header
Log in
A+ A A-

EHC - Krefeld Pinguine 4:3

Erst die Gastgeschenke, dann die Bescherung

In den neuen roten Weihnachtstrikots hatten die Gastgeber offenbar Probleme die eigenen Mitspieler als solche zu identifizieren. Anders konnte man den trägen, fast desorientierten Auftritt der Grizzlies im ersten Spielabschnitt beim besten Willen nicht erklären. Krefeld dominierte folglich die ersten zwanzig Minuten nach Belieben und so rein gar nichts deutete auf eine Fortsetzung der EHC-Siegesserie hin. Geistesgegenwärtig und mit perfekt wirkenden Laufwegen erzwang der Gast bereits in der 3. Spielminute Piettas Überzahltreffer zum frühen 0:1. Fans und Mannschaft der Hausherren schienen mit den Gedanken noch gar nicht in der Arena angekommen und so entwickelte sich in seltsam gedämpfter Atmosphäre ein einziger Krefelder Sturmlauf. Einzig Goalie Dshunussow schien den Winterschlaf seiner Mannschaftskameraden nicht mit angetreten zu haben und sorgte mit zahlreichen Glanzparaden als einziger beim heimischen Anhang für eher erfreuliche Momente.
Wenige Sekunden vor dem ersten Pausenpfiff – längst von allen Anwesenden in orange herbeigesehnt – war aber auch Wolfsburgs Torhüter machtlos, als Kevin Clark per Steilpass dem gesamten Grizzlyteam zum 0:2 davongeeilt war. Besonders ärgerlich: Wolfsburgs Jeff Likens hatte den Schläger bereits auf dem Eis und den Pass somit unterbunden…doch der Puck sprang im letzten Moment über eine Unebenheit vor der Kelle des Verteidigers in die Höhe und über selbige. Genervt ging es für die Grizzlies in die Kabinen.
Wie schon im letzten Heimspiel gesehen, kam zum Mittelabschnitt ein wie verwandelt wirkendes Heimteam aus der Unterbrechung. Endlich begaben sich die Grizzlies in Sachen Geschwindigkeit und Zweikampfintensität mit den Pinguinen auf Augenhöhe!
Norm Milley Abstauber nach Bandenabpraller im Powerplay (25.) und Furchners verwertete Reboundchance (36.) zum  2:2 Ausgleich sollten umgehend als Lohn dieser Bemühungen sichtbar werden. In der Gesamtschau blieb dieser Spielstand, besonders da die Gäste weiter vor allem über Konter brandgefährlich blieben, mehr als schmeichelhaft und letztlich ein Verdienst des überragend auftrumpfenden Dshunussow im Tor der Grizzlies. Allein seine Rettungstaten nach den immer wieder auftretenden Unachtsamkeiten seiner Vorderleute in der Rückwärtsbewegung hatten diesen Spielstand nach vierzig gespielten Minuten ermöglicht.
Das Schlussdrittel präsentierte sich vor allem von zwei Dingen geprägt: Einer wahren Strafzeitenflut gegen die Gäste aus der Seidenstadt und dem, teilweise daraus resultierenden, offenkundigen Kraftverlust der Pinguine, die den Grizzlies nun mehr und mehr Spielanteile überlassen mussten.
Kohls Blueliner zum 3:2 schien bereits in der 44. Minute die Vorentscheidung zu bringen, so angeschlagen wirkten die Gäste in dieser Phase der Begegnung. Doch allen Unterzahlspielen zum Trotz blitzte die Gefährlichkeit der Pinguine immer wieder auf: Piettas Lattenknaller folgte schließlich, zu diesem Zeitpunkt recht überraschend, das 3:3 durch Kevin Clark (52.).
Mit etwas Glück und sehr viel mehr Überzahl gelang den Grizzlies dann schließlich doch noch der volle Dreier zum Sturm auf Platz 5. Brett Palin entwickelt sich dabei immer mehr zum Goalgetter in Überzahl, so dass es dem Wolfsburger Neuzugang vorbehalten war, wieder einmal per Schlenzer, das alles entscheidende 4:3 zu markieren – in doppelter Überzahl, wohlgemerkt.
Entsprechend ausgelassen und vor allem erleichtert fielen dann auch die Siegesfeierlichkeiten aus – selten hatte man so viel Fortune für einen Heimsieg in Anspruch nehmen müssen!


Teamcheck

Tor
Dshuni wächst momentan sogar über seine ohnehin schon bestechende Form hinaus und hält die Punkte fast im Alleingang in der Eisarena!
Der Wettkampf mit dem bisher ebenfalls vollständig überzeugenden Sebastian Vogl trägt offenbar hervorragende Früchte. In dieser Verfassung führt erst einmal kein Weg an der Wolfsburger Nr.30 vorbei…

Verteidigung
Über die gesamte Begegnung stellte das Defensivverhalten der Grizzlies keinen Quell der Freude für ihre Anhänger dar. Mit Kohl und Bina ließen sich vorneweg sogar die zwei zuverlässigsten Akteure in diesem Mannschaftsteil vom allgemeinen Chaos in der Rückwärtsbewegung anstecken. Jeff Likens’ unglückliche Aktion vor dem 0:2 hingegen hatte nichts mit einem individuellen Fehler zu tun und war vor allem eins: Pech!
Insgesamt ein Spiel für die Videoanalyse und nicht zur Nachahmung empfohlen.
Es gibt Tage, da kassiert man mit so einer Leistung 7 oder 8 Tore!

Sturm
Zu Beginn sah das Backchecking äußerst träge und wenig hilfreich aus – wie der gesamte Auftritt der Grizzlies. Ab dem zweiten Drittel durfte man sich über guten Zug zum Tor und akzeptabler Arbeit im Slot freuen, die prompt belohnt wurden. Ob Pohl wegen einer Verletzung oder seiner gewohnt entspannten Leistung ab dem Mitteldrittel nicht mal mehr auf der Bank saß, werden wohl die Presseberichte der kommenden Tage klären müssen.
Ansonsten machte sich das Rückstellen auf die Reihenzusammensetzung der letzten Spiele ab besagtem Mitteldrittel positiv bemerkbar, Furchner zeigte sich in der vierten Reihe effektiver als in seiner gewohnten Rolle in der 1. Formation.
Insgesamt blieben die Grizzlies bei 5 gegen 5 hinter ihren Möglichkeiten zurück und vor allem Norm Milley, trotz seines Tores, wirkte streckenweise wie unsichtbar.
Ob man das Überzahlspiel wirklich als deutlich verbessert ansehen möchte, ist wohl Geschmackssache. Wirklich souverän und von blindem Verständnis geprägt sieht, meiner Meinung nach, anders aus.
Fassen wir zusammen: Ein Spiel das der Nachbereitung bedarf, wenn man gegen die Großen in dieser Liga eine Chance haben will. mb