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EHC - Hamburg Freezers 2:1 n.V.

Die Saisonzielgerade naht und die beiden noch anstehenden Wochenenden könnten für die Grizzlies, vom Papier her, kaum unterschiedlicher sein. Als erstes stand nun der Auftakt gegen den Rivalen aus der Hansemetropole auf dem Plan, dem das ebenfalls schwere Auswärtsspiel beim Angstgegner aus Berlin folgen wird. Vom oberen Teil der Tabelle wird es dann am letzten Wochenende der Hauptrunde direkt ans Tabellenende gehen. In Iserlohn und dann zu Hause gegen Düsseldorf wird der EHC zum Abschluss auf Teams treffen, die als Einzige mit den Playoffs nichts mehr zu tun haben werden und deren Einstellung daher völlig unberechenbar sein wird.

1. Drittel
Der EHC, diesmal mit Pohl statt Grygiel und Vogl für Dshunussow, zeigte sowohl hohes Engagement als auch eine nicht zu übersehende Verkrampfung in den Startminuten dieser Partie. Während die Gäste zu Beginn noch eine gewisse spielerische Präsenz zeigten, Haskins saß bereits in der zweiten Minute auf der Strafbank, geriet das Drittel in der Folgezeit eher zum Spiel auf ein Tor.
Lediglich über einige Konter konnten die Gäste aus Hamburg auf sich aufmerksam machen, ansonsten stand der von Dimitri Kotschnew brillant gehütete Kasten der Freezers rund 15 Minuten unter Dauerbeschuss. Allerdings ohne jeden Erfolg - den Treffer setzten im Gegenzug die Gäste, die von einer Nachlässigkeit im Stellungsspiel des Wolfsburger Goalies profitieren konnten. Erinnerungen an das letzte Gastspiel in Nürnberg wurden wach, als Jakobsen den Puck - praktisch von der Grundlinie - an die Vogls Schulter spitzelte und somit das zu diesem Zeitpunkt völlig unverdiente 0:1 markieren konnte (19.).
Was die Grizzlies bis dahin allein in den drei Überzahlspielen dieses Spielabschnitts liegengelassen hatten, ließ die Fans in orange durchaus schon etwas nervös werden: Milley, Hospelt, Furchner, Haskins - keiner konnte das Spielgerät, weder im Alleingang noch per Direktabnahme, an Hamburgs Keeper vorbeibringen!
Leicht angesäuert ging's in die erste Pause.

2.Drittel
Die Spielanteile kippten zwar noch deutlicher in Richtung der Gastgeber, doch die Nadelstiche der Freezers gestalteten sich im Gegenzug nun wesentlich gefährlicher. Während Wolfsburg mit aller Kraft auf den Ausgleich drängte, blieben die hart arbeitenden und gelegentlich recht unsauber spielenden Gäste in Lauerstellung. Dass es nach Kai Hospelts Ausgleichtreffer (27.) beim 1:1 blieb, war nicht zuletzt den Torhüter der beiden Teams geschuldet, die sich im Vernichten von Großchancen für den Rest der Begegnung reichlich auszeichnen konnten. Bezeichnend für den umkämpften, aber spielerisch wenig attraktiven Charakter der Partie: Auch Hospelts Treffer fiel durch einen eher listigen als glänzend herausgespielten Abschluss. In Überzahl hatte Wolfsburgs Kapitän einen Polaczek-Schuss per Abpraller verwertet, indem er  dem Freezers Torhüter das Spielgerät von hinten an die Ausrüstung geschossen hatte. Somit war zumindest etwas Gerechtigkeit auf dem Scoreboard eingekehrt; das Schlussdrittel blieb spannend.

3.Drittel
Es sollte ein deutlich rasanteres Drittel als die beiden vorhergehenden werden. Endlich zeigten die Gäste aus Hamburg, dass auch sie an der Spielgestaltung und vor allem am Gewinn aller drei Punkte dringend interessiert waren und es entwickelte sich ein ausgeglichener Schlagabtausch mit reichlich Chancen zur Entscheidung auf beiden Seiten.
Da es in unserer schönen Liga mehr oder weniger guter Brauch ist, Strafzeitenungleichgewichte im letzten Drittel auszugleichen, kassierten die Gastgeber nun noch zwei Strafen der Marke "eine andere Gelegenheiten gab's halt nicht" - wieder in Person von Tyler Haskins, der bei HSR Aumüller nicht mehr Liebling des Monats werden dürfte...
Inwieweit der Gast aus Hamburg ohne dieses lachhafte Ritual unserer Schiedsrichterzunft so gut in die Partie gefunden hätte, bleibt zwar Spekulation, dem Spiel tat es jedenfalls gut.
Besondere Ausrufezeichen setzten auf Seiten der Grizzlies zum einen Sebastian Vogl, der in einer Szene gleich dreimal in Folge erfolgreich parieren konnte, zum anderen Greg Moore, der beim Alleingang in Unterzahl nur knapp an Kotschnew scheiterte. Dass die Gäste am Ende ebenfalls nicht die drei Punkte einstecken konnten lag neben Wolfsburgs Torhüter auch am vorbildlichen Defensivverhalten der Grizzlies.
Das Spiel ging somit in die, von beiden Seiten eigentlich nicht gewünschte, Verlängerung.

Verlängerung
Die Freezers übernahmen nun, eigentlich zum ersten Mal bei numerischem Gleichgewicht auf dem Eis, das Kommando und drängten auf die endgültige Entscheidung. Doch, wie um das erste Drittel mit umgekehrten Vorzeichen zu wiederholen, waren es diesmal die Grizzlies, die mit einer ihrer wenigen klaren Aktionen den Knockout landen konnten. Nach gut drei gespielten Minuten war es erneut Wolfsburgs Kapitän, der ums gegnerische Tor zog und per Rückhandschlenzer den Goalie der Freezers zum zweiten Mal überwinden konnte. Der Jubel der heimischen Fans fiel, trotz des verlorenen wichtigen dritten Punkts, entsprechend groß aus und so gab es auch im vorletzten Heimspiel der regulären Saison etwas zu feiern.

Mein subjektiver Eindruck
Kein schönes, dafür ein sehr intensives Spiel. Die Schiedsrichterleistung gefiel wohl beiden Lagern nicht sonderlich. Generell fehlte mir bei den Referees die Aufmerksamkeit für die Feinheiten im Zweikampf. Spät hochgehende Ellbogen wurden ausnahmslos nicht geahndet, ebenso gleich zwei angezeigte Strafen, die mit einer weiteren Regelwidrigkeit beendet wurden. Hier fehlt vielen unserer Unparteiischen offenbar der Mut, die unpopuläre zweite Strafe auszusprechen. Doch auch während einer angezeigten Strafe gelten, meines Wissens nach, die gleichen Regeln wie im Rest des Spiels...
Sollten wir entgegen allen Wahrscheinlichkeiten doch noch die Playoffs erreichen, wäre die mittlerweile beeindruckende Heimstärke unserer Grizzlies aufgrund der schlechten Platzierung leider nicht viel wert. Und das ist unser größter Trumpf in den letzten Wochen.
Trotzdem würde ich die Verlängerung dieser Saison freudig entgegen nehmen ;)

Tor
Vogl mit einem dicken Bock, dann aber granatenstark!
Beide Goalies erreichen in der wichtigen Phase der Saison ihren Leistungszenit - das macht Hoffnung für die kommende Spielzeit und vielleicht sogar für zusätzliche Spiele in dieser Saison.

Verteidigung
Durchgängig gute Vorstellung unserer Defensivabteilung. Wenn doch mal ein Konter der Gäste durchkam, war auf Vogl Verlass, so dass es in diesem Bereich nichts zu kritisieren gibt. Ein besonders Lob sollte an dieser Stelle an den sonst eher blassen Martin Walter gehen: Mit geradezu fanatischem Eifer und Einsatz spielte der Wolfsburger Verteidiger gegen seinen langjährigen ehemaligen Arbeitgeber. Wenn er diese Einstellung öfter gezeigt hätte, wäre er vielleicht sogar ein Kandidat für eine Verlängerung geworden...
Offensiv bleibt vor allem Schoppers verpenntes Abspiel auf Matt Diesel kleben, der kurz vor der zweiten Pause verzweifelt auf das Eis klopfte, während er völlig allein im Slot auf das Anspiel wartete. "Goalgetter" Schopper vollstreckte lieber selber und verhindert damit eine der größten Chancen das Spiel zu drehen.

Sturm
Viel Intensität führte am Ende dann doch zum Erfolg. Die gelegentlich fehlende Übersicht war letztlich auch der vorbildlichen Abwehrarbeit der Gäste geschuldet, die sich keine Pause gönnten und jeden Wolfsburger Angriff mit guter Laufarbeit und gutem Stellungsspiel torpedierten.
Trotz diverser Umstellungen in den Reihen war keine weitere kreative Belebung im Sturm auszumachen. Der Diesel blieb ungewohnt unsichtbar, Greg Moore mit Ausnahme seines Alleingangs in Unterzahl ebenfalls äußerst blass. Das sollte in den kommenden Partien besser werden, sonst geht das nicht so glimpflich wie gegen Hamburg und zuletzt gegen Augsburg aus.
Besonders auffällig diesmal die äußerst aktiven und umtriebigen Hospelt und Haskins, der allerdings kein Glück bei den Schiedsrichtern hatte und einige völlig unverhältnismäßige Strafen kassierte.
Was mich allerdings absolut ratlos hinterlässt, ist die Wahl des Aussetzkandidaten. Warum setzt man mit Pohl und Grygiel Spieler auf die Tribüne, die in der kommenden Saison Vertrag in Wolfsburg haben und lässt mit Justin Mercier die Luftpumpe schlechthin Spiel um Spiel machen. Weder defensiv noch offensiv weiß Mercier bisher zu überzeugen. Im Gegenteil: Seiner für einen Ausländer erbärmlichen Punktausbeute stellt Mercier obendrein ein nicht zu verachtendes Kontingent an teils saublöden Strafen an die Seite und glänzt immer wieder durch zu offensive undisziplinierte Aktionen denen jedes Timing fehlt. Dazu glaubt doch wohl keiner mehr ernsthaft an eine Leistungsexplosion inkl. Vertragsverlängerung. Bleibt die Frage: Was soll das?

Fazit
Hinten ist die Ente fett. mb