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EHC - Eisbären Berlin 3:5

In der mit 4503 Zuschauern zum ersten Mal während der Hauptrunde ausverkauften Eisarena gab es ein Spitzenspiel zu bewundern, das sich vor allem durch drei Aspekte von den meisten bisherigen Heimspielen unterschied:

1. Ein um 35 Minuten verzögerter Spielbeginn durch eine defekte Eismaschine
2. Mehr als eine handvoll Gästefans – es waren sogar weit über 1000
3. Ein zum running gag mutierender Spielverlauf gegen den Club, der überhaupt nicht mehr Dynamo heißt, aber von vielen immer noch so genannt wird...
 
1.Drittel
Nach rekordverdächtigen 9 Sekunden durfte Starverteidiger Derrick Walser gleich zum ersten Mal für die Gäste die Strafbank anwärmen. Doch seine vier auf dem Eis verbliebenen Kollegen standen dem kanadischen Scharfschützen der Eisbären in Sachen Einsatz und (Über)motivation in nichts nach und ließen das Powerplay der Gastgeber eindrucksvoll im Sand verlaufen. Die Partie nahm umgehend richtig Fahrt auf und beide Teams drückten mächtig aufs Gas – mit sehr unterschiedlichem Effekt.
Für die stets einen letzten Tick schneller agierenden Gäste brachte die erste Überzahl dann auch gleich den ersten Treffer zum frühen 0:1. Eben jener Scharfschütze Walser hatte den Puck von der blauen Linie locker an Freund und Feind vorbeigeschlenzt und letztlich das Glück, dass der verdeckte Schuss im letzten Moment obendrein abgefälscht wurde. Damit war die Geschichte des Spiels auch schon fast erzählt.
Wolfsburg rannte in der Folgezeit gegen den gut organisierten Gegner an, erarbeitete sich vor allem dank der vierten (!) Reihe Torchance um Torchance...und wurde in einer rustikal geführten und gepfiffenen Partie durch eine Witzstrafe wegen Haltens an der Bande (gegen Paul Traynor) wieder aus dem Tritt gebracht.
Nach überstandener Strafe fanden die Gastgeber mühsam wieder zurück ins Spiel und erspielten sich weitere Gelegenheiten den verdienten Ausgleich zu erzielen. Doch den Treffer erzielten wiederum die Gäste. Einen hohen Befreiungsschuss/pass der Eisbären fischte der Wolfsburger Robbie Bina etwas hüftsteif an der eigenen blauen Linie aus der Luft, nur um ihn einem heranrauschenden Eisbär direkt auf die Kelle zu legen. Dessen Zuspiel verwertete der enteilte Rankel, der mit einer Hand am Stock den Goalie der Grizzlies sehenswert zum 0:2 umspielen konnte. 41 Sekunden vor der ersten Pause ein geradezu „traumhafter“ Moment für einen derartigen Aussetzer.

2.Drittel
Mit frischem Mut kamen Fans und Team der Grizzlies aus den Startlöchern zum zweiten Drittel – und mussten gleich den nächsten Tiefschlag verdauen. Aus spitzem Winkel gelang den Eisbären, nach nicht einmal drei gespielten Minuten, der nächste Torerfolg! Und das, obwohl es nicht einmal nach einer echten Chance ausgesehen hatte: Reimer hatte sich den Puck über die Schulter in die Torhüterecke spitzeln lassen, die Partie schien gelaufen. Mit fast Nichts hatten die Eisbären bereits ihren dritten Treffer markieren können, während die Mannschaft von Pavel Gross ein ums andere Mal im Abschluss zu kompliziert oder einfach entnervend unglücklich agierte.
Doch der Wille der Grizzlies war noch nicht gebrochen. Dem erneut aufflammenden Druck der Gastgeber folgten schließlich zwei Strafen gegen die Hauptstädter, die sich zwischen der 26. und 28.Minute sogar anderthalb Minuten in doppelter Unterzahl den Grizzlies gegenüber sahen. Zum Leidwesen der Heimfans zeigten diese allerdings eines ihrer mittlerweile eher von den eigenen Reihen gefürchteten Überzahlspiele, so dass es eigentlich keine einzige nennenswert positive Aktion aus Sicht der Gastgeber zu verzeichnen gab. Im Prinzip bestand diese eigentlich verheißungsvolle Phase ausschließlich aus hilflosen Pässen und dem Zurückholen des herausgeschossenen Spielgeräts in die Angriffszone. 
Kaum wieder komplett, schlug Berlin dann zum vierten Mal zu, wobei Hördlers Schuss von der Blauen zwar etwas verdeckt, aber alles andere als haltbar schien.
In der 38.Minute, die Grizzlies ließen nun doch schon ein wenig die Köpfe hängen, folgte dann mit dem 0:5 der entgültige Knockout für die Gastgeber. TJ Mulock schloss eine sehenswerte und rasend schnell vorgetragene Kombination der Eisbären zum Schlusspunkt des Mitteldrittel ab. Das Debakel war komplett.

3.Drittel
Der Gast nahm nun spürbar den Dynamo vom Reifen und überlies den zusehends aggressiver und um Frustabbau bemühten Grizzlies das Feld. Dem 1:5 durch Norm Milley (45.) folgte dann auch ein weiterer Sturmlauf der – eigentlich hoffnungslos zurückliegenden – Wolfsburger, die sich auch prompt weitere Hochkaräter erspielten.
Eisbärencoach Jackson schaute sich das Treiben allerdings nur kurz mit an und nahm klugerweise zeitnah die ihm zustehende Auszeit (48.), um das Spiel wieder in den Griff zu bekommen.
Wenn dies auch nicht vollkommen gelang, so brachte es den Gästen etwas Übersicht in ihre Aktionen zurück – mehr aber auch nicht. Die Grizzlies kämpften weiter, als ob es noch etwas zu beweisen gelte und brachten den Verfolger von der Spree ein ums andere Mal ins Schwitzen. Doch erst in den letzten beiden Spielminuten sollten dem EHC zwei weitere, hoch verdiente Treffer gelingen.
Morczinietz’ 2:5 und Laliberte 3:5 in der vorletzten und letzten Minute brachten allerdings nur die, aus Sicht der Gastgeber, mehr als gerechte Ergebniskorrektur. Etwas Zählbares gab es für die tapfer weiterfightenden Cracks von der Aller letztlich nicht zu bejubeln. 

Mein subjektiver Eindruck:
Sosehr mich der Einsatz unserer Truppe im letzten Spielabschnitt auch beeindruckte, sosehr deprimierte mich das Fehlen des allerletzten Bisses in den beiden ersten Dritteln. Darüber hinaus erreichte unsere Abschlussschwäche gegen die Eisbären und das Scheibenglück eben jener in den Partien gegen uns geradezu groteske Höhen. Zusammen ergab das auch beim vierten Mal eine im Ergebnis höchst unverdauliche Mischung, die sich trotzdem bisher immer ganz gut anschauen ließ.
Sollte man in den Play-offs auf Berlin treffen, dürfte ein Studium der gegen Berlin erfolgreicheren Mannschaften unumgänglich sein. Offenbar passt unser Spielsystem gegen jeden Gegner – außer er heißt Eisbären Berlin.
 

Tor
Wenn man zwei gleich starke Torhüter hat, ist der Trainer nicht immer nur zu beneiden. Erwischt einer einen schwarzen Tag, dann fragen die Leute, warum eben genau jener zwischen den Pfosten stand und in diesem speziellen Fall wohl auch, warum der andere nur ein Spiel machen durfte...
Reimer erwischte sogar einen rabenschwarzen Tag und nahm nach dem Spiel wohl auch den dritten Treffer auf seine Kappe. Dass er auch bei einigen anderen Gegentoren zumindest nicht überragend aussah, machte die Sache aber noch wesentlich hoffnungsloser, als sie ohnehin wohl gewesen wäre...
 

Verteidigung
...denn auch die Verteidigung hatte nicht gerade ihren Sahnetag erwischt. Ein reichlich fahrig wirkender Alavaara gesellte sich zu einem zu alter „Gedankenschnelligkeit“ zurückkehrenden Robbie Bina. Mit seiner genial unbeholfenen Aktion zum 0:2 leitete der in der DEL immer wieder überfordert wirkende US-Amerikaner die Niederlage entscheidend mit ein. Dem schnellen Umschalten der Gäste konnte der eine oder andere letztlich nicht durchgängig gerecht werden, doch gerade Bina und Martinovic ließen Sloan und Wurm schmerzlich vermissen. Ich hoffe, bete und tanze zur Not auch, dass bei Kennys Rückkehr kein Stürmer auf die Tribüne weichen muss. Bina ist und bleibt für mich ein besserer Zweitligaverteidiger und gegen läuferisch starke Teams ein Kreislaufmittel aller erster Kajüte. Punkt. Aus.

Sturm
Passend zum Spielverlauf kassierte die dritte (oder vierte?) Reihe um Ulmer, Sulkovsky und Höhenleitner trotz starker Vorstellung – gerade im Auftaktdrittel – ganze drei der fünf Gegentore. Zwar eins duseliger als das andere, aber trotzdem eben symptomatisch für das ganze Elend dieses Spiels. Hospelt mit Furchner und Hoggan bleibt weiter ein Rohrkrepierer. Während Hospelt seiner Form hinterher rennt, kommt von seinen Flügelstürmern außer Kampf kaum Sinnvolles in Tornähe zustande. Vielleicht überdenkenswert, trotz all der Alibi-Torschüsse, die dieses Trio abliefert.
Haskins mit Laliberte und Milley weiter gefällig, wobei vor allem Haskins als einer der wenigen volle 60 Minuten irrwitzigen Biss zeigte. Eben jenen Biss, den man braucht, um Berlin zu schlagen.
Strakhov und Morczinietz gefallen mir mit Dahlman weiterhin recht gut, wobei man den finnischen Neuzugang gerne einmal mit anderen Nebenleuten testen darf...
Insgesamt auch wieder ein etwas zu druckloser Auftritt im Slot, der gegen die Eisbären härter als gegen jedes andere Team in der Liga bestraft wird. Fazit: Kenny darf jetzt mal langsam wieder zurück kommen! mb

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