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EHC - Augsburger Panther 0:2

Dem ersten Saisonsieg in Hannover sollte nun also der erste Heimsieg gegen Augsburg folgen. Zum Live-Match auf Servus TV, dem neuen Medienpartner der DEL,  war mit den Panthern allerdings ein Ligakonkurrent zu Gast, der im Gegensatz zu den Grizzlies einen Topauftakt in die aktuelle Spielzeit hingelegt hatte. Da die ohnehin verletzungsgebeutelten Gastgeber aber neben ihren sieben bisherigen Ausfällen auch noch Topcenter Tyler Haskins aus der Mannschaftsaufstellung streichen mussten, standen die Zeichen für besagtes Unterfangen eher schlecht…

1. Drittel
Und die Panther zeigten den verbliebenen Wolfsburgern gleich einmal, warum sie bisher als das Überraschungsteams der DEL gelten: Die ersten Minuten gehörten eindeutig den Gästen, die mit brutalem Tempo und Forechecking ihren Gegner aus dem Tabellenkeller beinhart auf den Prüfstand stellten. Der EHC geriet folglich nicht nur unter Druck, sondern auch tüchtig ins Wanken – aber fiel nicht! Die 15 verbliebenen Feldspieler der Grizzlies hielten so gut es ging stand, überstanden gleich zwei frühe Unterzahlsituationen und bissen sich schließlich in die Partie hinein.
Nachdem sich Wolfsburg mühsam bis auf Augenhöhe mit den Gästen herangekämpft hatte, sollte es auch für das zuletzt so gescholtene Powerplay der Grizzlies eine neue Bewährungsprobe geben. Einer ersten Strafe gegen den Gast war (13.) war rund eine Minute später der erste richtige Aufreger des Spiels gefolgt: Gästecenter Peter Flache hatte Benedikt Schopper gezielt mit beiden Fäusten gegen den Kopf gecheckt und bei einigen der älteren Zuschauer dürften unangenehme Erinnerungen an Jason Dunham hochgekommen sein. Schopper rappelte sich, zur Erleichterung aller, jedoch wieder auf, Verursacher Flache kam mit 2+10 Strafminuten vergleichsweise glimpflich davon.
Um es vorweg zu nehmen: Das Überzahlspiel sollte weiterhin nicht wirklich zünden. Weder bei 5 gegen 3  noch mit einem Mann mehr erspielten sich die Gastgeber hundertprozentige Chancen heraus. Die wenigen gefährlicheren Schüsse auf sein Gehäuse entschärfte Gästekeeper Ehelechner souverän, so dass es am Ende mit einem leistungsgerechten 0:0 in die erste Unterbrechung ging.

2.Drittel
Jetzt waren es die Grizzlies, die den besseren Start erwischten. Doch die ersten Minuten des Mittelabschnitts machten auch schonungslos klar, woran es dem EHC momentan mangelt: Trotz Überlegenheit und hohem kämpferischen und läuferischen Einsatz fehlte es an klar herausgespielten Einschussmöglichkeiten, das Netz hinter Ehelechner blieb folglich unberührt. Stattdessen waren es in der 31.Minute die Panther, die nach einer Unaufmerksamkeit in der EHC-Defensive schließlich jubeln durften. Roloffs 0:1 stammte zwar aus der Kategorie „glücklich“ –  Kohl hatte beim Klärungsversuch quer aufgelegt – doch die vorhergehende Tatenlosigkeit, der Trabuccos Pass in den Slot folgte, hatte den Treffer erst ermöglicht.
Wolfsburg warf nun noch einmal alles in die Waagschale, lies sich von der durchgängigen Unterstützung seiner Anhänger nach vorne treiben…und blieb doch ohne den erlösenden Torerfolg.
Mit einem Videobeweis (nach Augsburger Lattentreffer) und einer Strafe gegen Mayer ging es zum zweiten Mal in die Kabinen.

3.Drittel
Nach schadlos überstandener Unterzahl griffen die Grizzlies erneut an, doch der Kräfteverschleiß der Wolfsburger Rumpftruppe kam nun immer deutlicher zum Tragen. Das fruchtlose Anrennen wurde schließlich erneut mit einem besonders hellen Augsburger Moment, diesmal mit dem eines ehemaligen Grizzlys, bestraft: Stephen Werner gelang der geniale Pass durch die Beine der Wolfsburger Abwehr, den der direkt vor dem Tor stehende MacArthur schließlich nur noch um Dshunussow herumbugsieren musste (53.).
Wolfsburg antwortete zwar weiterhin mit wütenden Bemühungen, doch allein Brocklehurst vergab freistehend zwei one-timer aufgrund technischer oder eben bereits konditioneller Probleme, die fast sinnbildlich für den beherzten, aber zum Scheitern verurteilten Kampf der Grizzlies stehen sollten.
Auch mit einem Feldspieler mehr und ohne Torhüter sollte den Gastgebern nach nun insgesamt über 120 torlosen Minuten kein Treffer in der heimischen Eisarena gelingen.
Das Wolfsburger Publikum hingegen zeigte nach Schlusspfiff, dass es ein gutes Gespür für die Leistung und auch die Befindlichkeit seines Teams hat und spendete den müden Kriegern reichlich aufmunternden Applaus.


Mein subjektiver Eindruck
Reichlich gut gekämpft, meine Herren!
Mehr gab’s leider (erneut) nicht zu bestaunen. Das Zusammenspiel der Sturmreihen funktioniert, nach diversen Umstellungen, immer noch nicht, weitere Akteure fielen aus…das alles macht nicht wirklich viel Mut.
Seit Jahren gibt es nun zum ersten Mal wieder Eishockey als Underdog in der Eisarena zu sehen. Daran wird der eine oder andere sich wohl erst einmal gewöhnen müssen – sowohl Spieler als auch Zuschauer! Bei Rückkehr und Wiedereingliederung der Verletzten bleibt der bis dahin aufgebaute Rückstand auf die Playoff-Plätze abzuwarten, um eine wirkliche Prognose wagen zu können. Was mir wirklich fehlt, sind die positiven Ansätze im spielerischen Bereich, auf denen man aufbauen könnte. Bisher habe ich unser Team nicht ein einziges Mal wirklich dominant aufspielen sehen…nicht mal für 3-4 Minuten.

Tor
Dshuni zeigt, dass er die Nummer 1 ist und auch bleiben will. Wirkt auch in Druckphasen souveräner als zuletzt und strahlt nicht mehr so viel Unruhe aus. Profitierte natürlich von der deutlich verbesserten Abwehrleistung des Teams.
Den Drang, etwas reißen zu wollen, muss er auf jeden Fall weiter unter Kontrolle halten, sonst gibt’s wieder „interessantes“ Stellungsspiel zu beobachten…

Verteidigung
Eigentlich eine solide bis gute Partie. Selbst der unglücklich agierende Kohl hatte keinen wirklich schwarzen Tag und passte sich der insgesamt sattelfesten Vorstellung seiner Kollegen zusammen mit Partner Brocklehurst ansonsten an. Bei den Gegentreffern standen die beiden trotzdem jeweils auf dem Eis.
Torgefährlichkeit allerdings…reden wir besser (noch) nicht drüber, das Powerplay leidet jedenfalls weiter unter der Schwäche von der blauen Linie.

Sturm
Höhenleitner, Pohl. Mayer, Furchner und mit Abstrichen Hospelt zeigten kämpferisch durchaus ansprechendes und teilweise sogar durchdachtes Hockey.
Milley und Diesel blieben eher blass, Mayer erledigte seinen Job so, wie man es sich von ihm wünschen darf…bleiben mit Polo und Moore die zwei Enttäuschungen der bisherigen Spielzeit im Bereich Attacke (Dimitrakos und Grygiel sollen ja erst noch Gelegenheit bekommen, mich vom Gegenteil zu überzeugen). Während Polaczek neben mangelnder Spielanbindung wenigstens so etwas wie Zweikampfverhalten zeigt, fährt Greg Moore nicht nur planlos umher, sondern versucht offenbar momentan jeden bestehenden Zweikampf-Minusrekord der DEL zu knacken. Als Topzugang gehandelt, stecken den Neuzugang aus Augsburg mittlerweile junge deutsche Spieler wie Mayer oder Pohl locker in die Tasche…
Das sind Zustände, die zusammen mit den namhaften Ausfällen nur in die Katastrophe – also Tabellenende – führen können.

Fazit
Die Ausfälle können nicht aufgefangen werden. Zu viele der verbliebenen Spieler kommen auch in dieser Krisensituation nicht aus dem Leistungsloch, so dass uns wohl auch in den kommenden Partien fast jegliche Torgefahr fehlen dürfte. Gerade die Ausfälle von Haskins und Danner sind angesichts der momentanen Entwicklung einfach nur vernichtend. Es bleibt abzuwarten, ob man sich in den nächsten drei Spielen zumindest in Iserlohn den einen oder anderen Punkt erkämpfen kann. Gegen Ingolstadt und Nürnberg dürfte es mit dem bisher Gezeigten komplett aussichtslos sein. Wir warten weiter auf das berühmte Platzen des Knotens…hoffentlich geschieht es nicht erst so spät, wie letztes Jahr bei Nürnberg! mb