header
Log in
A+ A A-

EHC - Hamburg Freezers 3:5

Nach dem überraschend deutlichen Sieg in Düsseldorf sollte gegen den Gast aus Hamburg nun das erste 6-Punkte-Wochenende der laufenden Saison in Angriff genommen werden. Die zunächst erfolgreich in die Spielzeit gestarteten Freezers hatten zuvor eine Serie von drei Niederlagen am Stück, darunter ein 6:2 gegen Wolfsburgs letzten Gegner aus Düsseldorf, mit einem mühsamen Sieg nach Penaltyschießen gegen Nürnbergs Ice Tigers beendet. Nur ein Team würde die positive Trendwende also bestätigen können…


1. Drittel

…und das waren die Gäste aus der Hansestadt.
Nach ausgeglichenem Beginn war es bezeichnenderweise ein Wolfsburger Powerplay, das die Partie für die Hausherren aus dem Ruder laufen ließ. Brocklehursts Puckverlust an der blauen Linie nutzte Brandon Reid zum 0:1 Führungstreffer und ließ im 1 gegen 1 Keeper Dshunussow per Tunnel nicht sonderlich gut aussehen (8.).
Wolfsburg reagierte spürbar geschockt und fand bis kurz vor Drittelende kaum ein Mittel, um irgendwie Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Im Gegenteil: Die Missverständnisse im Wolfsburger Abwehrverbund häuften sich zusehends und so war es auch wenig verwunderlich, dass ein geradezu haarsträubender Fehler zum zweiten Gegentreffer, erneut durch Reid, führte (15.). Robbie Bina hatte hinter dem eigenen Tor direkt zum Gegner abgespielt und damit den Treffer eingeleitet – ein Debakel kündigte sich in der allgemeinen Verunsicherung der Grizzlies bereits zu diesem frühen Zeitpunkt an…
Einige reichlich bemüht wirkende Aktionen der Gastgeber später war es Sebastian Furchner, der mit seinem dritten Tor des Wochenendes dafür sorgte, dass es für den weiteren Spielverlauf doch noch einen orangenen Hoffnungsschimmer gab. Im Stile eines Baseballspielers hatte der Wolfsburger Stürmer den Puck an Treutle im Tor der Hamburger vorbeigehämmert (18.) und die Verfehlungen des ersten Spielabschnitts zumindest etwas in Vergessenheit geraten lassen.


2. Drittel

Doch wieder sollte es ein Überzahlspiel sein, das die unguten Eindrücke des ersten Drittels ins Gedächtnis rief. Nach drei durchaus überzeugenden eigenen Unterzahlspielen, legte der Gast aus Hamburg erneut im Wolfsburger Powerplay den Finger in die Wunde: NHL-Star Jamie Benn schlich sich in den Rücken der aufgerückten Wolfsburger Verteidigung und ließ sich nach Puckgewinn umgehend zum Break gen Dshunussow auf die Reise schicken...und umkurvte den Schlussmann der Grizzlies geschickt zum 1:3. Die Verwirrung hielt nun endgültig Einzug in den Reihen der Hausherren und so wirkte das 1:4 durch Schmidt in seiner Entstehung erneut extrem ungelenk und unentschlossen von Seiten der Grizzlies.
Während ein Hamburger den Puck vor zwei sich gegenseitig beim Wechsel behindernden Wolfsburgern wegspitzeln konnte, glich der Abwehrverbund mittlerweile einem Hühnerhaufen. Das Spiel schien nach gut 32 gespielten Minuten bereits entschieden.  
Mit 1:4 ging es, völlig leistungsgerecht, dann zur Erleichterung der heimischen Fans zum zweiten Mal in die Kabinen.


3. Drittel

Es gab wohl nicht viele, die im weiten Rund noch auf einen Sieg der Grizzlies gesetzt hätten, doch fast hätten sie am Ende nicht Recht behalten!
Nachdem es zu Beginn des Schlussabschnitts noch nach einer kontrollierten Verwaltung der Gäste ausgesehen hatte, kam Wolfsburg – quasi aus dem Nichts – ins Spiel zurück. In der 46. und 47. Minute verwandelte das Team der Grizzlies per Doppelschlag die Eisarena zum ersten Mal an diesem Nachmittag in einen Ort der Freude (jenseits der Gästekurve). Zunächst gelang es dem beherzt aufspielenden Vinzenz Mayer Hamburgs Goalie mit einem flachen Schuss aus spitzem Winkel zu überwinden, eine Minute später ließ Greg Moore Treutle erneut nicht gut aussehen, als er ihm von hinter dem Tor an den Schoner schoss.
Mit neuem Schwung und reichlich schmeichelhaftem Spielstand nahmen die Grizzlies ein letztes Mal Anlauf auf den zweiten Sieg an diesem Wochenende.
Mitten in der Wolfsburger Drangphase sorgte das nicht immer nachvollziehbar leitende Schiedsrichterduo dann leider für den nächsten Aufreger der Begegnung: Mit einer von Freund und Feind offenbar nicht beobachteten Regelwidrigkeit (Halten durch Brocklehurst) brachte, zumindest die eine Hälfte des Duos, den orangenen Teil der Halle massiv gegen sich auf.
Während des folgenden Powerplays fing sich der Gastgeber dann auch prompt das vorentscheidende 3:5 durch Jamie Benn, welches in der restlichen Spielzeit nicht mehr durch das Team der Grizzlies beantwortet werden konnte.
Weder eine 6 gegen 4 Überzahl ohne eigenen Torhüter, noch die insgesamt deutlich erhöhte Konzentration auf Seiten des EHC sollten reichen, um die nun wieder wesentlich kontrollierter agierenden Gästen erneut ins Schwimmen zu bringen.
Wenn auch die Art der Entscheidung mehr als ärgerlich war, so stellte im Anschluss wohl kaum jemand die Gerechtigkeit des Ergebnisses in Frage...


Mein subjektiver Eindruck

Eine völlig verdiente und in der Höhe sogar noch etwas schmeichelhafte Niederlage gegen einen kampfstarken Gegner. Wieder einmal setzt beim Kontrahenten eine NHL-Leihgabe die entscheidenden Akzente, so dass unser mittlerweile einfach viel zu leicht zu verunsicherndes Team komplett den Faden verliert. Es zeichnet sich momentan, trotz des Sieges in Düsseldorf, nicht einmal im Ansatz eine Art Wende zum Guten ab. Neben den verletzten Leistungsträgern sorgt auch ein Teil der aktiven „Topspieler“ für tiefe Sorgenfalten und wenig Hoffnung für die kommenden Partien gegen die Elite der Liga.

Tor
Dshuni leider erneut bestenfalls akzeptabel. Beim ersten Gegentreffer legt er eher ne Tanzeinlage hin, anstatt einfach stehen zu bleiben. Im weiteren Spielverlauf ohne die ganz großen Saves, die das Team – unverdient, aber wen interessiert es – im Spiel gehalten hätten.
Torhüter in Wolfsburg ist in dieser Saison allerdings auch kein dankbarer Job (siehe auch: Verteidigung)

Verteidigung
Wurm (gemessen an seiner Spielpraxis) war der einzige Akteur, der in diesem Mannschaftsteil das zeigte, was man erwarten durfte.
Während Brocklehurst und Kohl ihre offensiven Akzente gleich wieder mit Defensivschnitzern und Stellungsspiel aus der Hölle bei beiden Shorthandern zunichte machten, konnten Blanchard und Köttstorfer zumindest durch die Abwesenheit von Riesenböcken glänzen…
Stichwort Riesenböcke: Die Abwesenheit unseres Bewegungs- und Übersichtsgenies Benedikt Schopper versuchte prompt Robbie Bina wettzumachen. Mit einer Vorstellung, die an seine gruseligsten Anfangstage beim EHC erinnerte, war der sympathische US-Amerikaner immer in Gedanken einen Schritt zu spät, brauchte für alle Entscheidungen und Aktionen einfach die halbe Sekunde zu lang und brachte sich und das Team gleich ein halbes Dutzend Mal in Verlegenheit. Das Selbstvertrauen ist unter Druck, nicht nur bei ihm, offenbar völlig futsch.

Sturm
Hospelt, Milley und Pohl in einer Reihe. Bleibt die Frage, was das bringen soll…außer, dass Pohl sich nahtlos an die extrem schwachen Vorstellungen der beiden „Topspieler“ anpasst.
Norm Milley, den ich wirklich sehr schätze, ist mittlerweile so entnervt, dass er nach Puckverlust nicht einmal mehr weiß, wohin er nun als nächstes laufen soll. Also läuft er erstmal gar nicht. Da es über Norms Charakter eigentlich keine zwei Meinungen gibt, heißt es einfach Geduld haben. Denkpausen sind dank Spielermangel ja leider nicht drin, was mir bei seiner momentanen Verfassung sowohl für die Fans als auch für ihn selber sehr leid tut. Hospelt wirkt ebenfalls völlig überfordert, wobei man derartige Leistungslöcher von ihm bisher nicht gewohnt war…seltsam.
Dimitrakos ohne größere Ausrufezeichen und Fehler, Moore neben seinem Anschlusstreffer mit leicht aufsteigender Tendenz zur Spielteilnahme (man wird ja bescheiden). Polo lieferte, ebenso wie Furchner, Höhenleitner und Mayer eine engagierte Partie mit der korrekten Einstellung und Laufbereitschaft ab. Bedenklich, wenn diese vier unseren verbliebenen Leistungsträgern vormachen wie’s geht.

Fazit
Die Ausfälle im Sturm sind offenbar nicht (stabil) zu kompensieren, die verbliebenen Stürmer brauchen dringend Unterstützung. Justin Mercier scheint hier allerdings, getreu unserer bisherigen Nachverpflichtungspolitik, der berühmte Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Kein Vorwurf an Charly, der nur im Rahmen seines Etats handelt. Sollte dem Team bis zur D-Cup Pause nicht noch die eine oder andere Überraschung in Form von Punktgewinnen gelingen, so kann man die Saison in Sachen Playoff -Teilnahme fast schon abhaken. mb