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PO2 EHC - Kölner Haie 0:1

Nachdem Wolfsburg den Halbfinalauftakt in Köln mit einer ordentlichen Portion Frühjahrsmüdigkeit in den Sand gesetzt hatte, sollte vor heimischer Kulisse nun der Start in die Serie folgen. Vor ausverkauftem Haus, darunter ca. 500 Fans aus der Rheinmetropole, entwickelte sich dann auch die gewünschte Playoff-Atmosphäre neben und vor allen Dingen endlich auch auf dem Eis.

1. Drittel
In den Anfangsminuten der Partie schienen beide Teams zunächst mit dem Setzen von Duftmarken beschäftigt zu sein. Nachdem Wolfsburgs Norm Milley das Spiel mit einem sehenswerten Lattenkracher eröffnet hatte, folgte ein munterer Reigen von Checks und kleineren Auseinandersetzungen. Als es schließlich zum ersten größeren "Meinungsaustausch" hinter dem Tor der Gäste kam, zogen die Grizzlies - wie so oft in den letzten Wochen - bei der Verteilung der Strafzeiten den Kürzeren. Statt beide Seiten mit Strafen wegen übertriebener Härte zu bedienen, wollte das Schiedsrichtergespann zusätzlich einen Stockschlag bei Wolfsburgs Greg Moore ausgemacht haben. Da in der folgenden Minute (5.) sowohl Gogulla, als auch Benedikt Schopper nacheinander auf die Sünderbank wanderten, konnte Köln nur kurzfristig so etwas wie ein Powerplay entwickeln. Gerade als Wolfsburg das Schlimmste überstanden zu haben schien, schlug es dann doch im Gehäuse der Grizzlies ein: Christopher Minard vollendete einen mit viel Übersicht vorgetragenen Konter der Haie zum 0:1 in der 8.Minute.
Wenig geschockt versuchte der EHC nun die Schlagzahl zu erhöhen, blieb aber - auch in Überzahl - meist in der gut organisierten Abwehr der Gäste hängen oder scheiterte am Schlussmann der Haie.
Gleich drei erstklassige Breakchancen, darunter eine in Unterzahl, versiebten die Angreifer der Grizzlies mit unpräzisen Schüssen oder Pässen, so dass Köln die knappe Führung mit in die erste Pause nehmen durfte.

2. Drittel
Und wieder knallte es in der Auftaktminute am Gestänge der Haie: Diesmal war es Levi Nelson, der Gästekeeper aus den Birken mit einem trockenen Handgelenkschuss bereits überwunden hatte und trotzdem nicht zum Jubeln abdrehen durfte. Stattdessen sollte er auch den eigenen Nachschuss nicht im Gehäuse der Gäste unterbringen können. Es war sozusagen der Startschuss zu einem Drittel, das die Grizzlies endlich wieder in ihrer bekannten Playoff-Form zeigen sollte. Doch es sollte ein sehr, sehr unglückliches starkes Drittel werden: Schon zwei Minuten später war es Wolfsburgs Toptorjäger Matt Diesel der es seinen Kollegen Milley und Nelson gleichtat und erneut das Lattenkreuz erwischte - aus den Birken hätte in allen drei Situationen keinerlei Abwehrchance gehabt, zeigte auch jeweils keine Reaktion.
Abgesehen von 2 oder 3 Konterchancen der Gäste, gehörte der mittlere Spielabschnitt ganz dem EHC. doch es war wie verhext: Allem Druck, allen Chancen - sogar in zwischenzeitlicher numerischer Unterzahl - zum trotz blieb der Gastgeber ohne eigenen Treffer. Begeistert trug die Kulisse ihre Helden von Angriffswelle zu Angriffswelle, doch immer stimmte irgendeine Kleinigkeit nicht, immer war im letzten Moment doch noch ein Schläger dazwischen oder ein Stürmer einen Zentimeter zu weit gefahren und kam so in Rücklage usw., usw.
Es war zum Verrücktwerden...wenn man denn Fan der Grizzlies war.

3. Drittel
Mit dem für die Haie mittlerweile durchaus schmeichelhaften 0:1 ging es also auch auf die Zielgerade der Partie. 
Die Grizzlies warfen nun noch einmal alle Kraftreserven in die Waagschale, zollten mit fortschreitender Dauer aber dem Kräfteverschleiß der letzten Wochen offenbar Tribut. Trotzdem blieb man die spielbestimmende Mannschaft, erspielte sich wiederum Chance um Chance, blieb aber insgesamt weniger druckvoll und zwingend als noch im Mitteldrittel. Deutlich zu erkennen war dieser Abbau in einem der seltenen Überzahlspiele der Grizzlies, als der durchgehend provozierende und jammernde Minard endlich einmal zur Abkühlung auf der Strafbank Platz nehmen durfte. Das Powerplay der Gastgeber wirkte in den folgenden zwei Minuten eher wie ein Luftholen, als wie ein zusätzlicher Energieschub auf dem Eis. Furchners und Merciers Versuche noch weit vor dem Ende der Partie blieben als einzige wirklich im Gedächtnis, zu stark agierte das Abwehrbollwerk der Kölner, zu schwach war mittlerweile der allgemeine Zug in den Torraum durch die Grizzlies. Umstellungen in den ersten beiden Reihen hatten ebenfalls keine positive Wirkung erzielt, zudem fiel gegen Ende Wolfsburgs Diesel nach einem ungeahndeten Stockschlag für den Rest der Partie aus.
So half am Ende auch nicht die Herausnahme des gut aufgelegten Dshunussow für einen sechsten Feldspieler, um dieser Partie den längst verdienten Ausgleich zu bescheren.
Beeindruckt vom Kampfgeist ihrer Grizzlies, aber auch deprimiert vom Endergebnis dieser Bemühungen ging es für den Wolfsburger Teil des Publikums auf die Heimreise.


Mein subjektiver Eindruck
Solche Spiele gibt es im Eishockey halt immer wieder. Tragisch, wenn man eins davon in unserer Situation quittieren muss.
Was wäre das für eine Eishockeyschlacht geworden, wenn wir auch nur ein einziges Mal getroffen hätten und die Haie sich etwas kreativer am Spielgeschehen hätten beteiligen müssen! Trotzdem bin ich heilfroh, dass sich die Jungs noch einmal in der von uns mittlerweile so geliebten Form präsentieren konnten. Diese Saison ist und bleibt etwas Besonderes und könnte von mir aus noch eine Weile weitergehen. Doch leider präsentieren sich die Haie als sehr strukturiert und konzentriert auftretender Gegner, der eben auch das nötige Glück und gelegentlich auch die Schiedsrichter auf seiner Seite hat.
Ob unser Team tatsächlich noch die Kraftreserven besitzt, um in Köln eine weitere Sensation zu schaffen, und nichts anderes wäre ein Sieg bei den so heimstarken Haien, das bleibt abzuwarten. Allzu gut stehen unsere Chancen wohl nicht...

Tor
Dshunussow zeigte sich vom ersten Spiel der Serie insgesamt eher unbeeindruckt, untermauerte damit seinen Reifungsprozess seit dem letzten Jahr.
Beim Gegentreffer ohne Abwehrchance, ansonsten ein tadelloser Rückhalt für seine Vorderleute. Auch im Bereich des schnellen Spielaufbaus zeigt eher sich immer weiter verbessert, seine Ausflüge hinter das eigene Tor wirken mittlerweile ebenfalls besser mit der Abwehr koordiniert.

Verteidigung
Profitierte von der insgesamt aggressiveren Spielweise der Vorderleute und hatte deutlich weniger zu tun als im ersten Spiel. Bis auf den Aussetzer beim Gegentor, als weder Brocklehurst noch Schopper den Passweg zur Mitte dicht machten, alle Beteiligten mit einer durchgehend ansprechenden Leistung. Einzelkritik überflüssig.

Sturm
In den ersten beiden Reihen hakt und klemmt es, auch dank der formidablen Abwehrarbeit der Haie. Während der Diesel natürlich auch unter solchen Bedingungen nicht völlig kalt zu stellen ist (außer durch gezielte Stockschläge aufs Handgelenk und dadurch in der Schlussphase nicht mehr dabei), fällt dort besonders Kapitän Hospelt durch Unauffälligkeit auf. Währenddessen bleibt die dritte Reihe um Mercier, Moore und Nelson die beste Formation im bisherigen Verlauf der Serie - was leider kein gutes Zeichen ist. Vor allem da Moore momentan kaum zum Abschluss kommt, während Nelson und Mercier bei ihren Chancen leider weiterhin die Torjägergene zu fehlen scheinen. Insgesamt der Mannschaftsteil mit der meisten Luft nach oben, vermutlich aber auch ein Opfer der taktischen Anpassung an die erste Partie gegen Köln - ein weiteres Debakel dieser Art wollte wohl auch keiner außerhalb Kölns sehen.

Fazit
Die Grizzlies sind in der Serie angekommen. Ob sie dann auch gleich wieder aus der Serie herausfliegen, wird man nun am Sonntag sehen.
Ob Wolfsburgs "Darling" HSR Jablukov eine Hilfe sein wird, bleibt ebenfalls abzuwarten. mb