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EHC - Eisbären Berlin 5:2

In der Neuauflage des Finales der vergangenen Saison trafen die Grizzlies zum ersten Mal im laufenden Wettbewerb auf den (leider) amtierenden Meister.
Nach elf, teils extrem unglücklichen, Niederlagen am Stück sollte an diesem Abend endlich der erste Pflichtspielsieg seit mehr als zweieinhalb Jahren gegen den Gast aus Berlin eingefahren werden. Nachdem die Hausherren sich beim 10:2 Rekordsieg gegen Krefeld zuletzt äußerst bissig und torfreudig gezeigt hatten, war die Spannung im gut gefüllten Rund zum Greifen spürbar.  


1. Drittel
Der Meister aus Berlin übernahm zunächst die Initiative und demonstrierte bereits in den ersten Minuten seinen unbedingten Siegeswillen.
Mit etwas Glück und vorbildlicher Konzentration im Abwehrverhalten gelang es dem EHC jedoch die ersten gefährlichen Angriffe der Gäste abzuwehren. Diese brachten sich im Schwung der ersten Minuten allerdings selbst aus dem Takt, als Andre Rankel bereits in der 3.Minute den ersten Besuch der Strafbank für sich verbuchen konnte. Im Powerplay der Grizzlies wurde dann auch schnell klar: Dies würde keine sinnvolle Option für die Berliner Gäste werden! Brandgefährlich präsentierte sich das Wolfsburger Überzahlspiel, in welchem Tyler Haskins die erste Großchance nur knapp nicht über Zepps ausgefahrenen Schoner verwerten konnte.
Der Vizemeister war nun auch im Spiel und so entwickelte sich ein rasantes und an Höhepunkte reiches Auftaktdrittel.
In der 8.Minute war es dann auch endlich soweit: Tyler Haskins setzte sich auf dem linken Flügel durch und konnte sich per Querpass aussuchen, wer das Tor erzielen sollte. Er „entschied“ sich für Berlins Toptorjäger Tallackson, der mit zurückgeeilt war und den Puck mit dem Schlittschuh ins eigene Tor befördern durfte. Ein wenig enttäuschend für den einschussbereiten Laliberte, aber umso erheiternder für den Wolfsburger Anhang...
Berlin reagierte sichtlich genervt, provozierte nun bei jeder Gelegenheit die Wolfsburger Gegenspieler und hoffte offenbar auf die eine oder andere unbedachte Reaktion der Gastgeber. Die aber blieben hoch konzentriert und hielten die Partie gegen aggressive Eisbären mit viel Aufwand in der Waage. Und es kam noch besser: In der 19. Minute gelang Wolfsburgs Dauerläufer Sebastian Furchner indirekt sogar das 2:0, wobei Gästegoalie Zepp gegen den vermeintlich lockeren Schuss alles andere als eine glückliche Figur abgegeben hatte. Doch Zepp traf eigentlich keine Schuld an dem kuriosen Treffer, denn mit Julien Talbot hatte wiederum ein eigener Spieler den Puck im Nachsetzen von Furchners Kelle gestochert und direkt ins eigene Tor befördert!
Gut gelaunt und gespannt auf das, was da noch kommen mag, ging es für alle Wolfsburger in die erste Pause. Berlin hingegen befand sich nach zwei unglücklichen Gegentoren zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren in der Situation der Grizzlies.


2. Drittel
Die Eisbären drückten gleich wieder aufs Gaspedal, setzten Wolfsburgs teils mit erlaubtem teils mit weniger regelkonformem Einsatz mächtig unter Druck und kamen beim Schiedsrichtergespann mit dieser Linie nun weitestgehend durch. So wanderten trotz zahlreicher grenzwertiger Situationen zunächst nur die braunen Bären auf die Strafbank. Doch die Strafzeiten gegen Furchner und Fischer überstand der Gastgeber mit einer bemerkenswert stabilen Abwehrleistung und setzte schließlich im eigenen Powerplay ab der 28.Spielminute seinerseits zum Torerfolg an. Als wenig später der zweite Eisbär in die Kühlbox musste, machte der EHC kurzen Prozess: 18 Sekunden im 5 gegen 3 reichten, da zappelte der Puck zum 3:0 in den Maschen des Berliner Gehäuses! Christoph Fischer, der während der gesamten Partie ein regelrechtes Bombardement von der blauen Linie veranstaltete, hatte einen seiner satten Hämmer im Tor des Meisters versenkt – der Jubel in der Eisarena kannte nun kaum noch Grenzen: Der langersehnte Sieg gegen den Rivalen aus der Hauptstadt schien allmählich zum Greifen nah.
Doch Berlin wollte sich deutlich sichtbar nicht mit dem Ende der Serie abfinden, investierte weiter viel in Laufarbeit und Zweikämpfe, so dass Talbots Treffer zum 3:1 in Überzahl nur als äußerst verdient bezeichnet werden konnte.
Der Schock über die ersten Früchte der Berliner Hartnäckigkeit währte allerdings nur kurz. Keine zwei Minuten später hatte sich der unermüdliche Haskins mal wieder bis vor Zepps Gehäuse durchgetankt, der Haskins’ Schuss zwar mit dem Schoner blocken konnte, doch gegen Milleys Nachschuss chancenlos blieb.
Mit diesem 4:1 ging es in die zweite Pause, nach einem Drittel, das außer einer äußerst seltsamen Strafenverteilung kaum orange Wünsche offen gelassen hatte.


3. Drittel
Und der Gast aus Berlin wollte sich immer noch nicht mit dem Ende seiner
Siegesserie abfinden. Während sich auf Seiten der Grizzlies langsam der Kräfteverschleiß aus den beiden ersten Dritteln bemerkbar machte, marschierten die Eisbären immer weiter in Richtung Anschlusstreffer. Nachdem Wolfsburg zum Auftakt des Schlussdrittels eine brenzlige Unterzahlsituation noch schadlos überstanden hatte, schlug es dann doch noch zum zweiten Mal hinter dem tadellos agierenden Dshunussow im Tor der Grizzlies ein. Berlins Toptorjäger Tallackson hatte nun auch auf der richtigen Seite sein Tor erzielen können und somit auf 4:2 verkürzt. Eine Aufholjagd der Gäste wurde nun immer wahrscheinlicher – der Tank einiger Grizzlies wanderte erkennbar in den roten Bereich und Entlastung wurde immer seltener. Am Ende hatte der Gastgeber nicht einmal mehr eine Handvoll Schüsse auf den Kasten der Eisbären abgeben können, doch der letzte sollte – dank fehlendem Torwart – seinen Weg ins Berliner Gehäuse finden!
Das 5:2 per Empty-net krönte nicht nur die tolle Leistung von Nationalspieler Kai Hospelt, sondern auch einen begeisternden Eishockeyabend mit einem unglaublich kampfstark und konzentriert auftretenden Wolfsburger Team. Das ganze Spiel wirkte letztlich wie verkehrte Welt: Diesmal waren es am Ende die Berliner, die deutlich öfter auf das Gehäuse der Grizzlies gefeuert hatten und denen die Effizienz und das Scheibenglück der Wolfsburger, aber auch das eine oder andere Missgeschick vor dem eigenen Tor zu guter Letzt das Genick brach.
Aus Wolfsburger Sicht hätte diese (erste) Revanche kaum süßer ausfallen können... 
 
 
 
Mein subjektiver Eindruck
Zwei erzwungene und trotzdem unglückliche Eigentore der Eisbären legten den Grundstein für ein Spiegelbild vieler Partien gegen Berlin. Wie oft musste man derart seltsame und frustrierende Niederlagen gegen das Team aus der Hauptstadt eigentlich bisher hinnehmen? Ich weiß es schon gar nicht mehr!
Insgesamt zeigte unser Team aber vor allem sehr eindrucksvoll, was möglich ist, wenn man die Konzentration durchgängig hoch hält. Fast fehlerlos und mit höchstem Einsatz gelang, was seit 2,5 Jahren nicht mehr möglich war: Ein Sieg gegen die Eisbären! Damit ist das erste außergewöhnliche positive Zeichen dieser Saison gesetzt, wobei auch Zuschauerzahl und Stimmung in der Halle Anlass zur Hoffnung gaben. Das nächste Aufeinandertreffen am kommenden Sonntag dürfte allerdings noch einmal eine Spur härter ausfallen, da der EHC bis dahin ein Spiel mehr als die Konkurrenz zu absolvieren hat.
Wie dem auch sei: Die Saison hat ihr erstes Highlight. Danke, dafür!

 
Tor
Dshuni tadellos. Zeigte eine seiner stärksten Leistung im Dress der Grizzlies und zahlt das Vertrauen des Trainers, das er in den letzten Jahren mehr als verdient gehabt hätte und nun endlich bekommt, mehr und mehr zurück.

Verteidigung
Die Verteidigerpaare leisteten Schwerstarbeit und zeigten allesamt Saisonbestleistung. Selbst Bina und Kohl, die bei beiden Gegentreffern auf dem Eis standen, konnten im Rahmen ihrer Möglichkeiten absolut überzeugen! Binas physische Schwäche an der Bande hat sich allerdings ligaweit rumgesprochen: Erschreckend, wie einfach der Wolfsburger Verteidiger auf dem Weg zum Puck an der Bande aus dem Weg geräumt werden kann. Ansonsten aber immer auf der Höhe des Geschehens!
Zusätzliches Lob hat sich Christopher Fischer verdient. Der Wolfsburger Verteidiger ist auf dem besten Weg die Rolle, die einst Alavaara einnahm, zu übernehmen, wohingegen Paetsch etwas überraschend mittlerweile die Rolle der defensiven Absicherung übernimmt.

Sturm
Mit Tyler Haskins und Sebastian Furchner hat man zwei Kampfsäue im Team, die fast auf Christoph Wietfeldt – Niveau agieren. Darüber hinaus bringt vor allem Haskins enormen Zug zum Tor und Fähigkeiten am Stock mit, die ihn momentan zur herausragenden Persönlichkeit im Spiel der Grizzlies machen. Ein Tor und drei Assists in einem derart intensiven Spiel sprechen, ebenso wie bei Christopher Fischer (1T+2A), eine eigene Sprache. Ähnlich gigantisch trat, zum wiederholten Male, Kai Hospelt ins Rampenlicht und zeigte eine Leistung, die als Lehrvideo in Sachen Mannschaftsdienlichkeit herhalten könnte. Das etwas glückliche 5:2 war da nur der gerechte Lohn.
Ansonsten trat das Team derart geschlossen auf, dass man schon wieder etwas ins Träumen geraten könnte. Selbst David Laliberté bot echten Kampf und einige wirklich hart geführte Zweikämpfe an. Vielleicht zieht die mannschaftsinterne Entwicklung den kanadischen Neuzugang irgendwann mit ins Boot und er zeigt seinen Wert fürs Team. Ich habe mittlerweile tatsächlich Hoffnung! Gleiches gilt für Patrick Davis, der weiterhin jegliche Effektivität in Richtung gegnerisches Tor vermissen lässt.


Fazit
Nach dem Schützenfest gegen Krefeld bestätigte das Wolfsburger Team seinen Aufwärtstrend eindrucksvoll. Nicht zu unterschätzen ist dabei aber auch das wohltuende Scheibenglück, dass den Grizzlies momentan zuteil wird. Es bleibt zu hoffen, dass das Team von Pavel Gross noch eine Weile eben jenes Glück hold bleibt, damit die vor dem Spengler Cup notwendige Siegesserie ihren Lauf nehmen kann. Wie das Team die außergewöhnliche Aufteilung des Spielplans verkraftet, werden die kommenden 6 Wochen nun zeigen.
mb