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(PO3) EHC - Kölner Haie 4:2

Nach zwei hart umkämpften, aber letztlich doch deutlichen Siegen gegen die Haie aus Köln, gastierte das Team vom wärmeren Rheinufer zum zweiten Mal in der heimischen Eisarena. Während der EHC nun das vorzeitige Erreichen des Halbfinals per Sweep im Visier hatte, standen die Gäste mit dem Rücken zur Wand und wollten die Rückkehr in die Lanxess Arena am kommenden Dienstag mit allen Mitteln erzwingen. In der reichlich gefüllten Eisarena (offiziell ca. 3650 Zuschauer) machte sich eine Mischung aus Vorfreude, aber auch Nervosität breit...

1.Drittel
...die sich zunächst – aus Wolfsburger Sicht – als unbegründet herausstellen sollte.
Denn die Haie starteten auch in diese Partie, wie sie es schon in ihrem ersten Gastspiel probiert hatten: Mit viel Härte und einer gewissen Hilflosigkeit gegenüber der Schnelligkeit des gastgebenden Teams.
Zwar überstand das Team von Gästecoach Sundblad zwei Strafen bis zur Mitte des Drittels schadlos, doch in der 10.Minute war es dann, bei angezeigter Strafe, soweit: Torjäger Ken Magowan zog trotz Fouls hinter dem Kasten der Haie vor selbigen und schloss unhaltbar platziert zum 1:0 ab. Die erste Quittung für Kölner Disziplinlosigkeit war somit schon einmal ausgestellt. Doch der Lerneffekt auf Seiten der Gäste sollte (noch) nicht einsetzen: Als Ramsay (16.) und Sixsmith (17.) nacheinander das Sünderbänkchen aufsuchten, war erneut „Killer-Kenny“ zur Stelle und nutzte einen Fehler des Haiegoalies zu seinem zweiten Treffer des Abends. Nachdem aus den Birken den Schuss von Norm Milley durch die Schoner hatte rutschen lassen, waren die verbliebenen Kölner ihrem Keeper verzweifelt zur Hilfe geeilt, konnten den energisch nachsetzenden Magowan letztlich aber nicht entscheidend beim Nachstochern behindern.
Dieser Auftakt nach Maß ließ sowohl Spieler als auch Fans der Grizzlies mit einem entspannten Grinsen in die erste Pause entschwinden. Doch der Abend sollte nicht so gänzlich unbeschwert weitergehen. 

2.Drittel
Denn die Kabinenansprache des Gästetrainers schien entsprechende Wirkung beim Team der Haie hinterlassen zu haben. Köln erhöhte nun endlich seinerseits den Druck auf die Gastgeber und eine schnelle und enge Partie nahm ihren Lauf – mit den höheren Spielanteilen auf Seiten der Gäste!
Während Wolfsburg sich nun zu sehr mit der Option „Spielstand halten und Kontern“ beschäftigte, nahmen die Domstädter das Heft in die Hand und versuchten ihr Glück nun ohne unlautere Mittel zu erzwingen.
Wolfsburg, das zwei Unterzahlspiele ohne Gegentreffer überstehen konnte, geriet zwar in die passivere Rolle, blieb aber durch Konter stets gefährlich.
Aus einem der wenigen wirklich hochklassigen Spielzüge der Haie fiel dann doch noch der verdiente Anschlusstreffer für den Gast. Mike Card war es, der die sehenswerte Vorarbeit seiner Nebenleute zum 2:1 in der 33.Minute verwerten konnte. Jetzt war richtig Feuer in der Begegnung und auch die Grizzlies kamen wieder verstärkt aus der Reserve – was sich fast als Fehler herausstellen sollte! Wenig später bejubelte das Kölner Team nebst Anhang nämlich sogar den vermeintlichen Ausgleich, der sich nach einem schnellen Konter gegen anstürmende Wolfsburger ergeben hatte. Doch Torsten Ankert hatte, zum Glück, nur die Latte des EHC-Gehäuses getroffen (34.) und der Puck war anschließend vor der Linie auf dem Eis gelandet. Durchatmen und Sortieren war beim Gastgeber angesagte, musste der Vorsprung wenig später doch noch in einem der weiter oben erwähnten Unterzahlspiele verteidigt werden.
Als es schließlich mit dem knappen 2:1 Vorsprung zum zweiten Mal in die Kabinen ging, bereute der eine oder andere Grizzly wohl schon die ausgelassenen Torchancen, denen im zweiten Abschnitt nicht ein einziger Treffer gegenüber stand. Und Wolfsburg hatte auch in diesem Spielabschnitt, trotz des Kölner Drucks, die weitaus besseren Chancen zu verzeichnen gehabt...

3.Drittel
Dass der letzte Nervenkitzel nicht aufkam, verdankte das Team von Pavel Gross neben der geschlossenen Mannschaftsleistung vor allem einem Mann: Ken Magowan. Der heizte dem gegnerischen Abwehrverbund auch im letzten Drittel des Spiels ordentlich ein und hatte bei Abpfiff ganze 10 Schüsse auf das Gehäuse von aus den Birken zu verzeichnen – und die hatten es in sich!
Als die Haie, das drohende Aus vor Augen, die letzten Kraftreserven mobilisierten, war es erneut der kanadische Ausnahmestürmer, der mit einem genialen Schuss aus der Drehung (47.) die Partie vorentschied. Dieses 3:1 war spürbar mentales Gift für die Gäste aus Köln, die in ihren fortdauernden Bemühungen von da an wesentlich verkrampfter agierten und erst in der vorletzten Minute durch einen Fehler des Wolfsburger Torhüters den 3:2 Anschlusstreffer markieren konnten. Kölns John Tripp, der eine insgesamt sehr starke Serie gespielt hatte, konnte seine Play-off Leistung mit diesem Tor krönen. Die Antwort gab wenig später – richtig geraten – Ken Magowan, der die ohne Torhüter agierenden Gäste eiskalt mit seinem vierten Treffer abstrafte und in den frühzeitigen Urlaub schickte.
Ganz im Stile einer Mannschaft, die nach höherem strebt, fiel die Ehrenrunde der Grizzlies extrem kurz und eher ruhig aus, auch wenn dies dem einen oder anderen unerfahreneren Fan vielleicht als befremdlich aufstieß. Mit Wolfsburg ist und bleibt zu rechnen, wenn es am Ende um wirklich alles geht!


Mein subjektiver Eindruck:
Sehr konzentriert und sehr geschlossen wurde dieser, doch sichtbar unterlegene, Gegner in Richtung Sommerpause geleitet.
So sehr mich das Engagement der Haie überzeugt hat, so sehr fehlte mir in diesem Team die spielerische Linie und Klasse. Was zunächst als Disziplinlosigkeit auf Seiten der Gäste erschien, war letztlich nur Verzweiflung angesichts fehlender Mittel, um die Grizzlies auch nur in die Nähe einer einzelnen Niederlage zu bringen.
So weit, so gut. Aber in der nächsten Runde warten in jedem Fall ein Team das sowohl kämpfen, als auch strukturiert und diszipliniert spielen kann. Bei einer Auswahl, die Mannheim, Ingolstadt, Hannover und Krefeld beinhaltet, stellt sich die Frage bezüglich eines engeren Verlaufs der Halbfinalserie eigentlich auch nicht wirklich.
Insgesamt bleibt vor allem die Arbeit im gegnerischen Slot die positive Erkenntnis dieser Viertelfinalserie. Der Sweep gibt dem Team und vor allem den Rekonvaleszenten die Möglichkeit neue Kraft für das eigene temporeiche Spiel zu sammeln und die Reihen nach Möglichkeit wieder zu füllen.
Man darf weiterhin sehr positiv in die nahe Zukunft blicken...


Tor
Reimer erneut mit einer überragenden Partie. Versaut sich den nahezu perfekten Auftritt allerdings mit einem schlimmen Patzer in der 59.Minute, der die Partie fast noch einmal spannend gemacht hätte. Trotzdem weiter als Nr.1 gesetzt. Bitter für Daniar, der sicherlich keinen Deut schlechter in Form ist: Einen sehr gut haltenden Goalie tauscht man in den Play-offs nicht einfach auf Verdacht, um dem anderen Spielpraxis zu geben.

Verteidigung
Top-Vorstellung der Defensive. Alle drei Paare funktionierten hervorragend und ließen nur wenig anbrennen. Robbie Bina weiter absolut im grünen Bereich, unternimmt immer wieder Vorstöße und trägt den Puck doch recht überzeugend ins gegnerische Drittel. Einzig Alavaara schien mir in dieser Serie etwas unsicherer und vor allem unauffälliger als im bisherigen Saisonverlauf. Was soll’s. Wenn er im Halbfinale wieder den Hammer auspackt, soll es uns nur Recht sein! 

Sturm
Drei vorbildlich kämpfende und hervorragend aufeinander eingespielte Reihen dominierten auch im dritten Aufeinandertreffen mit den Haien weite Strecken des Geschehens. Selbst im Mittelabschnitt, der vom hohen Einsatz der Gäste geprägt war, blieben die Sturmreihen der Grizzlies gefährlich und hätten das Spiel frühzeitig entscheiden können. Wenn nun zu Magowan und Haskins mit Hoggan noch ein dritter „Slotwühler“ hinzukommt, dürfte der einen oder anderen Abwehrformation wohl schon im Vorfeld der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Was vor allem Ken Magowan an Gierigkeit vor dem gegnerischen Tor zeigte, war einfach nur phantastisch! Bleibt die Frage, wer für Jeff Hoggan auf die Tribüne soll...und da wird’s dank Binas bisherigen Leistungen tatsächlich schwierig. Toni Dahlman scheint, trotz guter Leistungen, hier der entsprechende Kandidat zu sein – doch vielleicht muss sogar Hoggan selber zusehen, brachte man ihn gegen Saisonende doch schon mit einem Wechsel nach Hannover in Verbindung und überzeugte Ergänzungsspieler Dahlman wie beschrieben in den bisherigen Play-offs.
Schön zumindest, wenn man überhaupt eine Wahl hätte, weil bis auf Strakhov vielleicht sogar alle Akteure für die nächsten Duelle zur Verfügung stehen.
Lassen wir uns überraschen. mb