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PO2 EHC - Adler Mannheim 2:3 n.V.

Rund 3500 Fans hatten sich, bestens gelaunt, in der Eisarena eingefunden, um dem zweiten Spiel der Viertelfinalserie gegen die Adler aus Mannheim beizuwohnen. Nach dem aus Wolfsburger Sicht so spektakulär geglückten Auftakt in der Quadratestadt, herrschte schon weit vor Anpfiff eine mehr als greifbare Vorfreude auf den Rängen der Arena, die auch rund 200 Gästefans begrüßen durfte.
Würden sich die Adler erneut so schwer gegen den Underdog aus der VW-Stadt tun? Kann das Team der Grizzlies mit einem zweiten Sieg die Sensation ein Stück näher bringen? Die kommenden Stunden sollten es zeigen.

1. Drittel
Et voilà! Zur Begrüßung gab es für die Gastgeber erst einmal einen deftigen Schlag in die Magengrube. Direkt vom ersten Bully weg wurde Yannick Seidenberg per Steilpass auf die einsame Reise gen Dshunussow geschickt und vollendete nach sage und schreibe 7 Sekunden einen der schnellsten Playofftreffer aller Zeiten zum 0:1!
Wolfsburgs Team und seinen Anhang irritierte der frühe Rückstand jedoch überraschend wenig: Wütend nahmen die Grizzlies auf und jenseits des Eises das Zepter in die Hand und versuchten das Glück zu zwingen. Während die Gastgeber also leidenschaftlich anrannten, zeigte Mannheim sich indes gewohnt kampfstark und versuchte in erster Linie über Konter dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken.
Ein ums andere Mal verzweifelte Wolfsburg an Nationaltorhüter Endras, der sich bis zur ersten Sirene keine Blöße gab und zunächst jeden Puck auf sein Gehäuse abwehren konnte.
Im Gegenzug kamen die Gäste mit Breaks u.a. über Maurer und El-Sayed gefährlich vor das Tor der Grizzlies, fanden aber ebenso regelmäßig ihren Meister in Daniar Dshunussow.

2. Drittel
Die Partie nahm nun immer mehr Fahrt auf. Moores Knaller ans Lattenkreuz (22.) folgte die bis dahin stärkste Phase der Adler. Doch anstatt eine der nun zahlreicher werdenden Einschussmöglichkeiten zu nutzen, klingelte es vielmehr im Gehäuse der Gäste. Bei eigener Überzahl, Justin Mercier hatte sich die Revanche für ein Revanchefoul schlauerweise nicht verkneifen können, musste die komplette Mannheimer Mannschaft  dem enteilten Sebastian Furchner zuschauen wie dieser eiskalt ins rechte obere Eck vollstrecken konnte (30.). Doch die Freude der Gastgeber währte nicht lange. Mit einem eher harmlos wirkenden Distanzschuss gelang Janik die erneute Führung für die Adler, so dass Wolfsburgs Gäste erneut in den "Verwaltungsmodus" schalten konnten. Folglich fand sich das Team von Pavel Gross erneut in der Rolle des Spielgestalters und konnte so Chance um Chance generieren. Aufgelockert wurde das Ganze durch wechselseitige Strafen, wobei die Mannheimer Spielweise offenbar eher den Geschmack des Schiedsrichterduos traf. 
Fast wäre dieses rasante Drittel mit einer Führung der Gäste zu Ende gegangen. Doch 27 Sekunden vor der zweiten Pause (es sollten noch einige folgen...) war es Kai Hospelt, der in einer kurzen Phase bei 4 gegen 4 auf dem Eis den Raum zum vielumjubelten 2:2 nutzen konnte. Vorlagengeber: Playoff-Monster Norm Milley!

3. Drittel
Weiter ging’s in dieser in jeder Hinsicht ausgeglichenen Partie. Wolfsburg erhöhte die Spielkontrolle spürbar und war nun über weite Strecken die dominante Mannschaft auf dem Eis. Doch was die Gastgeber auch versuchten - keiner der zahlreichen Rebounds wollte einem der Wolfsburger Spieler vernünftig vor die Kelle fallen, der Rest blieb sichere Beute des Mannheimer Goalies. Einschließlich eines Monstersaves gegen einen bestens getimten Schuss des Wolfsburger Kapitäns, den Endras spektakulär mit der Fanghand über den Winkel lenken konnte. Vom Gast aus der Kurpfalz kamen in der Folgezeit hingegen fast ausschließlich destruktive Impulse, so dass das Drittel einem Sturmlauf der Grizzlies glich. Doch das Anrennen sollte nicht spurlos an den Gastgebern vorbeigehen: Als dem EHC in der Schlussphase eine der eher seltenen Gelegenheiten zum Powerplay gestattet wurde, glich das Überzahlspiel der Grizzlies eher einem kollektiven Luftholen, als einem Mittel das Spiel zu entscheiden. Erste Bedenken bezüglich der Pre-Playoff Belastung machten die Runde.
Ohne weitere Tore ging es in die Verlängerung(en).

Verlängerung Nr. 1, 2 und 3
Es sollte ein langer, langer Abend werden. Und während die Essensvorräte in und um die Arena immer spärlicher wurden und der Samstag allmählich näher kam, baute sich eine immer unerträglichere Spannung im weiten Rund auf. Sicherlich hier und da auch mit einem guten Maß Müdigkeit durchsetzt. Auf dem Eis hingegen zeigten die Grizzlies, wie so oft in den letzten Wochen, aus welch hartem Holz sie geschnitzt sind.
Nachdem das Schiedsrichterduo die Sache per lachhafter Strafe gegen Martin Walter offenbar möglichst früh beenden wollte (62.), schwächte sich der EHC gegen Ende der ersten Verlängerung auf schier haarsträubend Weise selber. Zweimal hintereinander gelang es den Gastgebern einen Mann zu viel auf dem Eis zu haben. Eine Strafe, die Mannheim bei mehrfacher Gelegenheit nicht ein einziges Mal angetragen wurde, wobei die Wolfsburger Vergehen an Offensichtlichkeit kaum zu überbieten waren.
Doch unter dem Jubel der durchgängig fabelhaft anfeuernden Kulisse überstanden die Grizzlies alle Unterzahlspiele und ließen den Puckhagel in Richtung Dshunussow ohne Effekt auf der Anzeigentafel vorübergehen. Da das hochbezahlte Ensemble der Gäste mehrfach nicht einmal das leere Tor zu treffen in der Lage war, blieb der unglaubliche Einsatz der Grizzlies zum Glück nicht unbelohnt. Durchatmen war angesagt.
Ungeahnte Kräfte beseelten jetzt noch einmal das Team von der Aller! Die zweite Verlängerung gehörte, bis auf ein kurzes Unterzahlintermezzo, ganz den Gastgebern, die nun alle Reserven in die Waagschale warfen, um die Sensation ein Stück näher zu bringen. Doch Brocklehurst, Nelson, Pohl alle scheiterten - teils äußerst unglücklich - am Mannheimer Schlussmann. Wieder gelang keinem der beiden Teams die entscheidende Aktion.  
Die dritte Verlängerung brachte dann schließlich doch noch die (ärgerliche) Entscheidung.
Nachdem erneut das Chancenplus auf seiner Seite hatte, passierte in der 106.Minute das, was früher oder später so eine lange Partie entscheidet: Ein Fehler, der ausgenutzt wird. Aus einer ungefährlich scheinenden Situation heraus gelang es Matthias Plachta schließlich, zwischen den Wolfsburger Verteidigern hindurchzuschlüpfen und sich im Alleingang gegen Wolfsburgs Keeper durchzusetzen.
Unter dem aufmunternden Applaus seiner Fans und dem Jubel des Mannheimer Anhangs schlichen die Grizzlies in die Kabinen, während Mannheims Team übereinander herfiel, als hätte man soeben die Meisterschaft gewonnen. Irgendwie auch ein Kompliment an die Leistung des 10.Platzierten - gewollt oder nicht.

Mein subjektiver Eindruck
Dieses Team hat Eier aus Stahl. Was Wolfsburg an Zweikampfhärte, Laufbereitschaft und Herzblut anbieten, ist absolut gigantisch und lässt mich Begeisterung wie bei meinen ersten Besuchen im Eispalast verspüren.
Ich gönne ihnen von Herzen alles Glück, das es brauchen wird, um das Bürokratenhockey der Adler niederzukämpfen. Angesichts des kraftraubenden Vorprogramms unserer Grizzlies und der individuellen Klasse der Adler wird es auch vermutliches einiges an Glück brauchen, um auch nur in die Nähe dieser Sensation zu kommen - leider.

Tor
Daniar steht dem Nationaltorhüter auf der anderen Seite des Eises in nichts nach und präsentiert sich weiter in enorm verbesserter Verfassung im Vergleich zu den letzten Playoffs.
Auch bei seinen Ausflügen hinter das Tor bleibt einem nicht mehr so oft das Herz stehen...

Verteidigung
Ehre, wem Ehre gebührt. Schopper, Blanchard, Walter, Brocklehurst und Kohl machen eine Bombenpartie.
Wenn es überhaupt so etwas wie einen Schwachpunkt, auf äußerst hohem Niveau, gegeben haben sollte, dann war es das Duo Bina/Wurm, die beim entsetzlichen 0:1 keine wirklich glückliche Figur abgaben und auch im weiteren Verlauf hin und wieder ins Wanken gerieten. Insgesamt aber auch diese beiden mit immer noch guten Leistungen!

Sturm
Wolfsburgs Topreihe wirkte etwas zahnloser als noch zuletzt. Während das Backchecking bei allen Beteiligten funktionierte, strahlten lediglich Milley und Hospelt dauerhaft Gefahr für den gegnerischen Kasten aus, so dass die Treffer auch in speziellen Situationen fielen (SH, 4-4) bei denen die Beiden gemeinsam aufs Eis durften.
Insgesamt betrachtet der Mannschaftsteil, der in der Serie noch Luft nach oben haben dürfte. Alle anderen (Torwart und Verteidígung) spielen am oder über ihrem Limit.
Warum unterhält sich eigentlich nicht mal jemand mit Justin Mercier? Sein Auftritt nach dem Revanchefoul durch Foster war mal wieder an Doofheit und Undiszipliniertheit nicht zu überbieten. Solche Geschenke müssen wir annehmen, anstatt dass sich da irgendwer das Mütchen kühlt!!!

Fazit    
Diese Serie macht bisher einfach nur Freude. Ein Sieg wäre in dieser Schlacht natürlich sehr gut für die Moral gewesen und hätte den Druck auf Mannheim mal so richtig durch die Decke gehen lassen - das Mannheimer Publikum pfeift doch schließlich so schrecklich gerne...
Angesichts dieses kräfteraubenden Abends sollte sich der Vorteil der Spielpause auf Seiten der Adler im kommenden Spiel eigentlich zum ersten Mal zeigen. Wie weiter oben erwähnt, hoffe ich, dass unserem Team das Glück hold ist und wir in Mannheim einfach mal in Führung gehen. Spätestens im vierten Spiel möchte ich dann auch mal die Spielgestaltungsfähigkeiten der Adler bewundern dürfen, wenn es eben nicht reicht ein oder zwei seltsame Tore zu verwalten und Konter zu fahren. Einfach nur interessehalber ;)
Man sieht sich! (Unglaublich, dass ich das zu diesem Zeitpunkt der Saison immer noch schreiben darf). mb
 

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