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EHC - Krefeld Pinguine 3:2 n.P.

Nach der unglücklichen Niederlage im Spitzenspiel gegen den Tabellenführer aus Berlin, folgte für die Grizzlies nun die zweite große Herausforderung des Wochenendes. Mit dem neuen Tabellenzweiten aus Krefeld gastierte allerdings ein Team in der heimischen Eisarena, gegen welches die Bilanz der Wolfsburger im Vergleich zum Meisterschaftsfavoriten bisher weitaus positiver ausfiel. Im Kampf um einen der ersten vier Plätze zählte also erneut nur ein Sieg...

 
1.Drittel
...doch der Weg dorthin sollte äußerst steinig werden.
Im Auftaktdrittel gehörten den Gastgebern eindeutig die ersten zehn Minuten der Begegnung. Wie zuletzt so häufig zu beobachten, ließen die Grizzlies allerdings wiederum einiges an Einschussmöglichkeiten ungenutzt und konnten lediglich ein Mal in dieser Drangphase jubeln. Tyler Haskins machte es seinem Team eigentlich vor, als er den Puck mit viel Zug zum Tor im Nachschuss über die Linie drücken konnte (10.)...doch seine Teamkameraden schienen keine Anstalten zur Nachahmung zu machen. Im Gegenteil: Nur eine Minute nach dem Führungstreffer dezimierte sich das Team von Pavel Gross durch eine Strafe wegen 6 Spielern auf dem Eis selber und verlor in der Folgezeit, eigentlich bis zum Pausenpfiff, fast komplett den Rhythmus. Wolfsburg geriet nun verstärkt unter Druck, kassierte anschließend noch zwei weitere Strafen und letztlich auch den 1:1 Ausgleich. Ganze 14 Sekunden hatte Martinovic in der Schlussminute des 1.Drittels auf der Strafbank Platz genommen, da ging es für den Wolfsburger auch schon – wie selbstverständlich – zurück aufs Eis. Piettas Ausgleich stellte auch gleichzeitig den durchaus gerechten Zwischenstand zur ersten Pause her.

2.Drittel
Dieses Drittel komprimierte die gesamte momentane Misere des EHC auf zwanzig äußerst frustrierende Minuten. Wolfsburg investierte ein unglaubliches Laufpensum in diesen Mittelabschnitt, kam immer wieder zu guten Gelegenheiten, spielte teilweise sehenswert bis vors gegnerische Tor – und versagte dort teils unglücklich, teils inkonsequent. Zusätzlich verursachte der Wirbel der Grizzlies ganze fünf(!) Strafzeiten gegen die Gäste aus der Seidenstadt, die die Problematik vor dem Tor des Gegners nur noch schmerzhafter zutage brachten. Einzig Gästestürmer Verwey sorgte durch drei Strafzeiten hintereinander für so etwas wie Erheiterung in den Reihen der Heimfans, ansonsten gab es nicht viel Erbauliches zu beobachten. Torlos verstrich dieser komplette Spielabschnitt, der sowohl leidenschaftlich und mit aller Härte kämpfende Gäste auf der einen und spielerisch nur bei Gleichzahl überzeugende Gastgeber auf der anderen Seite zeigte.
Positiv aus Sicht der Grizzlies konnte lediglich die Tatsache vermerkt werden, dass so etwas wie ein Nachlassen oder Aufgeben zu keinem Zeitpunkt auszumachen war.
Genervt ging es für Team und Fans zum zweiten Mal in die Pause.

   
3.Drittel
Was kommt nach einer aufwendigen, aber effektlosen Spielphase? Richtig: Der Gegentreffer! Wolfsburgs Laliberte frönte in der 44.Minute hinter dem eigenen Tor dem Sekundenschlaf, Krefelds Strafbankkomiker Verwey nimmt den Puck im Vorbeifahren mit und legt Justin Kelly zum 1:2 aus nächster Nähe auf. Dshunussow blieb beim aus kurzer Distanz in den Winkel bugsierten Schuss so gut wie keine Abwehrchance: Der Frustsupergau war perfekt.
Was folgte war hingegen eine Demonstration der schier unglaublichen Frustrationstoleranz der diesjährigen Mannschaft. Nachdem die Grizzlies sich einige Minuten im allgemeinen Gestocher zu verlieren drohten und ab Mitte des Drittels auch noch eine Unterzahl zu überstehen hatten, fanden sie trotzdem zu ihrem gewohnt intensiven Spiel zurück und setzten sogar noch eins obendrauf! Woher das Team von Pavel Gross nach dieser endlos erscheinenden Reihe von Fehlschlägen und Sturmläufe, gerade nach den Erlebnissen der letzten Wochen, die Moral hernahm, um die eigenen Grenzen wieder ein Stück zu verschieben – es bleibt ein Rätsel. Wie besessen arbeitete Wolfsburg auf den Kasten des vorzüglich haltenden Langkow hin, rannte immer und immer wieder an und scheiterte bis kurz vor Schluss immer und immer wieder...
Dass es doch noch in die Verlängerung ging, verdankte das Team des EHC dann tatsächlich einem Treffer im Powerplay – einem Ereignis, das zu diesem Zeitpunkt fast etwas surrealistisches hatte.
Ohne Dshunussow im Tor hatten die Grizzlies aus einem 5 gegen 4 ein risikoreicheres 6 gegen 4 gemacht und in Person von Jason Ulmer 49 Sekunden vor dem Ende doch noch das mehr als verdiente 2:2 erzielen können.
Die Halle explodierte förmlich angesichts des für nicht mehr möglich Gehaltenen!

Verlängerung
Wiederum Jason Ulmer war es, der nach rund zwei Minuten den Sack hätte zubinden können. Doch statt den Puck in der freien Seite des Gehäuses unterzubringen, traf der Wolfsburger Center lediglich Schlussmann Scott Langkow, der nun auch das Glück des Tüchtigen für sich in Anspruch nehmen konnte. Ansonsten bot sich das Bild des Schlussabschnitts: Wolfsburg rannte an, Krefeld überzeugte mit gutem Stellungsspiel und taktischer Disziplin. Es folgte also das an der Aller so gefürchtete Penaltyschießen...

Penaltyschießen
Als wäre mit dem Powerplaytor das letzte Tabu der Grizzlies gefallen, legten diese auch gleich einen bärenstarken Auftritt in ihrer „Spezialdisziplin“ hin. Laliberte und Ulmer verwandelten ihre Versuche cool und gekonnt, Dshunussow wehrte zunächst Vasiljevs Schuss ab, Pavlikovsky traf nur den Pfosten und der zweite Punkt blieb doch tatsächlich in Wolfsburg. Verwunderung mischte sich schnell mit allgemeiner Begeisterung auf den Rängen – dieses Ende hatten wohl die wenigsten noch erwartet. Umso besser schmeckte der späte Triumph!

Mein subjektiver Eindruck:
Die Moral in dieser Truppe ist kaum noch nachvollziehbar.
Was hat man in den letzten zwei bis drei Wochen an quälenden und frustrierenden Erlebnissen schlucken müssen. Immer wieder zahlen sich Aufwand und Überwindung nicht oder nur unzureichend aus und trotzdem rennt diese Mannschaft wie ein Rammbock gegen die sich auftürmenden Berge aus Ladehemmungen und fehlendem Scheibenglück an. Dieser Geist kann ein Team zur Meisterschaft führen – doch ohne Tore, vor allem im Powerplay, wird das natürlich nicht reichen. Mehr dazu weiter unten.

Tor
Dshuni mit ein oder zwei riskanten Aktionen. Einmal bügelte er einen ungünstigen Abpraller spektakulär selber aus und ließ dabei wohl den einen oder anderen Atem auf der Tribüne stocken!
Ansonsten fehlerlos und bei beiden Gegentreffern komplett machtlos. Im Penaltyschießen weiterhin das Beste, was wir seit Langem in Wolfsburg hatten!

Verteidigung
Bis auf die mangelnde Torgefahr von der blauen Linie gibt es hier, wie so oft, kaum etwas zu auszusetzen. Was mir weiterhin ein Rätsel bleibt: Warum bekommt Bina so viel Eiszeit? Der Mann ist gedanklich einfach nicht schnell genug für die DEL und reagiert in entscheidenden Momenten, vor allem bei schnellen Kontern der Gegner häufig einfach den entscheidenden Moment zu spät. Darüber hinaus sollte statt seiner Wurm vermehrt im Powerplay an der blauen Linie postiert werden – der verfügt wenigstens über ’nen harten Schuss und kann so für entsprechende Rebounds sorgen...womit wir auch schon beim nächsten Thema wären.

Sturm
Der EHC hat ein eklatantes Problem vor dem gegnerischen Tor. Während Haskins und Höhenleitner noch den viel beschworenen Zug zum Tor zeigen – in Höhenleitners Fall in höchst erfreulichem Maße – so bekleckert sich der Rest der Truppe nicht gerade mit Ruhm, wenn es um den Gang in den schmerzhaften Bereich vor dem gegnerischen Torhüter geht. Weitere Folge: Der Gegner steht häufig mit drei Spielern in der Nähe der eigenen blauen Linie und kann schnell kontern.
In Überzahl wird das Fehlen der beiden Arbeitstiere Hoggan und Magowan dann besonders deutlich: Rebounds werden kaum verwertet, der gegnerische Goalie wird schnell zum Helden, wenn er mit freier Sicht reagieren kann und die eigenen Chancen bleiben einfach zu ungefährlich. Es müssen jetzt andere in die Bresche springen, bis die beiden Verrückten wieder da sind – und das möglichst schnell, da bei Magowan wohl erst nach der Länderspielpause mit einer Rückkehr zu rechnen ist!
Zum Schluss noch etwas Positives: Was Milley in letzter Zeit aufs Eis zaubert, ist das Eintrittsgeld alleine wert. Der Stürmer der Grizzlies scheint von Jahr zu Jahr mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln und spielt mittlerweile die halbe Liga schwindelig. Was häufig zur totalen Ekstase auf den Rängen fehlt, ist der erfolgreiche Abschluss bzw. der kongeniale Partner, der sich genau dort zum Abschluss postiert, wo Milleys grandiose Soli die Lücken reißen! mb

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