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(PO) EHC - Kölner Haie 4:1

Im Auftaktmatch der Viertelfinalserie gegen Köln hatte der Vorrundenerste aus Wolfsburg sich einen schnellen Einstieg in die diesjährigen Playoff vorgenommen. Die Haie, die als Vorrunden-Neunter die beste Rückrunde aller Teams gespielt hatten, durften als weitaus besser als ihr Tabellenrang eingeschätzt werden und befanden sich durch die Pre-Playoffs zudem voll im Rhythmus.
Die Grizzlies waren also gewarnt.

1.Drittel
Die Anfangsminuten machten schnell deutlich, dass die Gastgeber ihren Tempovorteil sofort nutzen und die Haie mit geradezu halsbrecherischer Geschwindigkeit beeindrucken wollten.
Gästekeeper aus den Birken stand praktisch sofort unter Beschuss und erhielt reihenweise Gelegenheiten sich auszuzeichnen. Was als Demonstration der Stärke gedacht war, endete nach knapp drei gespielten Minuten jedoch als kalte Dusche für die Grizzlies: Chris Lee gelang, gleich mit der ersten guten Einschussmöglichkeit der Gäste, der Treffer zum 0:1. Der Haie-Verteidiger hatte eine schöne Kombination seiner Mitspieler aus dem hohen Slot knochentrocken abschlossen – und löste einmütiges Kopfschütteln in orange auf den Rängen aus.
Doch damit der Tiefschläge nicht genug. Die weiter extrem intensiv geführte Partie, die nun Chancen auf beiden Seiten zu verzeichnen hatte, wurde bereits in der 7.Minute durch eine weitere – aus EHC-Sicht – äußerst unerfreuliche Situation unterbrochen. Paul Traynor hatte den Puck hinter dem bereits geschlagenen Jochen Reimer mit der Hand gegen dessen Ausrüstung geschoben, was die Referees nach der „Fallen auf den Puck“ Regel (Regel 611) mit einem Penaltyschuss ahndeten. Korrekt, aber dramatisch aus Sicht der Gastgeber. Weniger korrekt allerdings war die Auswahl des Penaltyschützen, der in Person von Matt Pettinger mangels Anwesenheit bei Regelverstoß nicht berechtigt war diesen Strafschuss auszuführen. Im gellenden Pfeifkonzert der Heimfans trat der Kölner Torjäger also zum Ausbau der Gästeführung an...und scheiterte am genial reagierenden Reimer im Tor der Grizzlies. Und die Partie kippte!
Der EHC drehte in Sachen Intensität noch einmal an der Stellschraube; jeder verlorengegangene Puck wurde unbarmherzig verfolgt, jedes Zögern im Spielaufbau der Gäste mit giftigem Forechecking bestraft. Die Haie gerieten nun in eine Haltung zum Spiel, die sie bis zum Ende nur selten wieder verlassen würden. Fortan reagierten diese mit immer dem gleichen Rezept – Härte, die weitestgehend playoff-üblich ihren Zweck erfüllte, Stockfouls und Provokationen, die wohl eher ein Zeichen der Hilflosigkeit darstellten.
Im Rahmen der nun anstehenden Strafen gelang den Grizzlies folglich auch die Wende auf dem Scoreboard.  Wenn auch in doppelter Überzahl einmal wieder keine Treffer fallen sollten, so war der Gastgeber bis zur ersten Sirene gleich zweimal im 5 gegen 4 erfolgreich.
In der 11.Minute war es zunächst Andy Morczinietz, der den enormen Druck im Slot zum 1:1 Ausgleich abstauben konnte. Seine Mitspieler hatten den Puck unter aus den Birken hindurch gearbeitet, der Wolfsburger Außenstürmer musste den Puck nur noch über die Linie drücken.
Auch Treffer Nr.2, den Tyler Haskins in der 17.Minute markieren konnte, stellte ein Ergebnis der harten Arbeiten in Nähe des Kölner Torraums dar und fiel folglich im Rebound.
Einige sehenswerte Checks und ebenso viele „Nettigkeiten“ später ging es dann zum ersten Mal in die Kabinen. Zeit, Luft zu holen...

2.Drittel
Härte, Tempo, Strafen, versteckte Nickligkeiten auf beiden Seiten: Playoff-Hockey, wie man es liebt. Die Strafenverteilung sollte nun, ob berechtigt oder nicht, wesentlich gleichmäßiger vonstatten gehen, so dass auch die Spielanteile ausgeglichener schienen. Fakt blieb: Die Gastgeber hatten, egal ob bei 5-5 oder 4-4, meist das Sagen auf dem Eis und blieben in ihren Aktionen effektiver als der Herausforderer vom Rhein.
Für das Highlight der Kategorie „Doofe Strafen, die nur dem Gegner nützen“ sorgte dann mit Matt Pettinger auch erneut ein Hai. Der 423fache NHL-Spieler geriet in der Wechselzone der Grizzlies mit gleich mehreren gegnerischen Spielern aneinander, blockierte den Betrieb schließlich komplett...und durfte auf der Strafbank Platz nehmen (29.). Letztere demolierte der Kanadier beim wütenden „Versuch“ sie zu schließen und konnte sich glücklich schätzen, dass das Schiedsrichtergespann keinen Nachschlag servierte.
Kurz bevor Pettinger zurückkehrte, hatte Moritz Müller bereits den Platz neben ihm bezogen und so durfte er dem 3:1 durch Kenny Magowan gerade noch live beiwohnen. Und wieder hatte ein Wolfsburger Stürmer sich robust im Slot positioniert und den Nachschuss im Vorwärtsfallen im Netz untergebracht. Der vorbildliche Drang zum Tor der Grizzlies hatte erneut Früchte getragen und die Halle war nun restlos begeistert. Während die Gäste ihre folgenden Überzahlspiele nicht in Zählbares verwandeln konnten, verabschiedeten sie sich wiederum standesgemäß mit einem dusseligen Foul in die zweite Pause. Jaspers handelte sich noch während der Schlusssirene eine Strafe wegen hohen Stocks ein – Szenen, die einen Trainer schier durchdrehen lassen...

3.Drittel
Der EHC erinnerte im Schlussabschnitt nicht einen Moment an die zuletzt mäßigen dritten Drittel der letzten Begegnungen. Kein Schlendrian bei Wolfsburg, sondern aufkeimende Verzweiflung und blanke Wut auf Seiten der Haie prägten diesen letzten Spielabschnitt. Sparres Stockstich aus der 50.Minute stellte schließlich den unrühmlichen Höhepunkt dieser Entwicklung dar, was dem Kölner Stürmer auch prompt das vorgezogene Duschvergnügen bescherte.
Als sich der Gast aus der Domstadt in der 56.Minute schließlich das insgesamt vierte Powerplaytor, diesmal durch einen Laliberte-Hammer, eingefangen hatte, waren die Messen endgültig gelesen. Der folgende Videobeweis hatte aufgrund der Deutlichkeit des Treffers (und des Spielstandes) dann auch kaum jemanden im weiten Rund beunruhigen können.
Der erste Sieg der Playoffs 2010/2011 war unter Dach und Fach – die Vorfreude auf Kommendes wiederum ein Stück größer!


Mein subjektiver Eindruck:
Nach dem etwas überdrehten Beginn fing sich unser Team doch recht gut und konnte sich letztlich bei Jochen Reimer bedanken, der mit dem gehaltenen Penalty den Kölner Optimismus in Schach und die Grizzlies im Spiel hielt. So konnte der etwas aus der Übung gekommene Grizzly aus der Höhle kommen, sich in Spiellaune bringen und letztlich die Krallen platzieren, wo sie richtig weh tun.
Was mich wirklich über die Maßen begeisterte, war die Arbeit in Tornähe und die Bewegung zum Tor und zum Nachschuss. Wenn die Grizzlies weiter derart gierig und doch koordiniert im Slot zu Werke gehen, dann sollte die oft so vermisste Effektivität keine Rolle spielen.
Mein Tipp (der sowieso Bestandteil der Videoanalyse sein wird): Alle vier Tore in der Endlosschleife analysieren. Derartiger Druck aufs Tor ist so gut wie unmöglich zu verteidigen!

Tor
Jochen Reimer mit einer formidablen Leistung. Nicht nur beim Penalty, sondern über die gesamte Spieldauer blieb der Wolfsburger Goalie eiskalt und entschärfte teilweise schwierigste, weil verdeckte Schüsse. Hat sich mit dieser Leistung erst einmal auf Nr.1 gesetzt.

Verteidigung
Durch die Bank ansprechende Leistung. Besonders unterhaltsam war dabei Paul Traynor, der ständig mit seiner Wut zu kämpfen hatte – letztlich aber mehr Strafen verursachte, als bekam. Das dürfte einige interessante „Wiedersehen“ in dieser Serie geben...
Ganz nebenbei bestand Robbie Bina seinen ersten Playoff-Test. Ich bin zunächst angenehm überrascht und auch sehr gespannt, ob er dieses Niveau weiter gehen kann.
Sloan, Wurm, Alavaara und Fischer: Allesamt souverän und engagiert, Armins 2+10 allerdings überflüssig im Stile der Kölner Vergehen.

Sturm
Die erste und zweite Reihe strahlten massig Torgefahr aus. Haskins und Magowan machen Druck im Slot, Ulmer lenkt das Spiel, Milley und Laliberte zocken und Hospelt schießt aus allen Lagen. Reihen Nr. 3 und 4 kämpfen wie bekloppt und schnüren dem Gegner die Luft ab und werden – wie schon in der Hauptrunde zu sehen – auch wieder für Torgefahr sorgen. Einzig der Ausfall des erfrischend einfallsreich aufspielenden Morczinietz schmerzt in der Abteilung Attacke doch sehr. Nicht nur sein wichtiges Tor, sondern auch das etwas robustere und einfallsreichere Auftreten unseres Andys hatten es mir in den ersten beiden Spielabschnitt sehr angetan. Hoffen wir, dass er vielleicht am Sonntag schon an das Gezeigte anknüpfen kann.
Ihm und unseren beiden langfristiger Verletzten Jeff Hoggan und Andrej Strakhov wünsche ich von dieser Stelle schnelle und gründliche Genesung! mb

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