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PO4 EHC - Adler Mannheim 3:0

Kaum waren die Grizzlies ohne Gegentreffer und mit der Führung im Gepäck aus Mannheim zurückgekehrt, da stand auch schon Spiel 4 in der heimischen Eisarena vor Tür. Medien und Fans ihrer Gastgeber hatten sie dabei reichlich angesäuert hinterlassen, waren die hochgehandelten Adler in dieser Saison doch noch nie ohne eigenen Treffer in der SAP-Arena geblieben. In Wolfsburg hingegen kommt man dieser Tage aus dem Staunen nicht heraus: Seit Jahresbeginn marschiert der EHC geradezu durch seine Spiele und scheint dabei immer mehr zu einer unüberwindlichen Einheit zusammenzuwachsen. Ob diese bemerkenswerte Einheit dem Favoriten aus Mannheim wohl erneut standhalten würde?

1. Drittel
Aggressiv und im Stile einer Heimmannschaft traten die Grizzlies ihren Gästen vom Eröffnungsbully an entgegen. Schon früh zeichnete sich ab, dass die beiden Torhüter und die Abwehrreihen der beiden Teams die Hauptrollen in diesem Stück spielen sollten, wobei die Angriffsbemühungen der Gastgeber immer einen Tick durchdachter wirkten. So waren es dann auch zunächst die Wolfsburger Sturmreihen, die mit geschickten Rückpässen in den hohen Slot für Gefahr vor dem Mannheimer Kasten sorgten, doch sowohl Grygiel als auch Dzieduszycki trafen ihre Direktabnahme nur suboptimal, so dass der Gast vorerst ungeschoren davon kam. Was vom Gast aufs Tor der Grizzlies kam, war hingegen meist von den Außenbahnen abgefeuert worden - geschickt hielt der EHC die kritischen Schussbahnen dicht und zwang die Adler auch während deren erster Überzahl ab Mitte des Drittels zu reichlich unvorteilhaften Schüssen oder blockte alles Gefährliche selbstlos weg. Bei eigener Überzahl zeigte Wolfsburg dem Tabellenprimus dann, wie Powerplay auszusehen hat. Bei fünf gegen drei machte der Gastgeber mächtig Alarm, vollstreckte dann bei einfacher Überzahl mit Glück und Geschick zum 1:0. Kohls gut getimter Schlagschuss hinter das Tor kam perfekt auf der anderen Seite vor selbiges, so dass Alexander Polaczek das Vergnügen vorbehalten war, die Eisarena zum ersten Mal an diesem Abend aus den Angel springen zu lassen. Mit diesem durchaus verdienten 1:0 Vorsprung ging es unter dem Jubel der völlig begeisterten Fans in orange wenig später zum ersten Mal in die Kabinen.

2. Drittel
Die Adler und die Führungen der Grizzlies - das droht für das Team aus der Kurpfalz mittlerweile ein äußerst unangenehmes Thema zu werden. Mit leichten Lähmungserscheinungen erschien Mannheim zurück auf dem Eis und geriet umgehend wieder in die laufende Maschinerie der Gastgeber. Letztlich war es eine Strafe gegen Wolfsburg (26.), die die Adler wieder in die Spur brachte und die erste wirklich kritische Phase für die Grizzlies einläutete. Immerhin rund fünf dominante Minuten durften die Männer aus der Quadratestadt für sich verbuchen, die dank aufopferungsvoller Defensivarbeit des EHC und sehenswerter Paraden durch dessen Keeper aber weiter fruchtlos blieben.
In der Folgezeit bewegten sich die Teams auf Augenhöhe, vergaben je eine Überzahlmöglichkeit ohne dabei kristallklare Einschussgelegenheiten erspielen zu können.
Die größten hatte im Verlauf des Drittels, wie meistens in dieser Partie, der EHC. Zunächst brachten Polo und Furchner Mannheims Abwehrgiganten Reul mächtig ins Schleudern, nahmen ihm im Abwehrdrittel der Adler den Puck ab und konnten trotz schnellem Abspiel Dennis Endras letztlich nicht überwinden. Kurz vor der zweiten Drittelpause brachte eine feine Einzelaktion von Levi Nelson fast den zweiten Treffer, nachdem dieser dem letzten Mann der Gäste kniend an der eigenen blauen Linie die Passwege versperrt hatte und zum Konter ansetzen konnte. Endras verkürzte wiederum sehenswert den Winkel, Nelson legte jedoch clever zum nachgerückten Moore ab, der den Puck dann nicht über den sich ausbreitenden Goalie der Adler manövrieren konnte. Mit dem denkbar knappen 1:0 ging es schließlich in die zweite Pause.

3. Drittel
Fast hätte der EHC mit eigener Dummheit diese so eng und doch gut für ihn verlaufende Partie noch gekippt. Pünktlich zum Auftakt des Schlussabschnitts ging's für Wolfsburgs Brocklehurst wegen Spielverzögerung auf die Strafbank, in Unterzahl setzte dann Justin Mercier der Situation völlig unnötig die Narrenkappe auf: Während eines seiner berühmt berüchtigten Forecheck-Abenteuer bot der Stürmer der Grizzlies Torhüter Endras neben dessen Gehäuse die einmalige Gelegenheit zum Strafzeitenerwerb, indem er ihn leicht am linken Fuß touchierte. Eine Einladung, die kaum ein Goalie im bezahlten Eishockey auszuschlagen gewillt wäre - folglich setzte sich Endras publikumswirksam auf den Allerwertesten, die doppelte Überzahl der Adler konnte beginnen. Doch getreu dem Motto "Einer für alle - alle für einen" bereinigte das Wolfsburger Unterzahlspiel die brenzlige Situation, um anschließend selber noch ein wenig das Überzahlspiel zu üben. Doch die Gäste schmissen nun endgültig alles, was sie hatten in die Waagschale, machten bis zur Drittelmitte mächtig Druck, fanden dabei aber immer wieder ihren Meister in Wolfsburgs Abwehr und dem überragenden Daniar Dshunussow.
Mitten in die Bemühungen der Gäste hinein gelang schließlich Tyler "Swifty" Haskins der entscheidende Hieb, der den Adler zum Abstürzen brachte. Mit viel Übersicht war Milley nach Bullygewinn der Grizzlies hinter das Tor der Adler gezogen und hatte von dort seinen Center bedient, der die Scheibe mit einem Knie auf dem Eis in die Maschen hebeln konnte. Das 2:0 brache das ohnehin gut gelaunte Publikum nun endgültig aus dem Häuschen - bis zum Ende dieser Partie stand, sang und klatschte das komplette Wolfsburger Publikum sein Team in den sicheren Hafen das ersten Heimsiegs dieser Serie!
Zwei Minuten vor dem Ende war es dann Geburtstagskind Greg Moore, der sich und das Team mit seinem Schuss ins leere Tor zum 3:0 Endstand beschenkte. Zuvor hatte Mannheim beim Versuch des Seitenwechsels den eigenen nachrückenden sechsten Stürmer angeschossen und damit den endgültigen K.O. praktisch selbst eingeleitet.
Im Nachgang sprangen bei einigen Mannheimer Spielern offenbar die ohnehin etwas losen Sicherungen komplett heraus. Als Glumac den Wolfsburger Torschützen Haskins schließlich mit zwei Stockstichen traktierte, ohne dafür in die Verantwortung genommen zu werden, platzte aus Wolfsburgs Trainer Pavel Gross sämtliche Anspannung heraus. Seine wütenden Proteste halfen zwar in Sachen Strafe nichts, doch zum Glück schien EHC-Center Haskins unverletzt bei dieser Unsportlichkeit davongekommen zu sein.
Ein aus Grizzlysicht phantastischer Eishockeyabend nahm somit ein rundum geglücktes Ende und machte einmal mehr Lust auf weitere Fortsetzungen!

Mein subjektiver Eindruck
Der EHC marschiert bisher derart erbarmungslos gegen die Adler, dass es einem schon fast unheimlich werden kann. Was dieses Team allein in Unterzahl leistet ist absolut Ehrfurcht gebietend. Mit Ausnahme der fünfminütigen Phase im Mitteldrittel hatte ich eigentlich zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass Mannheim uns irgendetwas anhaben kann. Offensiv fehlt den Adlern bisher jedenfalls jegliches Rezept gegen unser fein justiertes Uhrwerk in der Abwehr. Da die Adlerdefensive ähnlich stabil agiert, sind es halt am Ende die Kleinigkeiten und der größere Wille, die ein Spiel in dieser Serie entscheiden. Einzig Dennis Reul und Janik Jr. lassen ab und zu mal "einen gucken"  - diese Gelegenheiten müssen die Grizzlies noch konsequenter nutzen!

Tor
Dshuni und seine Vorderleute harmonieren nahezu perfekt. Während die Feldspieler die guten Winkel wegnehmen und sich in fast jeden Schuss schmeißen, sorgt Dshuni mit gewissenhaftem Stellungsspiel und enger Bewachung der Torwartecke für verzweifelte Gesichter beim Gegenüber. Zwei shut-outs hintereinander - was soll man da noch sagen außer: Weiter so!

Verteidigung
Keine Extrawürste in dieser Abteilung. Alle sieben Verteidiger mit Topleistungen. Kleinere Fehler werden meistens sogar selber ausgebügelt. Ansonsten profitiert die Abwehr natürlich enorm vom allgemeinen Einsatzwillen aller Beteiligter auf Grizzlyseite. Das grandiose Fore- und Backchecking der Stürmer verhindert fast alle brenzligen Situationen schon im Keim.

Sturm
Die beiden ersten Reihen produzieren genügend Möglichkeiten, um die Spiele gegen die Adler zu gewinnen. Das war auch in dieser Begegnung nicht anders. Besonders stark trat in dieser Partie Wolfsburgs Tyler Haskins in den Vordergrund - nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0. 
Die vierte Reihe sorgte, ohne wirklichen Torabschluss, für die nötige Entlastung, Reihe Nr.3 konnte in Person von Moore und Nelson durchaus überzeugen, lieferte mit Justin Mercier allerdings auch den einzigen Kritikpunkt des Abends. Merciers Forecheckingschaos erreichte mit dem Strafzeitengeschenk an Endras bei eigener Unterzahl den vorläufigen Höhepunkt. Zu oft verlässt der US-Amerikaner in Diensten der Grizzlies die Marschroute, wirkt zudem mit seinen Nebenleuten bei weitem nicht so abgestimmt wie der Rest der Truppe. Das ist dem späten Hinzukommen von Nelson und seiner Person geschuldet, trotzdem sollte es dann vielleicht zur Vorsicht in Sachen Harakiri-Aktionen in der Vorwärtsbewegung animieren.

Fazit
Wenn die Grizzlies den eingeschlagenen Weg mit aller Härte und Konsequenz, ohne nach hinten oder vorne zu schauen, durchziehen, dann scheint eine Halbfinalteilnahme nicht mehr so weit weg. Wir hoffen also weiter auf die Sensation und dass der erneut für eine PO-Begegnung der Grizzlies angesetzte HSR Jablukov (5 von 8 Spielen) vielleicht zur Abwechslung ja mal ein Einsehen mit uns hat. mb

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