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EHC - Augsburger Panther 4:3 n.P.

Nach vier Niederlagen in Folgen begrüßten die Grizzlies nun die Panther aus Augsburg in der BraWo-Eisarena, um nach guten Ansätzen im vorausgegangenen Spiel endlich wieder einen Sieg feiern zu dürfen.
Da es dieses Jahr kaum oder keine leichten Gegner in der Liga zu geben scheint (selbst die abgeschlagenen Ice Tigers begannen unlängst regelmäßig zu punkten), war auch im zweiten Aufeinandertreffen mit dem Low-Budget Team aus Bayern volle und vor allem durchgängige Konzentration gefragt. Das erste Duell hatten die Fuggerstädter allerdings für sich entscheiden können...

1. Drittel
Allen negativen Eindrücken zum Trotz starteten die Grizzlies begeisternd in die Partie. Die wieder einmal neu formierten und auch im Laufe der Partie nicht immer gleich bleibenden Reihen der Gastgeber setzten den Panthern mächtig zu und so gab es im ersten Spielabschnitt auf dem Eis und auch auf den Rängen jede Menge strahlende Gesichter zu bewundern.
Für beide Treffer der Hausherren zeichnete dabei Neuzugang Matthew Dzieduszycki, genannt Diesel, verantwortlich, der bereits in der 4. Minute einen Abstauber zum 1:0 und nur zweieinhalb Minuten später im Powerplay eine sehenswerte Kombination zum 2:0 verwandelt hatte.
Zwar brauchten die Gäste im Anschluss eine Weile, um wieder in die Partie zu finden, doch gefährlich – und vor allem unbeeindruckt – blieben diese allerdings zu jedem Zeitpunkt dieses Abschnitts. Nur blieb Augsburg in den selteneren, aber dafür brandgefährlichen Situationen vor dem Gehäuse der Grizzlies stets glücklos, so dass am Ende des Drittels ein Pfostentreffer und zwei ausgelassene Chancen trotz leerem Tor für die Gäste zu verbuchen waren. Das alles trug allerdings zur äußerst „lebendigen“ Atmosphäre auf dem Eis bei, deren Auswüchse vom leitenden Referee erst sehr spät unterbunden wurden. Armin Wurm war es schließlich, der ein ungeahndetes vermeintliches Foul an seinem Kollegen Schopper mit einem unbarmherzigen Check beantwortet hatte und so in eine Boxerei mit Racheengel Jeffrey Szwez geraten war. Die folgenden 2+2 Strafen wurden auf Seiten des Augsburgers noch um 10 Minuten ergänzt und da wenig später auch Szwez’ Kollege Zeiler wegen übertriebener Härte auf die Strafbank wanderte, ging es für die Grizzlies schließlich bei eigener Überzahl und mit einer 2-Tore-Führung in die Kabinen. So durfte das aus EHC-Sicht weitergehen...


2. Drittel
...tat es aber nicht.
Der EHC lieferte im nun folgenden Drittel seine mit Abstand schlechteste Saisonleistung ab und riss das bis dahin Aufgebaute gleich wieder ab.
Nach erfolglosem Beenden der restlichen Überzahl aus Drittel Nr.1 nahm das Elend seinen Lauf. Zwischen der 26. und 31.Minute kassierte Wolfsburg sage und schreibe drei Gegentore:
2:1 durch O’Connor, der kurz vor Ablauf einer Strafe gegen Wolfsburg noch einnetzen kann (26.).
2:2 durch Chad Bassen in Unterzahl, der das viel zu riskante Positionsspiel der Grizzlies mit nur einem Verteidiger per Konter gnadenlos ausnutzt (27.).
2:3 durch erneut O’Connor, der einen von der blauen Linie einfach mal Richtung Tor geschlenzten Puck unhaltbar ins Gehäuse der Gastgeber abfälschen kann.
Wolfsburg präsentierte sich nun völlig neben der Spur und konnte sich am Ende bei Goalie Dshunussow bedanken, dass es beim knappen Rückstand blieb. Selbst bei eigenem Powerplay blieben die Gäste gefährlicher als das Team von Pavel Gross, so dass im zweiten der beiden folgenden Überzahlspiele den Grizzlies sogar das Kunststück gelang, dieses durch dumme Fouls in ein Unterzahlspiel zu verwandeln.
Reichlich bedient ging es schließlich zum zweiten Mal in die Pause. 


3. Drittel
Und weiter ging die wilde Fahrt. Jetzt waren wieder die Grizzlies aus dem ersten Drittel zugegen und los ging die Aufholjagd!
Dank des doch teilweise recht rustikalen Auftreten der Panther befand man sich auch schon bald wieder im Powerplay und siehe da: In dieser Verfassung klingelte es auch umgehend hinter dem gut aufgelegten Weiman im Tor der Gäste. Ganze zweieinhalb Minuten waren gespielt, da durfte Grizzly-Verteidiger Nathan Paetsch endlich seinen ersten Saisontreffer und der orange Anhang somit das erlösende 3:3 bejubeln (43.).
Der Schwung der Grizzlies hielt zum Glück auch weiter an, doch was nun fehlte, war 1. das entsprechende Glück im Abschluss und vor allem 2. der entsprechende Schiedsrichter, der nicht auf Strafzeitenausgleich sinnte.
Zwei äußerst fragwürdige Strafen gegen das Heimteam nahmen den Bemühungen des EHCs leider etwas die Schärfe, so dass am Ende lediglich ein überlegen geführtes Drittel, aber leider nicht der dreifache Punktgewinn stand.

Verlängerung
Wirklich Dramatisches gab es hier kaum zu berichten...bis auf die letzte Minute: Zunächst scheiterte Milley an Weiman, dann hatte Benedikt Schopper in allerletzter Sekunde den Siegtreffer auf der Kelle – und bekam ihn ebenfalls nicht am glänzend parierenden Augsburger Goalie vorbei. Nachdem letztlich der Videobeweis Gewissheit gebracht hatte, ging es ins Penaltyschießen.

Penaltyschießen
Dshuni, im 1 gegen 1 einfach unüberwindbar, sicherte hier den Sieg und den Zusatzpunkt für die gastgebenden Grizzlies. Stephen Werner durfte sich folglich als einziger erfolgreicher Schütze das game-winning-goal gutschreiben lassen.
Nach dem seltsamen Mitteldrittel wirkten Mannschaft und Fans am Ende eher erleichtert als ausgelassen...

Mein subjektiver Eindruck
Da musste man lange rufen, bevor das Team nach Abpfiff überhaupt noch einmal aufs Eis kam. Entweder die folgende Ansprache des Trainers dauerte dann doch etwas länger, oder die Truppe war ob ihrer Vorstellung im Mitteldrittel über sich selber dermaßen angepisst, dass sie keine Lust zum Feiern hatten. Ich hoffe mal letzteres, da es zumindest eine realistische Einschätzung der eigenen Leistung wäre...
Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie man nach vier Niederlagen in Folge ein Spiel noch derart nachlässig fast wegschenken kann. Das ist praktisch der moralische Kopfschuss, wobei man dem Henker noch die Waffe persönlich lädt und übergibt.
Knackpunkt bleibt dabei das Powerplay, welches nun offensiv aus dem Gleichgewicht geraten ist. Zwar entwickelt man nun wirklich ausreichend Druck, um erfolgreich zum Abschluss zu kommen, doch das Ganze ist jetzt so riskant angelegt, dass die mangelnde Abstimmung öfter mal in die andere Richtung losgeht. Da hilft weiter nur: Üben, üben, üben...


Tor
Dshuni mit einer etwas unruhigen Vorstellung, zeigte seine Klasse trotzdem mehrfach und entschied die Partie im Penaltyschießen schließlich für uns. Nicht seine beste Vorstellung, aber da war er ja nicht ganz allein.

Verteidigung
Im zweiten Drittel wieder mal Chaostage in Wolfsburg. Robbie Bina zeigt wieder seine gefürchtete schnelle Auffassungsgabe unter Druck und Benedikt Schopper fällt verstärkt durch schlechtes Stellungsspiel und dumme Fouls auf. Auch wenn er offensiv diesmal den einen oder anderen Akzent setzen konnte – sein Verhalten bei 1 auf 2, wo er unserem Goalie leider bis zum Schluss nicht verraten wollte, welchen der beiden Gegner er nun zu blocken gedenkt, machte diese positiven Ansätze wieder zunichte. Einfach zu blauäugig wirkt er auf mich wie ein Nachwuchstalent...mit 26 ist das leider kein Kompliment mehr.
Der positive Trend bei Paetsch scheint sich hingegen zu verfestigen, während die Auszeit für Fischer im 3.Drittel mich, ehrlich gesagt, irgendwie ratlos macht. Da hätten andere gerne ein Päuschen machen dürfen.

Sturm
Das fröhliche Reihengewürfel geht weiter. Komischerweise überzeugen immer die gleichen Spieler, egal wie man die Reihen zusammenstellt.
Außer Milley, Haskins und Diesel können noch Laliberte, Hospelt und Furchner mit Abstrichen begeistern – doch an der Produktivität insgesamt hat sich bisher nicht viel getan. Die weiteren Neuzugänge sind offenbar zunächst auf das Dasein als Arbeiter limitiert. Wir können uns wohl auf weitere Experimente freuen.


Fazit
Wir befinden uns, zum Glück deutlich erkennbar, in einem Findungsprozess, der allerdings immer frustrierender zu beobachten ist. Das Powerplay dient hier als hervorragendes Beispiel: Erst zahnlos, dann Harakiri! Es bleibt also weiter die Suche nach der richtigen Mischung und der gesunden Balance in vielen Aspekten des Wolfsburger Spiels.
mb