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EHC - Augsburger Panther 3:5

Individuelle Fehler und eiskalte Panther
 
Vor einer mit 3000 Zuschauern gut gefüllten Kulisse wollten die Grizzlies das alte Jahr mit dem zweiten Heimsieg in Folge ausklingen lassen. Leider machte das Spiel der Hausherren in den ersten 20 Minuten der Begegnung genau diesen Eindruck: Ein etwas langsameres, besinnlicheres Ausklingenlassen. Gepaart mit einer Vielzahl unnötiger Fehler spielte dies den Gästen aus Augsburg bestens in die Karten, die bereits in München eher durch Defensivleistung und Effizienz, denn durch Spielkultur geglänzt hatten.
Wie ein Vorbote auf Kommendes wirkte da im Nachhinein betrachtet Wurms Scheibenverlust in der 1.Minute, der den Panthern bereits die erste hochkarätige Chance eröffnete und nur per Foul unterbunden werden konnte.
Zwar gelang es den Grizzlies die folgenden Minuten durchaus überlegen und schwungvoll zu gestalten, vor dem Tor der Gäste bissen sie sich jedoch am guten Stellungsspiel der Augsburger durchgängig die Zähne aus.
Zur Mitte des ersten Drittels wandelte das Spiel dann endgültig sein Gesicht. Die Gäste aus der Fuggerstadt realisierten offenbar die Fehleranfälligkeit des EHCs und erhöhten den Druck auf den puckführenden Spieler noch einmal deutlich. Statt der vorangegangenen Kontergelegenheiten, eröffneten sich den Panthern nun Torchancen aus einer immer deutlicher werdenden Überlegenheit in den Spielminuten 10-20. 
Eine dieser Drucksituationen auf das Wolfsburger Tor nutzte schließlich Sebastian Uvira zum 0:1 in der 14.Spielminute. Der Augsburger Stürmer war von außen in den hohen Slot gezogen, Likens Störungsversuch gelang eher mittelmäßig,  der – zugegebenermaßen eher lasche – Abschluss schlitterte dann recht gemächlich durch den Verkehr und schließlich auch durch die Schoner von Dshunussow. 
Nicht minder ärgerlich dann der zweite Augsburger Treffer durch Forrest, zwei Minuten nach der eben geschilderten Szene. Den strammen Schuss des Augsburger Verteidigers konnte Wolfsburgs Goalie nur mit dem Handschuhrand erwischen, die folgende Bogenlampe landete passgenau auf der Linie des Grizzlygehäuses und kullerte anschließend in selbiges.
Reichlich genervt ging es für Grizzlies und Anhang mit diesem doch eher unglücklichen, wenn auch nicht gänzlich unverdienten, Rückstand in die erste Unterbrechung.
Wer jetzt den mittlerweile fast gewohnten Raketenauftritt der Grizzlies zum zweiten Drittel erwartete, wurde zwar nicht gänzlich enttäuscht, doch das Tor schoss erst einmal wieder der Gast.
Bei eigener Überzahl ließ sich der komplett indisponierte Jeff Likens vom Forechecking der Gäste überrumpeln, den folgenden Puckverlust im eigenen Drittel münzten Ex-Grizzly Grygiel und Conolly zum 0:3 um (23.). Die Partie schien ihren, aus Grizzlysicht, sehr unglücklichen und seltsamen Verlauf fortzusetzen.
Die Reaktion der Hausherren bestand in einem 16 Minuten währenden Sturmlauf auf das Augsburger Gehäuse, der neben einem Latten- und einem Pfostentreffer zunächst nur ein mickriges Tor als Ergebnis vorzuweisen hatte. Bezeichnenderweise war es ein Alleingang von Norm Milley, der den ersten Treffer der Grizzlies gebracht hatte (35.), während alle Kombinationsversuche des EHC fruchtlos geblieben waren. Viel Spaß hatte die Kulisse am Tor ihres Teams allerdings nicht, denn schon drei Minuten später stellte Augsburg per 2 auf 1 Konter den alten Abstand wieder her. Sebastian Uvira gelang mit einem platzierten Schuss in den Winkel der Torwartecke das, gefühlt vorentscheidende, 1:4, bei dem Wolfsburgs Goalie zum wiederholten Male, ebenso wie seine Verteidigerkollegen nach dem Puckverlust im Drittel der Gäste, nicht allzu gut aussah. 
Dass der Abend für die Gastgeber mit diesem Treffer nicht komplett gelaufen war, verdankten sie dem 2:4 in der Schlussminute des Mittelabschnitts. Einen schön zum Abfälschen getimten Schuss von Brett Palin hatte Simon Danner zu seinem dritten Saisontor in die Maschen lenken können. Der EHC lebte also noch…
…und stellte diese mit dem Auftakt ins Schlussdrittel auch prompt unter Beweis.
Nach etwas mehr als einer gespielten Minute bewies mit Christoph Höhenleitner der nächste Akteur der Grizzlies Auge für die Situation vor dem Augsburger Gehäuse. Seinen Schuss in die Lücke fälschte Kollege Brocklehurst unhaltbar zum 3:4 Anschlusstreffer ab, so dass Augsburgs stark agierende Defensivabteilung zum zweiten Mal in kürzester Zeit nicht entscheidend eingreifen konnte. 
Fans und Mannschaft der Grizzlies gaben in den folgenden 19 Minuten noch einmal wirklich alles, um dem Spiel den gewünschten Sieger zu geben. Doch die Angriffswellen der Hausherren brandeten nur mäßig gefährlich an das Abwehrbollwerk der Panther, die den Vorsprung mit viel Disziplin und Geschick über die Runden brachten.
Der Treffer ins leere Tore zum 3:5 (60.) stellte da nur noch den Schlusspunkt unter einen irgendwie verkorksten Spielverlauf dar, der mit den beiden haarsträubenden Gegentoren im Mitteldrittel seinen Höhepunkt erreicht hatte. Was sich schon gegen Schwenningen und München abgezeichnet hatte, nämlich die mangelnde Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Tor, sollte sich am Ende auch gegen die Gäste aus Augsburg rächen.
Unbeeindruckt vom Verlauf des Abends feierten Teile der Fans der Grizzlies ihr Team noch bis weit nach Ende der Begegnung. Dass sich dann aber zunächst einmal die Gäste auf dem Eis des EHC von ihrem Anhang feiern ließen, bevor sich einige Spieler der Heimmannschaft noch einmal ihren Fans zeigten, darf durchaus als verpasste Chance gewertet werden. Wenn man sich über mangelnden Zuschauerzuspruch beschwert, müssen solche Gelegenheiten – bei aller Enttäuschung über das Ergebnis – anders genutzt werden! 
 
Teamcheck
 
Tor
Dshuni mit einem rabenschwarzen Tag. Die Treffer eins und zwei gehen glasklar auf seine Kappe (Beine nicht zusammen, Fanghandschuh nicht rechtzeitig oben). Ungerechtfertigtes Reklamieren nach fast jedem Gegentreffer machte den Gesamteindruck eher schlimmer…
Der Schuss zum vierten Tor für die Gäste war sicherlich sehr platziert, kann an guten Tagen vielleicht aber auch gehalten werden. An guten Tagen halt…
Mund abwischen – weitermachen!
 
Verteidigung
Jeff Likens mit einer lange nicht gesehenen „Robby-Sandrock-Gedächtnis“ Vorstellung.
Ineffektives Stören beim 0:1, haarsträubender Puckverlust beim 0:3, kopfloses Entgegenrennen anstatt Rückwärtsgang beim K.O. zum 1:4. Vielmehr Unfug kann man in einem Spiel nicht anstellen. Fehlte eigentlich nur noch ne doofe Spieldauer. Insgesamt eines Kontingentverteidigers komplett unwürdig.
Leider versuchte es ihm, zumindest im ersten Drittel, mit Brett Palin einer seiner Teamkollegen gleichzutun. Palins Träumereien verursachten zwar keine Gegentore, doch das war letztlich reines Glück. Zur Mitte des Spiels fing sich der Wolfsburger Abwehrhüne allerdings, der in seiner gedanklichen „Schnelligkeit“ immer wieder an Robbie Bina in seiner ersten EHC-Saison erinnert. Wirkte im Vergleich zu Likens trotzdem wesentlich verantwortungsbewusster im Stellungsspiel und hatte beim 2:4 auch vorm gegnerischen  Tor einen lichten Moment.
Die restlichen Verteidiger hatten zwar nicht ihren besten Tag, spielten aber solide genug, um diesem Spiel eine andere Richtung zu geben. Positiv hervorzuheben bleibt Brocklehursts aufkommende Schussfreude, die leider weiterhin nicht von übermäßigem Erfolg gekrönt ist.
Insgesamt wirkt die Verteidigung natürlich nie besonders überzeugend, wenn das gesamte Team fast ein ganzes Drittel braucht, um die richtige Einstellung zum Spiel zu finden.
 
Sturm
Die Reihe um Center Fauser funktioniert nicht im Geringsten. Abid wirkt dort auf der Außenstürmerposition völlig verschenkt, vielleicht mal als Center testen?
Rosa, Höhenleitner und Aubin mit solidem Auftritt. Wenn Aubin einfach nur öfter mal das Tor treffen würde…bzw. weniger Pech mit dem Gestänge hätte.
Die dritte Reihe defensiv etwas zu anfällig, Pohl mit einer seiner besseren Leistungen, Danner steigert sich mittlerweile von Spiel zu Spiel – das bleibt spannend!
Fazit: Ohne wirklich als solche zu erkennende erste Reihe, inklusive Torjäger, wird es ganz schwer sich in der oberen Tabellenhälfte zu halten. Vor allem Kapitän Haskins fehlt dem Team mit seiner Qualität deutlich sichtbar, aber auch die Arbeitsbienen Polaczek und Bassen werden im laufintensiven Spiel der Grizzlies schmerzlich vermisst. Bleibt die Hoffnung auf schnelle Rückkehr des einen oder anderen Akteurs. mb