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EHC - Kölner Haie 3:0

Unter den Augen des neuen Bundestrainers wollten die Grizzlies sich im zweiten Heimspiel der Saison deutlich verbessert präsentieren. Nach der enttäuschenden Leistung in Ingolstadt hatte Wolfsburgs Pavel Gross sein Team mit harscher Kritik wachgerüttelt und hoffte nun auf eine deutlich verbesserte Abwehrleistung gegen den Gast aus Köln.
Noch vor Beginn gab es, zumindest für alle, die nicht die Tageszeitung gelesen oder sich im Internet informiert hatten, die erste Enttäuschung: Der neue Einlauf der Grizzlies musste wegen Problemen mit einem Lieferanten erneut verschoben werden, so dass man diesen nicht gleich bei der ersten Sky-Übertragung eines EHC-Spiels der Öffentlichkeit präsentieren konnte.

1. Drittel
Die Gastgeber, die ohne Stephen Werner und David Laliberté angetreten waren, drohten gleich zum Auftakt in das von Gross kritisierte Fahrwasser zu geraten.
Die ersten Chancen der Partie gehörten somit den Gästen, die sich zudem schon in der zweiten Minute der Begegnung an einem Überzahlspiel versuchen durften – mit wenig Erfolg allerdings.
Schon früh rückten beide Goalies ins Zentrum der Aufmerksamkeit, da auch die Haie in ihren Abwehrbemühungen nicht immer das gewünschte Maß an Koordination an den Tag legten und auch mit einem Mann mehr Chancen vor ihrem Tor zuließen.
Nach souverän überstandener Unterzahl nahm Wolfsburg schließlich das Heft in die Hand und vor allem die Paradereihe der Grizzlies wirbelte die Gäste aus der Domstadt ein ums andere Mal durcheinander. Doch mit Christopher Fischer hatte ausgerechnet ein Abwehrspieler dabei die größte Möglichkeit den ersten Torjubel in der Eisarena losbrechen zu lassen: Seine Abnahme nach schönem Querpass durch Furchner wurde im letzten Moment vom gegnerischen Goalie entschärft.
Erst eine weitere Strafe (erneut Blake Sloan) gegen den EHC brachte ab der 13.Minute die Haie wieder ins Geschäft...die sich im Anschluss an ein etwas überzeugenderes Powerplay durch ein dummes Stockfoul von Charly Stephens prompt selbst wieder aus dem Rhythmus brachten.
Doch auch den Grizzlies versuchten es eher mit der Brechstange denn mit sehenswerten Kombinationen, so dass ihr Dauerfeuer phasenweise eher einem Torwarttraining glich. Ein Tor wollte weiterhin keiner der beiden Mannschaften gelingen.
Wenige Sekunden vor dem ersten Pausenpfiff brach schließlich Sebastian Furchner noch einmal durch die zu weit aufgerückten Reihen der Gäste zum Sololauf auf, umkurvte aus den Birken - und bekam die Scheibe nicht mehr unters Tordach gelupft. So erstickte der Torjubel der Grizzlies am Schoner des Kölner Torhüters.

2. Drittel
Der Mittelabschnitt hätte eigentlich das Drittel der Gäste werden können, doch ein früher Wolfsburger Treffer sollte am Ende der 20 Minuten das Ganze ad absurdum führen.
Die Grizzlies gerieten nun stark unter Druck und einzig Haskins Tor (24.) und eine kurze Drangphase in Überzahl sorgten kurzfristig für Entlastung. Den Rest der Zeit boten die Haie einen einzigen Sturmlauf auf das von Daniar Dshunussow überragend gehütete Gehäuse des EHC. Doch egal wie viel die Gäste auch investierten, ob Hauner, Boos, Jaspers oder Claaßen, ob Blueliner oder Nachschuss – der Wolfsburger Goalie hatte immer eine Antwort parat und zog den Haien nicht nur den einen oder anderen Zahn: Wie sich im folgenden Schlussabschnitt zeigte, hängte der Torhüter der Grizzlies gleich das ganze Gebiss der Domstädter an die Wand.
Das Glück des Tüchtigen durfte da natürlich auch nicht fehlen, so dass auch mal der Puck unberührt durch den Torraum rutschte bzw. bei D’Aversas Schuss der Pfosten retten musste.
So reichte den Gastgebern ein einzelner, in seiner Lockerheit an die vergangene Saison erinnernder, überragend vorgetragener Spielzug der 1.Reihe, um mit einem denkbar knappen Vorsprung in die Pause zu gehen.

3. Drittel
So sehr wie die Gäste offenbar die Hoffnung oder die Geduld verloren hatten, so sehr kamen jetzt die Grizzlies in Fahrt.
Zur (angenehmen) Überraschung der über 2600 anwesenden Fans dominierte der EHC nun den Gast aus Köln fast nach Belieben, wobei die Haie sich durch teils dumme Fouls letztlich selber aus der Partie nahmen.
Während Wolfsburg folgerichtig das 2:0 durch Sebastian Furchner erzielen konnte (53.), blieben die Haie im letzten Durchgang vor allem vieles an Spielübersicht schuldig und konnten sich so nur noch in der Endphase der Partie gefährlich in Szene setzen. Aber auch die Schlussoffensive der Gäste sollte, dank Dshunussow und einer deutlich verbesserten Abwehrarbeit der Grizzlies, von keinem Erfolg gekrönt sein. Zumindest aus Sicht der Haie, denn wenige Sekunden vor der Sirene nutzte Kai Hospelt die Gunst des Augenblicks, um mit einem Schuss ins leere Tor seinen zweiten Saisontreffer zum 3:0 zu buchen.
Am Ende stand der zweite shut-out im zweiten Heimspiel und damit die erste Gelegenheit nach den traurigen Ereignissen der letzten Wochen einen Heimsieg wirklich entspannt zu feiern.


Mein subjektiver Eindruck

Ich bin mir nicht sicher, aber es muss schon drei oder vier Jahre her sein, dass man derartige Schwierigkeiten beim Passspiel bei einem Wolfsburger Team beobachten konnte. Die Integration von zwölf Neuzugängen ist beim doch fordernden Spielsystem unseres Trainers offenbar eine Herkulesaufgabe. Ständig streckte sich irgendein Spieler nach dem Pass des Nebenmanns, immer wieder musste in der neutralen Zone scharf gebremst werden, damit der Angriff nicht komplett abgebrochen werden musste. Der letzte Spielabschnitt gab aber Grund zur Hoffnung, wenn diese drei Punkte auch im zweiten Auftritt vor heimischer Kulisse wieder zu einem guten Teil auf die Torhüterleistung und die erschreckende Harmlosigkeit der gegnerischen Angriffsbemühungen zurückzuführen waren.
Im nächsten Heimspiel gegen Ingolstadt dürfte man gut erkennen können, ob auf der Auswärtstournee (Augsburg, Iserlohn, Nürnberg) schon weitere Fortschritte in Sachen Automatismen erzielt werden konnten.

Tor
Daniar mit dem zweiten shut-out im zweiten Heimspiel und mit der zweiten bärenstarken Vorstellung. Für mich nach dem bisher gesehenen die unumstrittene Nr.1, zumal sein Talent nur durch entsprechendes Vertrauen auch die nötige Konstanz bekommen kann. Und Talent hat Daniar mehr als genug!
Gerade seine Beinarbeit und sein Verhalten beim 1 gegen 1 sind absolute Ligaspitze! Wenn Ausrutscher wie beim ersten Gegentreffer in Ingolstadt die Ausnahme bleiben, wird wohl kein Weg an Dshuni als Starting-Goalie in dieser Saison vorbeiführen!

Verteidigung
Die Tendenz zur allgemeinen Verwirrung schwindet nur langsam aus der Defensivabteilung der Grizzlies. Robbie Bina zeigte immer wieder Ansätze wie zu Beginn der letzten Saison (reagiert zu langsam) und Nathan Paetsch braucht augenscheinlich noch den einen oder anderen Monat auf europäischem Eis, um sein Revier souveräner im Griff zu haben. Fischer wirkte deutlich übermotiviert, was zu den schon aus dem ersten Spiel bekannten Ungenauigkeiten führte.
Insgesamt ist in diesem Mannschaftsteil noch der meiste Sand im Getriebe, wobei Abstimmungsprobleme und Puckverluste im Angriff natürlich den Druck und die Organisationsmöglichkeiten im Abwehrverhalten deutlich beeinflussen.

Sturm
Die erste Reihe kommt immer besser in Schwung. Haskins beißt und ackert, Milley zaubert und findet seine Spielübersicht langsam wieder und Laliberte entwickelt allmählich Zug zum Tor und feuert (leider ineffektiv) aus allen Rohren...
Gut gefiel mir auch die 3. Reihe mit Beardsmore, Davis und Furchner. Furchner sorgte immer wieder für Unruhe im Drittel der Gäste, während Beardsmore mit viel Spielübersicht und gutem Stellungsspiel zu gefallen wusste (nicht nur in dieser Begegnung). Der Rest hatte helle und dunkle Momente, lediglich Hospelt spielte auf konstant hohem Niveau. Insgesamt zeichnet sich, leider nur langsam, etwas Besserung ab. Schlimm bleibt vor allem weiterhin das mangelnde Gefühl für die Geschwindigkeit der Nebenleute – selbst Pässe aus mittlerer Distanz verfehlen den Lauf der Mitspieler häufig mehr als deutlich...


Fazit
Und wieder ein Sieg, um sich Zeit für die nächsten Entwicklungsschritte zu erkaufen. Sehr, sehr wichtig! Die nächsten drei Gegner wären für ein eingespieltes Grizzlyteam allesamt schlagbar. Die Ergebnisse werden nun zeigen, in wieweit das bereits Funktionierende die deutlich zu erkennenden Defizite auffangen kann.
Ich bin durchaus gespannt und werde mir zumindest in Iserlohn vor Ort einen Eindruck davon verschaffen. mb