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EHC - Adler Mannheim 1:0

Auch das letzte Hauptrundenduell mit den Adlern aus Mannheim sollte die Erfahrungen der ersten drei Begegnungen mehr als bestätigen. Wie in den vorangegangenen Partien präsentierten sich die beiden Kontrahenten extrem defensivstark und gestalteten das Geschehen auf dem Eis äußerst spannend...und äußerst torarm. Zum vierten Mal endete das Aufeinandertreffen mit dem Starensemble aus der Kurpfalz mit einem eher dem Rasensport zuzuordnenden Ergebnis und wusste dabei trotzdem zu gefallen. Selten hatte man in der Eisarena so viele zufriedene Gesichter gesehen, obwohl lediglich zweimal Grund zum Jubeln bestanden hatte – einmal davon sogar erst durch den Abpfiff bedingt.

1.Drittel
Der Grizzlyexpress rollte sofort an. Wie aus Kanonen abgefeuert schossen die Spieler des EHC vom Start weg über das Eis und setzten die Gäste in allen Zonen massiv unter Druck. Der Mannheimer Spielaufbau fand folglich nur nach dem Zufallsprinzip statt, während die Gastgeber sich ständig bemüht zeigten aus den vielen Puckgewinnen etwas Zählbares zu erzeugen.
Doch wie schon in den drei vorangegangenen Duellen dieser Saison, avancierte Fred Brathwaite hinter einer konzentriert agierenden Defensive zum großen Helden der Adler. Während seine Vorderleute ums nackte Überleben kämpften, wehrte besagter Schlussmann alles ab, was auf seinen Kasten kam. Auch in Unterzahl hielt Brathwaite seine Farben zweimal im Spiel, während die Grizzlies ihrerseits ein Überzahlspiel der Adler weitestgehend neutralisieren konnten. Im Anschluss an eben diese Powerplaysituation (11.-13.) der Gäste, kam es dann zur besten Chance für die Hausherren. Strakhov war über links in Richtung Tor geeilt und hatte von Goc bedrängt den Puck durch die Schoner von Brathwaite schießen können...leider an den Außenpfosten!
Mannheim wehrte sich zunehmend mit Härte gegen den Dauerdruck der Grizzlies und ging dabei vor allem in Person von Michael Glumac über die Grenzen des erlaubten. Nachdem der Mannheimer Stürmer schon in den Anfangsminuten einen fragwürdigen Check gegen den Kopf von Jeff Hoggan ausgeführt hatte, durfte er nach einer identischen Aktion an exakt der gleichen Stelle des Eises in der 19.Spielminute dann doch einmal zum Nachdenken auf die Strafbank. HSR Aumüller hatte bis zu diesem Zeitpunkt so Manches laufen lassen, was den Gästen in ihrer leicht überfordert wirkenden Art der Spielführung entgegenkam.
Tore gab es, dank Brathwaite, jedoch bis zum ersten Pausenpfiff keine zu bejubeln.

2.Drittel
Wolfsburg startete in Überzahl, nahm den Schwung der numerischen Überlegenheit mit in die Folgezeit und setzte den Gästen weiter enorm zu. Mannheim hingegen fand im Mitteldrittel offensiv praktisch nicht statt, kämpfte stattdessen weiter mit Mann und Maus gegen die Übermacht der Gastgeber und hatte damit zunächst weiter Erfolg.
Es war schlicht zum Verrücktwerden, was Hospelt, Laliberte, Haskins und Co. an Chancen versiebten und auch in allen drei Überzahlspielen des Mittelabschnitts vor allem im Slot an Nachschusschancen verpassten.
Ausgerechnet bei 5 gegen 5 gelang dann doch noch der goldene Treffer des Abends. Schütze war der in den letzten zwei Wochen zu Galaform auflaufende John Laliberte, der die erneut grandiose Leistung seiner Reihe mit diesem wichtigen Tor (35.Min) krönen konnte. Eine Ablage in den hohen Slot aus dem Gewühl hatte letztlich das lang ersehnte Erfolgserlebnis gebracht, doch am Spielverlauf ändert das rein gar nichts.
Strakhov, Hoggan, Fischer: Alle scheiterten in weiteren Versuchen. Als schließlich Andy Morczinietz aus vollem Lauf zum Tor ziehen und per Rückhandheber abschließen konnte, blieb der Halle ebenfalls der Torjubel im Halse stecken. Brathwaite hatte im letzten Moment den Handschuh hochgezogen und den Puck mit dessen Rand über sein Gehäuse gelenkt.
Die Gäste kamen lediglich zweimal nennenswert vor den Kasten von Jochen Reimer, der in beiden Situation allerdings in allerhöchster Not gegen MacDonald parieren konnte. Sinnbildlich auch hier das Scheitern des Mannheimer Stürmers, der in bester Alleinikov-Manier das Abspiel auf den besser postierten Mitspieler verweigerte und lieber selber am bestens aufgelegten Schlussmann der Grizzlies scheiterte.
Beängstigend knapp in Führung ging es für die Hausherren zum zweiten Mal in die Kabinen.

3.Drittel
Der Sturmlauf der Grizzlies hielt weiter an, die Hilflosigkeit der Gäste wuchs. Erst Seidenberg (42.), dann erneut Glumac (44.) wegen eines zu hoch angesetzten Checks, durften je zwei Minuten auf der Sünderbank Platz nehmen. Glumacs Tendenz mit erhobenen Fäusten Richtung Kopf zu gehen, brachte ihm sogar zehn weitere Minuten zum Nachdenken ein – den Gastgebern sollte aber in keiner der beiden Situationen das erlösende zweite Tor gelingen.
Referee Aumüller ließ auch weiterhin so manch rustikale Einlage der Teams durchgehen, so dass die Intensität des Spiels bis zum Schlusspfiff kaum nachließ.
Im Gegenteil: Nachdem ein Überzahlspiel der Gäste (ab 51.) ohne nennenswerte Aktion geblieben war, drehten beide Seiten noch einmal richtig auf. Wolfsburg kam mit Lalibertes Schuss aus der Drehung und weiteren Gelegenheiten durch Hospelt und Haskins jedoch genauso wenig zum Erfolg, wie die Paradereihe der Adler um Glumac und Reinprecht.
Am Ende nützte auch den Gästen auch der sechste Feldspieler gegen bombensicher stehende Grizzlies nichts, die ihrerseits jedoch keinen Puckgewinn ernsthaft zum empty net verwerten wollten.
Selten hat man wohl eine Fangemeinde außerhalb der Play-offs ein 1:0 derart feiern sehen, wie an diesem Abend in der Wolfsburger Eisarena! Und auch die Mannschaft gestaltete die Ehrenrunde noch ein wenig euphorischer, als es sich dieses sichtlich intakte Team ohnehin zur Gewohnheit gemacht hat.

Mein subjektiver Eindruck:
Der unbändige Wille und diese unglaubliche Spielgeschwindigkeit der Grizzlies rissen ihre Fans von der ersten Minute an mit!
Ein einziges Fest, so eine Partie mitzuerleben. Der Unterschied lag letztlich im Zusammenspiel der einzelnen Akteure, der auf Seiten der Gastgeber vor allem im mangelhaften Spielaufbau und den fehlenden Offensivakzenten zu Tage trat. Während die Mannschaft aus der Volkswagenstadt das Zusammenspiel im Laufe der Saison immer weiter verfeinert hat und somit ihr unglaubliches läuferisches und konditionelles Potential immer besser in die Waagschale werfen kann, scheint der Gast aus Mannheim sich unter der Saison kaum entwickelt zu haben. Alleingänge, fehlender Blick für den Nebenmann und kaum eingespielt wirkende Reihen lassen die enorme Qualität im Team der Adler in den, zugegebenermaßen sehr strukturierten, Abwehrbemühungen erstarren. Uns soll’s recht sein! Ich danke an dieser Stelle noch einmal für Christopher Fischer und hoffe auch in Zukunft auf interessante Zugänge aus Mannheim, die dort hinter überbezahlten und reichlich satten Ausländern kaum zum Einsatz kommen.  

Tor
Reimer liefert die vierte Klasseleistung in Folge ab. Zum dritten Mal ohne einen einzigen größeren Fehler. Vielleicht kann sein offenbar feststehender Weggang noch einmal letzte Blockaden lösen und er läuft zur absoluten Überform auf – aber bitte bis zu den Play-offs damit warten!

Verteidigung
Die Verteidigerpaare ließen erneut so gut wie nichts anbrennen. Die 2-3 Aussetzer reparierte Jochen Reimer gewohnt souverän, so dass es nichts mit einem unverdienten Treffer der Gäste wurde. Das seit dem Spiel in München formierte Duo Alavaara/Bina scheint in erster Linie für Wackelkandidat Bina hilfreich zu sein, da der US-amerikanische Verteidiger in den letzten Partien weitaus weniger negative Highlights zu setzen vermochte wie noch zuvor.
Insgesamt wieder eine bockstarke Vorstellung unserer Defensivabteilung.

Sturm
Die Haskins-Reihe rockt weiter das Haus! Milley zaubert; Haskins rackert, rennt und provoziert, Laliberte vollstreckt. Sehr schön und sehr wichtig, da die Effektivität der Grizzlies weiterhin das Sorgenkind bleibt. Vor allem das Fehlen von Kenny bleibt schmerzlich zu erkennen.
Ein Sonderlob möchte ich an dieser Stelle unserem Neuzugang Toni Dahlman und der gesamten vierten Reihe mit Morczinietz und Strakhov aussprechen. Beeindruckender Kampf UND spielerische Qualität in der 4.(!)Reihe. In der Liga wohl absolut einmalig.
Trotzdem: Wann platzt endlich der große Tor-Knoten? mb


Nachtrag speziell zu den Spielen gegen Mannheim:
Wann merken unsere Spieler/Trainer eigentlich, dass Freddy Brathwaite flach so gut wie gar nicht zu besiegen ist? Lediglich komplett ausgespielt und im Nachschuss ist der Mann unten zu besiegen. Wieder viel zu wenig Schüsse auf die obere Stockhandecke und über die Schultern. Mit Verlaub: Der Mann ist genial, aber bestenfalls ein Sitzriese...