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EHC - Hannover Scorpions 5:2

Spannung war nach den zuletzt überzeugenden Auftritten der Grizzlies angesagt! Auch im Niedersachsenderby wollte das Team von Trainer Pavel Gross seine Siegesserie (drei in Folge) natürlich nicht abreißen lassen und ganz nebenbei auch die, wesentlich beeindruckendere, Serie von fünf Heimsiegen weiter ausbauen. Um es vorweg zu nehmen: Die Grizzlies enttäuschten ihr Publikum zu keinem Zeitpunkt und konnten die Leistungen der letzten Partien uneingeschränkt bestätigen - beste Voraussetzungen also für ein wichtiges Derby gegen einen direkten Konkurrenten um Platz 10!

1. Drittel
Die Energie eines Derbys war vom Start weg deutlich spürbar. Nicht nur die mit rund 3200 Zuschauern gut gefüllten Ränge, sondern auch nahezu jeder der Akteure auf dem Eis machte deutlich: Hier geht's um was! Nachdem sich die erste Nervosität gelegt hatte, spielte jedoch erst einmal nur ein Team - und das waren die Hausherren. Mit schnellen, gut aufeinander abgestimmten Spielzügen und bemerkenswerter Laufarbeit schnürten die Grizzlies den Gast aus der Landeshauptstadt teilweise minutenlang im eigenen Drittel ein. Wenn Wolfsburgs Spielfluss einmal unterbrochen wurde, so war es meist durch ein Icing oder ein Foul verursacht durch einen der leicht überfordert wirkenden Skorpione. Einzig die Chancenauswertung in diesem mitreißenden ersten Abschnitt ließ aus sicht der Gastgeber mehr als zu wünschen übrig. Obwohl sogar schönste Spielzüge gelangen, blieb es bei streckenweise doppelter Überzahl und am Ende sage und schreibe 20 Torschüssen der Grizzlies bei lediglich einem Treffer durch Wolfsburgs Sebastian Furchner. Zuvor hatten unter anderem Patrick Pohl und Kai Hospelt beste Chancen unglücklich liegen lassen und den Puck nicht im bereits leergespielten Gehäuse der Gäste unterbringen können. So blieb es beim mehr als verdienten 1:0 durch Furchners Überzahltreffer aus der 14. Spielminute. Bestens unterhalten und durchaus beeindruckt von der Vorstellung ihres Teams ging es für die Fans der Grizzlies zum ersten Mal an die diversen Theken der Eisarena.

2. Drittel
Auch zu Beginn des Mittelabschnitts ging's zunächst nur in eine Richtung...und zwar direkt auf Hannovers gut aufgelegten Dimitri Pätzold zu. Doch vorerst hielt der Torhüter der Scorpions seine Farben im Spiel, so dass sich zum Leidwesen der EHC-Fans erste Abnutzungserscheinungen beim ständig anrennenden Gastgeber bemerkbar machten. Ab der 25. Minute sollte es dann sogar richtig dramatisch werden, denn Wolfsburg brachte sich durch gleich drei - teilweise saudumme - Strafen hintereinander nicht nur aus dem Tritt, sondern vor allem den bis dahin völlig überforderten Gegner zurück ins Spiel. Auch wenn die Gäste aus Hannover keine der sich zum Teil überschneidenden Strafzeiten zu einer Ergebniskorrektur nutzen konnten: Sie wirkten von Minute zu Minute sicherer und begaben sich für den Rest des Drittels sogar erstmals auf Augenhöhe mit den bis dahin überragend spielenden Grizzlies. Kaum war die letzte Strafe der Gastgeber abgelaufen, klingelte es dann doch hinter Wolfsburgs Goalie Dshunussow. Ex-Grizzly David Sulkovsky vollendete einen schönen Spielzug seiner Reihe zum 1:1 Ausgleich (30.) und sorgte damit für reichlich Frust beim in Unterzahl unbezwungen gebliebenen Gegner. Doch es sollte noch dicker kommen: Schon eine Minute später trug Wolfsburgs Armin Wurm bei einem Abwehrversuch Hlinkas Schuss/Pass über die eigene Linie, so dass der Spielverlauf komplett auf den Kopf gestellt war. Es ging turbulent weiter. Mitten in die Triumphgesänge der rund 400 mitgereisten Auswärtsfans klingelte es 20 Sekunden später schon wieder...diesmal allerdings hinter Pätzold, der Moores Handgelenksschuss diagonal in den Winkel passieren lassen musste. Die Halle glich mittlerweile einem Hexenkessel und das Derby Wolfsburg - Hannover wurde endlich einmal wieder seinem Anspruch gerecht. Herrlich emotionsgeladen im weiten Rund und offensiv ansehnlich auf dem Eis ging es bis zur zweiten Unterbrechung weiter, ohne dass eine der Mannschaften die erneute Führung erzielen konnte.

3. Drittel
Die Vorfreude auf den letzten Akt dieser Begegnung sollte wiederum nicht enttäuscht werden. Nach offenem Schlagabtausch zum Auftakt, gelang es den Gastgebern schließlich zur Dominanz des ersten Drittels zurückzukehren. Mit zwei (wichtigen) Änderungen: Hannover, Mittwoch zusätzlich gegen Augsburg im Einsatz gewesen, wirkte allmählich erschöpft, Wolfsburg hingegen erhöhte endlich seine Effizienz vorm Tor der Gäste. Ergebnis war ein wiederum sehr deutliches Drittel mit einem diesmal auch deutlichen Ergebnis. Dreimal langten die Gastgeber im Verlaufe des Spielabschnitts hin, bevor die demoralisierten Gäste die Schlussminuten nicht mehr zur Schlussoffensive nutzten - Goalie Pätzold blieb bis zum Ende zwischen den Pfosten, einen Hannoveraner Extra-Angreifer gab's nicht mehr zu bestaunen. Zuvor hatten Kai Hospelt (46.), Matt Dzieduszycki (48.) und Benedikt Kohl (57.) mit einem satten Powerplaykracher die Hausherren dem Spielverlauf angemessen in Front geschossen und die Party auf den Rängen endgültig ins Rollen gebracht. Die anschließende Ehrenrunde ließen sich die rundum begeisterten Wolfsburger Fans und Spieler letztlich auch vom verbliebenen Zahnspangen-Fanblock der unterlegenen Gäste nicht vermiesen. Im Gegenteil: Die Hannoveraner Anteilnahme ließ den Sieg noch einmal so süß schmecken...

Mein subjektiver Eindruck
Endlich wieder geiles Hockey in der Eisarena...und es lag nicht an der Gästemannschaft! Die Grizzlies haben, in meinen Augen, den Aufwärtstrend aus den Spielen gegen Köln und Hamburg wiederum bestätigt. Nun heißt es allerdings den Level oben halten, da wir nach wie vor von allen Konkurrenten im Kampf um Platz 10 die schlechteste Ausgangsposition haben. Dafür allerdings wohl die beste aktuelle Form... Im Prinzip spielt das Team seit der Jahreswende das, was man eigentlich nach der überragenden Vorbereitung erwartet hatte. vielleicht ist es ja doch noch nicht zu spät für eine kleine Aufholjagd.

Tor
Dshuni ohne Fehl und Tadel. Sicherer und für seine Verhältnisse ruhiger Auftritt. Die Ausflüge hinters eigene Tor kann er sich mangels Effekt eigentlich trotzdem sparen - schont die Nerven aller Beteiligter.

Verteidigung
Insgesamt sehr solide und konzentrierte Vorstellung unserer Verteidigung. Einzig Martin Walter wirkte hin und wieder etwas zu steif in seinen Aktionen und ließ sich von Hlinka und Co. austanzen. Schopper mit einer seiner besten Leistungen im Dress der Grizzlies, fiel lediglich mit einer überflüssigen Strafzeit unangenehm auf, ansonsten wirklich gut! Wurm einmal etwas ungeschickt beim 1:2, ansonsten - wie schon gegen Hamburg - der Inbegriff von fairem und effizientem Körperspiel.

Sturm
Haskins scheint nun endgültig zu seiner Form gefunden zu haben und krönt seine Energieleistung mit drei Assists! Ebenso unangenehm wie "Swifty" präsentieren sich weiterhin Polo und Furchner, die den Gegnern mit ihrem aggressiven und laufintensiven Spiel wohl reihenweise den Schaum vor den Mund treiben. Norm Milley schwimmt ebenfalls weiter auf der Welle seiner guten Leistungen und spielt längst wieder auf dem von ihm bekannten Niveau und dass der Diesel weiß, wo der Kasten steht, braucht weder einem Wolfsburger noch einem Hannoveraner Fan erklärt zu werden. Ein Blick in die Statistik spricht Bände: Mit 20 Toren ist der Diesel weiter Ligaspitze! Insgesamt bringt der enorme Spielfluss und das wiederentdeckte Verständnis untereinander bei allen Akteuren im Sturm das Beste zum Vorschein. Selbst graue Maus Mercier weiß mittlerweile durchaus zu gefallen, wenn auch im Abschluss weiter einiges beim Wolfsburger Neuzugang zu klemmen scheint...

Fazit
Wolfsburgs Mannschaft zeigt momentan, was tatsächlich in ihr steckt. Wenn Abstimmung und Kondition weiter auf diesem Niveau zu halten sind, dann wird die Saison, eine tüchtige Portion Glück vorausgesetzt, doch nicht so kurz wie befürchtet. Ein Blick auf die Tabelle zeigt aber weiter überdeutlich, dass man es bei der großen Anzahl an besser positionierten Konkurrenten längst nicht nur selber in der Hand hat - dazu war das Jahr 2012 zu katastrophal. mb