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(PO) EHC - Eisbären Berlin 2:4

Vor ausverkauftem Haus, darunter angenehm wenige Gästefans (ca. 500), standen sich die beiden „Bärenmarken“ der DEL zum Finale gegenüber. Schon lange vor dem ersten Bully der Begegnung brodelte die Halle und beide Fanlager bemühten sich nach Leibeskräften den einen oder anderen Hörsturz zu provozieren. Lediglich während der Nationalhymne kehrte so etwas wie Besinnlichkeit und jede Menge Gänsehautatmosphäre ein, die gleich im Anschluss wieder in die Gesänge der 4500 Fans mündete.
Das erste Playoff-Aufeinandertreffen mit dem Angstgegner aus Berlin konnte beginnen.

1.Drittel
Die Grizzlies kamen gut aus den Startlöchern, stürmten mit halsbrecherischem Tempo auf die Gäste ein und erzwangen sich so umgehend die ersten Hochkaräter vor Rob Zepp.
Eine dieser Chancen nutzte bereits in der 3. Spielminute Christopher Fischer, der im Anschluss an eine beeindruckende Einzelleistung von Norm Milley dessen Rückpass knallhart zum 1:0 verwandelte. Die Eisarena drohte auseinander zu platzen, der Grizzlyexpress rollte weiter, die Eisbären reagierten prompt mit einer Tempoverschärfung ihrerseits.
Nach atemberaubendem Hin und Her auf dem Eis dann auch der erste Aufreger der Partie: Jason Ulmer ist allein Richtung Eisbärentor durchgebrochen und wird per Stockschlag beim Torschuss behindert – der Stock bricht, der Pfiff des unmittelbar daneben stehenden Referees bleibt aus. Fassungslosigkeit auf der Wolfsburger Trainerbank und dem Teil der Fans, der das Vergehen aus einer entsprechenden Perspektive beobachten konnte!
Was folgte, war eine dieser allseits bekannten Phasen gegen die von Don Jackson trainierte Truppe aus der Landeshauptstadt: Der Druck der Grizzlies blieb ungebrochen hoch, die Chancen mehrten sich weiter – die Eisbären fuhren einen sauberen Angriff und schlossen diesen durch André eiskalt zum 1:1 ab (14.).
Und wieder die bekannte Wolfsburger Reaktion: Kaum ein Moment der Schockstarre, gefolgt von wütenden Angriffen, die leider alle nicht zum gewünschten Ergebnis führten.
So ging es, mit einer Reststrafe gegen die Eisbären und einem für diese sehr schmeichelhaften 1:1 auf der Anzeigentafel, zum ersten Mal in die Pause. 

 
2.Drittel
Nachdem die Restminute des bereits begonnenen Powerplays der Grizzlies effektlos verstrichen war, brach die Sturm- und Drangphase der Gäste an.
Jeweils in der 22. und der 24. Minute wanderte mit Sloan und Schmidt ein EHC-Spieler auf die Strafbank, der dem hohen Tempo der Begegnung in Form eines Fouls Tribut gezollt hatte.
Doch der Wolfsburger Abwehrverbund hielt stand und konnte nach einer Strafe gegen Derrick Walser (25.) bei 4 gegen 4 schließlich durchatmen und im anschließenden Überzahlspiel sogar die Partie wieder an sich reißen.
Der offene Schlagabtausch in einer mitreißenden Partie ging weiter, jetzt wieder mit größeren Spielanteilen für die Hausherren, die in der 33.Minute sogar die erneute Führung bejubeln durften.
Der unermüdliche Tyler Haskins nutzte per Rebound die sich bietende Gelegenheit und schon kannte der Jubel auf den Rängen keine Grenzen. Der Glaube an einen ersten Sieg gegen den übermächtigen Gegner von der Spree wuchs spürbar.
Doch es war wie verhext: T.J. Mulock gelang es sich während eines Wolfsburger Angriffs an der gegnerischen blauen Linie in den Rücken der Grizzlies zu schleichen und startete dort angespielt seinen Sololauf auf Jochen Reimer. Den eher harmlosen Abschlussversuch behinderte der nachgeeilte Sloan allerdings regelwidrig, so dass es den Extraversuch per Penalty praktisch gratis dazu gab. Eine Gelegenheit, die sich Mulock nicht nehmen ließ und im gellenden Pfeifkonzert zum 2:2 Ausgleich nutzte (37.).
Mit diesem, wiederum aus Eisbärensicht glücklichen, Unentschieden ging es auch zum zweiten Pausentee.

3.Drittel
Und der nächste Anlauf auf ein Führungstor startete...
Die Grizzlies rackerten weiter in Richtung Zepp, erarbeiteten sich zunächst Chancen im Minutentakt vor allem durch ihre ersten beiden Reihen – doch das Tor fiel wieder auf der anderen Seite. Zum zweiten Mal war es André Rankel (46.Min), der eine Ungeschicklichkeit im Wolfsburger Abwehrverhalten zum Gegentreffer vollenden konnte. Und es kam noch schlimmer:
Nur eine Minute später war obendrein die Partie für den Kapitän der Grizzlies beendet. Nach einem Zusammenprall mit Berlins Florian Busch musste Blake Sloan den frühzeitigen Gang in die Kabine antreten – das Schiedsrichtergespann hatte die Szene als vorsätzlichen Kniecheck mit Verletzungsfolge gewertet. Der angeblich verletzte Busch kam wenige Minuten später allerdings aus selbiger schon wieder zurück...
Statt einer Aufholjagd gab es also stattliche fünf Minuten lang Wolfsburger Unterzahlspiel zu bewundern, das erst in der letzte Minute zu einer 4 gegen 4 Situation gewandelt wurde. Rankel war auf Reimer gestürzt und dafür von Paul Traynor zur Rechenschaft gezogen worden. Während Traynor mit einer einfachen Zweiminutenstrafe bedacht wurde, war der Berliner gleich doppelt wegen übertriebener Härte sanktioniert worden – die Grizzlies konnten ein wenig durchatmen, das anschließende kurze Überzahlspiel blieb ohne nennenswertes Ausrufezeichen.
Berlin hatte die Partie mittlerweile, nicht zuletzt wegen der langen Überzahlsituation, einigermaßen unter Kontrolle gebracht und ließ den Gastgebern immer weniger Möglichkeiten das Spiel noch einmal zu drehen. Als dann die letzten beiden Spielminuten anbrachen, man merkte dank des Dauersupports der Grizzlyfans allerdings kaum den sonst üblichen Unterschied, da klingelte es auch schon...leider wieder auf der verkehrten Seite. Nach einem misslungenen Zweikampf an der Bande hinter dem Grizzlygehäuse, netzte mit Berlins Ustorf einer der Oldies aus der Drehung zum entscheidenden 2:4 ein (59.) und der Drops war somit gelutscht.
Bis zum Schlusspfiff versagte die Wolfsburger Kulisse ihren Helden trotzdem nicht die Danksagung und Unterstützung für die unglaublichen Leistungen der letzten Wochen  - ein klares Signal für die nächsten Spiele! 
 


Mein subjektiver Eindruck:
Und wieder ist Murmeltiertag in Punxsutawney ...ääääh... Wolfsburg.
Vielleicht sollte das Wolfsburger Team es mal mit einer weniger rekordverdächtigen Geschwindigkeit versuchen, die Berliner in den Griff zu bekommen. Nur über die Laufleistung wird der Angstgegner aus der Hauptstadt nicht zu besiegen sein – es zählen die Tore und nicht die Kilometer auf dem Tacho.
Auffällig fand ich vor allem, dass auf diesem extrem hohen Niveau sich endgültig zeigt, wer in unseren Reihen diese Geschwindigkeit auch dauerhaft verarbeiten kann. Leider haben wir in der Verteidigung einige Kandidaten, die bei diesen kurzen Reaktionszeiten hin und wieder die Übersicht verlieren. Deshalb: Etwas überlegter und vielleicht auch destruktiver spielen könnte zu interessanten Ergebnissen führen. Die Frage ist: Kann unser Team das überhaupt nach einer Saison, in der sie uns mit fabelhaftem Angriffshockey begeistert haben. Dank der geringen Gegentrefferquote war man – leider oder zum Glück - nie dazu gezwungen über so etwas nachzudenken...

Tor
Reimer mit guter Leistung, hielt was zu halten war. Beim Penalty und im 1 gegen 1 aus dem Spiel weiterhin gegenüber Daniar nur 2.Wahl, ansonsten tadellos.

Verteidigung
Oh, oh. Da taten sich Defizite im Bereich Schnelligkeit auf: Geistig und körperlich.
Besonders der zuletzt überzeugende Bina zeigte sich mit dem Tempo der Begegnung überfordert, doch auch Alavaara und Sloan machten nicht den sichersten Eindruck. Wirklich überzeugen konnte mich über die komplette Spieldauer nur Christoph Fischer, der weiterhin eine sensationelle Entwicklung in Diensten der Grizzlies nimmt.
Insgesamt wäre eine etwas weniger rasante Strategie auf jeden Fall im Interesse unserer Verteidigung.

Sturm
Während die erste Reihe fast alle in sie gesetzten Erwartungen erfüllen konnte und erst gegen Ende etwas wirkungslos daherkam, bekam die zweite Reihe mit „Play-off Monster“ Magowan nicht die letzte Durchschlagskraft in ihre Aktionen. Obwohl Kenny fast ständig gedoppelt wurde, konnten die anderen Akteure mit den entsprechenden Räumen offenbar nicht genug anfangen. Hier ist deutlich Luft nach oben bzw. die Zusammenstellung dieser Reihe könnte noch einmal überdacht werden.
Hoggan wirkte bei seiner Rückkehr durchaus engagiert, konnte aber noch nicht so ätzend im Slot agieren, wie man es von ihm gewohnt ist. Insgesamt darf man von den Reihen 3 und 4 gegen diese starken Eisbären allerdings keine Wunder erwarten, auch wenn bei allen Beteiligten gute bis sehr gute Aktionen (Höhenleitner und Ulmer!) zu beobachten waren.
Damit kommen wir zum Hauptkritikpunkt in Sachen Attacke: Die Arbeit vor und um das gegnerische Tor sollte wieder Priorität vor der haarsträubenden Geschwindigkeit erhalten. Dann könnte am Ende das Ergebnis für die gastgebenden Eisbären äußerst überraschend ausfallen! mb

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