittel und im Tor des EHC.
Erst gegen Mitte des Drittels gelang es den Gastgebern schließlich das Spiel in den Griff zu bekommen und sich endlich das gewünschte Chancenplus zu erspielen. In der 30.Minute folgte dann nach einem Schuss von Strakhov, der über die Schulter von Lagace gehüpft war, der erste Videobeweis der Partie. Ungläubig nahm das Heimpublikum und die recht gut positionierte Pressetribüne die Entscheidung des Hauptschiedsrichters zur Kenntnis: Kein Tor!
Doch die Szene schien wie eine Initialzündung zu wirken – die Grizzlies drehten jetzt richtig auf, Iserlohn antwortete aggressiv und brachte sich durch eine dumme Boxeinlage durch Christian Hommel unnötig in Bedrängnis. Der Rooster war nach einer durch ihn eingeleiteten Auseinandersetzung mit Robbie Bina zurecht für zwei Minuten mehr als sein Gegner auf die Bank geschickt worden – nur Pech, dass dort mit Roy bereits ein Teamkollege saß, der bei besagter Torszene mit einem Foul eingegriffen hatte!
Und wer anderes als Kenny Magowan sollte es sein, der den Puck zum erlösenden ersten Mal über die Linie des Iserlohner Gehäuse bringen konnte (32.Min).
Endlich diktierte der EHC das Geschehen und erspielte sich weiter, mehr oder weniger deutliche, Torchancen.
Die beste sollte allerdings eine Art „unerfreuliches Déjà-vu“ bleiben: Ulmer hatte den Puck erneut über Legace lupfen können (38.), doch der Videobeweis fiel wiederum negativ für die Gastgeber aus. Es war wie verhext...

3.Drittel
Doch nicht nur die Gäste schwächten sich in entscheidenden Phasen unnötig selber. Auch Wolfsburg gelang dieses Kunststück in Person von Ken Magowan, der sich zum Auftakt des Schlussdrittels eine völlig überflüssige 2+10 Strafe abholte und den größten Teil dieses Abschnitts von der Kühlbox aus beobachten durfte.
Wollte man bösartig sein, so hätte man behaupten können, dass die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Wolfsburger Treffers damit auf Null gefallen war...
Kaum war die zweiminütige Unterzahl abgelaufen, verabschiedete sich Robbie Bina wegen Spielverzögerung auf die Strafbank - der Schwung des Mitteldrittels war verpufft!
Neben zwei weiteren, äußerst umstrittenen, Strafzeiten gegen die Gastgeber, gab es dann tatsächlich auch noch eine Sanktion gegen die nicht minder regelwidrig agierenden Gäste zu bewundern. Hierfür musste allerdings offenbar erst Blut fließen, bevor der besonders im Schlussdrittel äußerst einseitig pfeifende HSR Schütz auch einmal einen Rooster in Richtung Strafbank schickte. Im Fall von Michael Wolf war es dann auch gleich die Kabine – eine fünfminütige Überzahl wegen der Spieldauerstrafe gegen den Topstürmer des IEC folgte. Und der EHC überzeugte auch in dieser Überzahl nicht. Die wenigen guten Chancen blieben eine Beute von Legace oder verfehlten, wenn auch knapp, das Gehäuse der Gäste.
Zweimal Pfosten kamen bis Drittelende auf Seiten der Grizzlies auch noch hinzu – es sollte wohl einfach nicht sein...

Verlängerung
Auch in der Verlängerung gab es letztlich für keine der beiden Seiten wirklich etwas zu jubeln, auch wenn die Gastgeber weitaus näher an einem Torerfolg waren als der nun etwas abwartender spielende IEC.
Nach dem erneut etwas ungelenken Auftreten im Abschluss durch einige Wolfsburger Spieler ging es zu guter Letzt auch noch ins Penaltyschießen.

Penaltyschießen
Lange Rede – kurzer Sinn: Außer Ken Magowan gelang keinem Grizzly ein Treffer...
Den Gästen gelangen durch Pat Kavanagh gleich zwei, so dass der Extrapunkt ebenfalls die Eisarena Richtung Sauerland verließ.
Warum Gross den so sicher agierenden Magowan nicht zum zweiten Durchgang antreten ließ, sondern den unter chronischer Ladehemmung leidenden Laliberte ein zweites Mal zum Scheitern schickte, bleibt wohl höhere Psychologie, die sich dem Laien einfach nicht erschließen will.
 

Mein subjektiver Eindruck:
Der Sturm ist, absurderweise, das große Problem der Grizzlies. Es mangelt in den letzten Partien (Nürnberg eingeschlossen) an herausgespielten und klaren Einschusschancen.
Andere Teams kommen zudem nun langsam in eine Phase, in der sich die Neuzugänge langsam integrieren und die Mannschaften offenbar geschlossener und koordinierter auftreten. Der Vorteil einer weitestgehend eingespielten Mannschaft scheint für die Grizzlies nun also Stück für Stück aufgebraucht.
Nichtsdestotrotz kann ich mir nicht vorstellen, dass die letzten Vorstellungen ein Dauerzustand werden. Gross wirkte während der Pressekonferenz äußerst genervt und ungehalten, daher gehe ich von „interessanten“ Trainingseinheiten vor der Cup-Pause aus.
Das Maß an Pech in den beiden letzten Begegnungen reichte allerdings auch schon ins Aberwitzige, dass kann ebenfalls nicht ewig so weitergehen – schon aus Gründen der Wahrscheinlichkeit nicht ;)  

Tor
Reimer bleibt ein sicherer Rückhalt. Hielt sein Team stets im Rennen und zeigte sich gänzlich unbeeindruckt vom Patzer gegen Krefeld. Die Verteidigung ist ihm bei der Qualität der gegnerischen Schüsse allerdings eine große Hilfe.

Verteidigung
Gute Vorstellung! Martin Walter mit gelungenem Debut (hier verweigere ich mich einfach mal der Rechtschreibreform. „Debüt“ sieht irgendwie legasthenisch aus).
Zeigte Robbie Bina gleich mal, dass man ruhig schießen darf, auch wenn man’s mit dem Zielen nicht so hat. Ich sage nur: Rebounds!
Der Rest der Truppe ebenfalls auf dem Posten, bewahrte den EHC letztlich vor einem dreifachen Punktverlust.
Sicherlich ist das Aufbauspiel der Verteidiger auch ein Teil der Angriffsproblematik, doch ihre eigentliche Aufgabe lösten die Defender der Grizzlies fast ohne Aussetzer (Bina und Traynor beim peinlichen Gegentreffer mal außen vor gelassen).

Sturm
Kenny mutiert zum Alleinunterhalter...sehr bedenklich.
Hier kommt einiges an Arbeit auf das Trainergespann zu, denn angesichts des stockenden Spielflusses in des Gegners Drittel muss hier dringend interveniert werden. Es kommt nicht von ungefähr, dass bei den Grizzlies nur noch der Stürmer trifft, der sich seine Tore mit schier unmenschlichem Willen erkämpft und jedes geschossene Tor mit mindestens drei oder vier Situationen fruchtloser Schwerstarbeit hinter und um das gegnerische Tor herum erkaufen muss.
Lediglich die vierte Reihe macht das, wofür sie gedacht ist und tritt ähnlich engagiert und, im Fall von Andrej Strakhov, leider ohne das nötige Glück auf.
Vor allem Hoggan und Laliberte sollten langsam ins Laufen kommen, sonst droht nun eine Serie der anderen Art. mb