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F2 EHC - Red Bull München 2:3

Enttäuschung ist immer noch steigerbar

Diese Erfahrung machte zuletzt der Gegner aus Nürnberg und nun mussten die Grizzlys ihrerseits ein bereits viel zu langes Stück auf diesem Weg zurücklegen.
Überhaupt wirken die Playoffs in diesem Jahr in großen Teilen wie ein Abziehbild des letzten Durchgangs - im Guten wie im Schlechten.
Wie schon 2016 hießen die Kontrahenten Nürnberg und München und nach der Wiederholung des 4:2 gegen die Franken droht nun ebenfalls der Sweep gegen den Titelverteidiger aus München.
So glich nach der ersten Partie, die in der zweiten Verlängerung verloren ging (3:2 wie schon im Jahr zuvor), das zweite Spiel als knappe Heimniederlage ebenfalls - wenn auch weniger genau (2:3 statt 4:5) - dem Verlauf des letzten Finales.
Dabei hatten die Grizzlys zunächst den Eindruck hinterlassen, als hätten sie, wie angekündigt, etwas dazugelernt. Das Spiel startete mit gewohnt hohem Tempo, vielen Puckverlusten auf beiden Seiten und vor allem zahlreichen Chancen für die überlegenen Gäste. Wäre das Spiel der Bullen nicht durch eine doppelte Unterzahl zwischenzeitlich aus dem Tritt gebracht worden (12.), die Münchner Dominanz wäre wohl noch etwas höher ausgefallen. Doch wo hatten die Grizzlys, die nach einem slapstickartigen Pass von Gästeverteidiger Smaby durch Johnson in Führung gegangen waren (8.), dazugelernt?
Ganz einfach: Bis auf einen Pfostenschuss durch Matsumoto kurz vor der Pause, hatten die Gastgeber lediglich eine Großchance für die Bullen zugelassen, die mit ihrem 3 auf 1 Konter aber prompt am einzigen Wolfsburger Verteidiger scheiterten. Den Münchner Fehler hatten sie bei Smabys Pass vor den eigenen Kasten eiskalt ausgenutzt, Spielkontrolle und Körpersprache stimmten, darüber hinaus wurde Liga-Kotzbrocken Pinizotto kollektiv provoziert. Lediglich das fast zweiminütige 5 gegen 3 Überzahlspiel hatte etwas Anlass zur Sorge gegeben, ansonsten wirkten die Grizzlys abgeklärt und bereit, den ersten Finalsieg zu erkämpfen (erspielen dürfte gegen die extrem hochklassig besetzten Münchner wohl eher weniger in Frage kommen - für fast kein Team in dieser Liga).
Und es schien noch besser zu werden: Der Auftakt in den Mittelabschnitt gehört tatsächlich den Hausherren die erneut durch Johnson (25.) eine ihrer nun zahlreicher werdenden Möglichkeiten nutzen konnten. Beim 2 auf 1 Konter hatte der Wolfsburger Stürmer das Spielgerät kurzerhand ohne Abspiel über die Fanghand von aus den Birken ins Netz gejagt und die Halle in blanke Euphorie ausbrechen lassen. Als direkt im Anschluss auch die Sonderbehandlung des besagten Münchner "Sportsmanns" Früchte trug (2 Minuten wegen eines Ausrasters), schien endlich so etwas wie eine Weg zum ersten Sieg in einem Finalspiel gegen Red Bull sichtbar zu werden...für exakt 45 Sekunden. So lange dauerte es, bis Frank Mauer im überragenden Münchner Unterzahlspiel einen ungenauen Likens Rückpass zu Voakes an der blauen Linie klauen konnte, und Kastner den Rebound zum 2:1 versenkte. Ab da war das Spiel der Grizzlys wie abgeschnitten. Obwohl das Schiedsrichterduo Wolfsburg jede erdenkliche "Schützenhilfe" zu gewähren bereit war, im Nachgang gleich drei Gästespieler, teils aus kaum nachvollziehbaren Gründen, auf die Strafbank schickte - die Grizzlys kamen erst einmal überhaupt nicht mehr in Tritt. Von einem Moment zum nächsten war die gesamte Aggressivität aus den Aktionen der Wolfsburger gewichen, einfachste Puckannahmen, vorzugsweise im Powerplay misslangen und ließen das ohnehin geniale Penaltykilling der Gäste weiter zur Gefahr für das Wolfsburger Tor werden.
Dass die Gäste ihr erstes, dieser Strafkaskade folgende, Überzahlspiel umgehend zum Ausgleich nutzten (37.) passte da nur zu gut in das sich immer schneller ins Gruselige wandelnde Bild der Wolfsburger Eishockeycracks. Wolf hatte sich im Rücken der vier Wolfsburger ins Drittel der Grizzlys geschlichen, Verteidiger Wurm war durch einen Mitspieler darauf aufmerksam gemacht worden...um sich dann VOR Wolf zu stellen! Der nahm natürlich das Anspiel hinter dessen Rücken an und stürmte einsam und ungestört dem 2:2 entgegen.
Als München dann noch kurz vor der Pause das 2:3 nachlegen konnte, Mauer hatte ein - wiederum völlig ungestörtes - Anspiel von Kahun nur in die Maschen lenken müssen (40.), deutete eigentlich alles auf ein Desaster hin - so mies wirkten Körpersprache und Stellungsspiel der Gastgeber.
Dass es dann doch noch spannend, aber keineswegs erfreulich wurde, lag zum einen an einer deutlichen Leistungssteigerung der Grizzlys, aber auch an dem offenkundigen Entschluss der Gäste, das Spiel kontrolliert über die Runden zu bringen. Was Wolfsburg nach einem 2:0 und jeder Menge Überzahlgelegenheiten nicht gelang, sah bei Red Bull fast schon selbstverständlich aus.
Ob München bei einem Treffer der Hausherren noch einmal einen Gang höher hätte schalten können, wird wohl ein Geheimnis bleiben, denn der besagte Treffer sollte einfach nicht gelingen. Als Gerrit Fauser (in Unterzahl!) zur Mitte des Drittels bei seinem Break den Puck geradezu kläglich an die Schoner des Münchner Goalies geschoben hatte, war irgendwie klar: Der Kopf würde an diesem Abend nicht mehr der Freund der Grizzlys.
So scheiterte auch Mark Voakes wenig später mit seinem Alleingang an aus den Birken (51.), bevor Wolfsburg in den Schlussminuten noch einmal alles nach vorne warf. Wobei sich das "Nach vorne werfen" durchaus schwierig gestaltete, so extrem hatte das Team aus der bayrischen Landeshauptstadt den Daumen auf dem Geschehen.
So gelang auch in zwei (kurzen) Phasen ohne Torhüter den Gastgebern nicht mehr der so dringend benötigte Treffer zum Ausgleich, die nächste Enttäuschung reihte sich in die lange Kette der Final-Niederlagen ein.

Teamcheck

Tor
Brückmann gewohnt souverän, hält die Tür so lange wie irgend möglich in Richtung erster Sieg in einem Finale offen. Schade, dass seine Vorderleute für satte 15 Minuten ihre Eier verlegt hatten.

Verteidigung
Nach dem wirklich guten Auftaktdrittel, das nicht nur durch kollektive Geschlossenheit, sondern auch individuell außergewöhnliche Leistungen (z.B. Wurms Rettung gegen drei Münchner) geprägt war, zunehmend ein Quell des Unfugs.
Erst Likens' Rückhandpass ins Nichts im Powerplay, dann Wurms brillantes Stellungsspiel bei eigener Überzahl trotz Hinweis durch einen Mitspieler auf den lauernden Münchner Stürmer. Zur Krönung fühlte sich der Wolfsburger Verteidiger auch bei Mauers 2:3 irgendwie nicht für diesen zuständig, während seine Sturmkollegen Einladungsschreiben an Herrn Kahun versendeten, als dieser gefühlt sekundenlang nach einem Anspielpartner vor dem Wolfsburger Tor suchen durfte.

Sturm
Neben dem herausragenden Johnson machte auch die Reihe um Kapitän Haskins einen brauchbaren Job. Währenddessen will die mit Höhenleitner statt Riefers agierende Voakes-Reihe einfach nicht in die Serie finden. Die wenigen guten Gelegenheiten der ersten beiden Spiele ließen vor allem Voakes und Torjäger Aubin durchgängig liegen, machten aber insgesamt einfach keinen gefährlichen Eindruck gegen die gut organisierten Münchner. Stark verbessert präsentierte sich Alex Weiss, der an der Entstehung beider Treffer maßgeblich beteiligt war und durchgängig den so dringend benötigten Biss zeigte.
Dass man mit Pfohl oder Karachun angesichts des kollektiven Angsthasenauftritts im Mittelabschnitt besser gefahren wäre, darf natürlich bezweifelt werden. Um eine Beibehaltung der momentanen Aufstellung haben sich allerdings bestenfalls die Hälfte der Angreifer bewerben können...Zeit für die eine oder andere Änderung.
Insgesamt gilt es nun für das ganze Team einmal 60 Minuten eine Marschroute durchzuziehen, auch wenn mal ein oder zwei Gegentore dazwischenkommen. Hätte man die vor dem 2:1 an den Tag gelegte Aggressivität beibehalten - das hätte noch ein sehr langer Eishockeyabend werden können.
Tore bei eigener Überzahl müssten ja nun schon aus rein statistischen Gründen geradezu reihenweise für uns fallen ;-) mb


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