header
Log in
A+ A A-

EHC - Hannover Scorpions 3:2

Direkt im Anschluss an die bisher erbärmlichste Wolfsburger Saisonleistung stand nun also das erste Derby der laufenden Saison vor der Tür. Das von Wolfsburgs ehemaligem Trainer Toni Krinner betreute Team der Scorpions konnte im bisherigen Saisonverlauf durchaus überzeugen und trotz deutlich abgespecktem Etat im Mittelfeld der Liga mitmischen. Punktgleich mit den gastgebenden Grizzlies ging es also in dieses mit Spannung erwartete erste Kräftemessen der niedersächsischen Rivalen, bei dem die Vorzeichen zunächst nichts gutes erahnen ließen.


1. Drittel
Die ohne Maki und Herperger angetretenen Gäste zeigten sich zu Beginn auf Augenhöhe mit den Hausherren, beließen es aber über weite Strecken bei konzentrierter Defensivarbeit mit gelegentlichen gefährlichen Angriffsaktionen.
Typisches Auswärtshockey, an dem sich die Grizzlies zunächst die Zähne ausbissen.
Trotz zweier Überzahlspiele und der deutlichen Mehrzahl an, teils gefährlichen, Toraktionen blieb die Partie in den ersten 20 Minuten ohne zählbaren Erfolg für den Gastgeber.
Als Sekunden vor der Pausensirene Benedikt Kohl alleine auf Dimitri Pätzold zufuhr, hielt die Halle noch einmal gebannt den Atem an – doch Wolfsburgs Verteidiger zeigte deutlich, warum er eben Verteidiger und nicht Stürmer ist. Gegen Hannover Goalie, der ihn geschickt nach außen lenkte, blieb er zum Leidwesen der Heimfans, zweiter Sieger. 

2. Drittel
So stockend wie der Anfangsabschnitt in Sachen Chancenverwertung angelaufen war, so rasant nahm im Mitteldrittel die Torflut ihren Lauf. Wenn auch sowohl das 0:1 durch Martin Hlinka (24.) als auch der schnelle Ausgleich durch Laliberte (19 Sekunden später) eher auf zwei Unaufmerksamkeiten der bis dahin überzeugenden Torleute zurückzuführen waren, so gestaltete sich das zweite Drittel weitaus unterhaltsamer für die rund 3000 anwesenden Fans aus beiden Lagern.
Hannovers 0:1 war dabei quasi aus dem Nichts gefallen, da Dshunussow einen eigentlich ungefährlichen Schuss zu spät unter der Fanghand begraben wollte und somit die schmeichelhafte Führung der Gäste ermöglichte. Fast im direkten Gegenzug war Pätzold im kurzen Eck nicht auf dem Posten und musste einen Flachschuss von John Laliberte passieren lassen – endlich war richtig Feuer in der Bude!
Wolfsburgs folgende Drangphase konterte Gästecoach Krinner mit einer Auszeit in der 28.Minute, die dem Angriffsspiel der Grizzlies aber letztlich kaum den Schwung nehmen konnte. Ein ums andere Mal belagerten die Gastgeber den Kasten der Scorpions und selbst Robbie Bina setzte zu mehreren reichlich ungewohnten Sturmläufen bis hinter das gegnerische Gehäuse an. 
In der 32. Spielminute war es dann endlich soweit: Es galt die erste Derbyführung der Grizzlies zu bejubeln! Und wieder war es die Reihe um den Neuzugang aus der Landeshauptstadt (Dzieduzycki), die für den EHC erfolgreichen waren. Torschütze war diesmal mit Matt „Diesel“ Dzieduszycki sogar der Ex-Hannoveraner persönlich, dem zunächst der erste Treffer ebenfalls gutgeschrieben worden war.
Dem Abstauber durch Diesel ließ Wolfsburg ganze anderthalb Minuten später sogar das 3:1 per Paetsch-Hammer folgen.
Doch wer glaubte, dass die Begegnung nun eine einseitige Angelegenheit würde, der sah sich getäuscht. Nur 34 weitere Sekunden stand es auch schon wieder nur noch 3:2. Daschner hatte für die Scorpions mit einem verdeckten und gut platzierten Schuss von der blauen Linie den Anschluss wieder hergestellt – der Kampf ging weiter. 


3. Drittel
Das muntere Hin und Her des Mitteldrittels setzte sich zwar nicht ungebremst fort, doch die Spannung blieb Dauergast in der Eisarena.
Sowohl die Gastgeber, als auch Hannover erspielten sich im Schlussabschnitt noch die eine oder andere Torgelegenheit, beide Teams versuchten sich je zweimal im Powerplay und zu guter Letzt im Falle der Scorpions auch ohne Torhüter...vergeblich!
Es sollte kein weiterer Treffer mehr fallen, wobei besonders auf Seiten der zurückliegenden Gäste deutlich wurde, dass sie ohne Herperger und Maki offenbar nicht mehr genug qualitativ hochwertige Chancen erzwingen können. Sechs Schüsse auf des Gegners Tor sind in einem Schlussdrittel mit knappem Rückstand schlicht und ergreifend fast immer zu wenig, um die Partie noch zu drehen.   
So durfte Wolfsburgs Anhang an diesem Wochenende nach dem so enttäuschenden Erlebnis vom Freitag doch noch einmal tüchtig feiern!

 
 
Mein subjektiver Eindruck
Man darf den Sieg gegen Hannover beim besten Willen nicht überbewerten. Im Gegensatz zu den Roosters präsentierte sich der Sonntagsgast offensiv weitaus limitierter, ja streckenweise sogar ideenlos. Die Einstellung auf Seiten der Grizzlies war hingegen erkennbar verbessert, wenn auch von Play-off Hockey, das man in einem Derby eigentlich erwarten darf, noch einiges entfernt. Da Härte schon seit Jahren nicht zu den Hauptmerkmalen unseres Teams zählt, darf die Messlatte aber auch hier nicht zu hoch gelegt werden: Unsere Probleme liegen weiter im (zusammen)spielerischen Bereich.  


Tor
Dshuni mit Patzer beim ersten und ohne Sicht beim zweiten Treffer.
Nicht sein bestes Spiel, aber immer noch absolut solide. Bekam insgesamt sehr wenig aufs Gehäuse und musste zumeist gegen Schüsse aus der Distanz ran, da Hannover Probleme hatte strukturiert bis zu ihm vorzudringen. Insgesamt sehr undankbare Partie für ihn.

Verteidigung
Alle Akteure präsentierten sich deutlich verbessert gegen den doch etwas schwächeren Gegner im Vergleich zum Freitag.
Paetsch und Kohl machten, trotz Anwesenheit bei beiden (nicht zu verteidigenden) Gegentoren, eine gute Partie, wobei Patsch nach wie vor Anlass zu Hoffnung gibt. Besonders sein Treffer zum 3:1 mit neuem Schläger macht mir wirklich Mut für die kommenden Spiele. Nun aber die Pause bitte tüchtig zum Schusstraining verwenden!
Bina mit ungewohntem Offensivdrang. Auch wenn er, erst einmal hinter dem gegnerischen Tor angelangt, nicht wirklich wusste wie’s weitergehen soll – im Training mit den Kollegen bitte weiter abstimmen, dann hilft uns das vielleicht irgendwann weiter.
Fischer und Schopper, meiner Meinung nach, weiter mit aufsteigender Form. Wirkten beide deutlich konzentrierter als zuletzt.

Sturm
Diesel, Laliberte und Haskins rocken die Scorpions mal eben aus der Eisarena. Zum Sieg trugen aber diesmal wirklich alle Reihen bei, auch wenn die vierte Reihe um Beardsmore, Höhenleitner und Mayer die Gegentreffer aus nächster Nähe beobachten durfte: Den Treffern lagen kaum oder keine taktischen oder individuellen Fehler zugrunde.
Insgesamt eine robuste und endlich einmal wieder durchgängig akzeptable Leistung unserer Abteilung „Attacke“, wobei es schon ein bisschen mehr Torgefahr und vor allem Torerfolg sein dürfte...
Auch David Laliberté machte erste Anstalten den Passagiermodus etwas zu verlassen, veranstaltete dies allerdings auf weiterhin sehr niedrigem Niveau. 


Fazit
Derby gewonnen – alles im Lot? Nö. Aber die Freude über den Sieg gegen den Rivalen aus Hannover dürfte bei Fans und Team momentan die Sorgen über die inkonsistenten Leistungen und die weiterhin deutlichen Abstimmungsprobleme (Fehlpässe, Pässe in die Schlittschuhe etc.) überwiegen. Die Deutschlandcup-Pause kommt da wie gerufen: Einen guten Lauf unterbricht diese trotz des Erfolgs gegen die Scorpions nämlich beim besten Willen nicht...
mb