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EHC - Eisbären Berlin 0:1

Nachdem vor einer Woche der Eisbärenfluch besiegt worden war, standen sich beide Kontrahenten nun erneut in der Eisarena gegenüber. Während auf Seiten der Grizzlies der Schock über den langfristigen Ausfall von Kapitän Blake Sloan noch reichlich frisch und die unglückliche Niederlage in Köln ebenfalls sehr präsent war, kam der Meister aus der Hauptstadt mit sichtbar frischem Mut aus der letzten Partie in Ingolstadt. Eine mannschaftsinterne Aussprache und entsprechende Trainingsmaßnahmen schienen kurzfristig gegriffen und Berlin auf einen guten Weg aus der kleinen Krise geführt zu haben. Rund 700 – 800 Eisbärenfans hatten sich auf die kurze Reise nach Wolfsburg gemacht, um sich von den angeblichen Verbesserungen im direkten Vergleich mit dem Vizemeister zu überzeugen...


1. Drittel
Das Beste gab es an diesem Nachmittag gleich vorneweg serviert: Nach kurzem Abtasten gab zunächst der Gastgeber ordentlich Gas, nach dem etwas glücklichen Treffer der Eisbären (8.Min) kam dann auch Berlin richtig ins Spiel, so dass ein äußerst sehenswertes erstes Drittel seinen Lauf nahm.
Dass Darin Olvers Treffer schon der spielentscheidende sein sollte, war zu diesem Zeitpunkt eigentlich kaum denkbar: Zu viele gute Spielzüge und Chancen bekamen die rund 3200 Zuschauer im weiten Rund geboten, als dass ein weiteres Tor – vor allem für die munter aufspielenden Wolfsburger - in irgendeiner Weise fraglich erschien.
Doch während die erste Überzahlgelegenheit der Grizzlies noch recht überzeugend vorgetragen daherkam, machte bereits die zweite ab der 12.Spielminute deutlich, dass die Gäste in Unterzahl diesmal wenig Sorgen haben würden. Im Gegenzug überzeugte allerdings auch das Unterzahlspiel des EHCs, so dass es mit 0:1 in die erste Pause ging.


2. Drittel
Berlin behielt den bereits im ersten Aufeinandertreffen eingeschlagenen Kurs bei und zeigte im Mitteldrittel wieder verstärkt die bekannte Mischung aus hohem läuferischen Einsatz, gesunder Härte und gezielten kleineren und größeren Provokationen. Unbeeindruckt drängte das Team von Pavel Gross zwar weiter auf den Ausgleich, doch hätten die Eisbären sich durch zwei dumme, weil übermotivierte, Strafen nicht jeweils selber aus dem Rhythmus gebracht, so wäre die Partie wohl schon früher so einseitig geworden, wie sie es gegen Mitte der Spielzeit dann letztlich wurde. So konnte Wolfsburg sich noch zweimal, leider erfolglos, im Powerplay versuchen, bevor die Gäste ihrerseits in Überzahl (35.) an Wolfsburgs Verteidigung scheitern durften.
Da die Grizzlies leider nicht an ihre zuletzt so überzeugende Chancenverwertung anknüpfen konnten, schwand die Hoffnung auf ein Kippen der Partie somit von Minute zu Minute...


3. Drittel
Statt einer furiosen Aufholjagd oder zumindest einer intensiven Schlussoffensive der Grizzlies, diktierte im Schlussabschnitt eindeutig Berlin das Geschehen auf dem Eis. Den immer kraftloser in ihren Aktionen auftretenden Gastgebern blieb eigentlich nur aufgrund einer konzentrierten Abwehrleistung und eines überragenden Daniar Dshunussow der kleine Hoffungsschimmer auf einen lucky punch vor Ablauf der regulären Spielzeit. Dass Wolfsburg die Partie vielleicht noch drehen könnte, lag eigentlich zu keinem Zeitpunkt in der Luft. Lediglich, als Christopher Fischer einen der gelungeneren Überzahlspielzüge der Grizzlies an den Außenpfosten des Berliner Gehäuses knallte, wachte Wolfsburg noch einmal wirklich auf.
So sollte der glückliche Punkt, den ein einzelner Treffer für die Grizzlies bedeutet hätte, letztlich ebenfalls mit auf die Reise nach Berlin gehen...  
  
 
Mein subjektiver Eindruck
Da fehlte bei unseren Jungs offenkundig die Kraft. Der Ausfall von Kapitän Sloan und die traurigen Ereignisse rund um Benedikt Kohl schlugen spürbar durch: Es fehlte weitestgehend die Leichtigkeit in den Aktionen der Wolfsburger. So bewegte sich das Team der Grizzlies bestenfalls 30 Spielminuten mit dem Meister auf Augenhöhe, dann hatte Berlin das Spiel fast vollständig unter Kontrolle. Einen Vorwurf kann man, meiner Meinung nach, niemanden machen, da bei allen Beteiligten der Wille erkennbar war. Bei der Umsetzung dieses Willens sollte man nun vielleicht mit je einem neu zu verpflichtenden Stürmer und Verteidiger der Mannschaft unter die Arme greifen – so die finanziellen Mittel dafür vorhanden sind.


Tor
Dshuni wieder einmal in granatenstarker Form!
In einem Spiel, in dem auch die Wolfsburger mal den Puck über die Linie gebracht hätten, wäre er der unumstrittene Held gewesen. So hielt er den EHC bis zum Schluss im Rennen um einen Punkt. Was bleibt ist ein mehr als überzeugender Auftritt, der leider keinen Einfluss auf unser Punktekonto hatte.

Verteidigung
Wirklich guter Job der fünf verbliebenen Verteidiger. Ein Riesenlob geht natürlich an Benedikt Kohl, der trotz Freistellung zum Spiel anreiste, um nach der schweren Verletzung des Kapitäns einzuspringen. Ein tolles Zeugnis für den Teamgeist in unserer Mannschaft und eine wirklich beachtliche mentale Leistung unseres Verteidigers mit der Nummer 34, der momentan ganz andere Sorgen als Eishockey haben dürfte.
Da das Wolfsburger Team ab Mitte der Begegnung als Ganzes eher defensiv ausgerichtet spielte, erleichterte dies die Aufgabe der Verteidigung natürlich enorm.

Sturm
Tja. Die Effektivität war...richtig geraten: Gleich Null.
Angesichts der Feuerkraft, die eigentlich in diesem Team steckt, werte ich das Ganze einfach mal unter der Überschrift „mentales Problem“ aufgrund der letzten Ereignisse.
Mit Kai Hospelt hatte man zwar einen neuen Kapitän, der eine bemerkenswerte Ausstrahlung auf dem Eis zeigte, doch auch er vermochte es nicht diesen etwas blockiert wirkenden Auftritt der Wolfsburger Sturmabteilung in produktive Bahnen zu lenken.


Fazit
Es ist schon ein wenig frustrierend, wenn man sich die Entwicklung des Teams in den letzten Wochen anschaut und dann diese personellen Tiefschläge hinnehmen muss. Da schien endlich fast alles und jeder auf dem richtigen Weg und nun fällt mit Blake Sloan eine der wichtigsten Persönlichkeiten auf dem Eis aus. Nach dem – vor allem spielerisch - eher rumpeligen Start in diese Saison, bleibt nun nur zu hoffen, dass das Team den ersten Schock verdaut und die sich entwickelnden Automatismen wieder aufnimmt und weiter vorantreibt. Ich hoffe, dass wir vorerst von weiteren störenden Einflüssen verschont bleiben, so dass meine Prognose von einem funktionierenden Team nach dem Spenglercup doch noch eintreffen könnte.
mb