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(PO3) EHC - Krefelder Pinguine 2:1 n.V.

Weit über 4000 Fans hatten sich eingefunden, um das dritte – und vielleicht schon entscheidenden – Halbfinalduell zwischen Wolfsburg und Krefeld mitzuerleben.
Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen und bekamen am Ende fast alles geboten, was ein echtes Play-off Match ausmacht: Härte, Spannung, überragende Einzel- aber auch geschlossene Mannschaftsleistungen. Beide Teams ließen sich nicht lumpen und legten sich von Anfang an voll ins Zeug, ging es für beide doch in dieser Begegnung um alles.

1.Drittel
Und wieder, wie schon in Spiel 2 gesehen, begann die Partie mit einer Schrecksekunde vor Jochen Reimer: Daniel Pietta war es, der schon wenige Augenblicke nach dem Eröffnungsbully frei vor Reimer zum Schuss kam...und verzog! Der EHC wirkte bemüht das Spiel unter Kontrolle zu bringen, blieb mit seinen Angriffsversuchen aber meist sehr früh im Abwehrverbund der Gäste hängen, die ihrerseits mächtig aufs Gaspedal drückten.
Während einer kurzen Phase Wolfsburger Dominanz folgte schließlich doch das erste Erfolgserlebnis für die Grizzlies: Robbie Bina stoppte den Befreiungsschuss der schwer um Entlastung kämpfenden KEV-Defensive an der blauen Linie mit der Hand (7.), legte sich selbst vor, schlenzte scharf Richtung Tor...und Torjäger Magowan fälschte unhaltbar im Slot zum 1:0 ab! Der Grizzlyzug schien jetzt Fahrt aufzunehmen, denn nach den unsicher wirkenden Anfangsminuten folgte nun erst einmal Chance auf Chance für die jetzt offensiver agierenden Hausherren. Doch weit gefehlt: Die Pinguine berappelten sich umgehend, setzten dem Wolfsburger Körperspiel jede Menge Entschlossenheit und – überraschenderweise – das höhere Tempo der beiden Kontrahenten entgegen.
Die besseren Möglichkeiten hatten, insgesamt betrachtet, letztlich die Gäste, wobei die Anzahl der klaren Einschusschancen noch weitestgehend gleichmäßig verteilt waren.
Mit leichten Vorteilen für Krefeld, aber dem besseren Spielstand für die Hausherren, ging es also zum ersten Mal in die Kabinen.

 
2.Drittel
Es begann der erste wirklich längere Abschnitt der Begegnung, der eine überlegene Heimmannschaft sah. Es sollte der letzte bleiben.
Wolfsburg machte jetzt mächtig Dampf, kam zu zahlreichen Chancen und alles sah danach aus, dass die Grizzlies jetzt endlich ihr gewohntes Angriffshockey aufziehen würden. Als dann Sulkovsky einen Abpraller aufs leere Krefelder Tor schoss und Langkow per Hechtsprung spektakulär rettete, kochte die Halle und das 2:0 schien zum Greifen nah...
Grizzlychancen gab es nun im Minutentakt zu bewundern, doch nachdem gleich eine Reihe von Möglichkeiten ungenutzt geblieben waren, schlug der Gast aus Krefeld überraschend zu!
Roland Verwey war es, der Reimer aus der Halbdistanz mit einer trockenen und platzierten Schuss zum 1:1 überwinden konnte (29.) und damit die Wende in Sachen Spielanteile einläuten sollte. Während die Grizzlies zunächst noch durch Milleys Lattentreffer aus nächster Nähe und ein oder zwei weitere Gelegenheiten die direkte Antwort suchten, kippten im Anschluss die Spielanteile zugunsten der Pinguine und Wolfsburger Chancen sollten zur Mangelware werden. Es brach die Zeit der großen Defensivschlacht an in deren Mitte sich der Turm mit Namen Jochen Reimer befinden sollte.
Bis zum nächsten Pausentee kämpfte der EHC, teils unter Verlust der Übersicht, gegen einen weiteren Treffer der Gäste an und hatte damit zunächst Erfolg. 

3.Drittel
Gestaltete der EHC die ersten 10 Minuten dieses Spielabschnitts noch relativ offen, wobei die Angriffsbemühungen der Grizzlies mangels Geschwindigkeit fast allesamt hinter der blauen Linie im Sande verliefen, so war ab Mitte des Drittels nur noch der Gast aus Krefeld am Drücker.
Fast wie im Rausch arbeitete nun das Team von Pavel Gross, getragen von den Anfeuerungen seiner Fans, gegen die Angriffswellen der Pinguine und leistete sich dabei kaum gravierende Fehler. Wenn es nicht gelang einen Abschluss der Gäste zu unterbinden, sah man stets die Fanghand oder einen Schoner des Wolfsburger Goalies aufblitzen – und die Situation war entschärft. Eine atemlose Abwehrschlacht sollte ihren Lauf nehmen und noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht haben.
Mit viel Glück und beachtlicher Präzision in den Defensivbemühungen rettete der EHC das Unentschieden bis zum – vorübergehend – erlösenden Pfiff des Schiedsrichterduos. 

1.Verlängerung
Da es in den Playoffs kein Penaltyschießen gibt, schien es nur wenige Augenblicke nach Wiederanpfiff nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Gäste ihre nun drückende Überlegenheit in den entscheidenden Treffer ummünzen würden.
Nach 3 Minuten hieß es sogar Unterzahl für die Gastgeber, als das Vierergespann der Schiedsrichter einen überzähligen Spieler auf Seiten der Grizzlies auf dem Eis ausgemacht zu haben glaubte.
Das Zittern in orange steuerte auf seinen Höhepunkt zu. Verzweifelt feuerten die Fans der Grizzlies ihre immer weiter ins Hintertreffen geratenden Helden auf dem Eis an – praktisch ohne konkrete Hoffnung auf einen eigenen Treffer, der dieses immer einseitiger werdende Spiel doch noch in den größten Erfolg der Vereinsgeschichte hätte wandeln könnte.
Wie es dem weiterhin hochkonzentriert, aber läuferisch müde wirkenden Team des EHC gelang, sich in die nächste Unterbrechung zu retten – man erinnerte sich im Nachhinein nicht mehr wirklich...
Selbst als Jochen Reimer einen als Bogenlampe auf sein Tor zusteuernden Puck erst im allerletzten Moment überhaupt registrierte und der gesamten Halle das Herz stehen blieb...ein Tor für Krefeld sollte selbst im aussichtsreichen Nachschuss nicht fallen.

2.Verlängerung
Nachdem Bier-, Pommes- und Bratwurstumsätze in der zurückliegenden Pause vermutlich ihren „all-time record“ erreicht hatten, ging es mit begrenztem Optimismus aus Grizzlysicht in die nächste Runde...und die sollte anders als das zuletzt Gesehene ausfallen!
Schon nach einer Minute verabschiedete sich Dusan Milo Richtung Gästestrafbank, nachdem er Andy Morczinietz im Zweikampf der Ellenbogen ans Kinn gerammt hatte. Eine Aktion, die eher ungeschickt gewirkt hatte, aber direkt vor den Augen eines der beiden Referees natürlich eine Strafe nach sich ziehen musste. Doch der EHC konnte, vor allem wegen besagtem Mangel an Geschwindigkeit, nicht wirklich in seine gefürchtete Powerplayaufstellung finden und nutzte die zwei Minuten eigentlich mehr, um den Spielstand zu halten.
Und die Grizzlies bekamen, nach einer äußerst umstrittenen Szene, Gelegenheit diesen Eindruck zu revidieren: Krefelds Leader Herberts Vasiljevs musste wegen Checks gegen Kopf- und Nackenbereich eine 2+10-minütige Strafe antreten, das Powerplay der Grizzlies konnte ein zweites Mal anrollen.
Und diesmal nahmen die Gastgeber tatsächlich Schwung auf und setzten den KEV endlich angemessen unter Druck. So konnte die Überzahl zwar nicht zum entscheidenden Treffer genutzt werden (Alavaara brach u.a. mal wieder das Spielgerät), doch der Schwung des Powerplays brachte Wolfsburg das lange vermisste Oberwasser zurück, das man einfach braucht, um überhaupt eine Partie zu seinen Gunsten entscheiden zu können. Ganze dreißig Sekunden später, in der mittlerweile 87.Minute der Begegnung, war es dann soweit: Kai Hospelt bringt das Dach der Eisarena mit seinem Treffer zum 2:1 zum Abheben!
Der unglaubliche Jubel, genährt aus einer nicht zu unterschätzenden Erleichterung nach dem äußerst schwierigen Spielverlauf, brach aus den Fans der Grizzlies kollektiv heraus. Während das Krefelder Team fast fluchtartig das Eis verließ und sich erst einige Zeit später vom mitgereisten Anhang (ca. 250 Pinguine hatten den Weg nach Wolfsburg gefunden...) verabschiedete, feierten die Spieler der Grizzlies – wie schon nach dem Viertelfinale – nach dem ersten großen Jubel äußerst dezent mit ihren Anhängern und dokumentierten damit erneut: „Schönes Ding, aber wir sind noch längst nicht am Ziel!“
Man darf gespannt sein...

Mein subjektiver Eindruck:
Das Spiel zeigte einen Verlauf, der so nicht zu erwarten war. Krefeld war über die gesamte Spieldauer das frischer wirkende und läuferisch stärkere Team. Ein Umstand, den man in der Eisarena lange nicht mehr so gesehen hatte. Dass es am Ende doch noch zum dritten Sieg gegen Krefeld und zum sechsten Sieg in Folge in den Play-offs reichte, war eigentlich fast ausschließlich der enormen Disziplin der Grizzlies zu verdanken. Wer selber schon einmal in einer Mannschaftsportart einen schlechten Tag mit seinem, eigentlich starken, Team erlebt hat, der weiß wie schwer es ist den Frust und die Ungläubigkeit zu verdrängen und einfach sauber weiter zu arbeiten. Unsere Jungs haben das 87 Minuten lang getan und am Ende diesen glücklichen Sieg mehr als hart erarbeitet. Hut ab, für diese Willensleistung trotz eines – von der Physis her – rabenschwarzen Tags.
Im Endeffekt kam das Glück, das in Krefeld sowohl in der Anfangsphase als auch mit den Schiedsrichterentscheidungen gefehlt hatte, postwendend zu den Grizzlies zurück. Einziger und entscheidender Unterschied zum KEV:
Wir haben das Spiel, in dem uns Glück UND Schiedsrichter in die Pfanne hauen wollten, trotzdem gewonnen!

Tor
Reimer wunderbar. Gigantische 43 Saves brauchen keine Erklärungen. Jochen wächst nach dem eher unglücklichen 1.Drittel in Krefeld über sich hinaus und legt ein absolutes Bombenspiel hin. Auch wenn er in besagter Situation von Pinguinseite Gelächter geerntet hat, gilt auch für diese Serie: Der Joker lacht zuletzt!

Verteidigung
Dauerstress und nur hin und wieder etwas Entlastung für unsere Abwehrrecken.
Angesichts der enormen körperlichen und geistigen Beanspruchung, die diese streckenweise sehr einseitige Partie an unsere Verteidiger stellte, möchte ich unseren Defendern kollektiv ein höchstes Lob aussprechen. Ich habe keine Ahnung, wie ihr das hinbekommen habt: Deshalb einfach nur „DANKE!“ und „WEITER SO!“


Sturm
Der fehlende Speed im Team schlug sich natürlich besonders im Angriffsspiel der Grizzlies nieder. Die mit Abstand schlechteste Vorstellung in Sachen Attacke der laufenden Playoffs. Dass die Stürmer auf ihren Mangel an Frische und Geschwindigkeit mit beinharter Verteidigungsarbeit reagierten, machte am Ende den Unterschied zwischen einer verkorksten Partie und dem Einzug ins Finale aus.
Einzig der fabulöse Mr. Magowan schien auch in diesem kollektiven Tief keinen Schmerz zu spüren und sorgte mit der nötigen Geschwindigkeit und dem entsprechenden Durchsetzungsvermögen für das eine oder andere Highlight vor dem gegnerischen Tor. Insgesamt konnte aber auch er nicht viel ausrichten, da fast ständig Einsatz auf der anderen Seite des Eises gefragt war, oder die Angriffe im Aufbau stecken blieben.
Mit ein paar Tagen Erholung in der Hinterhand dürfte da im Finale wieder mehr gehen. Hoffe ich zumindest! mb

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