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EHC - Hamburg Freezers 3:4 n.V.


Vor heimischem Publikum plagen den EHC weiterhin Effizienzprobleme. Schon zum zweiten Mal in Folge gelingt es den Grizzlies nicht gegen einen spielerisch und läuferisch unterlegenen Gegner die vollen drei Punkte einzufahren.
Die ohne den verletzten Ex-NHL Verteidiger Christoph Schubert angereisten Gäste erwiesen sich allerdings nicht nur äußerst kampf- und willensstark, sondern ließen hin und wieder sogar ihre personellen Qualitäten in spielerisch ansprechenden Phasen aufblitzen. Folglich erbeuteten sie die Punkte nicht annähernd so absurd wie die zuletzt gastierenden Haie aus Köln.   
 

1.Drittel

Der Wolfsburger Turbostart wurde einmal mehr nicht belohnt.
Der EHC wirbelte die zunächst wesentlich behäbiger auftretenden Gäste ein ums andere Mal durcheinander und kreierte im Auftaktdrittel die deutlich besseren Chancen vor dem Gehäuse der Freezers.
Problem dabei: Die Anzahl der gelungenen und platzierten Abschlüsse hielt sich deutlich in Grenzen, so dass Hamburg die Partie über gefährliche Konter durchaus ausgeglichen gestalten konnte.
Schon so früh im Spiel zeichnete sich allerdings ebenfalls ab, dass Referee Klau kaum gewillt schien die im Minutentakt anfallenden Hamburger Hilflosigkeiten als Fouls zu deklarieren. Die drei gegen die Freezers verhängten Strafzeiten des ersten Abschnitts spiegelten zur Pause keineswegs die enorme Ratlosigkeit der Gäste wieder, die sich gegen das temporeiche Spiel der Grizzlies kaum zu wehren vermochten. Lediglich das Powerplay und die Laufwege bei Kontern wussten auf Hamburger Seite zu überzeugen.
Letztlich war es dem wie entfesselt aufspielenden Jeff Hoggan zu verdanken, dass der EHC doch noch mit einer knappen 1:0 Führung (12.) in die erste Unterbrechung gehen konnte.


2.Drittel

Zum Auftakt brachte Wolfsburgs Robbie Bina die Seinen schon nach 25 Sekunden mit einem Foul der Marke „Blöd“ in Unterzahl...und die kalte Dusche ließ nicht lange auf sich warten: Patrick Traverse glich nur eine Minute später für seine Farben zum 1:1 aus, die Begegnung ging wieder bei Null los.
Nachdem wenig später (ab 24.Min) eine weitere Unterzahl glimpflicher für die Gastgeber verlaufen war – der Anlass war eine geradezu lachhafte Strafe gegen den völlig verblüfften Blake Sloan – drehten die Grizzlies mächtig auf. Der nächste Angriffsorkan fegte über die Gäste aus der Hansestadt hinweg und als nach wenigen Sekunden Gleichzahl auf dem Eis erneut Hoggan den Puck mit nahezu vollem Körpereinsatz zum 2:1 über die Linie arbeitete, hätte die Partie ihren logischen Gang nehmen können.
Doch was die Gastgeber in der Folgezeit an Chancen ausließen bzw. wie wenig die Grizzlies aus den sich nun endlich bietenden Powerplaygelegenheiten machten – es verschlug einem am Ende des Mittelabschnitts schon irgendwie die Sprache.
Viel Pech bei Wolfsburgs momentan „heißesten“ Torjägern Magowan und Hoggan und ein gut aufgelegter Sinisa Martinovic im Tor der Freezers beließen es also bei der erneut nur knappen Führung vor der zweiten Pause, die der EHC allerdings mit nur vier Spielern auf dem Eis erreichte.
Sulkovsky saß ab der 39.Minute wegen Checks von hinten auf der Strafbank und durfte auch den Auftakt des Abschlussdrittels nur aus der Kühlbox mitverfolgen (2+10 Strafminuten).

   
3.Drittel
Kaum waren die Grizzlies wieder komplett, da wiederholte sich das Drama des Mitteldrittels: Köttstorfer gelang von halblinks mit einem schönen Schuss ins obere lange Eck der 2:2 Ausgleich – ganze 60 Sekunden war das Drittel gerade alt...
Zum Glück für die Gastgeber simulierte Hauptschiedsrichter Klau nun für einen, wenn auch überschaubaren, Zeitraum so etwas wie eine nachvollziehbare Regelauslegung und schickte insgesamt dreimal einen Hamburger für eine der zahlreichen Regelwidrigkeiten auf die Strafbank.
Gleich die erste Gelegenheit nutzten die Grizzlies unter dem Jubel ihrer Anhänger auch zur erneuten Führung. Ken Magowan hatte, nur drei Minuten nach dem bitteren Ausgleich, das leistungsgerechte Bild wieder hergestellt, indem er einen Alavaara-Knaller im Nachschuss über die Linie drücken konnte.
Doch dann folgte wieder die Revue der vergebenen Chancen und der grottigen Überzahl: Wolfsburg generierte im Powerplay bei Weitem nicht die notwendige Anzahl an Möglichkeiten, Hamburg hingegen blieb auch in Unterzahl über Konter brandgefährlich.
Die beste Gelegenheit hatte dabei sogar der Gast, der einen 2 auf 1 Konter nicht erfolgreich abschließen konnte. Reimer hatte den Puck gerade noch zur Bogenlampe abfälschen können; der Puck landete knapp hinter der Latte auf dem Gehäuse.
Wie so oft im Sport kam es, wie es kommen musste: Die Freezers mobilisierten in der zweiten Drittelhälfte noch einmal alle Kräfte, schafften den Shorthander zwar auch in einer zweiten brisanten Situation nicht, konnten aber letztlich doch noch ausgleichen.
Zum ersten Mal hatte der Gast seine, offenbar doch vorhandenen, spielerischen Möglichkeiten offenbart und prompt durch Wolfsburgs speziellen Freund Brett Engelhardt das dritte Mal den Ausgleich markieren können (57.).
Wolfsburg versuchte zwar zu antworten, kassierte aber nur wenige Augenblick nach Wiederanpfiff eine Strafe gegen Kapitän Sloan, die die Arena vor Wut kochen ließ. Es wirkte wie Statistikkosmetik, was der HSR da fabrizierte...
Nach erfolgreich überstandener Strafe ging’s dann fast übergangslos in die Verlängerung.


Verlängerung

Die Grizzlies und die Overtime – das ist eine Geschichte voller Missverständnisse.
Während die Gastgeber ein kleines Bombardement auf Martinovic starteten, beließen es die Gäste einmal mehr bei einem nüchternen, trockenen Schuss ins lange Eck durch Rainer Köttstorfer (64.Min). Zuvor hatte der leitende Referee seine haarsträubende Leistung mit einem „Knaller“ zugunsten (!) der Grizzlies gekrönt, als er den an der blauen Linie mal wieder „verunfallten“ Robbie Bina mit einem Haken aus dem Bilderbuch straflos davonkommen ließ. Es fehlte eigentlich nur noch, dass Bina freiwillig auf die Strafbank gefahren wäre und Klau ihn wieder zurück geholt hätte. Lachhaft! Die siebte Niederlage außerhalb der regulären Spielzeit war unter Dach und Fach...

Mein subjektiver Eindruck:
Die Null-Toleranz Regelauslegung, die durch die IIHF vor Jahr und Tag weltweit angemahnt und anfangs auch umgesetzt wurde, ist offenbar endgültig tot. Was sich die Grizzlies als läuferisch überlegenes Teams unter der tumben Leitung eines Stephan Bauer oder eines Steffen Klau bieten lassen mussten, grenzt an blanken Hohn und leistet dem, auch schon vor einem Uwe Krupp als Nationaltrainer, so verpönten deutschen Rumpelhockey 1a Vorschub. Langsame Spieler arbeiten also einfach viel mit Beinstellen, Halten, Haken und Behinderung und leiten dann die Konter über einen der schnelleren Spieler im Team ein – der dann auch wieder gehakt und gehalten wird.
Das ändert natürlich nichts an den eklatanten Schwankungen in der Effektivität des Grizzlyspiels. Es wäre allerdings schön, wenn diese Schwankungen ihre negativen Ausschläge mehr in der Fremde und weniger vor heimischem Publikum hätten.
Manchmal fragt man sich, wie das Ganze in den Playoffs vonstatten gehen soll: Da werden derart viele Spiele knapp oder in der Overtime entschieden – man könnte schon im Vorfeld depressiv werden...

Tor
Reimer mit einer seiner schwächeren Leistungen. Zwei bis drei hervorragenden Saves stand der eher unglückliche Eindruck bei der Mehrzahl der Gegentore entgegen. Dshuni-Time, würde ich tippen.

Verteidigung
Fischer und Alavaara ungewohnt anfällig, Stellungsspiel war ebenfalls schon mal besser. Da wird’s wohl eine ausgedehnte Videoanalyse geben.
Was Teile der Wolfsburger Presse an positiver Entwicklung bei Robbie Bina ausgemacht haben wollen...ich kann es nicht sehen. Wieder mit saudämlichen Strafzeiten, wobei die dümmste in der Verlängerung sogar ungesühnt blieb. Immer wieder versagt Bina an der blauen Linie und leistet sich Puckverluste, die einfach nur noch peinlich sind. Der Mann belegt eine Kontingentstelle!!!
Traynor i.O., Sloan, Schmidt u. Wurm weiterhin in guter Form.


Sturm
Die Reihe um Haskins rockt! Allen voran Jeff Hoggan, der jetzt wieder an die Leistungen vor seiner Verletzung anknüpfen kann und obendrein sogar eine Bude nach der anderen macht. Verlängern den Mann, bevor andere ihn in dieser Form bei sich zu Gast haben, obwohl: In Mannheim war er ja nun schon!
Die Reihe um Hospelt wusste leider, wie auch die anderen beiden Reihen, vor dem Tor einfach nicht zu überzeugen. Auch defensiv mit einigen Fehlentscheidungen! Lediglich Kenny bringt ungefähr das, was man von ihm erwarten darf. Wenn alle Reihen ihre Möglichkeiten abrufen...aber wie oft will ich das noch zum Besten geben. mb