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EHC - Adler Mannheim 2:4

Nachdem der EHC in München beim direkten Konkurrenten um Platz 10 wiederum wichtige Punkte verloren hatte, begrüßte er nun den aktuellen Tabellenführer der DEL in der Eisarena.
Die Vermeidung des zweiten Null-Punkte-Wochenendes schien also, vorsichtig ausgedrückt, keine leichte Angelegenheit zu werden, zumal Wolfsburgs Heimschwäche mittlerweile mehr als nur eine Phase zu sein scheint…

1. Drittel
Der Auftakt in diese von der Papierform her eindeutige Begegnung fiel dann jedoch keineswegs so deutlich aus, wie man es wohl zunächst befürchten durfte. Nach verbissenen Anfangsminuten und einer ersten Mannheimer Drangphase trug der Gast aus der Quadratestadt tatkräftig zum Kräftegleichgewicht bei, indem er sich ganze dreimal in Folge durch dumme Strafen selber dezimierte. Wolfsburgs Powerplay agierte, auch bei rund 80 Sekunden 5 gegen 3, gewohnt harmlos, doch immerhin fanden die Gastgeber ihren Weg in die Partie und konnten zwei Sekunden vor der ersten Pausensirene sogar in Führung gehen!
Kai Hospelt zeigte per Breakaway in Unterzahl seinem zukünftigen Arbeitgeber schon mal, auf welche Qualitäten dieser sich freuen kann.

2. Drittel
Mit der etwas glücklichen  Führung der Grizzlies entwickelte sich im Mitteldrittel eine durchaus sehenswerte, hart und intensiv geführte Partie. Die durchdachtere Spielführung lag zwar weiter auf Seiten der Gäste, doch Wolfsburg hielt mit allem was es hatte dagegen. Zum Leidwesen der Fans in orange fielen die Tore der Adler jedoch letztlich zu einfach. Während Lehouxs 1:1 in der 23.Minute noch in die Kategorie „fein herausgespielt, aber vermeidbar“ fiel, rief Mauers 1:2 rund vier Minuten später schon wieder verstärktes Kopfschütteln auf den Tribünen hervor. Nachdem Blanchard im Angriffdrittel beim Schussversuch über den Puck geschlagen hatte, rollte der Gegenangriff der Gäste bei dem Mauer durch Wurm nicht mehr entscheidend gestört werden konnte. Doch schon zwei Zeigerumdrehungen später gelang den Grizzlies durch einen abgefälschten Schuss eben jenes Blanchard der verdiente Ausgleich (28.), so dass es mit einem insgesamt äußerst gerechten Unentschieden in die zweite Unterbrechung ging.

3.Drittel
Die gute Nachricht vorneweg: Wolfsburgs Unterzahlspiel präsentierte sich in bestechender Form. Nachdem das Team bereits im ersten Spielabschnitt anderthalb Minuten doppelte Unterzahl überstanden hatte und später in Führung gegangen war, überstand man auch jetzt eine fast ebenso lange 3 gegen 4 Unterzahl zu Beginn des Schlussdrittels.
Auch der Wille und ab Mitte des Drittels sogar der auf das Mannheimer Tor aufgebaute Druck der Grizzlies wussten durchaus zu gefallen, aber…und dieses „aber“ wiegt im Sport nun mal deutlich mehr: Die Anzahl der wirklich heraus gespielten Einschussmöglichkeiten der Hausherren war am Ende ebenso deprimierend, wie die fast lachhafte Anzahl an Schüssen auf das Gästetor in diesem Spielabschnitt (4) und der weitere Spielverlauf im Allgemeinen. Mitten in eine Drangphase der Gastgeber setzte der Spitzenreiter aus der Kurpfalz nach einem Abspielfehler von Neuzugang Mercier schließlich den entscheidenden Stoß ins Herz der Grizzlies. Diesem 2:3 von Gästestürmer MacDonald (57.) folgte lediglich der obligatorische Treffer ins leere Tor durch Adam Mitchell (60.), so dass die Gastgeber nach tapferem Kampf erneut ohne Zählbares dastanden.  


Mein subjektiver Eindruck
Wenn nicht noch ein mittleres Eishockeywunder geschieht, dann bleibt uns für den Rest der Saison nur noch der Kampf um Platz 12 und 13. Deprimierend, jetzt wo so nach und nach die verletzten Leistungsträger wieder an Bord krabbeln.
Es gebricht trotzdem weiter an einer gewissen Effizienz und dem Willen sich im Slot aufzureiben bzw. auch mal abschießen zu lassen.
Ob zwischenzeitlich Wille oder Geld gefehlt haben, um den Ausfall der beiden Topstürmer mit zwei kurz- bis mittelfristigen NHL-Importen abzufedern, kann sicherlich auf dem Fantalk am Samstag ab 14.00h erfragt werden…
Mir drängt sich jedenfalls langsam der Verdacht auf, dass man sich in offiziellen Kreisen bereits auf die nächste Saison vorbereitet. So lange der Großteil des Teams sich so reinkniet wie zuletzt, sollte man da wohl auch nicht zu hart ins Gericht gehen – Vertragsverlängerungen verbieten sich bei einer Vielzahl der Spieler allerdings mittlerweile, sei es aus gesundheitlichen Bedenken, sei es leistungstechnisch.

Tor
Vogl wächst langsam aber sicher zu einem echten Rückhalt. Machte eines seiner besten Spiele und blieb vor allem bei den zahlreichen Schüssen aus Halbdistanz komplett fehlerlos.
Wenn er nun mit entsprechender Spielpraxis noch etwas abgebrühter in der Nahdistanz agiert, könnte es auf jeden Fall noch eine harte Saison für Daniar werden.

Verteidigung
Die Verteidigerpaare auseinander zu nehmen kann und will ich nicht nachvollziehen. Schopper produzierte mit Bina zusammen den gleichen Murks wie mit Blanchard und stand wieder bei 2 Gegentreffer + empty net goal auf dem Eis. Die richtige Lösung findet man hier wohl nur, indem man Schopper auf die Tribüne setzt, da er einfach zu langsam und zu unbeweglich ist. Blanchard und Wurm mit Licht und Schatten. Einzig Brocklehurst und vor allem Benedikt Kohl konnten als Duo fast hundertprozentig überzeugen.

Sturm
Hospelt im ersten Drittel bester Grizzly. Danach nicht mehr viel zu sehen, genauso wenig wie Norm Milley und Matt Diesel. Haskins arbeitet sich sichtbar ins Geschehen hinein, kann aber natürlich noch nicht wieder die Akzente der Vorsaison setzen. Moore mit durchwachsener Vorstellung, die deutschen Akteure des Weiteren mit ansprechenden Vorstellungen. Vinzenz Mayer ist dabei ein echter Lichtblick für die Zukunft der Grizzlies.

Fazit
Wenn man sich weit vor Weihnachten schon nach der nächsten Saison sehnt, dann läuft bzw. lief mehr als nur etwas falsch. Sollte das Team nun allmählich den Dreh zum Scoren wieder rauskriegen, dürfte es in dieser ausgeglichenen Liga bereits zu spät sein, um Platz 10 noch ernsthaft zu attackieren. Wenn, ja wenn eben nicht jenes besagte Eishockeywunder noch eintritt. mb