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EHC - Kölner Haie 0:4

Mit erneut reduziertem Kader traten die Grizzlies zur zweiten Heimpartie der laufenden Saison an. Ohne den gesperrten Greg Moore und die verletzten Grygiel, Walter, Köttstorfer, Wurm und Fischer wollte das Team von Pavel Gross gegen Köln trotzdem die ersten Punkte der noch jungen Hinrunde sammeln.

1. Drittel
Der Gast aus Köln machte von Beginn an klar, dass hier ein anderes Kaliber als zuletzt Krefeld angetreten war. Fast im Stile einer Heimmannschaft boten die von Uwe Krupp trainierten Haie den Gastgebern von Anfang an Paroli und erzwangen so bereits in der 2.Spielminute das frühe 0:1 durch John Tripp. Dem überfallartigen Druck der Kölner hatte die Wolfsburger Verteidigung in dieser Situation nichts mehr entgegen zu setzen gehabt, so dass Kölns Nationalspieler mit dem sympathischen Lächeln den Abpraller gedankenschnell verwerten konnte. Ein ausgeglichenes Drittel folgte, in welchem die Gäste dem EHC immer wieder durch dumme Strafzeiten in die Partie halfen. Doch die Grizzlies wollten die Überzahlgeschenke nicht annehmen: Die beste Gelegenheit des Spielabschnitts hatte dabei mit Tyler Haskins sogar ein Akteur außerhalb des „Powerplays“ der Gastgeber, doch auch in dieser Situation scheiterte der Wolfsburger Stürmer am gut postierten Danny aus den Birken im Tor der Gäste.
Nach drei wenig überzeugenden Überzahlspielen, in denen eigentlich mehr Gefahr für das eigene Tor entstanden war als vor dem Kasten von aus den Birken, ging es, mit einer frisch verhängten vierten Strafe gegen die Gäste, zum ersten Mal in die Kabinen.

2. Drittel
Es sollte sich nicht mehr viel verändern. Nach dem noch verbleibenden Powerplay schloss sich gegen Drittelmitte noch ein weiteres an – ohne jede wirklich nennenswerte Gelegenheit für die wenig koordiniert auftretenden Grizzlies. Vielmehr wurde die fünfte Situation bereits nach wenigen Sekunden durch die erste Strafe gegen den EHC bereits beendet.
Nun gerieten die Gastgeber wieder stärker unter Druck und konnten sich bei ihrem Torhüter bedanken, dass der Rückstand sich nicht schon in dieser Phase der Begegnung vergrößerte.
Im weiteren Verlauf des Spielabschnitts durfte Wolfburg dann zwei weitere  Male das Überzahlspiel üben - fast eine volle Minute davon sogar bei 5 gegen 3.
Das Ergebnis dieser Bemühungen bewegte sich weiterhin im überschaubaren Rahmen.
Doch es kam noch dicker: Kaum zeigte die Strafzeitenuhr nur noch wenige Sekunden für Kölns Charlie Stephens an, versuchte sich Wolfsburg noch einmal mit einem letzten Schuss an einer erfolgreichen Gestaltung dieser Überzahl. Der schlecht gezielte Versuch prallte prompt von der Kölner Abwehr direkt vor die sich öffnende Strafbanktür der Gäste, von der sich besagter Stephens auf den Weg Richtung Grizzlytor machte und nur per Foul gestoppt werden konnte. Den fälligen Penalty verwandelte er im Anschluss (39.) eiskalt zum 0:2.
Eine weitere Strafe gegen Köln blieb, richtig geraten, ungenutzt.

3. Drittel
Die Versuche der Wolfsburger wirkten nun immer ratloser, Köln hingegen reichte die eine oder andere gefällige Kombination, um dem Spiel weiter seinen Stempel aufzudrücken.
Nachdem ein solcher Spielzug in der 50. Minute durch Gogulla geradezu selbstverständlich zum vorentscheidenden 0:3 abgeschlossen werden konnte, zeigte sogar Grizzly-Trainer Gross erste Zeichen von Verzweiflung. Kölns nächste und insgesamt neunte (!) Strafzeit nutzte der Wolfsburger Coach, um Keeper Dshunussow vom Eis zu nehmen und eine erneute doppelte Überzahlsituation zu kreieren. Spielaufbau und Koordination der Gastgeber blieben davon natürlich unberührt, so dass sich mehr Schüsse der Kölner auf das verwaiste Tor der Grizzlies, als auf den Kasten der Haie ergaben. Stephens war es letztlich, der mit einem Treffer ins leere Tor (53.) den Sack für die Gäste zu machte. Wolfsburg ließ in seinen Bemühungen nun endgültig nach und kassierte, trotz einiger weiterer Schnitzer und Unterzahl, keinen weiteren Gegentreffer.


Mein subjektiver Eindruck
Was ist da eigentlich los? Das Team wirkt, als hätte man sich zum ersten Mal getroffen, um mal ein bisschen zusammen zu zocken. Laufwege, Spielsystem, koordinierte Rückwärtsbewegung – all das kann auch mit viel Liebe zum Detail kaum erkannt werden. Wenn man dann auf ein einigermaßen abgestimmt agierendes Team mit etwas Selbstbewusstsein trifft, ist der Ofen sofort aus. Da halfen auch alle Aufbauversuche der Kölner (dämliche Strafen) nichts.
Die Vorstellung der Grizzlies hat mir darüber hinaus nicht eine Minute in irgendeiner Weise Freude bereitet. Im Gegenteil: Ich habe über weite Strecken mit den Jungs mitgelitten, weil der Wille etwas zu erreichen bei einem Großteil des Teams für mich weiter erkennbar war. Doch 60 Minuten das Eis umzugraben ohne eine realistische Chance zu haben eine klare Torgelegenheit herauszuspielen, ist schon mehr als frustrierend. Das Trainerteam ist jetzt definitiv gefragt und muss zeigen, dass es die Mannschaft aus diesem – eigentlich saisonübergreifenden – Tief wieder herausführen kann! Rein gefühlsmäßig habe ich da aber irgendwie ernsthafte Zweifel…

Tor
Daniar präsentierte sich deutlich stabiler als noch zuletzt gegen Krefeld und steckte den frühen Treffer der Haie gut weg. Hielt seinem Team lange die Tür zur Wende offen und bügelte dabei so manchen Bock seiner Vorderleute aus. Bester Grizzly an diesem Abend.

Verteidigung
Bleibt weiterhin eine einzige Bausstelle ohne sichtbare Besserung. Kein Akteur mit überdurchschnittlicher Vorstellung. Bina und Keller als einzige auf akzeptablem Niveau (gemessen an ihren Möglichkeiten).
Schopper wirkt weiter unbeweglich und mit dem Tempo der Begegnungen überfordert. Sticht mit vielen Fehlpässen und seltsamen Befreiungsversuchen bei dieser bedenklichen Leistung noch einmal zusätzlich negativ heraus. Es bleibt mir weiter ein Rätsel, wie das einst so schnelle Spiel der Grizzlies und Benedikt Schopper zusammenpassen sollen. Um nicht falsch verstanden zu werden: In einem anderen Spielsystem mag der Junge durchaus seine Qualitäten haben, aber das (angedachte) schnelle Umschaltspiel der Grizzlies scheint nicht seine Welt zu sein.
Blanchard und Kohl erträglich, Brocklehurst weit davon entfernt ein Nr.1 Verteidiger zu sein…

Sturm
Höhenleitner und Haskins mit Biss, Furchner gewohnt fleißig, Mayer bemüht. Das war es auch schon an positiven Meldungen.
Milley, Hospelt und leider auch der Diesel komplett ohne markante Aktionen und bei den Gegentreffern Teil der verwirrten Truppe auf dem Eis. Auch Neuzugang Dimitrakos hatte, außer einem guten Schuss aus dem Rückraum, nichts Essenzielles zum Spiel der Grizzlies beizutragen, so dass am Ende nur das übrig blieb, was ohne Abstimmung leider zu wenig ist: Viel Kampf und Krampf und einige sehr prominente „Passagiere“ an Bord.

Fazit
Wenn die Grizzlies nicht ganz schnell zu so etwas wie einem einfachen und effektiven Spielaufbau zurückkehren, dürfte sich gleich zum Saisonstart eine Differenz auf dem Punktekonto ergeben, die lediglich den Kampf um Platz 10 erlauben kann. Nach den drei überragenden letzten Spielzeiten droht dem EHC nun auf jeden Fall das andere Extrem, welches einem Team mit mittlerem Etat immer widerfahren kann: Der mittelfristige Sturz in den Keller der Liga. mb