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EHC - Hannover Scorpions 9:3

Besser hätte dieses Wochenende für die Grizzlies nicht laufen können.
Nach dem wichtigen Auswärtssieg in Nürnberg gelang es dem EHC auch gegen den Rivalen aus der Landeshauptstadt die volle Punktzahl einzufahren. Doch diese optimale Punktausbeute trat deutlich hinter das „wie“ des Heimsieges zurück, der mit ganzen 9(!) Treffern für das Team von der Aller zu einem denkwürdigen Moment in der Wolfsburger Eishockeygeschichte wurde.


1.Drittel
Der Auftakt dieser Partie gestaltete sich bereits furios, als innerhalb der ersten zwei Minuten auf jeder Seite je ein Eigentor weiteres Benzin in die ohnehin aufgeheizte Stimmung gegossen hatte.
Nach gerade einmal 16 Sekunden hatte zunächst Dzieduszycki den ersten Angriff der Grizzlies über Furchner und Ulmer zum 1:0 für die Gastgeber unfreiwillig eingelocht. Der Jubel auf den Ränge hatte sich gerade erst in Triumphgesänge der Heimfans verwandelt, da geschah nicht einmal zwei Minuten später Christopher Fischer auf der anderen Seite das gleiche Missgeschick – wenn auch weniger spektakulär als seinem Hannoveraner Gegenüber, der beim Versuch vor dem Wolfsburger Stürmer am Puck zu sein in bester Torjägermanier vollstreckt hatte.
Die Fanlager waren nun bestens in Derbystimmung gebracht, das Treiben auf dem Eis wurde zusehends intensiver und auch Referee Lars Brüggemann passte sich dem hochklassigen und etwas rauerem Stil der beiden Teams gut an und trug damit seinen Teil zum Gelingen des Abends bei.
Beide Seiten schöpften in der Folgezeit die Möglichkeiten des Körperspiels hervorragend aus, wobei Hannover die Grenzen doch etwas genauer ausloten wollte und mit zwei Strafen im ersten Drittel folgerichtig einmal mehr auf der Strafbank saß.
Die besseren Einschusschancen hatten allerdings die Grizzlies vorzuweisen, die es jedoch versäumten eine weitere ihrer hochkarätigen Möglichkeiten zu nutzen. Zweimal Pfosten und zwei im Slot abgefälschte Pucks, die knapp am Gehäuse vorbei gingen gesellten sich zu einigen unübersichtlichen Situationen vor dem von Jonas Langmann gehüteten Gästetor...ohne zählbaren Erfolg!
Die Scorpions hielten ihrerseits mit einigen, teils ebenfalls gefährlichen, Torszenen dagegen, hatten aber auch im ersten Abschnitt schon streckenweise erkennbare Mühe nicht überrollt zu werden. 


2.Drittel
Und wieder ging’s rasant aus den Startlöchern: Ganze 50 Sekunden Unterzahl hatte der EHC zu Beginn des Drittels noch zu überstehen, dann ging die wilde Reise für die Gäste aus Hannover erst so richtig los. Drei Tore innerhalb von drei Minuten (22.-25.) schienen das Schicksal der Scorpions wie ein Blitzeinschlag zu besiegeln und Hannovers junger Goalie, der alles andere als gut ausgesehen hatte, räumte – nicht nur am Selbstvertrauen verletzt – das Feld.
Während er beim 2:1 durch Hoggan eher Pech hatte, dass der Wolfsburger Stürmer den knapp neben ihm liegenden Puck als spielbar erkannte, so war das 3:1 durch Milley deutlich der Kategorie 1a-Klops zuzuordnen. Langsam trudelte der keineswegs überharte Schuss des Grizzlies durch seine Schoner ins Tor und nicht einmal anderthalb Minuten später klingelte es erneut hinter ihm. Ziffzer übernahm für den entnervten Nachwuchstorhüter der Gäste, der sich umgehend in die Kabine begab und den Rest des Spiels aufgrund einer Verletzung bereits umgezogen verfolgen musste.
Die Scorpions reagierten wütend, erhöhten die Schlagzahl im Körperspiel noch einmal deutlich und profitierten in dieser Phase der Begegnung am ausgiebigsten von der rustikalen Regelauslegung des Hauptschiedsrichters. Während Ziffzer zunächst den Tag der offenen Tür im Abwehrdrittel der Gäste beenden konnte, gerieten am anderen Ende des Eises die Gastgeber ab der 29.Minute zum ersten Mal an diesem Abend deutlich in Bedrängnis. Dem Hannoveraner Aufbäumen trat man zwar energisch entgegen, doch nachdem in der 29.Minute Paul Traynor zusammen mit David Wolf zwei Minuten vom Eis gehen musste, erlaubte der EHC sich dann doch zwei überflüssige Strafen – gleichzeitig! Während einer gegen Goalie Dshunussow angezeigten Strafe hatte sich Sebastian Furchner ebenfalls zu einer unfairen Bremsaktion hinreißen lassen. HSR Brüggemann entschied folgerichtig auf zwei Strafen gegen Wolfsburg. Was dann folgte, war eine echte Powerplay-Demonstration der Gäste aus Hannover, die mit Sascha Goc den mit Abstand besten Blueliner der Liga in Reihen haben. Der trug sich dann auch gleich einmal mit einem gigantischen Hammer von der blauen Linie zum 4:2 in die Torschützenliste ein (31.) und legte zwei Minuten später gleich noch das 4:3 auf, das in Person von Adam Mitchell allerdings eher das genaue Gegenteil von Gocs Brachialmethode darstellte (33.). Am kurzen Eck stehend hatte der Flügelstürmer der Scorpions dem Wolfsburger Goalie den Puck unterm Arm durchgeschossen – das Spiel war wieder komplett offen!
Doch wie es sich für ein echtes Spitzenspiel gehört, wogte der Kampf nun hin und her und, zur Erleichterung der heimischen Fans, gelang nur wenig später der grandios aufspielenden Reihe um Center Tyler Haskins drei Minuten nach dem Anschlusstreffer das wichtige 5:3. Einen unwiderstehlichen Sturmlauf von Laliberte und einen ebenso perfekten Pass vors Tor der Scorpions hatte der US-amerikanische Neuzugang mit seinem dritten Saisontor gekrönt und war im Anschluss geradezu ekstatisch jubelnd in Richtung Haupttribüne abgedreht. Die Eisarena kochte längst bis in alle Ecken und Winkel und auch die Gästefans wollten sich angesichts der kämpferisch tadellosen Leistung ihres Teams noch nicht geschlagen geben. Doch spätestens, als Laliberte mit einer spektakulären Aktion das 6:3 im Powerplay besiegelte (38.Min), wurde auch auf der Gästetribüne deutlich, dass das nicht der Abend der Skorpione werden sollte.
Wolfsburgs Torjäger war zunächst beim Schussversuch der Schläger gebrochen, seine Mannschaftskameraden hielten den Puck jedoch im Drittel (für ihn) warm, während Libs zu Mannschaftsbetreuer Igor sprintete und sich ein neues Spielgerät abholte. Direkt von der Bank lief der Wolfsburger wieder auf seine Position und nahm den Puck noch während des Hineinfahrens direkt zum sechsten Treffer der Grizzlies ab.
Hannover reagierte erneut, warf jetzt alles nach vorn und erspielte sich seinerseits reichlich gute Chancen, um das Ergebnis noch vor der zweiten Unterbrechung aus Gästesicht angenehmer zu gestalten. Pavel Gross nahm, wie mittlerweile gewohnt, genau in dieser Phase die notwendige Auszeit und nahm den Scorpions somit ein wenig den Wind aus den Segeln. Trotzdem verlebte der Wolfsburger Goalie nun, neben der Powerplaysituation die beschäftigungsreichste Zeit der gesamten Partie.


3.Drittel
Die Gäste bewiesen weiter Moral und verteidigten nicht nur eine weitere Unterzahl gegen sich sehr erfolgreich, sondern bauten in der Folgezeit wieder ordentlich Druck auf das Gehäuse der Gastgeber auf. Doch nachdem Hospelt durch eine Strafe in der 45.Minute den Scorpions sogar eines ihrer gefürchteten Powerplays ermöglichte, ging die Sache für den Meister aus Hannover tatsächlich nach hinten los. Furchners Puckeroberung ließ Sulkovsky einen schönen Alleingang mit eiskaltem Handgelenksschuss über die Schulter des Hannoveraner Goalies folgen: 7:3 - Der endgültige Todesstoß für die tapfer kämpfende Krinnertruppe.
Den nun etwas nachlassenden Kampfeswillen der Gäste nutzten die zu jedem Zeitpunkt absolut heiß wirkenden Grizzlies zum Entzücken ihrer Anhänger zu weiteren Toren, so dass erneut Laliberte (49.) und Ex-Hannoveraner Morczinietz (53.) das Ergebnis bis auf ein schlicht unglaubliches 9:3 in die Höhe schrauben konnten. Lediglich eine Menge Glück und ein von Sebastian Furchner nur an den Pfosten gesetzter Penalty verhinderten die zweistellige Klatsche für den Meister der Vorsaison.
Dass die Derby-Helden nach Ende der Partie, nach einer kleinen (Sky-)Verzögerung, natürlich noch ausgiebigst gefeiert wurden, war dann auch mehr als selbstverständlich... 


Mein subjektiver Eindruck:
Dieser Derbysieg hatte den leicht demütigenden Charme einer unfreiwilligen Intimrasur.
Selten wurde in der Eisarena eine derart starke und absolut gewillte Mannschaft so vernichtend geschlagen. Dass es sich dabei um die Bunkerbewohner aus der TUI-Arena handelte, erhöhte den Spaß an der Sache noch einmal um ein Vielfaches...
Das Team der Grizzlies zeigte in dieser Partie, meiner Meinung nach, zum aller ersten Mal die Angriffspower, die nominell in ihm schlummern sollte. Ich bin sehr gespannt, ob man solche Leistungen nun öfter abrufen kann – auch ohne die Motivation eines Derbys oder einer Play-off Partie.
Auf das Rückspiel am 2.Weihnachtsfeiertag bin ich allerdings noch ein bisschen mehr gespannt. Da fährt man doch mal gerne in das 11000er Atmosphäre- und Akustikgrab mit den sympathischen Familienpreisen, bekannt aus Apotheken und Rotlichtetablissements.

Tor
Dshuni sah beim dritten Gegentor ziemlich dumm aus, ansonsten war er der mittlerweile gewohnt starke Rückhalt. Während am anderen Ende des Eises eher die Chaostage in Tor und Torraum angesagt waren, blieb der Wolfsburger Goalie meist ein beruhigend wirkender Faktor hinter seinem Team. Nebenbei entschärfte er ganze 42 Schüsse – trotz Wolfsburger Überlegenheit.

Verteidigung
Gelungene Vorstellung. Auch in Druckphasen der Gäste mit genügend Übersicht.
Bina weiterhin für die seltenen Unsicherheitsmomente zuständig, ansonsten alle voll im grünen Bereich. Schmidt erneut souverän - harmoniert dabei mit Sloan sehr vielversprechend!


Sturm
Während die Reihe um Hospelt durch viel Einsatz und Kampf überzeugte (Kenny!), glänzte diesmal die Formation Laliberte, Haskins und Hoggan. Sowohl Laliberte, als auch Hoggan zeigen mittlerweile die gewünschte Formsteigerung und treffen nun endlich auch wieder! Das, neben eingestreuten Treffern aus den Reihen 3 und 4, macht die Qualität der Grizzlies eigentlich aus: Wir haben unglaublich viele potentielle Torjäger im Team, die sich nach und nach in funktionierenden Reihen finden müssen. Die Vorstellung gegen den Gast aus Hannover stellt für mich da den anzustrebenden Endzustand im Sturm dar, den es spätestens in den Play-offs zu erreichen und zu konservieren gilt. mb

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