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EHC - Augsburger Panther 3:2

Nach über 120 Minuten ohne eigenen Treffer in der heimischen Eisarena begrüßte Wolfsburg mit Augsburg nun das auswärts schwächste Team der Liga. Man wähnte die Chancen auf ein Ende dieser Durststrecke, gepaart mit den so wichtigen drei Punkten für die „Weihnachtspause“, zum Greifen nah...

 

 

1. Drittel

...und startete auch dementsprechend in die Partie.

Die Grizzlies gestalteten folglich vor allem die Auftaktminuten wie man es von einem Heimteam, das sich viel vorgenommen hat, erwartet. Doch nachdem die ersten guten Einschussgelegenheiten der Hausherren Beute des gut aufgelegten Tyler Weiman im Tor der Gäste geworden waren, brachte man die Gäste durch einen individuellen Fehler völlig überflüssig ins Spiel. Paetschs leichtfertigen Puckverlust hinter dem eigenen Tor ließ sich Sergio Somma letztlich nicht nehmen, und verwandelte den Hintertorpass seines Mitspielers Valery-Trabucco zum etwas überraschenden 0:1 für die Panther. 128 Minuten ohne Heimtor und die Nervosität stieg...

Augsburg fand nun besser ins Spiel und fast schien es, als ob der EHC eine Reaktion schuldig bleiben sollte. Doch ebenso überraschend wie das 0:1 gelang wiederum den Grizzlies der vielumjubelte Treffer zum 1:1 Ausgleich in einer Phase, in der eher das andere Team den Ton auf dem Eis angab. Nach sage und schreibe 136 Spielminuten war es dem „Diesel“ schließlich zu verdanken, dass man sich in der Eisarena an die Freuden des Jubelns erinnern und ab der 16.Minute wieder vorsichtig an einen Heimsieg denken konnte.

Hatten die herausgespielten Möglichkeiten bis dahin das gleiche Ende wie in den beiden Partien zuvor gefunden, so musste halt ein (absichtlich und gut) abgefälschter Schuss von Kapitän Kai Hospelt herhalten, um den Bann zu brechen.

Kurz vor Ende des Drittels dann die vermutlich spielentscheidende Szene: Nach einem Zweikampf an der Bande lässt HSR Jablukov zunächst weiterspielen, nachdem Wolfsburgs Verteidiger Armin Wurm mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden gegangen war. Mit etwas Verzögerung unterbrach der Referee schließlich doch das Spielgeschehen, hörte sich die Eindrücke eines seiner Linesmen an...und verhängte eine Spieldauer-Disziplinarstrafe gegen Augsburg Brian Roloff. Vermutlich hatte Roloff seinen Schläger an der Bande über das eigene Handgelenk von links nach rechts klappen lassen und dabei den Wolfsburger Verteidiger verletzt. Wurm büßte ein Stück Zahn, die Gäste für die kommenden fünf Minuten einen Feldspieler ein.

 

 

2. Drittel

Und Wolfsburg bekleckerte sich in den kommenden fünf Minuten nicht gerade mit Powerplayruhm. Völlig einfallslos und ohne den nötigen Druck aufbauen zu können verstrich für die Grizzlies fast die gesamte Zeit in Überzahl – aber eben nur fast!

Nachdem Dshunussow gleich zweimal gegen den alleine entwischten Moore entschärft hatte und sich schon so etwas wie „Pfeifbereitschaft“ im weiten Rund anbahnte, gelang mit David Laliberté einem der zuletzt so gescholtenen Neuzugänge doch noch die überfällige 2:1 Führung. Betrachtet man die Spielführung der Grizzlies bis zu diesem Punkt, muss man das Adjektiv „überfällig“ allerdings noch einmal gründlich überdenken. Viel zu überdenken hatten dann auch die Augsburger Spieler, als nur 35 Sekunden später erneut der Puck hinter Weiman zum 3:1 einschlug und das Ergebnis schon viel mehr nach einer fünfminütigen Überzahl aussah. Sebastian Furchner hatte den sehenswerten Spielzug nach einem Hintertorpass elegant über die Schulter von Tyler Weiman vollstreckt und die Grizzlies in eine gute Position für die weitere Spielgestaltung gebracht.

So tat Gästetrainer Larry Mitchell das aus seiner Sicht einzig Richtige und nahm dem folgenden Wolfsburger Sturmlauf mit einer Auszeit erfolgreich den Schwung. Besonders ärgerlich jedoch: Ab hier spielte eigentlich nur noch der Gast aus Bayern.

Die Hausherren überkam eine seltsam anmutende Müdigkeit in ihren Aktionen, so dass der 3:2 Anschlusstreffer minutenlang geradezu in der Luft hing. Als er durch Valery-Trabuccos Treffer in der 36.Minute dann Realität wurde, war eigentlich kein wirklicher Schockmoment beim Anhang der Grizzlies zu bemerken. Zu sehr irritierte die nicht nachzuvollziehende plötzliche Passivität des eigenen Teams, als dass der Gegentreffer irgendwen wirklich zu überraschen schien.

Etwas überraschender blieb es hingegen bei der knappen Führung des EHCs zur zweiten Pause, doch die Panther blieben, wie zuvor die Gastgeber, eher zahm im folgenden Überzahlspiel (ebenfalls 36.Minute).

Da sich Laliberte kurz vor der Sirene noch eine kleine Strafe wegen Hakens eingehandelt hatte...

 

3. Drittel

...startete auch der Schlussabschnitt mit einer Überzahl für die Gäste aus der Fuggerstadt. Und selten ließ sich ein derart aufregendes letztes Drittel so kurz und doch erschöpfend beschreiben: Panther gegen Dshunussow. Sieger: Dshunussow.

Während Wolfsburg kaum noch einen nennenswerten Angriff zustande brachte, verzweifelte die Augsburger Angriffsabteilung geschlossen am Wolfsburger Goalie, der gleich ein halbes Dutzend starker Paraden gegen die hochkarätigen Chancen der Gäste aufbieten konnte. Am Ende schien, außer eben jenem Dshunussow, kaum ein Wolfsburger Spieler noch die Kraft zu besitzen, um diesen kaum zu glaubenden Sieg zu feiern.

So war es dann auch Wolfsburgs Nr. 30, die von den heimischen Fans mit Sprechchören vor und nach der Ehrenrunde frenetisch als Matchwinner gefeiert wurde.

 

 

Mein subjektiver Eindruck

Nach dem Heimsieg gegen Ingolstadt schon der zweite seltsame Sieg gegen einen, zumindest konditionell, überlegenen Gegner. Dreißig Minuten Abwehrschlacht, an deren Ende kaum noch ein Wolfsburger Spieler so wirkte, als ob er noch lange selbstständig stehen könnte, lassen für die nächsten Spiele nichts Gutes erahnen.

Der Verzicht auf zwei Stürmer (Hübscher und Mayer), um mit drei Reihen konzentrierter zu agieren, wäre am Ende somit fast noch ins Auge gegangen.

Ich hoffe, man lässt den einen oder anderen Spieler zu Hause und überlegt sich die Besetzung für den Spenglercup gut und reiflich. Red Bull Salzburg hat es im Finalturnier der European Trophy vorgemacht: Vielleicht finden auch wir einige renommierte Spieler ohne Vertrag, die sich beim Spenglercup in unserem Team präsentieren wollen...

 

Tor

Dshuni, der Außerirdische.

Unglaublich, was unsere Nr.1 allein im letzten Drittel an Augsburger Chancen zunichte machte. Aber auch in Drittel 1 und 2 scheiterten die Gegner reihenweise am Wolfsburger Torhüter, der diesmal keinem der zahlreichen Alleingänge einen Torerfolg ermöglichte. Ohne seine Rettungstaten gegen Helms und Moore in den ersten beiden Spielabschnitten wäre eine Wolfsburger Punktgewinn komplett ausgeschlossen gewesen.

 

Verteidigung

Paetsch erwischte offenbar einen gebrauchten Tag. Der sonst so zuverlässige Verteidiger der Grizzlies patzte beim 0:1 und stand, gemeinsam mit dem ebenfalls eher durchschnittlich agierenden Degon, auch beim zweiten Treffer der Gäste auf dem Eis.

Auch Wurm und Schopper blieben hinter ihren Möglichkeiten, wobei gerade Benedikt Schopper aber noch die Spielpraxis fehlen dürfte. Lediglich Fischer, Kohl und mit Abstrichen Robbie Bina zeigten ansprechende Leistungen.

Insgesamt war es nicht der Tag der Wolfsburger Defensive, die durch schlechtes Stellungsspiel immer wieder brandgefährliche Konter der Panther ermöglichte und sich am Ende bei ihrem Torhüter für drei nicht unbedingt verdiente Punkte bedanken konnte.

 

Sturm

Es stottert immer noch im Grizzlyangriff. Tyler Haskins fehlt an allen Ecken und Enden, hinzu scheint auch noch der nicht unerhebliche Kräfteverschleiß der letzten Wochen zu kommen, so dass Siege in den kommenden Spielen immer schwieriger werden dürften. Zum Glück hat man das Ufer „Spengler-Cup“ bald erreicht und kann dann hoffentlich einige Akteure etwas schonen. Wirklich uneingeschränkt Freude bereiten immer Wolfsburger Angriff eigentlich nur noch Kai Hospelt und Sebastian Furchner, die wiederum zu den wenigen frisch wirkenden Akteuren zählten und obendrein für Torgefahr sorgten. Norm Milley deutete, zumindest streckenweise, etwas aufsteigende Form oder Verfassung an.

Patrick Davis und David Laliberté (trotz Tor) blieben erneut blass und zeigten nur bedingt Reaktion auf die Kritik durch Medien und Trainer. Ein gesteigertes Bemühen war, vor allem bei Laliberté, mit etwas gutem Willen zu erkennen.

 

 

Fazit

Sehr, sehr glückliche drei Punkte. Mindestens genau soviel, wenn nicht sogar noch mehr Glück wird es in der momentanen Verfassung brauchen, um dem Gast aus München am kommenden Freitag ein Bein zustellen. München reist mit einem 6:1 gegen das Spitzenteam aus Hamburg und einem 0:4 Sieg gegen Hannover im Gepäck an und wird vermutlich ein ganz anderes Kaliber als ihre bayrischen Nachbarn darstellen.

mb