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EHC - Hamburg Freezers 2:3

Mit den Hamburg Freezers gastierte nach den Panthern aus Ingolstadt der zweite Titelaspirant in Folge in der heimischen Eisarena.
Nach zuletzt eher wenig erbaulichen Vorstellungen hatte das Team der Grizzlies erneut harte Kritik seitens ihres Trainers einstecken müssen, der vehement auf mehr Zweikampfstärke und Disziplin in der Wahrnehmung der einzelnen Rollen im Powerplay gedrängt hatte. Man durfte also gespannt sein, ob die Botschaften angenommen und in Taten umgewandelt würden.

1. Drittel
Und tatsächlich: Die Grizzlies kamen voller Tatendrang und mit teilweise sehenswerten Spielzügen aus der Kabine – fast so, als hätte der Umbau in der Sommerpause nicht stattgefunden. Aber leider nur fast...
Der Torerfolg blieb aus, das Team von Pavel Gross blieb im Abschluss weiterhin zu harmlos.
Und das, obwohl der Start mit Wolfsburger Dauerdruck und einem Powerplay gleich in der ersten Spielminute durchaus gelungen schien. Der Puck lief weitaus besser als zuletzt durch die Reihen der Gastgeber und das Publikum erfreute sich am angenehmen Spielfluss der Grizzlies...die Tore schossen jedoch die Gäste.
Nachdem der EHC mehrfach an Gästekeeper Curry verzweifelt war, schob Jerome Flaake gegen unglücklich agierende EHC-Verteidiger humorlos zum 0:1 ein (7.) – der Spielverlauf war somit komplett ad absurdum geführt.
Doch es sollte noch „besser“ kommen: Die Grizzlies attackierten weiterhin wütend das Gehäuse der Hamburger, scheiterten weiter aus allen Lagen am blendend agierenden Curry und kassierten in 14. Spielminute ein weiteres Tor der Marke „äußerst überflüssig“. Mehrfach abgefälscht landete der Puck auf dem Schläger des in zentraler Position wartenden Aubin, der das Spielgerät wie selbstverständlich zum 0:2 einnetzte. So einfach kann Eishockey sein.
Hatten Team und Fans des EHC auf den ersten Gegentreffer noch eher trotzig reagiert, so wirkten beide zunächst reichlich geschockt. Bis zur Drittelpause war der Schock dann aber offenbar verdaut, ein bis ins nächste Drittel dauerndes Unterzahlspiel überstanden die Gastgeber folglich nahezu problemlos. 

2. Drittel
Wolfsburgs Reihen Nr.1 und 2 machten nun mächtig Dampf und schnürten die Gäste, die immer wieder einzelne Nadelstiche setzen konnten, häufig in ihrem Drittel ein. Doch der Torerfolg sollte, viele vergebene Chancen später, erst in der 34.Minute die Eisarena zum Beben bringen.
Und selbst dieser Treffer war eher dem Zufall, als einem toröffnenden Pass geschuldet. Norm Milley hatte einen Schuss von Neuzugang Paetsch unabsichtlich an den Innenpfosten des Hamburger Tors abgefälscht (34.) und somit endlich den Bann gebrochen. Drei Minuten später hatte Christoph Höhenleitner die Riesenchance zum Ausgleich, konnte den Puck aber nicht per Direktabnahme über die Schoner des spektakulär herüberhechtenden Curry befördern.
Der nächste Angriff der Grizzlies sollte den Frust dann ins schier Unermessliche steigern: Stephen Werner zeigte sich im gegnerischen Drittel zu zögerlich im Abschluss, zog es vor noch einmal – leider ungenau – zu passen... und leitete den Hamburger Gegenangriff zum 1:3 damit ein (40.). Fast schon spielerisch leicht schloss Garrett Festerling den 3 auf 2 Konter der Gäste mit einem Handgelenksschuss aus spitzem Winkel in eben jenen ab.
Völlig genervt ging es für alle Grizzlies in die zweite Pause.

3. Drittel
Es hätte noch ein schöner Abend für die Wolfsburger Fangemeinde werden können, denn Blake Sloans Anschlusstreffer zum 2:3, der bereits nach viereinhalb gespielten Minuten aus dem hohen Slot für das erste Verteidigertor der Saison gesorgt hatte, kam eigentlich zur rechten Zeit. Zuvor war den Gästen der erste wirklich gute Start in ein Drittel gelungen, doch diesmal waren es die Freezers, die nichts Zählbares aus ihren Chancen machen konnten und ein ums andere Mal an Dshunussow im EHC-Tor gescheitert waren.
Die Begegnung spielte sich nun aber fast ausschließlich im Drittel der Gäste ab. Doch mit einer äußerst kompakten Vorstellung der Hamburger Defensive (also aller Hamburger Spieler) und einem weiterhin grandios haltenden John Curry im Tor gelang es den Freezers schließlich, die drei Punkte in die Hansestadt zu entführen.
Die Grizzlies hingegen, die über das gesamte letzte Drittel von ihrem Anhang unbeirrbar nach vorne getrieben wurden, standen am Ende mit leeren Händen dar. Auch die Herausnahme des Torhüters brachte letztlich keinen weiteren Torerfolg in die Reihen der Wolfsburger.
In diesem Moment wussten sie vermutlich mehr als genau, wie sich der Gast aus Ingolstadt vor einer Woche gefühlt haben musste.

Mein subjektiver Eindruck
Das Team zeigte sich im Spielaufbau und im Powerplay deutlich verbessert. Der Weg ist sicherlich der richtige, die Frage bleibt: Können ihn tatsächlich alle mitgehen? Passen Spieler und gewünschtes System zusammen, oder sind einige der Neuzugänge schlicht überfordert?
Die kommenden Wochen und Monate werden diese Frage hoffentlich positiv und vor allem deutlich beantworten können. Auf diese einzelne Partie bezogen, denke ich, dass auch ein wenig das viel beschworene Glück fehlte, um gegen den starken Gast aus dem Norden die Oberhand zu behalten. Außer der beeindruckenden Ruhe vor dem Tor hatten die Gäste unserem Team, meiner Meinung nach, nämlich nichts voraus.


Tor
Dshuni mit solider Leistung, wirkte beim ersten Gegentreffer etwas unglücklich, genauso wie das Zustandekommen der Situation für die Hamburger eben glücklich war. Ansonsten ein starker Rückhalt, der stets die richtigen Entscheidungen traf.

Verteidigung
Insgesamt solide. Wenig überzeugend empfand ich die Kombination Sloan und Schopper, die gleich bei zwei Gegentore Pate stand. Wobei Schopper mich nicht nur im Stellungsspiel, sondern auch individuell enttäuschte.
Bei Paetsch möchte ich, mit ein wenig gutem Willen, einen leichten Aufwärtstrend ausmachen. Hoffentlich täusche ich mich nicht.

Sturm
Während die neu formierte erste Reihe mit Hospelt in der Mitte ein gutes Spiel ablieferte, wirkte Haskins in der zweiten Reihe verschenkt. Hauptgrund dürfte dafür der bisher mehr als blasse Neuzugang David Laliberté sein, der für mich bisher nicht mal im Ansatz eine Verstärkung darstellt. Während Stephen Werner, der einen rabenschwarzen Tag erwischte und zwei Gegentreffer einleitete, bereits in einigen Spielen gezeigt hat, dass er die ihm zugedachte Rolle im Team (3. oder 4.Reihe) spielen könnte, kam und kommt vom Winger der 2. Reihe kaum ein nennenswerter Impuls für das Spiel der Grizzlies. Gleiches konnte man bisher leider auch bei Patrick Davis sagen, der bis zu seinem Ausfall in Iserlohn die gleichen Anpassungsschwierigkeiten wie sein Kollege Laliberté zeigte...
Der Sturm und seine fehlende Effizienz sind definitiv unsere entscheidende Baustelle.

Fazit
Es wird noch viel Geduld und auch ein bisschen Glück brauchen, bis die Neuzugänge integriert sind und das Team den Schwung und die Torgefahr der letzten Saison erreicht hat. Mein persönlicher Tipp ist und bleibt die Zeit nach dem Spenglercup. Bis dahin muss es uns gelingen, zumindest gegen die schwächeren Teams der Liga – und das sind nicht allzu viele – regelmäßig zu punkten. Ob Freezers, Eisbären und Adler für uns dann im Verlaufe der Saison irgendwann einmal schlagbar werden...schwer zu sagen. mb