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EHC - Mannheimer Adler 3:5

Kollektive Kontaktallergie
 
Die schlappen Leistungen der Grizzlies gehen weiter. Während im letzten Heimspiel noch das Kunststück eines Sieges mit minimalem Körpereinsatz gelang, fand das Aufeinandertreffen mit Mannheim den angemessenen Ausgang. Wie schon in Straubing zu beobachten, gingen die Hausherren dabei streckenweise völlig ohne Zug und Disziplin zu Werke. 
Die Anfangsminuten gehörten dementsprechend den Adlern, die in Person von Kai Hospelt gleich einmal das Metall zum klingen brachten. Doch zunächst sollten die Stellungsfehler und Schlafmützigkeiten in der EHC-Defensive nicht bestraft werden. Zehn Minuten lang hielt vor allem Dshunussow mit einer ganzen Reihe von guten Reflexen sein Team im Spiel, bevor die Grizzlies endlich den zweiten und dritten Gang zu finden schienen.
Vor allem zwei Strafzeiten der Adler brachten den Gastgeber dann endgültig in die Partie, wobei auch in aussichtsreichsten Situationen stets die letzte Konsequenz im Slot bei den Grizzlies fehlte. Entgegen den Vorankündigungen entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, den in der 20.Minute dann – wiederum durch Hospelt - der Gast schließlich zum 0:1 für sich nutzen konnte. Vorausgegangen war dem Treffer eine ganze Reihe an Pannen im Wolfsburger Defensivverhalten. Palin und Wurm konnten letztlich auch zu zweit Arendt nicht an der Bande stellen und den Querpass verhindern, Milley beobachtete im eigenen Slot stehend den heranrauschenden Hospelt interessiert und Pohl kam nicht rechtzeitig zurück ins eigene Drittel, um nach dem Fehlpass im Angriffsdrittel noch helfend einzugreifen. Leicht gefrustet und mit dem 0:1 noch recht gut bedient ging es für die Männer in orange in die ersten Pause.
Es folgte die vorerst stärkste Phase der Grizzlies. Unterstützt von zwei (eher fragwürdigen) Strafzeiten gegen die Gäste setzten sich die Hausherren verstärkt im Drittel der Adler fest,. Fehlte den Versuchen in Überzahl meist doch etwas die Konsequenz und, z.B. bei Furchners Pfostentreffer, auch das Glück, so gelang es schließlich Kapitän Haskins die Hartgummischeibe über die Linie zu arbeiten. Im dritten Nachschuss war der mühsam erarbeitete Ausgleich vollbracht (28.), nur um zwei Minuten später in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Per Doppelschlag gingen die Adler erneut in Führung, ließen Wolfsburg bei beiden Gegentoren nicht allzu gut aussehen. Erst verarbeitete Höfflin eine 2 auf 1 Situation erfolgreich, 21 Sekunden später fälschte Kink einen Distanzschuss unhaltbar durchs Gewühl ins Tor der Grizzlies ab. Enttäuschung machte sich im weiten Rund breit…
Als in der Schlussminute des Mitteldrittels auch noch Gamache zum 1:4 einnetzen konnte, zweifelten wohl auch die letzen Optimisten unter den rund 2400 Fans an einer Wende in den letzten 20 Minuten. Wieder hatten sich die Grizzlies auskontern lassen, wieder agierte das Team von Pavel Gross viel zu offensiv, ohne die nötige Absicherung gegen das gefährliche Konterspiel der Adler.
Wurms Schlagschuss zum 2:4 in der 41.Minute hauchte den zarten Hoffungen der Heimfans zunächst wieder ein wenig Leben ein, doch es ging wie gehabt weiter. Wiederum zwei Minuten später folgte auch prompt die Antwort der Gäste in Form eines über die Linie gestocherten Tors durch Ronny Arendt.
Palins in der Manier eines Stürmers abgefälschtes 3:5 brachte zwar erneut ein wenig Stimmung in die Bude (46.), doch es sollte der Schlusspunkt unter dieser insgesamt enttäuschenden Partie sein. Alle Bemühungen der Gastgeber blieben fruchtlos, einschließlich  eines weiteren Überzahlspiels und den daraus resultierenden, durchaus vorzeigbaren, Chancen zum 4:5. Als Ramzi Abid beim Versuch an den Puck zu kommen einem Adler den Stock zwischen die Beine steckte, war der Drops vier Minuten vor der Schlusssirene bereits gelutscht. Das hielt die streckenweise unterirdisch agierenden Linienrichter (Stichwörter: 6-Spieler, Abseits und Icing) nicht davon ab, doch noch einen Lacher in dieser letztlich ärgerlichen Partie zu platzieren. Bei Wolfsburger Unterzahl entschieden die Verantwortlichen auf Icing (!), Palins Protest brachte ihm 10 Minuten Disziplinarstrafe und dem EHC ein Anspiel im Mittelkreis. Zumindest hatte das HSR-Duo den Fehler bemerkt…
 
 
Teamcheck
 
Tor
Dshuni nimmt die bescheidenen Spiele mit. Echt ärgerlich für den Wolfsburger Goalie, der so natürlich nur bedingt glänzen konnte. Der erste Spielabschnitt sollte trotzdem gereicht haben, um zu zeigen, dass es am Wolfsburger Schlussmann keinesfalls gelegen hat. 
 
Verteidigung
Nach seinem Stellungsfehler zum Auftakt, blieb Robbie Bina als einziger in diesem Mannschaftsteil ohne Fehl und Tadel.
Alle anderen mit teils gruseligen Stellungsfehlern, viel zu wenig Zweikampfhärte und im Einzelfall schon an Lächerlichkeit grenzenden Abwehrversuchen. So gesehen beim 1:4, als Kohl im Kniefall an Gamache vorbeirutschte und artig mit dem Stock über das Eis winkte.
Likens no-look-Aktionen blieben diesmal ohne Folgen, dafür wurde beim Duo Palin-Wurm mit zwei Gegentoren so ziemlich jede Unzulänglichkeit sofort bestraft. Was den Trainer seit kurzem wieder zu dieser Zusammenstellung bewogen hat…ich weiß es nicht. Der Katastrophenauftritt des Duos Brocklehurst-Kohl überraschte hingegen.
Keller wirkte bei seinen sporadischen Einsätzen auf jeden Fall nicht schlechter, als unsere gut bezahlten Routiniers. 
 
Sturm 
Hier liegt das Hauptproblem. Trotz der individuellen Aussetzer und Stellungsfehler in der Defensive ist es in erster Linie die Offensive, die durch ihr körperloses und taktisch undiszipliniertes Spiel ihre defensiven Kollegen mächtig reinritten. Neben Kapitän Haskins will mir spontan kein Spieler einfallen, der sich im gesamten Spiel in irgendeiner Form positiv hervorgetan hätte. Bei Spielern wie Rosa, Abid oder dem komplett indisponiert Norm Milley war das Gezeigte schon äußerst ärgerlich, wenn nicht sogar frech. Besonders irritiert es mich, wenn z.B. ein Abid, der für seine eher ruppige und körperbetonte Gangart bekannt ist, bei uns lupenreines Pussyhockey im Bereich Fremdschweißphobie anbietet.
Vielleicht sind die aktuellen Verlautbarungen bezüglich Neuverpflichtungen des EHC im Bereich Sturm nicht ganz spurlos an diesem Mannschaftsteil vorbeigegangen. Empfehlungsschreiben für eine Vertragsverlängerung sind in diesem Spiel allerdings keine bei den Grizzlies eingegangen…
Bleibt zu hoffen, dass es eher eine Kraft- vielleicht auch Gesundheitsfrage ist, die den Grizzlies momentan so zu schaffen macht. mb