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(PO) EHC - Straubing Tigers 1:3

Die Grizzlies hatten mit ihren Leistungen bis zum letzten Heimspiel der Saison vieles versprochen, konnten aber schon bei letzten Spiel der Hauptrunde nichts davon halten.
Was vor rund 800 mitgereisten Fans in Hannover seinen Anfang genommen hatte, (Verletzungspech und komplette Harmlosigkeit) hatte sich in den ersten beiden Partien des Viertelfinals leider fortgesetzt.
Dem unglücklichen 1:2 vor heimischer Kulisse folgte ein desaströser Auftritt in Straubing, der so ziemlich alles vermissen ließ, was ein erfolgreiches Play-off Team benötigt: Härte, Schnelligkeit, Struktur und Torgefährlichkeit…alles Fehlanzeige.
So kam es im dritten Spiel der Serie nun zur vermeintlichen Vorentscheidung, die der EHC natürlich unter allen Umständen für sich entscheiden wollte – auch wenn diese Umstände nicht die besten waren…

1.Drittel
Ohne den zusätzlich ausgefallenen Nathan Paetsch, dafür wieder mit John Laliberte im Kader traten die Gastgeber zum zweiten Mal in der Eisarena gegen das Überraschungsteam aus Straubing an.
Wie schon im ersten Aufeinandertreffen ließen die Grizzlies sich nicht zweimal bitten und versuchten den Gast gleich zu Beginn an die Wand zu spielen, was lediglich zu einer optischen Überlegenheit führt. Zählbares gab es für Wolfsburg, wie so oft in dieser Serie, nicht zu vermelden. Angriffswelle auf Angriffswelle rollte auf das von Barry Brust gehütete Gehäuse, doch nicht einer der zahlreichen Versuche wollte sich über die Linie mogeln. Die Tigers zeigten in der Folgezeit, vielleicht zum ersten Mal in der Serie, so etwas wie Nerven: Einer Boxeinlage von Keil und Davis folgte im späteren Verlauf einer der bekannten Ausraster des Straubinger Goalies an welchen sich ein weiteres Handgemenge und ein Überzahlspiel der Grizzlies anschlossen. Mit fatalem Ende.
Einen haarsträubenden Abspielfehler der Wolfsburger im eigenen Drittel wusste Straubings Dustin Whitecotton zum 0:1 zu nutzen (16.) und stellte den Spielverlauf somit komplett auf den Kopf.
Wolfsburg präsentierte sich bis zum ersten Pausenpfiff sichtbar angeschlagen, spielte kurz sogar mit sechs Spielern und holte sich prompt die entsprechende Strafzeit ab. Dass es dank zweier schöner Paraden von Wolfsburgs Dshunussow nicht mit zwei Treffern Unterschied in die Kabinen ging, machte die Sache für Team und Fans der Grizzlies kaum erträglicher.

2.Drittel
Gut erholt vom ersten Schock des unverdienten Führungstreffers der Gäste, griff der EHC erneut mit allem an, was er zu bieten hatte…und scheiterte wiederum. Teils an der eigenen Abschlussschwäche, teils am bestens aufgelegten Brust im Tor der Tigers, der nach den eher überschaubaren Herausforderungen der ersten beiden Spielen nun wirklich sein ganzes Können zeigen musste.
Während der Gastgeber sich also in der ersten Minuten des Mitteldrittels geradezu wund gespielt hatte, reichte den Tigers die nächste Wolfsburger Ungenauigkeit im Stellungsspiel, um in der 28.Minute in Person von Daniel Sparre zum 0:2 über Dshunussows Fanghand einzunetzen.
Was folgte waren die hässlichsten 10 Minuten der bisherigen Playoffs:
Zunächst musste Christopher Fischers Kopf mit dem im letzten Moment im Vorbeifahren hochgezogenen Ellenbogen des Straubingers Germyn Bekanntschaft machen (30.). Obwohl der Wolfsburger zunächst benommen liegen blieb und Angriffe zum Kopf angeblich strenger bestraft werden sollen, durfte sich Germyn mit einer äußerst milden 2+10 Strafe Richtung Strafbank trollen, was beim Anhang der Grizzlies naturgemäß auf wenig Gegenliebe stieß.
Die Emotionen und das Spieltempo zogen auf dem Eis in der Folgezeit spürbar an. Während die teils rasanten Spielzüge keine zählbaren Effekte nach sich zogen, kam es in der Schlussminute des Drittels dafür im Bereich Strafzeiten und Aggressionen knüppeldick: Zunächst musste Wolfsburgs Andre Huebscher nach einem Schubser in die Bande, nach jämmerlichem Wehklagen des Straubinger Gegenspielers (der schnell noch den Helm vom Kopf genommen hatte) mit einer MATCHSTRAFE das Spiel vorzeitig beenden, dann brannten nur sieben Sekunden später dem zur Drittelmitte grob gefoulten Fischer komplett die Sicherungen durch. Mit einem äußerst üblen Check in den Rücken von Karl Stewart beendete der Wolfsburger Verteidiger nicht nur ebenfalls vorzeitig die Partie, sondern beerdigte auch die letzte Siegchance der Grizzlies. Fast volle fünf Minuten doppelte Unterzahl waren der gerechte „Lohn“ für diese unfaire und sinnlose Frustaktion.
Ob eine derartige Eskalation mit der angemessenen Spieldauerstrafe gegen Carsen Germyn hätte verhindert werden können, bleibt natürlich Spekulation, ist aber alles andere als ausgeschlossen.

3.Drittel
Fast hätten die mittlerweile arg dezimierten Grizzlies die doppelte Unterzahl sogar schadlos überstanden. Als der Puck dann doch noch zum 0:3 durch Markus Hundhammer einschlug (45.), standen sage und schreibe noch je 2 und 9 Sekunden auf der Strafzeitenuhr – ein Sinnbild für den Verlauf der bisherigen Serie gegen den Kontrahenten aus Bayern.
Und weiter ging das Sammelsurium aus der Kategorie „worüber man sich alles ärgern kann“: Zwei Minuten später jubelten endlich die Gastgeber zum ersten Mal an diesem Nachmittag, nur um nach Videobeweis wieder in das bereits bekannte Dauerkopfschütteln zu verfallen – kein Tor, der Puck war von der Latte VOR die Linie geprallt.
Als Zugabe setzte es im Anschluss eine weitere Strafzeit gegen die Grizzlies und die Minuten liefen munter herunter…was sich sogar reimt.
Doch Wolfsburg zeigte weiter Herz, rannte unbeirrt an, um seinem Publikum wenigstens den Ehrentreffer zu bescheren. Doch erst einmal folgte die nächste Hiobsbotschaft: Marvin Degon schlitterte nach einem unglücklichen Zusammenprall samt Gegner Richtung Bande und krachte mit abgewinkeltem Kopf in selbige. Mit deutlichen Zeichen einer Gehirnerschütterung blieb der Wolfsburger Verteidiger zunächst liegen, um dann benommen an der Bande entlang und über jene zu torkeln.
Ohne Torhüter und mit sechstem Feldspieler gelang den Hausherren dann schließlich, wie im ersten Duell, doch noch der Ehrentreffer zum 1:3. Torschütze Milley brach allerdings nicht wirklich in Jubelarien aus…
Ohne weiteren empty-netter endete das Spiel schließlich mit einem weiteren Sieg der Tigers, die nun 3:0 in der Serie führen.
 
 
Mein subjektiver Eindruck
Der Wille stimmte - wie im ersten Spiel der Serie.
Der Torabschluss war erbärmlich – wie im ersten und zweiten Spiel der Serie.
Straubing spielte hochkonzentriert, ohne zu glänzen – wie in jedem Spiel der Serie.
Der geradezu lachhaften Vorstellung in Straubing, die man seitens der Grizzlies bestenfalls als Dameneishockey bezeichnen konnte, folgte wieder eine vorbildliche Energieleistung. Doch ohne Vollstrecker bleibt es eben bei ergebnisneutraler Arbeit und von den verbliebenen Akteuren buhlt damit, meiner Meinung nach, keiner um einen neuen Vertrag.

Tor
Daniar spielt seine ersten Playoffs. Man merkt es und das ist ganz klar die Schuld der Trainer (Krinner und Gross) bzw. der sportlichen Leitung. Gerade als man ihm den angehenden Rentner Oliver Jonas vorzog, machte man eigentlich alles falsch, was man falsch machen konnte (Jonas verkackte die Serie gegen Hannover dann ja auch prompt…).
Er machte bisher zwar keinen größeren Fehler, der zu einem Tor führte, wirkte dabei aber stets nervös wie ´ne Tüte Mücken. Abpraller en masse, fallengelassene Pucks vor und zwischen die eigenen Beine usw, usf.
Konsequent hingegen, dass man ihn im dritten Spiel trotzdem zwischen die Pfosten stellte und siehe da: Es lief vergleichsweise besser, wenn er auch noch nicht annähernd so viel Ruhe ausstrahlte, wie es ein Goalie in den Playoffs tun muss. Anders kann er es emotional nicht verinnerlichen, dass Playoffs auch kein jüngstes Gericht, sondern nur eine besonders intensive Phase der Saison sind. Ein erfahrener Goalie geht höchstens mit einem Lächeln unterm Helm in diese Spiele, nicht mit Sorgenfalten…
Dshuni wird auch das lernen.

Verteidigung
Bis auf Kohl und Bina erreichte keiner der Verteidiger auch nur annähernd Normalform. Sloan baut fast mehr Mist, als dass er hilft (egal ob vorn oder hinten), Schopper bringt die nötige Härte aber teilweise null Überblick mit, Fischer präsentiert sich geradezu vogelwild und Degon bleibt bestenfalls äußerst blass…und eventuell verletzt. Paetsch ist letzteres bereits.
Tendenz zur Vertragsverlängerung ist bei keinem der drei genannten Ausländer ohne Kontrakt (Sloan, Paetsch, Degon) für mich überdeutlich zu sehen.
Darüber hinaus trat das Team seit der Rückkehr des alten Kapitäns im Spiel gegen Hannover, durchweg schwach und seltsam auf. Offenbar ist mit Hospelts Ablösung etwas durcheinander geraten, was nicht wieder gerade gerückt werden konnte.
 
Sturm
Viel Arbeit, wenig Ertrag. Auch ein Kai Hospelt lässt nur im denkbar gruseligsten Auswärtsspiel kurz seine Möglichkeiten aufblitzen, ansonsten reihte sich der Wolfsburger Toptorschütze nahtlos in die Rohrkrepierer-Fraktion ein. Vor allem an sinnigen Kombinationen, die mit einem Abstauber oder an Schlagschüssen, die mit einem erkämpften Rebound enden, mangelte es nun in gleich drei Begegnungen nacheinander. Saisonrekord, würde ich mal behaupten. Lediglich Norm Milley macht das, was er immer macht, findet aber kaum mitdenkende Nebenleute.
Laliberte ist nicht fit, bei Foster kann man nur in seinem eigenen Interesse hoffen, dass er auch nicht fit ist. Arm. Ganz arm.
Ein wild fightender, aber absolut limitierter Davis kann einem da fast genauso leidtun wie Dauerläufer Furchner, der häufig durch harmlose Abschlüsse glänzt.
Alle anderen erfüllten zumindest die ihnen zugedachte Rolle, konnten aber in keiner Weise für die ausgefallenen und angeschlagenen Topscorer in die Bresche springen.


Fazit
Drei sehr frustrierende und in einem Fall sogar äußerst enttäuschende Spiele liegen nun hinter uns. Dem Team fehlen neben den verletzten Haskins, Laliberté, Diesel, Wurm und Paetsch nun auch noch die gesperrten Huebscher und Fischer und vermutlich der verletzte Degon. Laliberte und Sloan wirken bei Weitem nicht auf der Höhe ihrer Kräfte – was sollte jetzt noch für uns sprechen? Richtig: Nichts.
mb