header
Log in
A+ A A-

EHC - Kölner Haie 6:3

Nachdem das Seuchenjahr 2012 mit einem Heimsieg verabschiedet worden war, sollte der Start in ein hoffentlich erfolgreicheres neues Jahr nun gegen die Haie aus Köln ebenso gestaltet werden. Zuletzt war der angeschlagene EHC immerhin viermal in Folge als Sieger vom heimischen Eis gegangen, so dass auch gegen den Gast vom anderen Tabellenende zumindest leichter Optimismus angesagt war. Was die mit über 2500 Zuschauern überraschend gut gefüllte Eisarena dann aber zu sehen bekam, war sogar noch mehr als in den letzten vier Heimspielen zu bestaunen war. Und da hatte es immerhin vier Siege gegeben...

1.Drittel
Vom Start weg entwickelte sich ein absolut attraktives Eishockeyspiel in dessen Verlauf die Grizzlies die tonangebende Mannschaft stellten. Besonders in den Anfangsminuten rieb sich wohl der eine oder andere Grizzlyfan verwundert die Augen, denn genau das, was sein oder ihr Lieblingsteam dort zeigte, war bisher kaum bis gar nicht zu sehen gewesen: Der EHC kombinierte gefällig, spielte flüssig und schnell und wirkte wie eine eingespielte Mannschaft! Zwar ging der Gast aus Köln das Tempo weitestgehend mit - die gefährlicheren Situationen vor des Gegners Tor verbuchte aber fast durchgängig das Team von Pavel Gross. Die Tore durch Kai Hospelt (8.) in Überzahl und Matt Diesel (10.) per trockenem Handgelenkschuss nur zwei Minuten später erschienen somit nur folgerichtig und bildeten die Wolfsburger Dominanz passend ab. Ein verpatzter Wechsel mit zu vielen Spielern auf dem Eis brachte den Gast dann zum Ende des Drittels eher glücklich zurück ins Spiel, als Minard kurz vor Ablauf der fälligen Strafe einen Abpraller zum 2:1 Anschlusstreffer nutzen konnte (16.). Hocherfreut und etwas verwundert ging es zum ersten Mal in die Pause. 

2.Drittel
Und es sollte noch unterhaltsamer werden! Köln präsentierte sich nun verbessert und konnte zu Beginn des Mittelabschnitts sogar außerhalb eines Powerplays so etwas wie Überlegenheit demonstrieren. Dass der Gastgeber seinerseits in der Lage war, auf diese Leistungssteigerung zu reagieren, hob die Qualität der Begegnung dann sogar noch einmal etwas an. Trotzdem blieben die besseren Chancen auf Seiten der Grizzlies und so war es zunächst Polaczek, der mit einem fast unmöglichen Schuss aus spitzem Winkel seine Farben wieder jubeln ließ (27.). Kaum hatte sich der Jubel gelegt, waren es aber wieder die Gäste die eine gute Minute später neue Hoffnung schöpfen durften, nachdem die EHC-Abwehr den Treffer von Felix Schütz mehr staunend begutachtet, als aktiv verhindert hatte. Dass dieses eher fahrlässige Herschenken der Zwei-Tore-Führung nicht zum entscheidenden Faktor wurde, stellte der in den letzten Wochen immer besser aufspielende Norm Milley sicher. Als nahezu alle Akteure auf dem Eis sich durch eine griechisch-römische Ringeinlage hinter dem Gehäuse der Haie offenbar ablenken ließen bzw. auf einen Pfiff der Referees warteten, verzögerte Wolfsburgs wiedererstarkter Topscorer zweimal listig vor Kölns Tor, ließ Gegner um Gegner aussteigen, um dann locker aber zielsicher in den Winkel zu verwandeln. Party pur auf den Rängen folgte umgehend... Lediglich eine vorhergehende und zwei noch folgende Strafzeiten gegen die Grizzlies trübten die Stimmung kaum spürbar, denn auch das Unterzahlspiel der Grizzlies wirkte an diesem Abend wie aus einem Guss. Auf Kosten so mancher Prellung blockten vor allem Wolfsburgs Verteidiger nahzu alles, was gefährlich auf den von Dshunussow gehüteten Kasten hätte kommen sollen. Folge: Der Vorsprung hielt diesmal bis zur Pause und Kölns Kapitän John Tripp versüßte den Erfolg kurz vor der zweiten Sirene mit einem doppelten Frustfoul (vor und nach Abpfiff der entsprechenden Szene). Zur allgemeinen Schadenfreude musste der Routinier folglich den Auftakt des Schlussdrittels vier Minuten lang von der Bank begutachten...

3.Drittel
Durch die Strafe des Kapitäns geschwächt, blieb Köln eine echte Aufholjagd zunächst natürlich schuldig. Doch auch der EHC dokumentierte nun nicht mehr den Biss der ersten beiden Drittel, ohne dabei die Zügel wirkllich schleifen zu lassen. Dem Powerplay zu Beginn des Drittels fehlte aber, wie in noch zwei weiteren Situationen, die Durchschlagskraft der ersten Spielhälfte, so dass die Grizzlies keinen weiteren Profit aus ihren Möglichkeiten schlagen konnten. Es dauerte sogar bis zur 56.Minute, bevor die längst laufende Feier auf den Rängen endlich wieder neuen Treibstoff bekam. Erneut Toptorjäger Diesel (Ligaspitze mit 18 Treffern) war auf Zuspiel durch Haskins zur Stelle, um mit seinem zweiten Treffer zum 5:2 die Partie zu entscheiden. Kölns verzweifelter Versuch eine Überzahl durch frühes Herausnehmen des Torhüters zur Wende zu nutzen, bestrafte Sebastian Furchner nur eine Minute später mit dem entgültigen Knockout per Schuss ins leere Netz. Als sich Wolfsburgs Schlussmann dann eine Sekunde vor dem Ende doch noch das dritte Gegentor fing, hielt sich das Interesse auf den Rängen und auf dem Eis, verständlicherweise, deutlich in Grenzen...längst hatte die Freude über diesen gelungenen Jahresbeginn das Kommando übernommen und es gab ja auch noch ein Geburtstagskind, das gefeiert werden sollte!    

Mein subjektiver Eindruck
Was war das denn? Selten hat mich eine Vorstellung eines Wolfsburger Teams während einer laufenden Saison so überrascht! Es funktionierte nahezu alles, was man schon in der Saisonvorbereitung erahnen konnte und dann so schmerzlich vermissen musste: Erkennbares Spielsystem, folglich flüssiger Spielaufbau und vor allem bisher nie dagewesenes Verständnis innerhalb der Reihen. Man kann nur hoffen und beten, dass dies kein Ausrutscher war und die Grizzlies endlich zueinander gefunden haben. Das Spiel in Hamburg kann dann auch prompt, für alle die es sehen wollen, darüber Aufschluss geben. Da wir in Hamburg eigentich nie besonders gut aussehen, hätte ein Sieg in der Hansestadt äußerst hohe Aussagekraft. 

Tor
Dshuni mit einem kleinen Patzer beim ersten Gegentreffer, ansonsten mit gutem Überblick und Stellungsspiel. Hat die Form, die es zur Aufholjagd braucht - zumindest in der Heimat - erreicht.

Verteidigung
Spitzenvorstellung, vor allem im Unterzahlspiel mit viel Leidenschaft, aber auch in der Rückwärtsbewegung allgemein sehr sicher. Das Gleichgewicht zwischen offensiven und defensiven Aktionen stimmte. Warum Schopper allerdings bei sieben spielfähigen Verteidigern noch Eiszeit bekommt, bleibt mir ein Rätsel. Vermutlich, damit er nicht komplett einrostet, falls sich mal wieder jemand verletzt. Beim zweiten Gegentreffer zusammen mit Walter mal wieder ein "Gedicht"... Neben Brocklehurst fällt zumindest kein Akteur ohne Anschlussvertrag momentan in die Kategorie "Schaun mer mal".

Sturm
Ich geb's ja zu: Tyler Haskins hat bei mir absoluten Einstellungsbonus. Doch auch abseits der vorbildlichen Arbeitsmoral zeigt "Swifty" endlich wieder, was für ein geiler Eishockeyspieler er ist. Die Räume, die er mit seinen beherzten Läufen vor's Tor reißt und die immer besser funktionierenden Anspiele sprechen schon jetzt für eine Weiterverpflichtung dieser mit "hockeysense" ausgestatteten Kampfsau. Solche Spieler machen den Unterschied und endlich scheint Haskins den Rückstand der letzten Monate aufgearbeitet zu haben. Und ich bin mir sicher: Da geht noch viel mehr, wenn das Verletzungspech endlich mal langfristig einen Bogen um ihn machen würde. Ähnliches gilt für Wolfsburgs Toptorjäger Matt Diesel, der nach mehrfachen Gehirnerschütterungen allerdings immer am Rande des Karriereendes agiert. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Verantwortlichen zur neuen Saison aufstellen wollen, doch im Bereich Sturm ist die Anzahl der Spieler, die durchaus Weiterverpflichtungspotential haben weitaus größer als in der Verteidigung. Selbst der bisher nicht nachzuvollziehende Neuzugang Mercier beginnt sich langsam mit punktuell sinnigen Aktionen zu empfehlen. Nach seiner Matchstrafe allerdings auch mehr als nötig... Dass Norm Milley zu alter Stärke zu finden scheint passt da, meiner Meinung nach, bestens ins Bild.      

Fazit
Man kann nur hoffen, dass die Vorstellung gegen Köln keine Eintagsfliege bleibt oder dass die anstehenden Vertragsverhandlungen Ende Januar nicht plötzlich Flügel verleihen. Ein Team, das nur tage- oder phasenweise funktioniert, will man uns in der kommenden Saison hoffentlich ersparen. Nie waren Personalentscheidungen so schwierig, wie in dieser Saison, gerade weil sich kaum ein Akteur bisher so gehen ließ, dass ein zweiter Gedanken über ihn verschwendet wäre. So bleibt es also auch am Tabellenende stehend irgendwie spannend. mb