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EHC - EHC München 3:0

Vor rekordverdächtig leeren Rängen widmeten sich die Grizzlies ihrem neuen Lieblingsgegner aus der bayrischen Hauptstadt. Wie schon in den beiden Aufeinandertreffen zuvor, bekam man nur selten das Gefühl, dass Wolfsburg Gefahr laufen könnte die Partie aus den Händen zu geben. Doch die Gäste aus dem Süden hatten zumindest in einigen Punkten sichtbare Lehren aus den bisherigen Partien gegen das Team von Pavel Gross gezogen 

 
1.Drittel
Nachdem München in den ersten beiden Begegnungen das Spiel bereits in den Anfangsminuten verloren hatte, zeigte sich Pat Cortinas Truppe in dieser Hinsicht stark verbessert. Zwar gipfelte die Anfangsaggressivität der Gäste letztlich in Strafzeiten zu ihren Lasten, doch blieb das Debakel der Anfangsdrittel aus Spiel 1 und 2 den Bayern diesmal erspart.
Lediglich Ken Magowan gelang es dieses Mal einen Torerfolg – sogar in Überzahl – für die Gastgeber zu verbuchen (8.Min), was aus Münchner Sicht ungewohnte Perspektiven für den Rest der Partie eröffnete. Erreicht hatten sie diesen Teilerfolg vor allem durch bedingungslosen Körpereinsatz und sehenswertes Forechecking, einzig vor dem Wolfsburger Tor wusste der konsequent agierende Gast nicht zu überzeugen.
Wolfsburg hingegen sah im Powerplay hin und wieder recht überzeugend aus, brachte sich durch individuelle Schnitzer aber um eine deutlich höhere Schusszahl auf das von Sebastian Elwing gehütete Gehäuse.
Eine Schlüsselszene der Begegnung (Trainer Gross bezeichnete sie im Nachhinein als „Weckruf“) sollte aber ausgerechnet ein eher negatives Ereignis aus Grizzlysicht darstellen: Kapitän Blake Sloan durfte die Begegnung ab der 17.Spielminute nur noch als Beobachter verfolgen, nachdem er mit einer völlig berechtigten Spieldauerstrafe von den Hauptschiedsrichtern vom Eis geschickt worden war. Nach seinem Check gegen den Kopf von Gästestürmer Neville Rautert, musste dieser ebenfalls die Waffen strecken und die Fahrt ins Wolfsburger Krankenhaus antreten.
Was die Gäste in der Folgezeit dann aber in Überzahl anboten zeigte deutlich, warum München über das mit deutlichem Abstand zum Hauptfeld statistisch zweitschlechteste Powerplay der Liga besitzt: Völlig einfallslos, geradezu hilflos verrannen die Minuten, dem Gast gelang fast nichts – schon gar kein wirklich gefährlicher Schuss.

    
2.Drittel
Auch die restlichen anderthalb Minuten Unterzahl bereiteten den Grizzlies nicht wirklich Kopfzerbrechen, so dass es anschließend wieder frisch ans Werk hätte gehen können. Doch die nächste Strafe gegen die Gastgeber ließ nicht lange auf sich warten. Sehr zum Unwillen der heimischen Fans schickten die beiden Referees mit Tyler Haskins (24.) nach rund zwei Minuten Gleichzahl auf dem Eis erneut einen Wolfsburger Spieler, diesmal wegen einer Lappalie, vom Eis.
Jetzt wurde es dann doch einmal gefährlich für das Team von Coach Gross, das sich in dieser Phase zum ersten Mal in der Begegnung wirklich überzeugenden Angriffsbemühungen der Gäste gegenüber sah. Zur allgemeinen Freude kam nun aber ebenfalls die Zeit für Goalie Dshunussow, der nach seinem Schnitzer der letzten Partie jetzt alle Register zog und mit teils unmöglichen Reaktionen seinen Kasten sauber hielt und die Grizzlies letztlich wieder an den Drücker brachte.
Denn kaum waren diese wieder komplett, sahen sie sich sogar in doppelter numerischer Überlegenheit...und machten sogar ein zweites Mal etwas aus einer solchen Gelegenheit!
Ryan Readys Hinterteil hatte gerade eben die Strafbank berührt (28.), da konnte er Letzteres auch schon wieder zum Ärgern lüften: Mit einer geradezu perfekt herausgespielten Kombination hatten die Gastgeber die Gunst des Augenblicks genutzt und Jason Ulmer seinen zweiten Saisontreffer zum 2:0 ermöglicht. Der Wolfsburger Center brauchte aus halblinker Position nur noch einzuschießen, nachdem Traynor und Laliberte mit rasanten Zuspielen die verbliebenen drei Feldspieler der Gäste zu hilflosen Statisten degradiert hatten.
München geriet nun völlig aus dem Rhythmus und leistete sich im Anschluss an diese Unterzahl gleich zwei haarsträubende Abspielfehler im eigenen Drittel, von denen der zweite auch prompt zum 3:0 durch Andreas Morczinietz führte (30.).
Nun bekamen die Bayern ihre eigene Medizin zu schmecken, denn Wolfsburg störte weiter gnadenlos den Spielaufbau der verunsicherten Münchner und verhinderte somit jeglichen Ansatz eines Comebacks. Dass es schließlich, trotz einer weiteren 5 gegen 3 Situation für das Team von der Aller, nur mit 3:0 in die Kabinen ging, lag in erster Linie am nun wieder kränkelnden Powerplay der Grizzlies. Völlig harmlos plätscherte die letzte Spielminute des Mittelabschnitts in doppelter Überzahl dem Pausenpfiff entgegen.
Das Spiel schien trotzdem entschieden.
 

3.Drittel
München brauchte in der Tat noch einige Minuten, bevor so etwas wie ein letzter Versuch das Spiel zu drehen erkennbar wurde. Doch Wolfsburg störte den Spielfluss des Gegners, auch während zwei weiterer Überzahlspiele, über weite Strecken dieses Abschnitts durchaus erfolgreich. Folge dieses Bestrebens waren letztlich zwei Dinge: Erstens ein eher quälend unattraktiver Schlussabschnitt mit einem Gast, dem einfach die Mittel gegen eine vorbildlich agierende Defensive fehlten. Zweitens ein hochverdienter shutout für den Wolfsburger Goalie, der damit seine überragende Leistung entsprechend krönen konnte.

 

Mein subjektiver Eindruck:
Defensiv stark und offensiv fast so effektiv, wie man es von einer derart gut besetzten Mannschaft erwarten darf. Allerdings scheint das match-up irgendwie günstig für die Grizzlies zu sein, denn Angst Punkte zu lassen hatte ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt.
Mein volles Mitgefühl gilt an diesem Wochenende allerdings dem Team, das zweimal hintereinander – bestens in der Tabelle platziert – vor spärlich gefüllten Rängen auflaufen musste. Finanzielle Einbußen für GmbH und Caterer mal außen vor gelassen (einfach mal mit dem Schnitt durchrechnen...) kann man nur hoffen, dass derart unangemessene Kulissen nicht irgendwann auf die Psyche der Aktiven durchschlagen. Man will die eigene Leistungen ja nicht nur in der Tabelle und auf dem Konto sehen – man will sie ja auch erleben!
 

Tor
Dshunussow mit makelloser, teilweise genialer Vorstellung.
Macht auf mich, seit seinem Debut in Wolfsburg, immer den Eindruck, dass er sich weiter steigern kann und bestätigt das auch regelmäßig – wenn er mehrfach hintereinander im Tor stehen darf bzw. kann.

Verteidigung
Ebenfalls fast makellos. Sehr stark vor dem eigenen Gehäuse, trug einen großen Teil zum shutout ihres Goalies bei.
Neuzugang Schmidt agierte überlegt und unauffällig, machte durchaus Hoffnung für die kommenden Wochen.
Wenn man nun noch „Powerplayschreck“ Robbie Bina von der blauen Linie entfernt...schier unglaublich wie unsicher der US-Amerikaner bei Überzahl im Rückraum agiert. Vermutlich trifft er beim Schuss- bzw. Schlenzversuch den gegnerischen Verteidiger auch dann noch, wenn der hinter dem eigenen Tor ausgerutscht ist. Von einer Direktabnahme wage ich da gar nicht zu philosophieren – das dauert alles viel zu lang...Hilfe, Hilfe!!!


Sturm
Hoggan und Laliberte steigern sich langsam in bekannte Leistungsbereiche. Wie viel der kanadische Neuzugang nun wirklich zu leisten im Stande ist, kann vermutlich frühestens zu Beginn des kommenden Jahres beurteilt werden.
Magowan bietet weiterhin Leistungen an, die eine möglichst schnelle Vertragsverlängerung nahe legen. Nicht, dass Mannheim doch noch mal was Vernünftiges mit dem vielen Geld macht und nicht den 1000sten frankokanadischen Kringeldreher verpflichtet...
Hospelt ist zum Glück bereits gesichert, Milley und Ulmer arbeiten nun ebenfalls an ihrer Bewerbung.
Höhenleitner wirkt in letzter Zeit wieder etwas eigensinniger, spielt aber weiterhin mit bemerkenswertem Einsatz – vielleicht gelingt ihm dieses Jahr der Anschluss an seine Leistungen vor seiner großen Verletzung. Momentan sieht es danach aus!
Insgesamt eine gute Vorstellung der Offensive, wenn auch weiterhin Luft nach oben besteht. mb