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PPO2 EHC - T.Sabo Ice Tigers 4:3

Im zweiten Spiel der Pre-Playoff-Serie gegen Nürnberg stand neben der Wolfsburger Heimstärke auch die "schwarze Serie" der Grizzlies von acht Playoff-Niederlagen in Folge auf dem Prüfstand.
Gegen den Gegner aus dem Frankenland waren schon während der Hauptrunde sämtliche Spiele an den jeweiligen Gastgeber gegangen, so dass die Hoffnungen auf ein drittes Spiel in den Reihen der Heimfans entsprechend groß waren. Sie sollten zunächst nicht enttäuscht werden...

1. Drittel
...denn der Auftakt gestaltete sich von Seiten der Grizzlies nicht nur ähnlich druckvoll wie in den vorangegangenen Partien, sondern sollte auch ungleich erfolgreicher verlaufen.
Nach überstandener erster Strafzeit gegen Verteidiger Aaron Brocklehurst (2.) nahmen die Gastgeber eindrucksvoll Fahrt auf, nagelten die Gäste förmlich in ihrem Drittel fest und hielten das Tempo der Begegnung enorm hoch. Besonders die Reihe um Kapitän Kai Hospelt war von Nürnberg kaum zu kontrollieren, so dass es dem Kapitän selbst (7.) und seinem kongenialen Spezi Sebastian Furchner (9.) vorbehalten war, die Halle per Doppelschlag zum Kochen zu bringen. Beide zogen jeweils unwiderstehlich Richtung Gästetor und nutzten die sich bietenden Lücken, um per Handgelenkschuss einzunetzen - die Party auf den Rängen nahm folglich früh Fahrt auf. Doch auch die rund 70 mitgereisten Fans aus Nürnberg sollten nur wenige Sekunden nach Furchners Treffer zum 2:0 etwas zu feiern bekommen: Denn neben Wolfsburgs Anfangsdruck, sollte auch ein weiteres Merkmal der bisherigen Auftritte der Grizzlies (leider) Bestand haben - das streckenweise haarsträubende Abwehrverhalten bei  5 gegen 5 auf dem Eis!
Connor James war am Ende der Nutznießer eines schier unglaublichen Diagonalpasses im Drittel der Gastgeber, deren Aufbauspielzüge in dieser Phase schon fast als respektlos zu beschreiben waren.
Doch Wolfsburg blieb auf der losgetretenen Euphoriewelle, legte durch Brocklehurst gleich in der ersten eigenen Powerplaysituation per Blueliner zum 3:1 nach und hätte zur ersten Pause sogar noch höher führen können.

2. Drittel 
Der Druck der Grizzlies blieb zunächst ähnlich hoch, die Gäste schienen - spätestens in der 25 Spielminute - wie die klaren Verlierer dieser Begegnung. Denn auch Wolfsburgs Vorlagengeber vom Dienst, Norm Milley, trug sich mit viel Drang zum Gehäuse in die Liste der Torschützen ein, nahm dabei Nürnbergs Goalie gleich mit ins Netz der Gäste. Fast noch sehenswerter war dabei die Vorarbeit des wie entfesselt aufspielenden Tyler Haskins gewesen, der bereits vor dieser Szene mehrfach die halbe Nürnberger Mannschaft Jagd auf sich machen ließ. Seiner beeindruckenden Puckbehauptung und dem abschließenden Pass in den freien Slot war es am Ende zu verdanken, dass die vermeintliche Vorentscheidung möglich wurde.
Während der Wolfsburger Anhang diverse Jubel- und Feiergesänge zelebrierte, veränderte sich das Geschehen auf dem Eis allerdings in eine aus Wolfsburger Sicht weitaus weniger erfreuliche Richtung. Die Grizzlies wirkten fortan irgendwie satt und passiv, stellten Körperspiel und Forechecking weitestgehend ein und gaben somit das Spiel Stück für Stück aus der Hand. Mit Folgen. Neben zwei Lattenkrachern hatten die Gäste schnell ein deutliches Übergewicht an Spielanteilen, und bereits in der 28.Minute das Tor zum 4:2 vorzuweisen. Nach einem heftigen Open-Ice-Hit durch Blanchard schienen eher die Grizzlies beeindruckt bzw. abgelenkt, so dass Sven Butenschön relativ unbedrängt einschieben konnte. Besagte zwei Lattenknaller und einige brandgefährliche Konter später war Steven Reinprecht Nutznießer einer weiteren Koordinationsschwierigkeit im Wolfsburger Abwehrverbund und erzielte das mittlerweile verdiente 4:3 für die Ice Tigers. Das Spiel war wieder völlig offen, der Zeitpunkt des Treffers - eine Minute vor der zweiten Pause - extrem ungünstig für den Gastgeber.

3.Drittel
Zwar fing sich das Team von Pavel Gross zum Auftakt des Schlussdrittels wieder, doch der eingebüsste Vorsprung hatte natürlich mentale Spuren bei den Grizzlies hinterlassen. Zum Angriffsschwung der ersten 20 Minuten fand der EHC jedenfalls nicht mehr zurück, so dass sich eine nun wieder ausgeglichene und äußerst spannende Schlussphase entwickelte. Wolfsburg bekam dabei zwar die defensive Anfälligkeit nicht vollständig in den Griff, investierte jetzt aber wieder mehr in die eigenen Angriffsbemühungen und wirkte insgesamt wieder viel präsenter als noch im Mittelabschnitt. Einem wirklich gefährlichen Pfostentreffer durch Sebastian Furchner, standen gegen Ende des Drittels allerdings gleich reihenweise Einschussmöglichkeiten der Tigers gegenüber. Die beste hatte, wie auch die übrigen Möglichkeiten der Nürnberger, Wolfsburgs überragender Goalie Daniar Dshunussow eiskalt entschärft, als er Reinprechts Alleingang geradezu stoisch zur Seite abwehren konnte.
Als die Schlussoffensive der Gäste drohte, brachte Wolfsburgs Schopper die Grizzlies noch einmal zusätzlich in Gefahr: Ohne Bedrängnis beförderte der EHC-Verteidiger den Puck hinter dem eigenen Tor in die Maschen, so dass die folgende Strafzeit eine 6 gegen 4 Situation für die Ice Tigers brachte. Mit aufopferungsvollem Unterzahlspiel und einer guten Portion Glück brachte Wolfsburg den knappen Sieg ins Ziel und sorgte für reichlich Jubel und kollektives Aufatmen auf den Rängen!


Mein subjektiver Eindruck
So spaßig das Auftaktdrittel auch war - die Balance zwischen offensiver und defensiver Ausrichtung funktioniert bei den Grizzlies nur selten. Eine kontrollierte, eher defensive Spielweise scheint im Programm der Wolfsburger irgendwie nicht vorhanden zu sein, jedenfalls keine, die auch funktioniert. Hier muss sich das Trainerduo auch mal die Nachfrage gefallen lassen, ob man mit nur einer wettbewerbstauglichen Strategie im Laufe der Saison nicht irgendetwas verpasst hat.
Die positiven Momente und Phasen in dieser Serie gegen Nürnberg (wie auch im letzten Ligaspiel gegen die Tigers) stammen aus den "Hurra-Abschnitten" dieser Begegnungen. Immer verbunden mit Nachlässigkeiten in der eigenen Abwehr, wobei prinzipiell eine Wolfsburger Abwehrseite völlig verwaist zum Anspiel am langen Pfosten einlädt. Ich find's, so spannend das Ganze auch sein mag, zum Haareraufen. Zu Beginn einer Saison sind solche Abstimmungsprobleme sicherlich normal, in den Playoffs eher tödlich.

Tor
Dshuni rettet in den Chaosphasen seinem Team den Arsch. Im Vergleich zum letzten Jahr tritt Wolfsburgs Nummer 1 wesentlich entschlossener und selbstsicherer auf, obwohl ihm seine Abwehr, wie auch in den letztjährigen Playoffs, nicht viel Vergnügen bereiten dürfte. Ein deutlicher Entwicklungsschritt. Bleibt länger stehen und rückt in besagten Phasen nicht mehr meilenweit aus dem Kasten heraus. Weiter so!

Verteidigung
Trotz des Aussetzers beim 2:1 bleibt Benedikt Kohl in diesem Mannschaftsteil, zusammen mit Robbie Bina, bester Akteur der Grizzlies im bisherigen Verlauf dieser Serie.
Brocklehurst wiegt die eine oder andere, leider gravierende, Schwäche im zu riskanten Aufbauspiel und der Defensive durch offensive Akzente weitgehend wieder auf, Walter und Wurm spielen ähnlich solide wie Robbie Bina, ohne die Übersicht des Nordamerikaners an den Tag zu legen.
Blanchard und Schopper sorgen, neben Brocklehurst, für die ärgerlichen Momente im Defensivverbund der Grizzlies. Schoppers Strafe in der Schlussminute dieser umkämpften Partie ist da nur die Kirsche obendrauf. Eigentlich immer, wenn die Grizzlies die Spielkontrolle verlieren, leiden die Beiden am meisten darunter. Vor allem Schopper sorgt mit seinen teils mädchenhaften, teils unglaublich ungeschickten Auftritten an der Bande für büschelweise ausgerissene Haare auf den Tribünen, was angesichts der zuletzt deutlich ansteigenden Formkurve des Wolfsburger Verteidigers absolut bedauernswert ist.
Da Martin Walter für mich eine der positiven Überraschungen der letzten Wochen darstellt, sollte man vielleicht konsequent auf sechs Verteidiger umstellen...

Sturm
Gerade Kai Hospelt und Sebastian Furchner rockten in Spielabschnitt Nummer eins einfach alles weg. Besonders Furchner scheint mittlerweile einfach den Scoringtouch zu haben und versenkt seine Möglichkeiten in bisher ungekannter Regelmäßigkeit und Präzision. Aber auch der seit Wochen wie aufgedreht agierende Tyler Haskins und Nebenmann Norm Milley knüpfen endlich an ihre besten Leistungen im Dress der Grizzlies an. Dass der Diesel sich seine Treffer offenbar für wichtigere Momente aufhebt und eher als Vorbereiter glänzt, soll nicht unser Schaden sein ;)
In den über weite Strecken überzeugenden Angriffsbemühungen der Grizzlies fiel mir eigentlich nur die Reihe um Moore, Mercier und Nelson negativ auf. Offensiv weitgehend ineffektiv (ein Treffer in Spiel 1), defensiv bei weitem zu anfällig standen die drei Kontingentspieler bei bisher vier Gegentreffern der Serie Pate.
Auch hier sollte ein Umstellen auf drei Reihen, zumindest für die nächste Partie, angedacht werden.
Wobei Grygiels "geniale" Strafe im ohnehin kräftezehrenden zweiten Drittel an dieser Stelle ebenfalls nicht unterschlagen werden sollte: Foul hinter dem gegnerischen Tor, in einer Phase, in der das eigene Team massiv unter Druck steht - unbeschreiblich dämlich!


Fazit
Ich bin gespannt, ob unser Trainerteam die Grizzlies in Spiel 3 unter Ausschluss der Fehlerquellen agieren lassen, oder weiter auf einen Lerneffekt der Beteiligten setzen.
Mit ein bisschen Glück sieht man sich am Freitag gegen Mannheim wieder. Ob dieses Bisschen gegen die doch etwas tendenziös pfeifenden Schiedsrichter dieser Serie (Brill/Jablukov) reichen wird, kann man dann am Sonntag hoffentlich bewundern. Bis denne. mb   

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