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EHC - Düsseldorfer EG 5:2

Nach dem Rückschlag in Augsburg gastierte mit der DEG nun der einzige DEL-Club in der heimischen Eisarena, der die Favoritenrolle getrost den Grizzlies überlassen kann. Lediglich mit kurzen Unterbrechungen (durch den EHC) ziert der Traditionsclub vom Rhein mit schöner Regelmäßigkeit das Tabellenende und muss in dieser Saison mit einem extrem kleinen Etat und einer ebenso jungen Truppe zurechtkommen. Im Prinzip also der ideale Gegner für die erhoffte Aufholjagd in Richtung Platz 10.

1.Drittel
Die Derbyniederlage noch in der Ausrüstung hängend, präsentierte sich das Schlusslicht vom Rhein zunächst völlig indisponiert. Schon vor Beginn der Partie fiel das Team der DEG unangenehm auf, als es bereits beim Einlauf der Grizzlies ungefragt aufs Eis stolperte. Wolfsburgs Gäste waren offenbar auf Krawall gebürstet, denn auch in der Folgezeit war so ziemlich alles im Spiel der DEG auf Provokation und weniger auf taktische Disziplin ausgelegt.
So machte diese reichlich kopflose Vorstellung der Männer in gelb-rot allerdings erst einmal nur die Orangenen glücklich: Der EHC überrannte Düsseldorf förmlich und bombardierte den gut aufgelegten Bobby Göpfert im Kasten der Gäste geradezu mit Schüssen. Bereits in der 2.Spielminute war es dann Christoph Höhenleitner, der aus der mit einem Schuss in den Winkel den Torreigen der Gastgeber eröffnete.
Als dann mit Henry und Klingsporn zwei Düsseldorfer gleichzeitig auf die Strafbank wanderten (6.) schien die Zeit gekommen, um alle Dämme brechen zu lassen - doch erst mit Ablauf der beiden Strafen gelang der längst überfällige Treffer durch Benedikt Schopper zum hochverdienten 2:0!
Dass die Begegnung nicht schon nach dem ersten Abschnitt entschieden war, lag lediglich an zwei Faktoren: 1. Dem überragenden Bobby Göpfert und 2. gleich reihenweise fragwürdigen Entscheidungen der streckenweise haarsträubend leitenden Referees Aumüller und Vogl.
Während Binas Strafe wegen Behinderung (9.) noch mit etwas Humor als solche durchgehen konnte und Merciers Kopfstoß korrekt mit einer Matchstrafe belegt wurde (14.), stellte das Duo-Infernale jegliche Bestrafung der Gäste rigoros ein. Wolfsburgs Mercier war zuvor mehrfach, teils von der Bank der Gäste, körperlich angegangen worden...eine Bestrafung gegen die Gäste erfolgte lediglich wegen Beschimpfung von Offiziellen. Zur Krönung dieser Fehlleistung durfte mit Sean Blanchard kurz vor der Pause sogar noch ein Grizzly wegen eines korrekten Checks auf die Strafbank - der sehenswerte open ice hit wurde trotz Treffer an der Schulter als Kniecheck gewertet. Ohne Worte.
Tore konnte die DEG in diesen Überzahlspielen jedoch keine erzielen und blieb, wie auch beim 5 gegen 5, weitestgehend harmlos.

2.Drittel
Die Antwort auf dieses Strafenchaos gaben die Grizzlies gleich im Anschluss an das erneut erfolgreiche Unterzahlspiel. Der Diesel vollstreckte zum 3:0 und brachte nach anderthalb Minuten im Mitteldrittel damit die Halle wieder zum Kochen. Man merkte mehr als deutlich, wie dankbar das Wolfsburger Publikum, das dem Team so tapfer in den vergangenen Wochen zur Seite gestanden hatte, diesen Spielrausch aufnahm. Provokationen und Schauspieleinlagen der Gäste befeuerten dabei die aufgeheizte Atmosphäre immer weiter und machten die Jubelausbrüche der Heimfans nur noch euphorischer. So auch in der 26.Minute als Sebastian Furchner der Wolfsburger Dauerdruck mit einem Abstauber unters Tordach krönte.
Düsseldorf brach nun fast auseinander, versuchte das Schlimmste zu verhindern und griff dabei immer wieder zu unerlaubten Mittel. So war es erneut ein Powerplaytreffer der Grizzlies, der wenige Sekunden vor der zweiten Pause die Partie endgültig entschied. Norm Milley war der Torschütze zum 5:0 und jeder, der den verzweifelten Kampf um seine Form in den letzten Wochen verfolgen konnte, wird ihm diesen Treffer wohl von Herzen gegönnt haben.
Mit einer auch in dieser Höhe völlig verdienten Grizzlyführung ging es in die Kabinen.

3.Drittel
Das Spiel blieb auch nachdem es vermeintlich entschieden war weitestgehend von Nickligkeiten und viel Härte geprägt. Bestraft wurde das Ganze allerdings nur noch bei der Mannschaft, die bereits mit fünf Toren vorne lag. Ob es tatsächlich an der dezenten Leistungssteigerung der Gäste lag, dass auch die Grizzlies nun wieder verstärkt zu unlauteren Mitteln griffen, mag dabei durchaus bezweifelt werden. Die Strafzeitenverteilung mit vier Strafen zu null blieb, auch objektiv betrachtet, ein schlechter Witz auf Kosten des Tabellenvorletzten aus der Volkswagenstadt.
Als sich der Gast vom Rhein in der 57.Minute dann doch noch auf der Anzeigentafel verewigen konnte - sogar mit einem Doppelschlag durch Turnbull und Martinsen - wurden wohl nur noch die absoluten Pessimisten unter den rund 2000 Fans der Grizzlies wirklich nervös. Angepeitscht durch seinen Anhang überstand der EHC auch diesen letzten, etwas turbulenteren, Abschnitt der Partie und brachte den mehr als verdienten Sieg ohne weitere Gegentreffer ins Ziel. Gästecoach Christian Brittig verzichtete in den letzen beiden Minuten sogar darauf, seinen Goalie vom Eis zu nehmen - ein allzu deutliches Zeichen, wie die DEG ihre Siegchancen an diesem Abend bewertete...


Mein subjektiver Eindruck
Dass ein Duell der Tabellenletzten derartig viel Spaß machen kann, hätte ich jetzt erstmal nicht erwartet!
Wenn wir in den nächsten Wochen auch gegen stärkere Gegner eine so angriffslustige Grizzlymannschaft sehen, stört mich der Tabellenplatz jedenfalls kaum noch...
Viel zu diesem gelungenen Eishockeyabend trugen natürlich die dreckige Spielweise der Gäste und die teilweise nur als komplett unfähig zu bewertenden Schiedsrichterentscheidungen bei. Herrlich, wenn man sich so aufregen kann und am Ende die Eisarena als Sieger verlassen darf! ;)
Im Team ist jedenfalls immer noch jede Menge Leben und ich freue mich bereits auf die Partie gegen Iserlohn. Vielleicht ja mal wieder mit Besuch vom Bully Express!

Tor
Dshunis shut out wird im Schlussabschnitt leider durch die Strafen kurz vor dem Ende verhindert. Chancenlos bei den Gegentreffern, ansonsten fast auf dem Niveau aus den letzten beiden Jahren angekommen. Besser spät als nie wird er nun offenbar wieder der Rückhalt, den wir so dringend brauchen.

Verteidigung
Bina, Wurm und Kohl mit guten Leistungen gegen einen deutlich überforderten Gegner. Schopper nicht nur wegen des Tores mit verbessertem Auftritt, Walter und Blanchard eher durchschnittlich, wobei Blanchard den unglücklicheren Eindruck machte. Insgesamt ließ der Gegner allerdings keine realistische Bestandsaufnahme zu.

Sturm
Zwar ließen die Wolfsburger Sturmformationen einiges an Chancen liegen, doch am Ende überwog der positive Eindruck. Während die deutsche Fraktion geschlossen ihre vorbildlichen Kampfleistungen der vergangenen Wochen mit Toren und Torbeteiligungen krönte, traf von den nominellen Torjägern aus dem Kontingent neben dem Diesel endlich der so viel gescholtene Norm Milley zum zwischenzeitlichen 5:0. Lediglich Tyler Haskins konnte trotz großem Arbeitsaufwand noch nicht wieder an die Effektivität der vergangenen Jahre anknüpfen und braucht offenbar noch das eine oder andere Spiel. Nach furiosem Beginn (mehrere Einschussmöglichkeiten) gelang Justin Mercier ein ebenso furioser Abgang...der letzte Neuzugang der Grizzlies bleibt weiter ein Kandidat aus der Kategorie "verbranntes Geld".

Fazit
Wenn der EHC auch gegen größere Kaliber so aggressiv auftritt, werden wir noch einiges an Spaß in dieser Saison haben. Mit Platz 10 werden wir vermutlich aber trotzdem nichts mehr zu tun haben. mb