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EHC - ERC Ingolstadt 2:1

Mit den Panthern aus Ingolstadt gastierte nun zum ersten Mal in dieser Spielzeit ein waschechter Meisterschaftskandidat in der Wolfsburger Eisarena.
Nachdem am Ende des ersten Aufeinandertreffen mit den Schanzern eine ernüchternden, und vor allem verdiente, 4:2 Niederlage gestanden hatte, sollte nun also die Revanche folgen.
Doch zunächst gab es für die rund 1850 Zuschauer noch eine beeindruckende Neuigkeit zu bestaunen: Die neue Einlaufzeremonie mit riesigem Grizzlykopf, Licht und Nebel begeisterte die trotz Fußball-Länderspiel erschienen treuen Fans und stimmte würdig auf das Kommende ein. 

1. Drittel
Das Spiel begann und die Grizzlies blieben zunächst einmal alle vorgenommenen Veränderungen zur Hinspielniederlage schuldig.
Ingolstadt gab sofort den Ton auf dem Eis an und setzte Lukas Lang bei seiner Premiere im Grizzlydress umgehend unter Dauerdruck. Lediglich eine Strafzeit gegen die Gäste aus Bayern (4.) ließ den EHC kurzfristig durchatmen – nennenswerte Torchancen blieben auf Seiten der Grizzlies jedoch aus.
Die Panther agierten insgesamt wesentlich gedankenschneller, strukturierter und zielstrebiger als ihre Gastgeber und erkämpften sich somit folgerichtig die 0:1 Führung in der 7. Spielminute, die Girard unbedrängt per Abstauber erzielen konnte.
Hahns Schuss hatte der Goalie der Grizzlies nur in den hohen Slot klären können, wo der Stürmer der Panther das schlafmützige Stellungsspiel der Wolfsburger Hintermannschaft locker bestrafen konnte.
Während der EHC die Partie weitgehend mit Defensivaktionen und Spielaufbauversuchen gestaltete, setzte der Gast aus Bayern immer wieder nach, versuchte ab der 11.Minute im Powerplay endlich zum zweiten Treffer zu kommen...und scheiterte zum Glück immer wieder!
Wie es den Grizzlies, die gegen Ende des Drittels endlich etwas ins Spiel zu kommen schienen, gelang, ohne weiteren Gegentreffer in die Pause zu kommen – es bleibt ein Rätsel.

2. Drittel
Und wieder stürmte nur der Gast.
Doch erneut nahm eine frühe Strafe gegen Ingolstadt vorübergehend den Druck von den verbissen dagegenhaltenden Grizzlies, die sich nach rund zweieinhalb gespielten Minuten ein zweites Mal im Powerplay versuchen durften. Aber kaum war das, durchaus ansehnliche, Überzahlspiel der Gastgeber beendet, da regnete es auch schon Strafen für den EHC!
Dreimal hintereinander gerieten die Grizzlies, teils umstritten, in Unterzahl, so dass der Abschnitt zwischen der 27. und 36. Spielminute zu einer einzigen Abwehrschlacht geriet. Doch gerade die zwei aufeinander folgenden Strafen gegen den wie besessen agierenden Tyler Haskins hatten das Publikum nun massiv aus der Reserve gelockt: Mehr als wütend feuerten die Wolfsburger Fans ihr Team in Dauerunterzahl derart an, dass die eigentlich in Überzahl befindlichen Gäste mehrfach in Gefahr eines shorthanders gerieten. Selbstbewusstsein und Entschlossenheit wuchsen bei Pavel Gross’ Team spürbar von Minute zu Minute, so dass auch die Panther nun zu unerlaubten Mitteln greifen mussten und Strafen folglich auf beiden Seiten verhängt wurden.
Mit rund einer Minute eigener Überzahl auf der Uhr konnten deutlich verbesserte Grizzlies schließlich zum zweiten Mal in die Pause gehen.

3. Drittel
Und der Aufwärtstrend der Gastgeber sollte weitergehen!
Kurz vor Ablauf der aus dem Mitteldrittel verbliebenen Strafzeit gelang das zwischenzeitlich für unmöglich gehaltene: Der EHC konnte Ian Gordon im Tor der Panther tatsächlich zum Ausgleich überwinden!
Wer anderes als Tyler Haskins hätte es sein können, der den entscheidenden Abpraller zum 1:1 über die Linie beförderte. Per Schlittschuhkick legte der Wolfsburger Stürmer sich den Puck selber vor und berührte diesen offenbar noch rechtzeitig mit der Kelle, bevor er die Linie überquerte. Dem folgenden Videobeweis hielt der Treffer jedenfalls stand und das mittlerweile hochgradig elektrisierte Publikum konnte diesen Treffer somit sogar noch ein zweites Mal bejubeln.
Der EHC nahm die freiwerdende Energie dankbar auf, dominierte den Schlussabschnitt, zur allgemeinen Überraschung, sogar und entschied diese Partie noch in der regulären Spielzeit für sich.
Auch der zweite Treffer der Grizzlies war eher ein Produkt des Willens und weniger der eher mittelmäßigen Spielkultur der Wolfsburger geschuldet.
Matt Diesel war es diesmal, der Fischers Schuss im Nachsetzen aus dem hohen Slot verwertete (51.). Ingolstadt reagierte, wie schon beim ersten Gegentor, mit wütenden Gegenangriffen, doch die Grizzlies waren längst nicht mehr so einschnürbar wie noch in den ersten beiden Abschnitten der Begegnung.
Auch ein Scheibenbruch in der neuen Einlaufkurve (55.) konnte die Gastgeber nicht mehr aus dem Tritt bringen: Hoch konzentriert und gestützt auf einen hervorragend haltenden Lukas Lang blieben sie bis zum erlösenden Schlusspfiff stets gefährlich und ließen den Gast aus Bayern letztlich mit leeren Händen die Heimreise antreten. 

Mein subjektiver Eindruck
Ingolstadt war über zwei Drittel die deutlich bessere Mannschaft. Gedanklich und im Spielaufbau wesentlich schneller, schien das Team von Rich Chernomaz alle Aktionen der Grizzlies schon im Voraus zu erahnen. Mit viel Leidenschaft und noch mehr Glück hielten unsere Jungs sich die Chancen für ein spätes Comeback offen. Dass es doch noch klappte, war offenbar einer extremen Energieleistung zu verdanken, die sie wohl kaum mehrmals hintereinander abrufen könnten. Bis zu den Play-offs, wo man bekanntlich mehr als einmal hintereinander gegen derart starke Gegner antreten muss, sollte daher vieles doch eher spielerisch gelöst werden können...


Tor
Anders als im Vorbereitungsspiel gegen Krefeld zeigte sich der Wolfsburger Neuzugang bei seinem Pflichtspieldebüt hochkonzentriert. Mit sehenswerten Reflexen und gutem Stellungsspiel einer der Hauptgründe für den überraschenden und späten Sieg der Grizzlies. Gegen derart starke Gäste von der Möglichkeit eines shut-outs zu sprechen, wäre jedoch vermessen.  

Verteidigung
Fischer hat als erster Akteur offenbar Bestform erreicht. An allen spielentscheidenden Aktionen beteiligt und trotz allgemeiner Abstimmungsprobleme im Team meist unbeeindruckt. Alle anderen, mit einer Ausnahme, scheinen auf einem guten Weg zu sein, wobei der Leistungs- und Abstimmungsstand für den Gast aus Bayern eigentlich noch nicht gereicht hätte.
Einzig Nathan Paetsch zeigt, wie schon zuvor zu beobachten, weiterhin deutliche Anpassungsprobleme an das europäische Eis und offenbar auch an die europäische Spielweise. Sollte das Team weiterhin erfolgreich spielen, so hoffe ich, dass wir den kanadischen Neuzugang spätestens beim Spenglercup mit ansprechenden Leistungen bewundern dürfen.

Sturm
Viel war es nicht, was in diesem Mannschaftsteil zusammenging. Der Spielaufbau sowohl aus der Defensive heraus, als auch in der neutralen Zone wurde rund 40 Minuten lang von Ingolstadt fast vollständig unterbunden. Das muss sich definitiv ändern, wenn man gegen Teams aus der oberen Region der Tabelle bestehen will!
Da der Wille und wohl auch der Konditionsstand mehr als in Ordnung gingen, soll hier aber keine individuelle Kritik angebracht werden. Beim derzeitigen Stand der Abstimmung im Team ist es schwierig gegen gut organisierte Gegner zu glänzen.
Einer schaffte es trotzdem: Tyler Haskins hieß der Mann, der mit schon fast beängstigender Beharrlichkeit die halbe Ingolstädter Mannschaft zur Weißglut gebracht haben dürfte. Diese extreme Arbeitsmoral und diese für den Gegner nervtötende Giftigkeit des Wolfsburger Topcenters (die irgendwie an Christoph Wietfeldt erinnerten) fanden nun auch endlich einmal Anerkennung über einen kleinen Gesang ihm zu Ehren. Danke, dafür! 

Fazit
Schön, wenn man auch mal ein „Drecksspiel“ gewinnt. Schönes Eishockey mit Spielfluss und allem drum und dran wird es gegen Topteams wohl nur eher selten zu bewundern geben. Bleibt die Hoffnung, dass das Team schneller zusammenwächst, als es eigentlich zu erwarten ist. mb