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(PO3) EHC - Eisbären Berlin 4:5

Nachdem die Grizzlies in der O2-Arena eine ihrer schmerzhaftesten Niederlagen der Vereinsgeschichte hatten hinnehmen müssen, kam es nun zum vielleicht schon entscheidenden dritten Aufeinandertreffen mit den Eisbären aus der Hauptstadt.
Die erneute Ansetzung des in Spiel 2 desaströs leitenden Schiedsrichterduos Bauer/Piechaczek hatte im Vorfeld für zusätzliche Sorgenfalten beim Wolfsburger Anhang gesorgt uns steigerte die ohnehin vorhandene Spannung ins schier Unermessliche. 

1.Drittel
Und wieder gehörte das Auftaktdrittel den Grizzlies. Ungestüm und voller Leidenschaft stürmten die Gastgeber, wie in jedem ersten Drittel dieser Serie, auf das von Rob Zepp gehütete Tor ein. Lediglich während zweier Strafzeiten gegen Wolfsburg konnte der Gast aus Berlin so etwas wie ein Übergewicht verzeichnen, ansonsten hielt Pavel Gross’ Team das Tempo hoch und den Gegner schwer auf Trab.
Doch die Verteilung der zählbaren Argumente gestaltete sich zunächst wie eine Blaupause der ersten beiden Begegnungen: Lalibertes frenetisch gefeierten 1:0 Führungstreffer (9.) konterte Berlins Urgestein und Kapitän Stefan Ustorf nur anderthalb Minuten später eiskalt per schnellem Spielzug. Es schien, wie so oft in dieser Serie, als ob die Eisbären mit einer erschreckenden Leichtigkeit jede Führung der Grizzlies egalisieren könnten.
Doch dieses Drittel sollte ein wenig anders ablaufen als bisher – und das machte den rund 4000 Grizzlies unter den 4500 Zuschauern zusätzlichen Mut.
Wolfsburg ließ, wie stets in dieser Serie, nicht locker und intensivierte seine Bemühungen erneut. Diesmal mit Erfolg! Per Überzahltreffer gelang wiederum John Laliberte in der 19.Spielminute das sehenswerte 2:1. Untypisch für einen Powerplaytreffer war es dem Wolfsburger Torjäger gelungen nach einem scharfen Pass von Jason Ulmer durch die Mitte einen Konter zu fahren und eine 1 auf 0 Situation gegen Zepp erfolgreich abzuschließen. Unter ohrenbetäubendem Jubel feierte der orange Teil des Publikums den Rückhandtreffer aus kürzester Distanz.
Und...es ging sogar mit einer Führung für die Grizzlies in die Pause!
Sollte es endlich einmal anders laufen? 


2.Drittel
Die Antwort lautet: Nein.
Mit der bereits in den Hauptrundenspielen zu beobachtenden Effizienz gingen die Gäste aus Berlin auch weiterhin gegen den Rivalen aus der Volkswagenstadt vor. Nicht einmal zweieinhalb Minuten waren im Mitteldrittel gespielt, da war der Ausgleich auch schon perfekt. Tyson Mulock hatte über rechts unwiderstehlich zum Sturmlauf angezogen und in den Winkel der Torwartecke vollstreckt. Einfach, präzise, humorlos. Der Schock bei den Grizzlies war jetzt fast greifbar, die Unaufmerksamkeiten mehrten sich. Berlin dominierte fortan die Partie und erspielte sich eine ungewohnte Vielzahl an Einschussmöglichkeiten. Als in der 30. Minute schließlich gleich zwei Grizzlies in kurzem Abstand der allgemeinen Verunsicherung Tribut zollten und auf der Strafbank Platz nahmen, spitzte sich die Lage für die Hausherren endgültig zu.
Und Berlin wäre nicht Berlin, wenn es so eine Gelegenheit ungenutzt gelassen hätte.
Kurios fand zu Beginn der 32.Minute dann der Puck seinen Weg zum 2:3 über die Linie. Nach einem Walser Schuss hatte Busch den Abpraller von Alavaaras Helm (!) mit der Kelle Volley ins Netz befördert. Spektakulär, aber so wiederum so unendlich glücklich, dass der Wolfsburger Anhang bereits die nächste Schandtat des bis dahin erträglich leitenden Schiedsrichterduos witterte.
Der Treffer fand nach Studium der Videobilder zurecht seine Anerkennung und Wolfsburger brachte im Anschluss die verbliebenen Strafminuten schadlos von der Uhr.
Während die Grizzlies sich nun ihrerseits zusammenrissen, nahm sich der Anschützclub ein wenig zurück und versuchte das Spiel zu kontrollieren. Nun durften die Grizzlies gleich zweimal hintereinander zum Überzahlspiel antreten, schafften es aber ihrerseits nicht, den wichtigen Ausgleich zu markieren. Der Gast verteidigte geschickt und hatte zusätzlich – schon wieder – das nötige Glück auf seiner Seite, als ein frei vor Tor und Torhüter liegender Puck noch vor dem Schuss in die Maschen per Pfiff aus dem Spiel genommen wurde. Ein allzu bekanntes Gefühl für die sichtlich entnervten Wolfsburger...

 
3.Drittel
Doch schon die Auftaktminute des Schlussdrittels hielt eine neue Kurve auf der Achterbahnfahrt dieser Partie bereit! Norm Milley entzückte den Anhang der Grizzlies mit einem seiner schlitzohrigen Tore - diesmal in einem so wichtigen Moment! Von hinten an die Schoner des gegnerischen Goalies: Das sah dem trickreichen Stürmer der Grizzlies einfach mal wieder ähnlich. Der neu gewonnene Schwung sollte allerdings gerade einmal zwei Minuten halten...bis in eine Wolfsburger Überzahl hinein. Der Unterzahltreffer von Derek Walser, der nach einem Break sogar seinen eigenen Rebound verwerten durfte, machte eines klar: Die mangelnde Aufmerksamkeit in der Rückwärtsbewegung sollte den Grizzlies am Ende das Genick brechen.
Aber wer beim Wolfsburger Team nun auf hängende Köpfe wartete, der wartete vergeblich. Wieder drei Minuten später (45.) marschierte Kai Hospelt seinerseits auf das Tor der Eisbären zu und zirkelte den Puck am Gegenspieler vorbei, humor- und ansatzlos in den Winkel des Eisbärentors.
Doch der Sturmlauf der Grizzlies sollte am Ende nicht belohnt werden. Hatte das Schiedsrichterduo schon vor der 3:4 Führung der Gäste erneut einen freiliegenden Puck vor Zepp abgepfiffen, so setzte es seiner wiederholt unglücklichen Leistung mit einem selbsterzielten Tor die Krone auf. Vom Schlittschuh eines der Referees war der Puck nach einem Wolfsburger Schuss in den Kasten der Gäste befördert worden – kein Tor! An sich nichts Dramatisches, wenn...ja, wenn der betreffende Schiedsrichter nicht im Torraum der Berliner gestanden hätte. Wasser auf die Mühlen der Vorwürfe aus Wolfsburg...
Am Ende war es wieder die vielzitierte Eisbären-Effektivität gepaart mit der nötigen Prise Glück, die das Spiel und damit die Serie entscheiden sollten. Zunächst hatte das Gästeteam sich geschickt und unter oben genannten Bedingungen gegen einen Rückstand in eigener Unterzahl gewehrt, dann schlug es schließlich in der 57.Minute in den letzten Sekunden einer Überzahl zum 4:5 zu.
Beim Versuch T.J. Mulocks Querpass schnell auf die andere Seite seines Tores zu folgen blieb Wolfsburgs Dshunussow mit dem Fuß an Alavaara hängen und konnte den Schuss von Constantin Braun so nicht mehr rechtzeitig abfangen. Die Partie war entschieden. Milley, Magowan...alle scheiterten an Rob Zepp oder an der eigenen Nervosität. Aller Druck war vergebens und auch die Herausnahme des Torhüters führte statt zum 5:5 beinahe zum sechsten Treffer für die Eisbären.
So endete die erfolgreichste Grizzlysaison aller Zeiten trotzdem mit einer Niederlage und ohne die finale Krönung. Die ging zum fünften Mal in der Geschichte der DEL an die Spree.


Mein subjektiver Eindruck:
Das läuferische Potential und der unglaubliche Teamspirit der Grizzlies sollten am Ende nicht reichen, um die beeindruckende Routine und Abgeklärtheit der Eisbären zu bezwingen. Bezeichnend für die Problematik in der Spielanlage der Grizzlies, dass sie beim Auswärtsspiel – bis zu einem erkennbaren Punkt des sich völlig verarscht Fühlens und der einhergehenden Verunsicherung – die größte Chance auf einen Sieg in dieser Serie hatte. Vor heimischer Kulisse hingegen wirkte die Strategie der Wolfsburger einfach viel zu leidenschaftlich, viel zu offensiv und kopflos - vor allem bei eigener Führung. Der Überzahlgegentreffer setzte dem Ganzen letztlich die Krone auf.
Eine Serie über vier oder fünf Spiele hätte dieses Team trotzdem verdient gehabt.
Insgesamt betrachtet fehlte der Mannschaft die nötige Erfahrung im Kampf gegen ein unglaublich konzentriert und in kaum einer Phase wirklich zu verunsicherndes Team aus Berlin.
Ich hätte wirklich gerne noch mehr von diesen geilen Spielen gesehen – allerdings mit etwas souveräneren Schiedsrichtern und vor allem ohne Holger Gerstberger, der offenbar nicht bereit ist, seinen Job verantwortungsvoll auszuführen.
Eine Pokalübergabe, wie es sie im Anschluss an die Partie zu erleben gab, muss so nicht ablaufen. An dieser Stelle ist natürlich das noch etwas (in Sachen Beschiss) unerfahrene Wolfsburger Publikum, aber auch der Schiedsrichterbeauftragte gefragt, der mit einer derart unverfrorenen Wiederansetzung der beiden Schiedsrichter des Skandalspiels in Berlin ohne Not für eine vergiftete Atmosphäre gesorgt hatte.

Tor
Daniar mit einer eher durchwachsenen Vorstellung. Bei einigen Alleingängen der Berliner gut im Bilde, wurde er trotzdem Opfer der mangelhaften defensiven Disziplin seines Teams.
Den zweiten Gegentreffer darf er allerdings nicht kassieren. Beim entscheidenden Tor einfach ein wenig unglücklich...dramatischer Moment für so etwas. Trotzdem fand ich es wirklich gelungen, dass unsere zukünftige Nr.1 endlich mal ein Play-off Spiel nicht von der Bank aus erleben musste. Der Junge hätte in den vergangenen Jahren eigentlich viel mehr von diesen Erfahrungen sammeln müssen...

Verteidigung
Zu offensiv. Was gegen andere Gegner noch durch das fabelhafte Backchecking der Stürmer aufzufangen war, ging gegen die Eisbären in jedem Spiel einfach nur in die Hose. Es ist müßig, diesen Mangel an einzelnen Spielern festzumachen. Daher bleibt für mich nur festzuhalten: Für die Eisbären reichte die Qualität in der Verteidigung, zusammen mit einer derart offensiven Grundausrichtung, einfach nicht aus.

Sturm
Nach der etwas gehemmten ersten Finalpartie gegen die Eisbären kam der Sturm der Grizzlies wieder in die Spiellaune der zuvor so erfolgreichen Begegnungen. Das reichte angesichts der zahlreichen, einfachen Gegentreffer aber leider nicht zum Sieg.
Magowan, Milley und Laliberte waren dabei die groß aufspielenden Grizzlies dieser Serie, aber auch Kai Hospelt fand immer mehr zu seinem Spiel. Erschreckend, dass das Team mit der besseren Offensivabteilung am Ende stets die geringe Anzahl an Toren verbuchen konnte. Definitiv etwas zum Nachdenken für die kommende Saison.

Fazit
Diese Saison war etwas ganz Besonderes. Mit etwas Glück und vielleicht ein oder zwei weiteren guten Spielzeiten im Rücken, könnte Eishockey in Wolfsburg endlich auf dem Weg zur verdienten Anerkennung – auch in der Zuschauergunst – sein.
Ich danke dieser Mannschaft von ganzem Herzen für eine Saison, die gezeigt hat, was wirklich wichtig ist im Sport: Gemeinsinn gepaart mit individuellem Ehrgeiz. Charly Fliegauf hat in diesem Zusammenhang mittlerweile einen fast beängstigenden Riecher entwickelt.
Obwohl ein Rest Trauer bleibt, wächst schon jetzt die Vorfreude auf die nächste Spielzeit in mir – und das kann ja nicht verkehrt sein ;)  mb 

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