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EHC - Krefeld Pinguine 4:5

Nach der Auftaktniederlage in Hamburg stand für die Grizzlies nun der Saisonstart vor heimischer Kulisse an. Mit dem Gegner aus Krefeld hatte man sich bereits in der Vorbereitung einmal gemessen und dabei einen knappen Sieg im König Palast erringen können. Wie die Gastgeber hatten allerdings auch die Pinguine ihre erste Partie verloren, so dass beide Teams mit dem drohenden Fehlstart im Nacken in diese Begegnung gingen.

1. Drittel
Und zunächst merkte man den Teams auch diese Anspannung an.
Beide Mannschaften hatten am ersten Spieltag trotz gutem kämpferischen Einsatz nur wenig bis nichts Zählbares verbuchen können und präsentierten sich mit spielerischen Anlaufschwierigkeiten.
Die sich ergebenden Einschussmöglichkeiten wirkten dann, vor allem auf Wolfsburger Seite, eher erzwungen als herausgespielt, so dass der Puck zunächst nicht über die Linie des Krefelder Gehäuses wollte. Erst ein Powerplay sollte den knapp verdienten Führungstreffer für die bis dahin etwas druckvoller agierenden Gastgeber bringen. Bezeichnenderweise traf Norm Milley dabei mit einem Handgelenksschuss aus dem hohen Slot zum 1:0 und brachte seine Farben somit durch eine Individualleistung in der 14.Minute in Front.
Im vorhergehenden Überzahlspiel der Gäste hatte Dshunussow noch einen sehenswerten Hochkaräter entschärfen, wobei der Nachschluss glücklicherweise wegen Behinderung abgepfiffen wurde.
Die Pinguine blieben auch im Anschluss weiter gefährlich, konnten aber – ebenso wenig wie Greg Moore für Wolfsburg – ihre Chancen nutzen.
Mit einem durchaus gerechten 1:0 ging es in die erste Heimspielpause der Saison.

2.Drittel
Nach unverändertem Bild zu Beginn des Drittels kämpfte sich der Gast aus Krefeld immer besser in die Partie und – zum Leidwesen der rund 2000 anwesenden Wolfsburger Fans – der EHC schien im gleichen Maße die Konzentration zu verlieren. Dumme Fouls und unglückliche bis eistanzverdächtige Schiedsrichterentscheidungen brachten die Grizzlies gleich viermal in Unterzahl und letztlich mit 1.2 ins Hintertreffen. Während dem schön heraus gespielten Ausgleichstreffer durch Méthot (28.)ein Abspielfehler von Robbie Bina und ein deutliches Foul als Rettungsversuch durch Furchner vorausgegangen waren, sah dies beim zweiten Tor schon anders aus. Lustigerweise landete die seltsame Strafe gegen Vinzenz Mayer nicht einmal auf dem offiziellen Spielbogen – das Powerplay fand aber natürlich trotzdem statt und endet mit einem von Roland Verwey geschickt abgefälschten Treffer (31.) zum 1:2.
Weitere Strafzeiten und seltsam blutleeres Auftreten einiger Grizzly-Akteure ließen den Rest des Drittels nicht gerade wie im Flug vergehen…
Wolfsburg beendet den Spielabschnitt schließlich mit einem Überzahlspiel seinerseits, konnte aber den Spielstand nicht mehr zu seinen Gunsten korrigieren.

3.Drittel
Wolfsburg trat nun mit nur noch drei Sturmreihen an und konnte den Druck auf den alles andere als sicher wirkenden Langkow etwas erhöhen, bevor eine erneut mehr als strittige Strafe gegen Tyler Haskins den Spielfluss stoppte.
Und es kam noch schlimmer: Vasilijevs schließt zunächst eine flüssig vorgetragene Kombination zum 1:3 ins leer gespielte Tor ab (48.), zwei Minuten später lenkt Benedikt Schopper Piettas Querpass zum 1:4 ins eigene Gehäuse. Es hatte schon fast slapstickartige Züge, was die Grizzlies ab Mitte des Spiels ablieferten, doch der Anhang wollte auch nach diesem Nackenschlag noch nicht aufstecken und feuerte das bis dahin wenig überzeugende Team tapfer weiter an.
Der Lohn sollte folgen!
Matt „Diesel“ Dzieduszycki, der bereits in Hamburg mit einem Doppelpack auf sich aufmerksam gemacht hatte, legte seinen nächsten großen Auftritt hin.
Und wieder war es ein Schuss aus dem hohen Slot, der in Person des Diesels den ersehnten zweiten Treffer der Grizzlies brachte, nur wenige Augenblicke nach Schoppers Eigentor.
Dreieinhalb Minuten später staubte der Wolfsburger Goalgetter dann nach sehenswertem Lauf von Neuzugang Blanchard den sich ergebenden Abpraller sogar zum 3:4 Anschlusstreffer ab.
Gerade als das Spiel nun zu kippen drohte, der Gast eine Auszeit nahm und äußerst zittrig zu agieren begann, legten mit Dshuni und Neuzugang Walter wiederum zwei Grizzlies die nächste Einlage aufs glatte Parkett – diesmal leider keine erfreuliche.
Dshunussow war hinter sein Gehäuse geeilt um den tief gespielten Puck anzunehmen und noch bevor er selbigen in die Rundung jagen konnte, versuchte Teamgefährte Walter ihm selbigen abzunehmen…die Übergabe scheiterte, der Gegner bedankte sich mit Übernahme des frei werdenden Pucks in Form des 3:5 durch Voakes (55.).
Ein Frustfoul durch Polaczek beendete dann schließlich jegliche Hoffnung auf eine späte Wende. Auch Binas Schlagschusshammer zum 4:5 änderte in der Schlussminute daran nichts mehr, so dass der Gast sein (hart erarbeitetes) Geschenk in Form von drei Punkten glücklich in die Kabine tragen konnte.
Trotz allem verabschiedeten Wolfsburgs Fans ihr Team mit aufmunterndem Gesang in die, sicherlich sehr anstrengende, Trainingswoche vor dem 2. Punktspielwochenende…


Mein subjektiver Eindruck:
Da ging, wie schon gegen Iserlohn, nicht viel zusammen. Besonders bei eigenem Spielaufbau offenbarten die Grizzlies in der neutralen Zone mangelnden Überblick und nur wenig passende Laufwege. Defensiv wirkt die in diesem Bereich geschwächte Truppe extrem anfällig und mit dem Spielsystem des Trainers qualitativ überfordert. Hoffentlich bewegt sich da was unter der Woche, sonst sehe ich schwere Zeiten auf uns zukommen. Einen derart verkorksten Saisonauftakt gab’s in den letzten 10 Jahren jedenfalls noch nicht zu bewundern.

Tor
Dshuni mit konzentriertem Beginn, zeigte dann aber seine bekannte Schwäche: Wenn das Team nervös wird und defensive Fehler einbaut, strahlt er einfach keine Ruhe aus und tendiert zu extremen Winkeln im Stellungsspiel. Das muss er sich schleunigst abgewöhnen, da die diesjährige Verteidigung – zumindest auf dem Papier – die schwächste der letzten Jahre darstellen dürfte.
Den Klops im letzten Drittel trägt Walter zu 50% mit.

Verteidigung
Die Verteidigerpaare gefielen mir ganz und gar nicht. Warum Bina und Kohl nicht weiterhin ein Paar bilden können, nur weil sie beide rechts schießen, verschließt sich mir völlig.
Auch wenn es für den Spielfluss förderlich sein kann, wenn beide mit der Vorhand agieren können: In erster Linie sollen die Verteidiger Gegentore verhindern und darin waren Kohl und Bina erste Sahne! Bezeichnend, dass mit Blanchard und Walter (trotz der Comedy-Einlage beim spielentscheidenden Gegentreffer) zwei uneingespielte Neuzugänge den Einäugigen unter den Blinden gaben.
Nicht nur wegen des Eigentors setzte Benedikt Schopper dann mit seinem hölzernen Auftritt mal wieder das Highlight in Sachen Rumpelhockey.
Insgesamt: Riesenbaustelle! Die Rückkehr von Köttstorfer und Wurm kann gar nicht schnell genug gehen.

Sturm
Milley, Haskins, Höhenleitner und Pohl sehr bemüht, teilweise mit sehenswerten Aktionen.
Hospelt, Furchner, Danner und Mayer recht blass.
Dimitrakos und Moore völlig ineffektiv, ohne jegliche Präsenz.
Polo einfach nur wütend…und dabei am Ende mehr schädlich als nützlich. Wobei man seine Wut gut verstehen konnte.
Einzig der Diesel reißt es mit genialen Momenten heraus, doch sprechen sogar die erzielte Tore der Grizzlies nicht unbedingt eine positive Sprache: Zwei Handgelenksschüsse aus der Drittelmitte, ein Abstauber und ein Schlagschuss. Herausgespielte Tore: Fehlanzeige!

Fazit:
Sommerhockey ist vorbei. Jetzt muss alles von neuem erkämpft werden. Dass die Abstimmung im Spielaufbau so miserabel ist, wirft allerdings Fragen auf. mb