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Saison 2013/2014

EHC - Kölner Haie (HF4) 2:3

  • Geschrieben von Martin
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Seltsame Schwächephasen

Nach der zweiten Niederlage in der laufenden Halbfinalserie ging es für die Grizzlies nun schon fast um alles oder nichts. Ein 1:3 Rückstand in einer Best-of-seven Serie, dazu gegen einen defensiv derart stabilen Gegner wie die Kölner Haie, sollte unter allen Umständen vermieden werden.  
Vor mit 3300 Zuschauern für einen Wochentag bemerkenswert gut gefüllt Rängen starteten die Grizzlies zunächst extrem nervös in diese so wichtige Begegnung. Wurms Rückgabe vor das eigene Tor in den Anfangssekunden war da nur ein Sinnbild für die ersten zittrigen Versuche der Hausherren, sich in dieses Spiel hinein zu finden.
Köln hingegen präsentierte sich sofort voll konzentriert und abgeklärt, taxierte dabei mit klarer Spielanlage gleich zu Beginn den Spielraum beim Schiedsrichterduo aus. Und Köln hatte durchaus Spielraum. Zum Leidwesen der heimischen Fans schien dieser Spielraum nicht in gleichem Umfang für die Grizzlies zu gelten, so dass die Akteure in orange sich im Lauf der Partie gleich mehrere Male zwar regelkonform, aber in keinem Verhältnis zur sonstigen Linie der Referees auf der  Strafbank wiederfanden.
So fiel Kölns schön herausgespielte Führung denn auch in einer Überzahl, der zwar ein regelwidriges Vergehen Dzieduszyckis vorausgegangen war, die dem Foul vorangegangenen Kölner Regelwidrigkeiten (Beinstellen und Stockschlag) waren aber konsequent ignoriert worden. Minards Treffer (9.) sollte aber nicht lange unbeantwortet bleiben: Schon eine Zeigerumdrehung später versetzte Wolfsburgs Eismaschine Sebastian Furchner die Eisarena in Feierstimmung, als er den Kölner Goalie aus spitzem Winkel überwinden konnte.
Köln wirkte weiterhin kontrollierter, hielt dem kraftraubenden Forechecking der Grizzlies gut stand und brachte den Puck fast immer einigermaßen kontrolliert aus dem eigenen Drittel. Nicht verwunderlich, dass der vielumjubelte zweite Wolfsburger Treffer (16.) aus einem Konter entstand. Mit einem lässig zwischen die aufgerückten Kölner Reihen gespielten Zuckerpass schickte Rosa schließlich Ramzi Abid auf die einsame Reise gen aus den Birken. Der vollstreckte einem knallharten Schuss in den Stockhandwinkel zum 2:1, ließ die Grizzlies vom Ausgleich in der Serie träumen.
Und plötzlich bekam auch der Gast Strafen aufgebrummt! Gleich zwei Akteure der Haie fanden sich in den Schlussminuten des Drittels auf der Strafbank ein, doch Wolfsburgs Powerplay blieb ohne Power – und vor allem fast ohne Schuss. Statt aus allen Rohren auf die verbliebenen Spieler der Gäste und deren Goalie zu feuern, starb Wolfsburgs Überzahlspiel einmal mehr in Schönheit und brachte auf der Suche nach dem perfekten Spielzug gerade einmal einen mickrigen Schuss zustande.
Mit 40 Sekunden Reststrafe auf der Uhr ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Irgendwer schien den Grizzlies in der Pause den Stecker gezogen oder die Energieriegel geklaut zu haben.
Zwar reichte die Tankfüllung der Hausherren offenbar noch für die eine oder andere Spielminute, doch spätestens als Köln die erste Überzahl des Drittels wegen eines lachhaften Pfiffs gegen Wolfsburgs Abid genoss (übertriebenes Anstupsen – von Härte konnte keine Rede sein) , war es mit der Wolfsburger Kraft offenbar vorbei.
Die Haie spielten sich nun Chance um Chance heraus, waren fast immer einen Schritt schneller als ihre Gegenspieler und in der 38. Minute schließlich durch Marcel Müller erfolgreich. Bezeichnenderweise fiel das 2:2 zwischen zwei Überzahlspielen (!) der Grizzlies, die die zwei Minuten jeweils eher zum Luftholen oder sich selber in Bedrängnis bringen genutzt hatte. So blieb am Ende des Mitteldrittels die Enttäuschung über die durchgängig vergeigten Powerplaysituationen und die Erleichterung über den äußerst glücklichen Zwischenstand von 2:2.
Wolfsburg startete zwar spürbar erholt  in den Schlussabschnitt, setzte endlich wieder den einen oder anderen gefährlichen offensiven Akzent, doch die Gäste blieben das strukturierter auftretende Team mit den besseren Einschussgelegenheiten.
Dass auch in diesem Heimspiel gegen die Haie ein Missgeschick des sonst so überragend agierenden Sebastian Vogl die Grizzlies auf die Verliererstraße brachte, machte den Abend schließlich doppelt bitter für die Fans des EHC.
Gäste-Defender Tjernqvist drang ins Drittel der Wolfsburger ein, feuerte von der blauen Linie einen Puck hart auf den Mann – und Vogl ließ das Spielgerät durch die Schoner vor den Pfosten rutschen. Wolfsburgs Goalie zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde zu lange – ebenso wie seine Vorderleute – und konnte den Nachschuss des durchfahrenden Tjernqvist nicht mehr verhindern (53.).
Während Köln in seinen berühmt berüchtigten Kontrollmodus umschaltete, dauerte es auf Seiten der Gastgeber doch einige Minuten, bevor so etwas wie eine Schlussoffensive zu erkennen war.
Doch wie so oft in den vergangenen Spielen nützte den Grizzlies alles Anrennen am Ende nichts: Das Kölner Bollwerk hielt den verzweifelten Versuchen des EHC souverän stand. Neben zwei bis drei mittelprächtigen Wolfsburger Gelegenheiten, setzte Köln mit einem „Beinahe-empty-netter“ das letzte Highlight des Spiels. Das Spielgerät prallte nach einem Kölner Befreiungsschlag in den letzten Sekunden noch gegen beide Pfosten, um dort brav auf die Schlusssirene zu warten.
Geknickt und etwas ratlos schlichen die Grizzlies in die Kabine…


Teamcheck

Tor
Zweites Heimspiel gegen die Haie, zweiter grober Schnitzer von Sebastian Vogl.
Der über weite Strecken der Play-offs so brillante Goalie der Grizzlies machte auch beim ersten Gegentreffer durch Chris Minard keine glückliche Figur, tauchte viel zu früh und viel zu tief ab und machte damit den gesamten Kasten frei.
Wäre sein Verbleib für nächste Saison noch nicht geklärt, gäbe es nur wenig Argumente gegen eine Pause im nächsten Spiel. So wird ein erneuter Einsatz wohl unter die Rubrik „Erfahrung sammeln“ fallen.

Verteidigung
Wurm in den ersten zwei Drittel immer wieder indisponiert, wirkte teilweise völlig blau und verwirrt.
Es dauerte eine Weile, bevor Kölns Angreifer realisierten, dass Kilian Keller zwar der Jüngste, aber keinesfalls der Schwächste an diesem Abend in Wolfsburgs Defensive war. Immer wieder wichen die Haie gezielt auf die Seite des Youngsters aus, hatte damit aber letztlich keinen Erfolg.
Kohl und Likens mit den besten Leistungen in diesem Mannschaftsteil, Bina mit einigen Schwankungen, Brocklehurst weiter bestenfalls unauffällig.

Sturm
Rosa, Abid und Furchner weiter in überragender Form. Doch gegen die mannschaftlich enorm ausgeglichen besetzten und beeindruckend geschlossen agierenden Haie müssen offenbar einige Spieler mehr einen Sahnetag erwischen.
Insgesamt machte sich in diesem Mannschaftsteil der enorme Kräfteverschleiß des Wolfsburger Spielsystems am deutlichsten bemerkbar. Gegen Mitte der Begegnung war plötzlich kaum ein Akteur mehr in der Lage das nötige Tempo zu gehen, so dass das Spiel bereits im Mitteldrittel locker hätte kippen können.
Gerade weil Wolfsburg in der Verteidigung nicht die personelle Qualität der Kölner Mannschaft vorweisen kann, muss der Sturm kontinuierlich und hundertprozentig seine defensiven Aufgaben wahrnehmen können.
Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob das gegen Mannschaften mit Kölns Qualität und Spielanlage mit unserem Spielsystem leistbar ist. Generell erscheint es fragwürdig, ob man mit einem derart laufintensiven System in den Play-offs (viele Spiele in kurzer Zeit) die beste Wahl getroffen hat. mb   

EHC - Kölner Haie (HF2) 1:4

  • Geschrieben von Martin
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Die vielzitierten Kleinigkeiten 
 
Nach dem äußerst effizienten Auftritt der Grizzlies im ersten Spiel der Serie, wollte der Wolfsburger DEL-Ligist nun vor eigener Kulisse nachlegen.
Gestützt auf die lautstarke Anfeuerung der heimischen Fans unter den 3750 Zuschauern (rund 300 Kölner Anhänger waren ihrem Team nach Wolfsburg gefolgt), mussten die Hausherren zunächst einmal ein Unterzahlspiel überstehen. Binas ungeschickte Arbeit im Slot hatte die entsprechende Strafe nach sich gezogen (1.) und Köln machte schon früh deutlich: „Mit uns ist heute zu rechnen!“.
Zwar brachte das energiegeladene Powerplay der Gäste noch keinen Torerfolg, doch die Haie hinterließen schon einmal tüchtig Eindruck.
Wolfsburg überstand also diese Unterzahl schadlos und durfte sich direkt im Anschluss daran im eigenen Überzahlspiel probieren.
Praktisch mit dem letzten Angriffsspielzug dieses Powerplays gelang dem EHC der vielumjubelte Führungstreffer. Marco Rosa hatte die unwiderstehlich schnell vorgetragene Puckstafette seiner Reihe zum 1:0 nutzen können (5.), eine Minute später war das Ganze schon wieder hinfällig.
Nach Puckverlust im gegnerischen Drittel ließ sich Wolfsburg vom Konter der Gäste überrumpeln, Kölns in der Mitte mitgelaufener Abwehroldie Mirko Lüdemann vollendete elegant per Rückhandschuss. Das Drittel blieb intensiv, Chancen auf beiden Seiten ergaben sich schon allein durch das hohe Tempo, das beide Teams gingen.
Mit einem leistungsgerechten, wenn auch aus Grizzlysicht ärgerlichen, 1:1 ging es zum ersten Mal in die Pause.
Der Mittelabschnitt sollte bereits die Entscheidung bringen. Zweimal machten die Grizzlies den Fehler, zweimal netzten die Gäste eiskalt ein.
Treffer Nr. 1 fiel denkbar kurios: Wolfsburgs Brocklehurst erwischte den Puck bei der Fahrt hinter das eigene Tor zunächst nicht mit der Kufe, der nachfahrende Kölner verlor das Spielgerät ebenfalls auf dem Weg um das Tor herum...und führte somit Wolfsburgs Goalie in die Irre. Während Vogl die gegenüberliegende Seite mit dem Schoner schloss, konnte Kölns Hannula ungehindert am Pfosten gegenüber einschieben (24.).
Den zweiten Aussetzer hatte zum allgemeinen Entsetzen Wolfsburgs bisher so sicherer Torhüter, der hinter dem eigenen Kasten den Puck eine gefühlte Ewigkeit hielt und sich nicht dazu durchringen konnte, einen seiner suboptimal postierten Mitspieler anzuspielen – oder das Spielgerät einfach in die Rundung zu chippen.  
Ohmann stach in seinem Rücken heranfahrend die Scheibe zu Mitspieler Ticar aus, der passte direkt auf den im Rückraum heranfahrenden Riefers...Tor zum 1:3.
Begünstigt durch zwei Überzahlspiele konnten die Gastgeber bis zum Ende des Mittelabschnitts zwar noch einmal Druck auf den Kölner Kasten ausüben, ein Tor wollte dabei trotz einiger guter Chancen nicht mehr herausspringen.
Die volle Tragweite dieser Zwei-Tore-Führung zeigte sich allerdings erst im Schlussabschnitt der Begegnung.
Routiniert und extrem kontrolliert spielte das Team von Uwe Krupp die verbleibende Zeit von der Uhr und demonstrierte nebenbei eindrucksvoll, was während der Saison die große Stärke der Haie gewesen war: Stabile Defensive und Kontrolle der eigenen Zone.
Das 1:4, welches Minard bereits nach zweieinhalb Minuten nachgelegt hatte, machte den Restschwung der Grizzlies spürbar zunichte und ließ die folgenden Minuten eher zu einer Art Vorbereitung auf Sonntag verkommen. Zu aussichtslos schien das Anrennen gegen das nun voll in seinem Element befindliche Bollwerk der Gäste vom Rhein.
 
 
Teamcheck 
 
Tor
Sebastian Vogl mit seinem ersten wirklich unglücklichen Auftritt in den diesjährigen Play-offs. Nicht mangelnde Reflexe oder schlechtes Stellungsspiel, sondern etwas Pech und im Falle des dritten Kölner Tors schlichte Zögerlichkeit brachten den Gästen den entscheidenden Vorteil im Mitteldrittel dieser Partie.
Ich habe allerdings keinerlei Zweifel, dass sich der Wolfsburger Keeper am Sonntag wieder in der gewohnten Form und vielleicht auch etwas mehr mit dem Glück im Bunde präsentieren wird.
Zu den dafür notwendigen Vorraussetzungen kommen wir gleich unter den nächsten Kategorien. .
 
Verteidigung
Brocklehurst und Bina leider mit einem sehr, sehr mäßigen Auftritt im zweiten Spiel dieser Serie. Besonders Aaron Brocklehurst schwankt in den letzten Wochen enorm in seinen Leistungen, baut immer wieder große Klöpse im eigenen Drittel ein. Bina ließ sich ein wenig anstecken...und schon war die Katastrophe perfekt. Gegentreffer Nr. 2 geht eindeutig auf Brocklehursts Kappe, beim dritten Tor hilft das passive Stellungsspiel der gesamten Mannschaft unserem Goalie nicht unbedingt weiter.
Auch beim schnellen 1:1 Ausgleich entscheidet sich Binas Nebenmann für den falschen Gegenspieler und lässt Lüdemann ungestört zum Tor ziehen.
Während Keller und Kohl eine gute Partie ablieferten, wusste beim soliden Duo Wurm-Likens vor allem der frisch um zwei weitere Jahre verlängerte Jeff Likens zu gefallen. Der riskierte bei seinen Checks teilweise Kopf und Kragen und war dabei ungewohnt stabil in der eigenen Zone. Offensiv ist der Wolfsburger Abwehrexperte ja sowieso eine Klasse für sich. 
Brett Palin und seine physische Präsenz wurden zum ersten Mal wirklich schmerzlich vermisst. Das aggressive Auftreten der Haie vor dem Wolfsburger Gehäuse schrie förmlich nach dem bärtigen Hünen in Diensten der Grizzlies...
 
Sturm
Während Kapitän Haskins gewohnt beherzt vorneweg marschierte, fehlte dem einen oder anderen Akteur gerade im Mittelabschnitt ein wenig die letzte Konsequenz. Im Schlussabschnitt dürfte schließlich klargeworden sein, womit man es im Falle eines Rückstands gegen die Haie zu tun bekommen wird. Kein wirkliches Durchkommen mehr gegen die auf Kontrolle bedachten Gäste!
Während Höhenleitner leider einen gebrauchten Tag erwischte, stach beim Rest der Truppe eigentlich niemand wirklich heraus. Was hingegen mittlerweile wirklich auffällt ist, dass Wolfsburgs Torjäger Matt Diesel fast alle wichtigen Fähigkeiten wieder dabei hat...nur leider die wichtigste fehlt: Der Abschluss des Diesels wirkt durchgängig schwach und unplatziert, während Stellungsspiel, Körpereinsatz und Passgenauigkeit fast schon auf dem gewohnten Niveau angekommen sind. 
Während für Moore und Polo die Saison gelaufen ist, bleibt das Comeback von Wolfsburgs Aubin weiter unklar – schön wär’s schon. mb 

EHC - Nürnberg Ice Tigers (VF6) 8:3

  • Geschrieben von Martin
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Showdown in Wolfsburg
 
Nachdem in der begeisternden Serie gegen die Nürnberg Ice Tigers lediglich einmal das Gästeteam erfolgreich gewesen  war, sollte diese gute Gewohnheit auch in Spiel 6 beibehalten werden.
Da der letzte Nürnberger Sieg in der Eisarena schon einige Jahre zurückliegt, stand dieses Unterfangen – zumindest aus statistischer Sicht – unter keinem allzu schlechten Stern.
Und siehe da: Wolfsburg tat vom Auftaktbully weg alles, um diese positiven Vorzeichen nicht  als wertlose Zahlenspielerei in den Schubladen der Statistiker verschwinden zu lassen. Die Grizzlies brannten ein wahres Offensivfeuerwerk ab und brachten bereits in der 3.Minute sich und die ohnehin brodelnde Kulisse weiter auf Hochtouren. Norm Milley war es, der im Wolfsburger Angriffswirbel das 1:0 für sich und seine Farben verbuchen konnte, nachdem er einen Blueliner von Brett Palin unhaltbar abgefälscht hatte. Und weiter ging die wilde Reise...ganz im Stile der bisherigen fünf Aufeinandertreffen und zunächst eher zur Freude der rund 500 mitgereisten Nürnberger Fans um ihren Mäzen Thomas Sabo. Mit dem ersten druckvoll vorgetragenen Angriff gelang Nürnbergs Kapitän der Ausgleich im Nachschuss (9.), zweieinhalb Minuten später lies Wolfsburgs Goalie einen eher harmlosen Abschlussversuch von Yan Stastny durch die Schoner rutschen. Das Spiel war, wie so oft in dieser Serie, gekippt, in diesem Fall aber auch komplett auf den Kopf gestellt. Zuvor hatte sich Jeff Likens mit einer übermotivierten Aktion hinter dem eigenen Tor wegen Bandenchecks auf die Strafbank verabschiedet, der Treffer fiel folglich im überzeugenden Powerplay der Gäste.
Doch die Antwort der Grizzlies ließ nicht lange auf sich warten: Unter der frenetischen Anfeuerung ihres begeisterten Anhangs arbeiteten die Gastgeber in Person des „Nürnberger Alptraums“ Sebastian Furchner den Puck zum Ausgleich über die Linie. Die Tigers-Abwehr hatte sich wieder einmal nicht konsequent genug gezeigt und den Wolfsburger Stürmer zu lange im Torraum gewähren lassen (17.).
Die Diskussion über ein etwaiges Torraumabseits war gerade beendet, der Puck eingeworfen und die Ansage des zweiten Wolfsburger Treffers war in vollem Gange – da schlug es auch schon wieder hinter Tyler Weiman ein!
Simon Danner hatte per Blickkontakt das Abspiel zum mitgelaufenen Kollegen angedeutet und dann eiskalt in den kurzen Winkel abgedrückt – die Halle rastete nun völlig aus! Weitere Chancen der Hausherren folgten, mit 3:2 ging es schließlich denkbar knapp in die erste Pause. Denkbar knapp, weil sowohl die allgemeine Dominanz der Grizzlies, als auch das erdrückende Schussverhältnis von 18:7 zugunsten des EHC im deutlichen Kontrast zum Ergebnis auf der Anzeigentafel standen.
Das sollte sich auch im Mitteldrittel erst einmal nicht ändern. Denn allen Wolfsburger Angriffsbemühungen zum Trotz: Das Tor machten die Gäste aus Nürnberg. Erikssons Knaller von der blauen Linie schlug durch den Verkehr unhaltbar im Winkel ein (24.) und ließ die Anhänger aus dem Frankenland wieder von Spiel 7 träumen. Leicht genervt, aber weiter unbeirrt nahmen Fans und Spieler in orange den Fehdehandschuh auf und setzten zur nächsten spielerischen und akustischen Angriffswelle an. Robbie Bina war es schließlich, der mit seinem guten Auge den Puck an Freund und Feind per Schlenzer zum vierten Mal im Gehäuse der Ice Tigers unterbringen konnte (30.). Wenig später sorgte mit Evan Kaufmann ein Gast für die spielentscheidende Situation zugunsten des Heimteams. Während eines nicht wirklich überragend laufenden Überzahlspiels der Hausherren, leistete sich der Nürnberger Stürmer ohne Not einen deutlichen Stockschlag gegen Wolfsburgs Brocklehurst und brachte sein Team somit für rund 50 Sekunden in doppelte Unterzahl. Die Grizzlies ließen sich nicht zweimal bitten und platzierten ihre Angreifer mustergültig zum Nachschuss vor dem Tor der Gäste - mit Erfolg! Marco Rosa brauchte den Abpraller eines Dieselschusses nur noch in die leere Hälfte des Tors schaufeln (34.), die erste deutlichere Führung war komplett.
Kaum war die zweite Nürnberger Strafe abgelaufen, da blies der Gast auch schon zur (fast) bedingungslosen Offensive. Mit enormem läuferischen und kämpferischen Aufwand gelang es den Grizzlies schließlich den Vorsprung bis in die zweite Unterbrechung zu retten, fast jede drohende Großchance doch noch zu vereiteln und obendrein zwei Minuten Unterzahlspiel schadlos zu überstehen. Ein Wahnsinnsspiel nahm weiter seinen Lauf, atemlose Action blieb angesagt.
Nürnberg kam erwartet stark und aufgedreht aus der Kabine, setzte noch einmal alles daran den erneuten Anschlusstreffer zu markieren, Wolfsburg blieb seinerseits durch Entlastungsangriffe brandgefährlich. 
Dann folgte wieder einer dieser Momente, wegen denen man so gerne zum Eishockey geht. Schon zu Beginn der Begegnung hatte der Wolfsburger Anhang seinen vom Nürnberger Anhang konsequent geschmähten Kapitän Tyler Haskins mit Spruchbändern, Hunderten von Blättern mit der Nummer 10 und entsprechenden Gesängen gefeiert. Als es dann in der 47.Minute ausgerechnet der wiedereinmal wie besessen aufspielende Kapitän der Grizzlies war, der dem Gast aus dem Süden den endgültigen Genickschuss verpasste, brannte die Hütte bereits in Vorfreude auf das Halbfinale. Fast jeder in der Halle, inklusive der Gäste und ihrem Anhang, ahnte wohl, dass sich Nürnberg vom brillant über Weimans Fanghand in die Maschen genagelten 6:3 nicht mehr erholen würde. Und so folgte dieser Szene zwar noch eine Phase intensiverer Bemühungen der Gäste, doch der letzte Biss ging den Ice Tigers spür- und sichtbar abhanden. Während Fausers Knaller zum 7:3 (54.) die Vorfreude der Heimfans auf Kommendes noch einmal geringfügig zu steigern wusste, lies das 8:3 den Puls der Anwesenden doch noch einmal etwas schneller schlagen: Der Diesel meldete sich, nach wohlwollendem Abspiel des erneut bärenstarken Ramzi Abid, mit seinem ersten Play-off Tor endgültig zurück im Dienst (55.) und gab der Party somit den allerletzten Kick.
Bemerkenswert war schließlich auch die Auszeit, die Trainer Gross trotz des deutlichen Vorsprungs in der 56.Minute nahm, um sein Team vor dem aufkommenden Frust der Gäste zu schützen. Das sichere Aus vor Augen, drohte bei einigen Nürnberger Akteuren offenbar die letzte Sicherung durchzuschmoren und die ohnehin stockschlagbegeisterten Franken teilten nun tüchtig aus. Als Höhenleitner sich zwischenzeitlich mit schmerzverzerrtem Gesicht und die Hand haltend Richtung Bank begab und vor Erreichen der Bank sogar noch einen Stockschlag in die Kniekehlen mit auf die Reise bekam, zog Wolfsburgs Trainer schließlich die Reißleine und gab mit seiner Auszeit allen Beteiligten die Chance zur Abkühlung. Im Prinzip die einzige Szene der Begegnung, in der man den gut leitenden Hauptschiedsrichtern einen Vorwurf machen konnte. Ansonsten blieb das Gespann Brüggemann/Schimm jederzeit Herr der Lage, wusste dabei Stockfouls und Play-off Härte vorbildlich zu trennen.
Nach Abpfiff feierte der orangene Anhang sein Team mit minutenlangen Gesängen und tosendem Applaus. Aber auch das tapfer kämpfende Team aus dem Frankenland bekam von Gast- und Heimfans den gebührenden Respekt gezollt. Hatten doch nicht zuletzt auch die Ice Tigers mit ihrem bemerkenswerten Offensivspiel (und dem etwas weniger bemerkenswerten defensiven Auftreten) die Serie zu dem Spektakel gemacht, das es am Ende geworden war. 
Auch wenn den Fans mit Spiel 7 (zum Glück) der endgültige Gipfel des Nervenkitzels versagt blieb, so bleibt doch am Ende der Blick auf eine hochklassige und extrem unterhaltsame Serie, wie man sie sich anderorts meist nur wünschen kann.
 
 
Teamcheck
 
Tor
Sebastian Vogl wirkte nach seiner kurzen Zwangspause im ersten Drittel noch ungewohnt unruhig. Steigerte sich ab seinem Patzer zum 1:2 im Verlauf der Partie aber deutlich – fast bis auf das bisher von ihm gewohnte Play-off Niveau.
Vielleicht passt das Timing mit dem Nachwuchs im Hause Vogl und der Wolfsburger Goalie kann als frisch gebackener Vater ins Halbfinale gehen...
 
Verteidigung
Beeindruckende Leistung gegen die Angriffspower der Gäste. Allerdings blieben den Wolfsburger Verteidigern diesmal einige brenzlige Situationen erspart, da das Back-Checking der Grizzlies fast durchgängig auf Hochtouren lief.
Lediglich Aaron Brocklehurst offenbarte in der einen oder anderen Druckphase der Gäste kleinere Schwächen und klärte nach Puckgewinn im eigenen Drittel oftmals einfach zu zögerlich.
Robbie Bina mal wieder in seiner gewohnt bescheidenen Art unser „Eishockeygott“ ;)
 
Sturm
Am Ende wieder einmal ein Spiegelbild der Serie. Unsere ersten beiden Reihen, vorneweg Haskins und Furchner, tauen in Nürnberg das Eis ab.
Aber auch Marco Rosa und Ramzi Abid entpuppen sich mit Einsatz und Körpersprache als echte Play-off Spieler. 
Vielleicht finden wie im Zuge der nächsten Serie sogar noch unser „Play-off Monster“. Einige Bewerber hätten wir ja schon mal.
Was besonders erfreulich ist: Sieben verschiedene Stürmer dürfen in dieser abschließenden Begegnung sich ein Gefühl fürs Toreschießen holen und zeigen damit, dass auch von den hinteren Reihen (Fauser, Danner) neben beeindruckendem Einsatz auch Torgefahr ausgehen kann.
Insgesamt – bei 7 erzielten Toren und guter Defensivarbeit – nicht der geringste Anlass zu Kritik.
Mal schauen, wie die Wolfsburger Offensivabteilung mit der um Klassen besseren Defensive der Kölner zurecht kommen wird. mb

EHC - Nürnberg Ice Tigers (VF4) 5:4 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Nervenkrieg mit Happyend
 
 
In einem von beiden Seiten mit enormem Einsatz geführten Spiel 4 gelang den Grizzlies der mittlerweile dritte Sieg gegen den Tabellendritten der Hauptrunde.
Die Ice Tigers, die in den ersten beiden Begegnungen noch große Probleme in Sachen „Play-off Einstellung“ offenbarten, präsentierten sich extrem verbessert und stiegen auch gleich deutlich aggressiver ins Geschehen ein.
Mit hohem läuferischen Aufwand fuhren die Kontrahenten sich gegenseitig die Räume zu, intensiv geführte Zweikämpfe (und nicht zuletzt der Torwartwechsel im Tor der Gäste) reduzierten zunächst Anzahl und Ertrag der Torszenen.
Der erste Treffer gehörte, wie in den ebenfalls siegreichen Spielen 1 und 2, den Grizzlies. Abid hatte nach einem Nürnberger Scheibenverlust entschlossen zum Konter angesetzt und sich nicht einmal die Mühe eines angetäuschten Abspiels auf seinen mitgelaufenen Teamkollegen gemacht. Knochentrocken jagte der Wolfsburger Angreifer den Puck per Schlagschuss am chancenlosen Weiman vorbei in die Maschen (14.). Doch kaum war der Jubel der Heimfans verklungen, brachte Jason Jaspers  mit einem sehenswerten Alleingang den eigenen Anhang in Feierlaune. Mit einer spektakulären Bewegung hatte der Nürnberger Stürmer den Puck hinter dem eigenen Rücken und am Gegenspieler vorbei bis an die Schoner von Sebastian Vogl getragen – den auf der Linie liegenden Puck schob Matt Hussey schließlich unbedrängt zum 1:1 Ausgleich über die Linie.
Die Gangart auf dem Eis blieb rau, die Referees hielten sich mit je einer Strafe pro Team allerdings spürbar zurück, wollten der Intensität der Partie offenbar nicht schaden. Dass am Ende der eine oder andere Akteur das Eis mit blauen, oder eventuell sogar schlimmer lädierten Extremitäten das Eis verließ, nahm das Duo Piechaczek / Brill dabei offenkundig in Kauf. Das Stockschlagfestival der Gäste, allen voran Spieler des Jahres Patrick Reimer, blieb jedenfalls – bis auf zwei Ausnahmen - straflos.
Kaum war das zweite Drittel angepfiffen, glaubte der heimische Anhang sich in einer Wiederholung der ersten beiden Spiele. Zwar erspielte sich der EHC kein nennenswertes Chancenplus (beide Teams arbeiteten weiter ausgesprochen hart an deren Vermeidung), doch die Grizzlies zeigten sich erneut von ihrer eiskalten Seite. Während Gästekapitän Reimer seine einzige und wohlverdiente Strafe wegen Stockschlags abbrummte, zog das Team von der Aller sein mittlerweile durchaus gefürchtetes Powerplay auf. Fast wie beiläufig versenkte Wolfsburgs bestens vor dem Tor postierter Pohl den Abpraller eines Rosa-Krachers zum 2:1 (26.Min)...und es sollte noch besser kommen. Bereits zwei Minuten später schickte Kohl mit einem absoluten Sahnepass aus der eigenen Zone seinen Kapitän auf die einsame Reise gen Tyler Weiman. Wolfsburgs Haskins ließ dem Goalie letztlich keine Chance, tanzte den Nürnberger Schlussmann in Nahdistanz gekonnt aus und vollstreckte per Rückhand zum 3:1. Beschwingt und guten Mutes strebten Team und Fans der Grizzlies in Richtung zweite Unterbrechung. Das zweite, und bis zum Schlusspfiff einzige, Überzahlspiel der Gastgeber blieb im Verlauf des Drittels zwar ohne Ertrag, doch wirklich ärgerlich wurde es erst in der 39.Minute. 
Evan Kaufmann hatte sich für die Gäste über links durchgesetzt und schickte einen wenig aussichtsreichen  Pass in Richtung Slot der Grizzlies. Ein Treffer an das Bein des zurückgeeilten Norm Milley machte daraus das unhaltbar abgefälschte 3:2 für die Gäste aus dem Frankenland. Zehn Sekunden später befanden sich eben jene sogar im zusätzlichen Luxus einer Überzahl, machten mächtig Dampf und schnupperten sogar am Ausgleich. 
Leicht genervt kehrte das Heimteam nach der nächsten Pause aufs Eis zurück, spielte die verbliebenen Sekunden der Unterzahl jetzt deutlich konzentrierter herunter, um dann seinerseits in Powerplaymanier zum 4:2 zu vollstrecken.
Einen Hintertorpass hatte der aufgerückte Jeff Likens per one-timer in die Maschen gedrückt und somit den alten Abstand wieder hergestellt.
Was nun folgte war entweder der Offensivkraft der Ice Tigers oder der falschen Einstellung der Grizzlies geschuldet. Es schien jedenfalls, als ob die Hausherren im Anschluss an eine folgende Unterzahl nicht mehr den Weg vor das Gehäuse der Gäste finden würden. Wie nicht anders zu erwarten, stellte sich das Unterfangen, einen Vorsprung gegen das offensivstärkste Team der Liga über die Runden zu bringen, als ungeeignete Strategie heraus. Nürnberg übernahm bis zum Ende der regulären Spielzeit eindrucksvoll das Kommando. Auch in einer zwischenzeitlich von Trainer Pavel Gross anberaumten Auszeit (48.) gelang es den Grizzlies nicht mehr, auf eine aggressivere Spielweise umzustellen - die Gäste blieben am Drücker und deckten den Kasten von Sebastian Vogl mit einem wahren Bombardement an Schüssen ein. Der Wolfsburger Schlussmann wuchs zwar streckenweise über sich hinaus, wehrte sogar den einen oder anderen unhaltbaren Puck spektakulär ab, doch bei Erikssons (50.) und Pflegers (57.) Treffern musste auch er sich im Nachschuss geschlagen geben. Lediglich eine einzelne Aktion der Hausherren durch Simon Danner hatte den Angriffsreigen der Gäste unterbrechen können. Der Wolfsburger Stürmer hatte seinen Alleingang allerdings knapp neben den Pfosten abgeschlossen, wenig später folgte der Ausgleich der Ice Tigers. Mit Hängen und Würgen rettete sich das Heimteam in die nächste Unterbrechung: Den Fans in orange schwante nichts Gutes. Zu deutlich hatte das Momentum die Seite gewechselt, zu wenig hatten ihre Cracks dem Nürnberger Angriffsspiel in den letzten 15 Minuten entgegensetzen können.
Doch es kam alles (fast) ganz anders. Die Grizzlies kamen wie verwandelt aus den Kabinen, setzten nun mit voller Wucht zum finalen Hieb an...und blieben doch erfolglos. Wie in einem Abbild der Partie kamen die Franken erst auf der Zielgeraden der ersten Verlängerung wieder zum zuletzt gesehen Übergewicht – kein Spiel für schwache Nerven! Bedingungslose Anfeuerung und atemlose Spannung ergänzten sich zu einer schweißtreibenden Angelegenheit – nicht nur auf dem Eis!
Als Wolfsburgs Goalie dann in der 85. Minute der zweiten Verlängerung mit einem Monstersave der Kategorie „Geht doch gar nicht!“ seinen Stempel aufdrückte und das scheinbar leere Tor sich für Matt Hussey plötzlich wieder verschloss, war auch der Letzte im weiten Rund mit den Nerven zu Fuß.
Was dann – fünf Minuten und eine weitere Nürnberger Drangphase später – folgte, brachte die Eisarena endgültig zur Explosion und verschaffte den in der Hauptrunde um einen Sieg gebrachten Grizzlies durchaus süß schmeckende Satisfaktion. 
Ein Puck war letztlich im Gewühl vor dem Torraum der Gäste gelandet und, wie auch immer, ins Netz der Franken geschliddert. Ob Tyler Haskins den Puck in die Maschen gekickt, oder ob der heraneilende Norm Milley den Puck mit seiner Kelle durch die Spielertraube ins Tor gestochert hatte – die Videobilder konnten keine regelwidrige Aktion erkennbar machen: Die Halle tobte! Sei es im Siegesrausch, sei es vor Empörung über diesen fragwürdigen Treffer der Hausherren.
Wieder einer dieser Momente, in denen man es als Fan doch etwas schade findet, dass in den Play-offs traditionell keine Siege mit dem Anhang zelebriert werden...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Sebastian Vogl mit einer der besten Leistungen der Wolfsburger DEL-Geschichte. Nur selten konnte man einen Goalie derartiges in den Farben der Grizzlies leisten sehen. Wie auf Autopilot spulte der Torhüter des EHC, völlig ruhig und unaufgeregt in der Körpersprache, eine ganze Reihe an Monstersaves ab, die mit dem spielentscheidenden Save gegen Matt Hussey in der 2.Verlängerung ihren Höhepunkt fanden. Un-fucking-fassbar!
 
Verteidigung
Bina und Kohl in absoluter Galaform. Hielten in allen Krisensituationen – und die gab’s reichlich – stand. Allein Kohls Zuckerpass zum 3:1 lässt den geneigten Fan schon jetzt seinen Abgang zu einem finanzstärkeren Team zutiefst bedauern.
Wurm und Likens im Vergleich zum letzten Gastspiel in Nürnberg ebenfalls stark verbessert. Palin und Brocklehurst teilweise mit dem schnellen und gut strukturierten Nürnberger Angriffsspiel am Limit ihrer Möglichkeiten. Höhi wie immer solide, nicht nur als Angreifer.
 
 
Sturm
Viel Eiszeit für die Reihen 3 und 4, wobei die 3.Reihe im Laufe der Partie mit Polo wohl den ersten Ausfall in Sachen Stockschläge zu verzeichnen hatte. 
Insgesamt sehr starke und konzentrierte Leistung der Wolfsburger Angriffsabteilung, die lediglich im 3.Drittel ihren Anteil zur Entlastung nicht mehr beitragen konnte. Besonders stark bei den Grizzlies: Kapitän Haskins und Ramzi Abid, die in allen Phasen der Begegnung Herr der Lage blieben, sich vor allem nicht provozieren ließen und sämtliche „Entscheidungen“ der Referees (Beinstellen war ausverkauft...Stockschlag im Sonderangebot: 4 für 1) ohne eigene Diszi ertrugen.
Dass mit Norm Milley am Ende einer der Spieler, die es zwischenzeitlich einfach zu kompliziert angegangen waren, für den Siegtreffer verantwortlich war, bleibt letztlich nur eine Randnotiz. 
Man darf gespannt sein, wie die Nürnberger mit dem Rücken zur Wand agieren werden. Nach solch einem Marathonmatch sind Prognosen jedenfalls fast unmöglich. Vermutlich wird es wieder etwas mit dem ersten Tor zutun haben. mb

EHC - Nürnberg Ice Tigers (VF2) 4:0

  • Geschrieben von Martin
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Grizzlies in eiskalter Mission
 
Nachdem sich Wolfsburgs Eishockeycracks in Spiel 1 als äußerst kaltschnäuziger und konzentrierter Gegner präsentiert hatten, durfte man gespannt sein, ob vor heimischer Kulisse ein ähnlicher Auftritt gelingen würde. Ein Blick auf die insgesamt eher durchwachsenen Ergebnisse vor eigenem Publikum ließ zumindest leise Zweifel an der Wiederholung des erfreulichen Spielverlaufs aus Nürnberg aufkommen.
Die Zweifel, so sie denn vorhanden waren, waren unbegründet. Erneut packten sich die Grizzlies den Kontrahenten aus dem Frankenland schon in den ersten zwanzig Minuten und verpassten diesem gleich die entscheidenden Tatzenhiebe.
Während beide Teams das Spiel mit enormem Tempo und dem Ergeiz möglichst früh den Aufbau des Gegners zu stören angingen, behielten die Gastgeber in den ersten Minuten weitestgehend die Oberhand. Besonders im Powerplay ließen die Grizzlies nichts anbrennen und landeten prompt im ersten Anlauf durch Tyler Haskins den ersten Treffer (8.). Völlig freistehend hatte sich Wolfsburgs Kapitän aus zentraler Position die Ecke aussuchen können und den Puck im Winkel des Gehäuses untergebracht. Die Gäste zeigten sich in der Folgezeit jedoch keineswegs schockiert, traten weiter aufs Gaspedal und übernahmen, bis zum nächsten Überzahlspiel der Gastgeber, das Kommando auf dem Eis. Was dem Nürnberger Spiel in dieser Phase (und auch bis zum Ende der Partie) fehlte, war das viel zitierte Quäntchen Glück...und schlicht und ergreifend die letzte Klarheit in ihren Aktionen. Viel zum Misslingen der Mission „Torerfolg“ der Ice Tigers trug dabei die konsequente Lauf- und Abwehrarbeit des EHC bei, der den Gästen nach allen Regeln der Kunst jede Luft zum Spielaufbau oder die Chance auf den zweiten Schuss zu nehmen wusste.
Dann war wieder Powerplay-Zeit – und Wolfsburgs zweiter Streich folgte prompt. Sebastian Furchner setzte gegen seinen Lieblingsgegner (zumindest was die Punktsausbeute betrifft) das nächste Ausrufezeichen (18.) und verwertete gegen den leicht indisponiert wirkenden Gästekeeper den eigenen Rebound zum 2:0. 
Als ein Großteil der Anwesenden in Gedanken wohl schon beim kühlen Blonden nach einem erfreulichen ersten Drittel war, setzte Wolfsburgs Ausnahmekönner Marco Rosa noch einen drauf. 12 Sekunden vor der Sirene nutzte Rosa die zu weit aufgerückte Position der Gäste zum Alleingang und vollendete auf einem Bein in den langen Winkel. 3:0 nach zwanzig Minuten – das saß!
Man kann nicht wirklich behaupten, dass Nürnberg das Spiel zu diesem Zeitpunkt abgeschrieben hätte – die Gäste bestürmten auch nach dem Pausentee weiter das von Sebastian Vogl gehütete Grizzlygehäuse. Doch neben einigen sehenswerten Saves des überragend aufgelegten Wolfsburger Goalies, gab es in erster Linie klare Chancen für die Grizzlies zu bewundern. Während Danners vermeintlicher Treffer nach Videobeweis zurecht nicht anerkannt wurde (Pfosten), zählte Abids Treffer bereits wenige Momente später und nach dem gleichen Untersuchungsprocedere als 4:0 für die Gastgeber. Der Drops war nach 29 Minuten definitiv gelutscht. Auch wenn einer altbekannten Phrase folgend  beim Eishockey vieles möglich ist, wenn ein Team derart wenig Durchschlagskraft vor dem Tor entwickelt, wie die Ice Tigers in den beiden bisherigen Begegnungen, dann gibt es nach einem 4:0 keine Hoffnung mehr.
Und tatsächlich: In den ersten Minuten nach dem Knockout auf dem Scoreboard marschierte Nürnberg noch wie ein Huhn, dass erst noch realisieren muss, dass der Kopf bereits am anderen Ende des Hofes liegt. Doch schon bald genügte den Grizzlies kontrolliertes Konterspiel, um den Spielstand über die Runden zu bringen...und dabei sogar noch die eine oder andere größere Chance herauszuspielen. 
Im Schlussabschnitt leistete sich Pavel Gross sogar den Luxus, der dritten und vierten Reihe großzügig Eiszeit einzuräumen, verzichtete dabei mit Jeff Likens obendrein auf einen etatmäßigen Verteidiger. Während dessen Vertreter Christoph Höhenleitner seine mittlerweile bekannte Alternativrolle hervorragend ausfüllte, beobachtete Likens, munter plauschend, das Geschehen von der Bank aus. 
Zwei Highlights hatte dieses etwas spannungsarme letzte Drittel dann doch noch zu bieten: Pohls Pfostentreffer stellte dabei die sportliche Variante, Abids Boxeinlage gegen Nürnbergs Stastny die blutige Variante dar. Wie ein Sinnbild dieser gesamten Begegnung fuhren die beiden Streithähne schließlich zur Strafbank. Abid mit einer Mischung aus Verärgerung und Amüsement im Gesicht, Stastny mit einer blutenden Nase.
Nachdem die Gastgeber, entgegen ihren bisherigen Gewohnheiten, zum Ende der Partie eine doppelte Überzahl ohne Torerfolg verstreichen hatten lassen, war der zweite Schritt im Duell mit den Ice Tigers schließlich vollbracht.
Die Vorfreude auf die nächsten Begegnungen dürfte bei Wolfsburgs Anhang nicht kleiner geworden sein, was man am kommenden Sonntag hoffentlich auch auf den Rängen sehen kann...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Vogl in bestechender Form. Tiefenentspannt, hochkonzentriert und mit hervorragendem Stellungsspiel treibt der Wolfsburger Goalie die Ice Tigers in den Wahnsinn. Fährt der Schlussmann der Grizzlies dann auch mal hinter das eigene Tor, so erhöht sich mein Puls nicht mal um einen einzigen Schlag.
 
Verteidigung
Kohl und Bina mit absoluten Galavorstellungen. Likens ebenfalls mit einer tadellosen Leistung, seit Wochen einer der besten Akteure in der Wolfsburger Verteidigung. Sollte der einst haarsträubende Leichtsinn völlig aus dem Spiel des Offensivverteidigers gewichen sein, so könnte sich die Vertragsverlängerung als gute Entscheidung herausstellen. Bei zwei weiteren Jahren in orange kann man nur die Daumen drücken.
Aber auch Wurm, Palin, Brocklehurst und Höhi reihten sich in die gnadenlos gute Defensivarbeit der Gastgeber ein und nahmen Nürnberg fast durchgängig die Luft zum Atmen.
 
Sturm
Die ersten beiden Reihen machen einfach den Unterschied. Während Nürnbergs Scoringmaschine den Sand, den die Grizzlies gleich tonnenweise heranschaufeln, nicht aus dem Getriebe bekommt, rocken die Paradereihen des EHC das Eis.
Rosa spielt teilweise das gesamte Team der Franken schwindelig, Haskins tankt und ätzt sich durch die dicht gestaffelten Abwehrreihen und Furchner knipst ein ums andere Mal gegen seinen (laut Presse) „Lieblingsgegner“. 
Während auch die anderen beiden Reihen durch extrem hohe Laufbereitschaft, selbst für Wolfsburger Verhältnisse, und extreme taktische Disziplin glänzen, muss sich der Gegner aus dem Frankenland nun definitiv etwas einfallen lassen, damit die Serie länger als 4-5 Spiele dauert. Man darf gespannt sein. mb

EHC - Eisbären Berlin 1:2

  • Geschrieben von Martin
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Ja sind denn schon Play-offs?
 
Das war schon fast mehr als nur Play-off Atmosphäre, was da am Sonntag nachmittag auf und neben dem Eis der heimischen Eisarena geboten wurde. Während der Gast aus Berlin seinen rund 2000 mitgereisten Fans eine zumindest kämpferisch überragende Leistung anbot, ließen sich die Grizzlies auch nicht lumpen und hielten entsprechend engagiert dagegen. 
Aus Grizzlysicht ging die Partie durchaus verheißungsvoll los, gelang es den Gastgebern doch recht gut den Eisbären ihr Spiel aufzudrängen. Berlin hielt zunächst eher mit jeder Menge Körpereinsatz und (gesunder) Härte dagegen, verfiel dank der recht entspannten Leitung des Schiedsrichtergespanns relativ schnell in eine von vielen kleinen Stockfouls geprägte Gangart. Während die Ader unter so manchem Grizzlyhelm vermutlich langsam zu pochen begann, streute der Gast mit einem reichlich glücklichen Treffer bereits früh (6.) zusätzliches Salz auf die wunden Nerven der Gastgeber, so dass die Grundstimmung der Partie immer aggressiver wurde. Foys Schuss war abgefälscht über Vogls Fanghand an die Latte geflogen, den günstig fallenden Abpraller hatte Laurin Braun geistesgegenwärtig verwandelt -  der Spielverlauf somit leicht auf den Kopf gestellt. Gegen Ende des ersten Spielabschnitts, die anstürmenden Grizzlies hatten Rob Zepp immer noch nicht überwinden können, kamen die Gäste dank zweier Überzahlspiele nun auch spielerisch etwas mehr in der Begegnung an. Wenige Sekunden vor dem ersten Pausenpfiff beendeten die Eisbären in Person von Shawn Lalonde das eigene Überzahlspiel allerdings auf die ungewünschte Art: Per Foul am zum Break enteilenden Vincenz Mayer. Da Lalonde im Nachgang die plötzliche Bestrafung der bisher geduldeten Gangart als einen persönlichen Affront interpretierte, sprich komplett ausrastete, durfte er frühzeitig zum Duschen. Kollege Bell schloss sich den verbalen Entgleisungen seines Teamkollegen umgehend an und bekam 10 Minuten Denkpause verordnet. Reichlich glimpflich, denn allein der Check gegen Mayers Kopf war mit 2+10 sehr zahm geahndet worden. Die Referees wirkten zunehmend verunsichert, brachen das Drittel drei Sekunden vor dem Ende vorzeitig ab und verstiegen sich offenbar in die Hoffnung, dass sich danach alle wieder lieb haben.
Doch weit gefehlt. Die nachzuholenden drei Sekunden hätten dank Norm Milleys Lattentreffer fast noch zum verspäteten und leistungsgerechten Ausgleich gereicht, dann wurden die Seiten endgültig zum ersten Mal gewechselt.
Was folgte war ein von viel zu vielen Unbeherrschtheiten der Gastgeber geprägtes Drittel, die nach teils plumpen Vergehen nicht nur ganze viermal eine Unterzahl zu überstehen hatten, sondern sich per Wechselfehler in einer dieser Situationen noch zusätzlich selber in die Pfanne hauten. Das  Kontergeschenk bei eigener Überzahl (!) nahmen die Eisbären dankbar an und schlossen die 2 auf 1 Situation sehenswert durch Mads Christensen zum 0:2 ab (31.). Wolfsburg hatte zwar ebenfalls seine Chancen – Mayer hatte nach schönem Alleingang nur den Pfosten getroffen – doch das Chancenplus lag klar bei Berlin. 
Und wieder war es kurz vor dem Pausenpfiff, diesmal gerade mal eine Sekunde, dass die Gäste für ihre grenzwertige Gangart eher belohnt, als bestraft wurden. Aubin wird dabei vom Berliner Sharrow an der Bande gehalten, der Arm des Schiedsrichters geht hoch, Sharrow schaltet blitzschnell und lässt der Aktionen noch ein, zwei Fausthiebe gegen Aubins Helm folgen. Wolfsburgs Torjäger beantwortet das zarte Klopfen mit Fausthieben seinerseits, die Schiedsrichter pfeifen auf das Verursacherprinzip und schicken beide nur für zwei Minuten auf die Strafbank. Bei direktem Blick auf die Szene eine absolut nicht nachzuvollziehende Strafverteilung und letztlich eine Aufforderung an die Gäste aus der Hauptstadt, ihre provokante Linie weiter durchzuziehen. 
Im Schlussabschnitt durfte Wolfsburg dann außerhalb der weiter munter gleichmäßig verteilten Strafen doch noch zweimal zum Powerplay antreten, entwickelte nach ausgeglichener Anfangsphase auch bei fünf gegen fünf wieder den Druck der ersten 20 Minuten bzw. übertraf diesen an Intensität sogar noch. Dass es letztlich nur zum Anschlusstreffer durch Marco Rosa reichte (ÜZ 46.Min), lag zum einen natürlich am aufopferungsvollen Kampf der Berliner Gäste, zum anderen aber auch am teils haarsträubenden Pech der Grizzlies. Unverdrossen von ihren in eigener Halle fast in Unterzahl befindlichen Fans angefeuert, versuchten die Gastgeber noch einmal alles, um die Weichen auf Sieg oder zumindest Verlängerung zu stellen. Vergebens. Rosas Pfostentreffer (58.) stellte am Ende lediglich den Gipfel des Wolfsburger Pechs an diesem Abend dar, das eine verdiente Punkteteilung letztlich verhinderte.
Zurück blieben die ausgelassen den nächsten Schritt in Richtung Play-offs feiernden Gästemassen und die Erkenntnis, dass die Play-offs dieses Jahr schon etwas früher in Wolfsburg zu Gast gewesen sind. 
Zusammenfassend betrachtet musste dabei wohl auch keiner der heimischen Fans sein Kommen bereuen, bekam man in diesem Spiel weitaus mehr an Intensität als in den meisten Heimspielen unter der Saison geboten.
 
 
Teamcheck
 
Tor
Vogl bei beiden Treffern komplett schuld- und machtlos. Der Schuss beim ersten Gegentor wird unglücklich abgefälscht und geht somit über die Fanghand ans Gestänge. Der Nachschuss war wohl auch mit einer etwas schnelleren Reaktion nicht zu entschärfen. Das zweite Tor bedarf angesichts des Wechselfehlers keiner weiteren Erklärung. Ansonsten der gewohnt sichere Rückhalt der Grizzlies – die Play-offs können kommen.
 
Verteidigung
Brocklehurst ist weiterhin „schwanger“. Hoffen und beten wir alle für zeitnahen und gesunden Nachwuchs bei der Frau Gemahlin, damit der gute Aaron wieder etwas konzentrierter zu Werke gehen kann. Kohl wieder granatenstark – extrem bitter, dass uns das entsprechende Kleingeld fehlt, um ihn in Wolfsburg zu halten.
Palin mit zu vielen dummen Strafen, nimmt nur einmal jemanden mit auf die Strafbank und setzt sich ganze dreimal alleine aufs Sünderbänkchen...das gibt vermutlich tüchtig Mecker vom Chef.
Wer mit wem ein Paar in der Abwehr bildet ist mir mittlerweile ehrlich gesagt ein Rätsel. Vermutlich jeder mit jedem...
 
Sturm
Die Rosa-Reihe mit Aubin und Abid hielt klasse dagegen, hatte entsprechend viele Möglichkeiten das Spiel noch zu drehen.  
Mit Ausnahme von Kapitän Haskins und Aubin trat der Rest des Teams allerdings genau die paar Prozentpunkt weniger hart auf, die am Ende wohl den Ausschlag für die Gäste gaben. Insgesamt ist aber auch in diesem Mannschaftsteil kein wirklicher Vorwurf angebracht: Gegen einen Gegner der derart heftig ums Überleben (auch Play-off Prämien genannt) kämpft, war die Aufopferungsbereitschaft aus der weit komfortableren Ausgangssituation durchaus in Ordnung. mb 

EHC - Straubing Tigers 4:3

  • Geschrieben von Martin
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Spannungsschwankungen
 
Nach zuletzt immer schwächer werdenden Auftritten, vor allem vor heimischer Kulisse, wartete das Wolfsburger Publikum nun auf frisch erholte Grizzlies. Die Länderspielpause, die leider keine Olympiapause ist, stellt die letzte größere Unterbrechung der laufenden Saison dar und sollte von allen Teams für letzte Vorbereitungen bzw. Regeneration für die heiße Phase im Kampf um den Titel genutzt werden. 
Und siehe da: Die Grizzlies kamen souverän und hellwach aus den Kabinen, übernahmen umgehend das Kommando auf dem Eis und zwangen die Gäste aus Straubing zunächst zu allerlei kleineren und größeren Fehlern. Nachdem die Tigers gleich zweimal den Spielfluss der Gastgeber nur mit unlauteren Mittel stoppen konnten, schlug es auch zum ersten Mal im Tor der Gäste ein. Eine vorbildlich herausgespielte Kombination in doppelter Überzahl schloss Wolfsburgs Aubin am langen Pfosten zum 1:0 (5.) ab. Der Druck der Gastgeber blieb in den folgenden Minuten ungebrochen hoch, die Tigers wirkten weitestgehend harmlos in ihren wenigen konstruktiven Angriffsbemühungen. 
Folgerichtig zahlte sich bereits in der 10.Minute der Wolfsburger Dauerdruck erneut aus. Kapitän Haskins vollstreckte Aubins und Rosas vorbereitende Schüsse, indem er in gewohnt unerschrockener Art quer vor das Tor der Gäste zog und den Nachschuss verwerten konnte. Den Torjubel verbrachte der Chefgrizzly dabei neben dem Spielgerät im Netz der Gäste – alles schien auf eine konsequent und kompromisslos geführte Partie der Gastgeber zu deuten.
Leider sollte bereits wenige Minuten später der eigentliche Charakter dieser Begegnung zutage treten: Ganze drei Sekunden nachdem mit Polaczek zum ersten Mal ein Grizzly auf die Strafbank gewandert war, schlug es nach ungeschicktem Bully hinter Sebastian Vogl im Tor des EHC ein (13.). Wolfsburg schaltete im Anschluss zwar direkt wieder einen Gang hoch, konnte jedoch bis zur ersten Pause keinen weiteren Treffer für sich verbuchen.
Im Mitteldrittel bot sich erneut das aus dem ersten Abschnitt gewohnte Bild: Wolfsburg im Vorwärtsgang, Straubing in den Schwächephasen der Gastgeber immer bereit seine Chancen zu nutzen.
So folgte Kohls knochentrockenem Treffer in den Winkel (23.) zum 3:1 einer dieser halbgaren Spielabschnitte der Grizzlies, den die Gäste – erneut in Überzahl – mit Röthkes 3:2 bestrafen konnten. Alles Anrennen wäre in der Endabrechnung (und vor allem im katastrophalen Endabschnitt) ad absurdum geführt worden, hätten Norm Milley und Tyler Haskins nicht noch kurz vor der zweiten Sirene ein echtes Zuckerstück ausgepackt: Milley Rückhandpass durch den gesamten Traffic vor dem Tigersgehäuse verwertete der am langen Pfosten heranstürmende Haskins zum vielumjubelten 4:2 – die rund 2100 Zuschauer gerieten zum ersten Mal richtig in Verzückung! Sollte es im Schlussabschnitt vielleicht so weitergehen?
Nein. Zwar versuchte Wolfsburg noch einmal an den Druck der ersten beiden Drittel anzuknüpfen, doch vor allem die ausgelassenen Chancen der Anfangsminuten dieses Drittels (Danner, Rosa und Abid) schienen den Gästen zusätzliche Motivation zu verschaffen. Spätestens, als Meunier den Puck zum 4:3 Anschlusstreffer durch Vogls Hosenträger schießen konnte, kippte das Spiel komplett in Richtung Gästeteam (47.). 
Mit viel Glück und allerletzter Kraft retteten die Grizzlies schließlich die knappe Führung auch durch zwei Unterzahlspiele über die Zeit. Der zuvor etwas unaufmerksam wirkende Schlussmann der Hausherren lief dabei obendrein wieder zu gewohnter Form auf und ermöglichte somit den ersten Heimdreier des Jahres 2014!
Man darf gespannt sein, wann das Team im neuen Jahr auch das erste Mal 60 Minuten konzentriertes Eishockey zustande bringt...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Sebastian Vogl zunächst mit einer seiner schwächeren Saisonleistungen, steigerte sich und hielt am Ende die drei (glücklichen) Punkte fest. Wirkte zu Beginn ähnlich schläfrig und leicht gebremst in seinen Aktionen wie der Rest des Teams.
 
Verteidigung
Wenn Likens auf dem Eis steht, hat man häufig das Gefühl, dass Wolfsburg mit vier Stürmern agiert. Nichts für schwache Nerven, wenn ein Verteidiger sich in Unterzahl zum Konter anbietet...
Kohl, obwohl zweimal bei Gegentreffern in Unterzahl auf dem Eis, mit einer starken Vorstellung. Sein Tor dabei ein Spiegelbild seiner geradlinigen und konzentrierten Spielweise.
Ansonsten keine Ausreißer nach unten zu beobachten.
 
Sturm
Aubin und Haskins bringen die Entschlossenheit und die Dominanz aufs Eis, die wir in den Playoffs von ALLEN Akteuren benötigen werden. Milley zum Glück weiter mit ansteigender Form, Rosa weiter etwas zu langsam, Abid weiter etwas zu ineffektiv. 
Furchi mit vielen, leider wenig gefährlichen, Abschlüssen, Fauser momentan einfach zu unsichtbar. Simon Danner und Chad Bassen (nicht berücksichtigt) liefern sich momentan dazu ein heißes Rennen um den Platz auf der Tribüne...
Insgesamt viel zu viele Nachlässigkeiten und Konzentrationsmängel, gegen Ende offenbar auch kräftemäßig am Limit – ich hoffe, das Team kommt in den kommenden Spielen wieder besser in Schwung und setzt den Trend der letzten Wochen nicht ungebremst fort. Mit einer Leistung wie in diesem Spiel gibt es in der DEL jedenfalls nicht viele Gegner, gegen die man mit drei Punkten vom Eis fahren kann. mb   

EHC - Krefeld Pinguine 3:2 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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Mit letzter Kraft voraus

Nach zuletzt immer kraftloser wirkenden Vorstellungen wollten die Grizzlies sich mit einem überzeugenden Auftritt und nach Möglichkeit natürlich einem Sieg gegen einen direkten Konkurrenten in die Länderspielpause verabschieden. Die dank des Kids-Foundation Familientag ausverkaufte Eisarena sollte dabei zusätzliche Motivation sein, wirkte zu Beginn offenbar aber eher etwas hemmend auf die Gastgeber.
Die Auftaktphase gehörte folglich dem KEV, der insgesamt kompakter und etwas durchsetzungsfähiger auftrat, sich dabei aber kein deutliches Chancenplus erarbeiten konnte.
Im Gegenteil: Die erste Großchance des Spiels gehörte den Grizzlies, die ihr erstes Powerplay (8.)  fast auch prompt zum Führungstreffer nutzten konnten. Norm Milley, der nach einer schönen Kombination das leere Tor vor sich hatte, legte den Puck jedoch an selbigem vorbei.
Der zweite Überzahlversuch des EHC blieb zwar zunächst ebenso erfolglos, doch Brocklehursts Führungstreffer (16.) konnte getrost dem nachklingenden Schwung des Wolfsburger Powerplays zugeschrieben werden. Was folgte war wieder eine dieser ärgerlichen Szenen, die das Eishockey hin und wieder mit sich bringt. Praktisch direkt vom Bully setzten die Gäste zum Gegenschlag an und konnten nach sage und schreibe 14 Sekunden einen abgefälschten Schuss zum 1:1 im Gehäuse der Grizzlies unterbringen. Der Jubel blieb der Kulisse förmlich im Hals stecken, die Erlösung des ersten Tores war umgehend verflogen.
Beinahe wäre den Hausherren in Unterzahl sogar noch die passende Antwort auf diesen Schock gelungen, doch Vincenz Mayer blieb bei seinem Break-away am Schoner des umkurvten Duba hängen. Unentschieden ging’s in die erste Unterbrechung.
Im Mitteldrittel nahm das Spiel endlich die vom Heimpublikum gewünschte Entwicklung. Die Grizzlies präsentierten sich nun deutlich druckvoller, erspielten sich gleich eine ganze Reihe von mehr oder weniger hochkarätigen Möglichkeiten und bekamen die Partie gut in den Griff.
Furchners Überzahltreffer zum 2:1 schien nach knapp 3 Minuten die Weichen auf Sieg zu stellen, doch alle weiteren Einschussgelegenheiten sollten ungenutzt bleiben. Allein Marco Rosa ließ dabei drei oder vier dieser Möglichkeiten liegen, seinen Teamkollegen Milley, Aubin und Mayer erging es gegen Krefelds Duba nicht besser. Für Spannung im Schlussabschnitt war folglich gesorgt…und die selbstbewusst auftretenden Pinguine sollten diesen Eindruck noch weiter verstärken!
Nach einem reichlich ungeschickten Foul von Wolfsburgs Rosa, nutzten die Gäste ihr zweites Überzahlspiel umgehend zum 2:2 Ausgleich (47.). Rasant und präzise herausgespielt brauchte Krefelds Courchaine nur noch einzulochen, die Grizzlies wirkten angeknockt.
Zur allgemeinen Erleichterung hielt der EHC den folgenden Angriffsbemühungen der Gäste stand, verteidigte den errungenen Punkt mehr als auf die zwei weiteren zu vergebenden zu drängen. Erneut drängte sich der Eindruck müder Grizzlies auf…
Doch in der folgenden Verlängerung hieß es mal wieder: Zeit für die Wolfsburger Eismaschine Furchner.
Der zweite Wechsel gehörte bereits dem Experten für Überstunden, der – wie schon gegen Nürnberg – ein Anspiel von Abid im zweiten Nachfassen zum viel umjubelten 3:2 über die Linie arbeiten konnte (62.).
Etwas glücklich, aber durchaus verdient durften die Grizzlies sich mit diesem wichtigen Sieg von ihren Fans in die (offenbar dringend benötigte) Länderspielpause verabschieden.


Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl präsentiert sich weiter in bestechender Form, wurde letztlich nur von seinem Gegenüber übertrumpft, der eine noch größere Anzahl an Großchancen zunichte machen konnte. Sollte sich nichts Gravierendes ereignen, gibt es momentan kaum Gründe den frisch verlängerten Schlussmann mit seinem Konkurrenten rotieren zu lassen. Die Play-offs stehen schließlich schon bald vor der Tür…

Verteidigung
Insgesamt sehr sattelfeste Leistung. Lediglich das 1:1 stößt hier ein wenig sauer auf…
Keine Ausreißer im positiven oder negativen Sinne. Nicht der schlechteste Eindruck, den eine Abwehr hinterlassen kann. Brocklehursts einziger Schuss aufs Tor saß – leider bleiben die Aktivitäten von der blauen Linie weiter der Schwachpunkt der Grizzlies.

Sturm
Die vierte Reihe um Pohl, Höhenleitner und Danner mit wenig Eiszeit, ob die dritte Reihe das erhöhte Zeitkontingent wirklich verdient hatte, lässt sich allerdings durchaus diskutieren. Polo und Fauser bestenfalls unauffällig, Mayer mit zwei bis drei sehenswerten, aber glücklosen Aktionen. Den gefährlichsten Eindruck hinterließen zwar Rosa, Aubin und Furchner, doch an Effektivität mangelte es auch dieser Formation. Furchners Tore fielen beide mit anderen Mitspielern (Powerplay, 4 gegen4), die guten Möglichkeiten der 1.Reihe vergeigten seine beiden Nebenleute. Wobei Marco Rosas Geschwindigkeitsdefizite immer deutlicher zu Tage treten: Der Wolfsburger Center will viel zu oft Spielsituationen im Vorwärts- und Rückwärtsgang ohne die nötige Laufarbeit lösen und bringt sich und seine Nebenleute damit durchaus auch mal in Schwierigkeiten. Seine Foul, dass zum 2:2 Ausgleich im folgenden Unterzahlspiel führte, stammte jedenfalls eindeutig aus der Kategorie „das kann ich auch ohne meine Beine lösen…“.
Haskins wie immer mit viel Biss und als kämpferisches Vorbild unterwegs, Milley weiter verbessert, aber glücklos vor dem gegnerischen Tor. Abid weiter eher unauffällig, aber mit gutem Auge für seine Mitspieler. Warum der als Überzahlspieler angepriesene Neuzugang kaum im Slot zu finden ist und auch ansonsten nicht unbedingt das Körperspiel sucht, bleibt ein Rätsel. mb

EHC - Mannheimer Adler 3:5

  • Geschrieben von Martin
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Kollektive Kontaktallergie
 
Die schlappen Leistungen der Grizzlies gehen weiter. Während im letzten Heimspiel noch das Kunststück eines Sieges mit minimalem Körpereinsatz gelang, fand das Aufeinandertreffen mit Mannheim den angemessenen Ausgang. Wie schon in Straubing zu beobachten, gingen die Hausherren dabei streckenweise völlig ohne Zug und Disziplin zu Werke. 
Die Anfangsminuten gehörten dementsprechend den Adlern, die in Person von Kai Hospelt gleich einmal das Metall zum klingen brachten. Doch zunächst sollten die Stellungsfehler und Schlafmützigkeiten in der EHC-Defensive nicht bestraft werden. Zehn Minuten lang hielt vor allem Dshunussow mit einer ganzen Reihe von guten Reflexen sein Team im Spiel, bevor die Grizzlies endlich den zweiten und dritten Gang zu finden schienen.
Vor allem zwei Strafzeiten der Adler brachten den Gastgeber dann endgültig in die Partie, wobei auch in aussichtsreichsten Situationen stets die letzte Konsequenz im Slot bei den Grizzlies fehlte. Entgegen den Vorankündigungen entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den in der 20.Minute dann – wiederum durch Hospelt - der Gast schließlich zum 0:1 für sich nutzen konnte. Vorausgegangen war dem Treffer eine ganze Reihe an Pannen im Wolfsburger Defensivverhalten. Palin und Wurm konnten letztlich auch zu zweit Arendt nicht an der Bande stellen und den Querpass verhindern, Milley beobachtete im eigenen Slot stehend den heranrauschenden Hospelt interessiert und Pohl kam nicht rechtzeitig zurück ins eigene Drittel, um nach dem Fehlpass im Angriffsdrittel noch helfend einzugreifen. Leicht gefrustet und mit dem 0:1 noch recht gut bedient ging es für die Männer in orange in die ersten Pause.
Es folgte die vorerst stärkste Phase der Grizzlies. Unterstützt von zwei (eher fragwürdigen) Strafzeiten gegen die Gäste setzten sich die Hausherren verstärkt im Drittel der Adler fest,. Fehlte den Versuchen in Überzahl meist doch etwas die Konsequenz und, z.B. bei Furchners Pfostentreffer, auch das Glück, so gelang es schließlich Kapitän Haskins die Hartgummischeibe über die Linie zu arbeiten. Im dritten Nachschuss war der mühsam erarbeitete Ausgleich vollbracht (28.), nur um zwei Minuten später in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Per Doppelschlag gingen die Adler erneut in Führung, ließen Wolfsburg bei beiden Gegentoren nicht allzu gut aussehen. Erst verarbeitete Höfflin eine 2 auf 1 Situation erfolgreich, 21 Sekunden später fälschte Kink einen Distanzschuss unhaltbar durchs Gewühl ins Tor der Grizzlies ab. Enttäuschung machte sich im weiten Rund breit…
Als in der Schlussminute des Mitteldrittels auch noch Gamache zum 1:4 einnetzen konnte, zweifelten wohl auch die letzen Optimisten unter den rund 2400 Fans an einer Wende in den letzten 20 Minuten. Wieder hatten sich die Grizzlies auskontern lassen, wieder agierte das Team von Pavel Gross viel zu offensiv, ohne die nötige Absicherung gegen das gefährliche Konterspiel der Adler.
Wurms Schlagschuss zum 2:4 in der 41.Minute hauchte den zarten Hoffungen der Heimfans zunächst wieder ein wenig Leben ein, doch es ging wie gehabt weiter. Wiederum zwei Minuten später folgte auch prompt die Antwort der Gäste in Form eines über die Linie gestocherten Tors durch Ronny Arendt.
Palins in der Manier eines Stürmers abgefälschtes 3:5 brachte zwar erneut ein wenig Stimmung in die Bude (46.), doch es sollte der Schlusspunkt unter dieser insgesamt enttäuschenden Partie sein. Alle Bemühungen der Gastgeber blieben fruchtlos, einschließlich  eines weiteren Überzahlspiels und den daraus resultierenden, durchaus vorzeigbaren, Chancen zum 4:5. Als Ramzi Abid beim Versuch an den Puck zu kommen einem Adler den Stock zwischen die Beine steckte, war der Drops vier Minuten vor der Schlusssirene bereits gelutscht. Das hielt die streckenweise unterirdisch agierenden Linienrichter (Stichwörter: 6-Spieler, Abseits und Icing) nicht davon ab, doch noch einen Lacher in dieser letztlich ärgerlichen Partie zu platzieren. Bei Wolfsburger Unterzahl entschieden die Verantwortlichen auf Icing (!), Palins Protest brachte ihm 10 Minuten Disziplinarstrafe und dem EHC ein Anspiel im Mittelkreis. Zumindest hatte das HSR-Duo den Fehler bemerkt…
 
 
Teamcheck
 
Tor
Dshuni nimmt die bescheidenen Spiele mit. Echt ärgerlich für den Wolfsburger Goalie, der so natürlich nur bedingt glänzen konnte. Der erste Spielabschnitt sollte trotzdem gereicht haben, um zu zeigen, dass es am Wolfsburger Schlussmann keinesfalls gelegen hat. 
 
Verteidigung
Nach seinem Stellungsfehler zum Auftakt, blieb Robbie Bina als einziger in diesem Mannschaftsteil ohne Fehl und Tadel.
Alle anderen mit teils gruseligen Stellungsfehlern, viel zu wenig Zweikampfhärte und im Einzelfall schon an Lächerlichkeit grenzenden Abwehrversuchen. So gesehen beim 1:4, als Kohl im Kniefall an Gamache vorbeirutschte und artig mit dem Stock über das Eis winkte.
Likens no-look-Aktionen blieben diesmal ohne Folgen, dafür wurde beim Duo Palin-Wurm mit zwei Gegentoren so ziemlich jede Unzulänglichkeit sofort bestraft. Was den Trainer seit kurzem wieder zu dieser Zusammenstellung bewogen hat…ich weiß es nicht. Der Katastrophenauftritt des Duos Brocklehurst-Kohl überraschte hingegen.
Keller wirkte bei seinen sporadischen Einsätzen auf jeden Fall nicht schlechter, als unsere gut bezahlten Routiniers. 
 
Sturm 
Hier liegt das Hauptproblem. Trotz der individuellen Aussetzer und Stellungsfehler in der Defensive ist es in erster Linie die Offensive, die durch ihr körperloses und taktisch undiszipliniertes Spiel ihre defensiven Kollegen mächtig reinritten. Neben Kapitän Haskins will mir spontan kein Spieler einfallen, der sich im gesamten Spiel in irgendeiner Form positiv hervorgetan hätte. Bei Spielern wie Rosa, Abid oder dem komplett indisponiert Norm Milley war das Gezeigte schon äußerst ärgerlich, wenn nicht sogar frech. Besonders irritiert es mich, wenn z.B. ein Abid, der für seine eher ruppige und körperbetonte Gangart bekannt ist, bei uns lupenreines Pussyhockey im Bereich Fremdschweißphobie anbietet.
Vielleicht sind die aktuellen Verlautbarungen bezüglich Neuverpflichtungen des EHC im Bereich Sturm nicht ganz spurlos an diesem Mannschaftsteil vorbeigegangen. Empfehlungsschreiben für eine Vertragsverlängerung sind in diesem Spiel allerdings keine bei den Grizzlies eingegangen…
Bleibt zu hoffen, dass es eher eine Kraft- vielleicht auch Gesundheitsfrage ist, die den Grizzlies momentan so zu schaffen macht. mb 

EHC - T.Sabo Ice Tigers 5:4 n.V.

  • Geschrieben von Martin
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So weit die Kufen tragen
 
Nach der deutlich vom Kräfteverschleiß gezeichneten Vorstellung in Straubing erwartete man in Wolfsburg nun mit Spannung das erneute Aufeinandertreffen mit dem Tabellennachbarn aus Nürnberg. Beim letzten Gastspiel in der Lebkuchenstadt waren den Grizzlies durch ein offenbar erst nach der Sirene erzieltes Gegentor sämtliche Punkte geraubt worden, so dass die Anspannung vor diesem Duell wohl entsprechend hoch war. 
Zur allgemeinen Erleichterung machten die Hausherren zumindest in den Anfangsminuten einen frischeren Eindruck als noch zuletzt und setzten die Gäste gleich einmal kräftig unter Druck. Nur mit viel Mühe und einer ordentlichen Portion Glück blieb Nürnberg in diesen ersten Minuten ohne Gegentreffer und profitierte schließlich sogar von einem Wolfsburger Missgeschick. Simon Danner war der Unglücksrabe, der Ehliz’ Pass vors Grizzlytor unhaltbar in die eigenen Maschen lenkte (4.). Prompt waren die Ice Tigers im Spiel, die Frische wich vorübergehend aus den müden Beinen der Wolfsburger. Nach einigen Minuten hatten sich die Grizzlies allerdings wieder berappelt und bauten den Anfangsdruck erneut auf, um – man höre und staune – mit zwei Treffern in Überzahl durch Fauser (9.) und Haskins (18.) selber in Führung zu gehen. Dabei hatte der beim 0.1 noch so glückliche Ehliz mit einer doppelten Strafzeit nicht unwesentlich mitgeholfen – Fortuna hatte sich endlich ein wenig in Richtung Wolfsburg bewegt!
Was folgte erinnerte dann aber doch über weite Strecken der Begegnung in Straubing: Wolfsburg zeigte sich in den nächsten beiden Dritteln enorm konteranfällig, gewann immer weniger Zweikämpfe in der Angriffzone und konnte von Glück sagen, dass am Ende des Schlussabschnitts noch ein 4:4 auf der Anzeigentafel zu sehen war. Im Mittelabschnitt hatte der wieder einmal über Höhenleitner eingeleitete Konter bei eigener Unterzahl in Aubin einen fähigen Abnehmer zum 2:3 gefunden und damit zumindest noch ein Highlight aus Grizzlysicht setzen können (35.). Doch schon 22 Sekunden später schlug die Scheibe, gekonnt oder eher glücklich abgefälscht hinter Dshunussow ein, der somit schon das zweite seltsame Gegentor schlucken musste. Regiers zwischenzeitlicher Ausgleich zum 2:2, nur eine Minute vor diesem „Doppelschlag“, war hingegen endlich einmal eher klassisch nach einem verlorenen Zweikampf an der Bande entstanden.
Doch es kam noch schlimmer für die Grizzlies: Eine der vielen Nachlässigkeiten im Backchecking und in der Passgenauigkeit rächte sich schließlich, wenn auch reichlich spät, in der 50.Minute. Steven Reinprecht ließ Wolfsburgs Dshunussow bei seinem Alleingang sehenswert aussteigen und vollstreckte per Rückhandheber in den Winkel zum 3:4.
Nicht weniger spektakulär brachte der Kapitän der Grizzlies sein Team mit einem rasanten Antritt über Linksaußen zurück ins Spiel. Sein angedeuteter Schuss ließ Gästekeeper Weiman reichlich lustig als eine Art Standbild auf dem Eis erstarren, der folgende Schlenker um ihn herum ermöglichte dann den mehr oder minder entspannten Abschluss zum 4:4 (53.). Der Bruch im Spiel der Nürnberger folgte umgehend. Plötzlich wirkten die Gäste alles andere als läuferisch ausgeruht, auf einmal passte im Zweikampfverhalten auch bei den Ice Tigers nicht mehr alles.
Bis zur anschließenden Verlängerung blieben die Gastgeber das bestimmende Team, konnte aber keinen weiteren Treffer markieren.
Die Verlängerung hingegen sollte nur gut eine Minute alt werden, da hatten mit Christoph Höhenleitner und Sebastian Furchner zwei der augenscheinlich Fittesten auf dem Eis ihren großen Auftritt. Höhenleitner besorgt den Puckvortrag, Furchner umkurvt das gegnerische Gehäuse, verzögert zweimal um einen besseren Winkel herzustellen…und trifft zum alles entscheidenden 5:4 in den langen Winkel.
Der Jubel der Grizzlies fiel schon fast in Play-off-artigen Dimensionen aus, so umkämpft war dieses Spiel am Ende gewesen, so hoch die Anspannung der Akteure. Und vermutlich auch so groß der überwundene eigene Schweinehund…  
 
 
Teamcheck
 
Tor
Dshuni mit einer äußerst undankbaren Partie. Beide augenscheinlich einfache Gegentore waren absolut unhaltbar. Einmal vom abbremsenden eigenen Spieler und einmal per genial, glücklichem Abfälscher bezwungen zeigte Wolfsburgs Schlussmann vor allem im 1 gegen 1 und bei verdeckten Schüssen einmal mehr sein Können. Lediglich bei Reinprechts Alleingang ließ er sich von einem der besten Spieler der Liga austanzen. Insgesamt gute Leistung.
 
Verteidigung 
Chefchaot Jeff Likens „verzaubert“ mal wieder die Massen. Genial sein Verlegenheitspass über die eigene Torlinie…hinterm Goalie. Wenn Likens einen neuen Kontrakt in Wolfsburg bekommen sollte, gebe ich das Berichtswesen freiwillig auf. Dann sehe ich irgendwas einfach nicht. Klarer Kandidat fürs Zuschauen in der Form dieser Begegnung – vielleicht mal als Stürmer ausprobieren….
Bina an seiner Seite ebenfalls mit einer seiner schlechteren Vorstellungen, Brocklehurst leidet mit am offenkundigsten am momentanen Substanzverlust lässt sich vorm 2:2 an der Bande viel zu leicht abkochen. Kohl solide.
Wurm und Palin bildeten diesmal nicht nur auf dem Papier das Verteidigerpaar Nr.1. 
 
Sturm
Haskins, Furchner und Höhenleitner mit dem gewohnten Energielevel. Der Rest, auch Torschütze Aubin und der zuletzt so starke Marco Rosa, deutlich bemüht aber irgendwie kraftlos und häufig den entscheidenden Tick zu langsam oder nicht durchsetzungsfähig genug.
Völlig neben der Kappe präsentierte sich Chad Bassen, dem so gut wie nichts gelang, weder Puckbehauptung noch Abspiel, geschweige denn Abschluss. 
 
Man darf sich freuen, dass nun endlich wieder ein normaler Spielrhythmus und bald auch ein wenig Regeneration für das Team angesagt sind. Die vergangenen Wochen haben eben nicht nur so manchen Punkt auf das Konto des EHC gebracht… gerade das laufintensive Spiel der Grizzlies lässt sie solche Phasen besonders stark spüren. mb

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