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EHC - Straubing Tigers 4:3

Spannungsschwankungen
 
Nach zuletzt immer schwächer werdenden Auftritten, vor allem vor heimischer Kulisse, wartete das Wolfsburger Publikum nun auf frisch erholte Grizzlies. Die Länderspielpause, die leider keine Olympiapause ist, stellt die letzte größere Unterbrechung der laufenden Saison dar und sollte von allen Teams für letzte Vorbereitungen bzw. Regeneration für die heiße Phase im Kampf um den Titel genutzt werden. 
Und siehe da: Die Grizzlies kamen souverän und hellwach aus den Kabinen, übernahmen umgehend das Kommando auf dem Eis und zwangen die Gäste aus Straubing zunächst zu allerlei kleineren und größeren Fehlern. Nachdem die Tigers gleich zweimal den Spielfluss der Gastgeber nur mit unlauteren Mittel stoppen konnten, schlug es auch zum ersten Mal im Tor der Gäste ein. Eine vorbildlich herausgespielte Kombination in doppelter Überzahl schloss Wolfsburgs Aubin am langen Pfosten zum 1:0 (5.) ab. Der Druck der Gastgeber blieb in den folgenden Minuten ungebrochen hoch, die Tigers wirkten weitestgehend harmlos in ihren wenigen konstruktiven Angriffsbemühungen. 
Folgerichtig zahlte sich bereits in der 10.Minute der Wolfsburger Dauerdruck erneut aus. Kapitän Haskins vollstreckte Aubins und Rosas vorbereitende Schüsse, indem er in gewohnt unerschrockener Art quer vor das Tor der Gäste zog und den Nachschuss verwerten konnte. Den Torjubel verbrachte der Chefgrizzly dabei neben dem Spielgerät im Netz der Gäste – alles schien auf eine konsequent und kompromisslos geführte Partie der Gastgeber zu deuten.
Leider sollte bereits wenige Minuten später der eigentliche Charakter dieser Begegnung zutage treten: Ganze drei Sekunden nachdem mit Polaczek zum ersten Mal ein Grizzly auf die Strafbank gewandert war, schlug es nach ungeschicktem Bully hinter Sebastian Vogl im Tor des EHC ein (13.). Wolfsburg schaltete im Anschluss zwar direkt wieder einen Gang hoch, konnte jedoch bis zur ersten Pause keinen weiteren Treffer für sich verbuchen.
Im Mitteldrittel bot sich erneut das aus dem ersten Abschnitt gewohnte Bild: Wolfsburg im Vorwärtsgang, Straubing in den Schwächephasen der Gastgeber immer bereit seine Chancen zu nutzen.
So folgte Kohls knochentrockenem Treffer in den Winkel (23.) zum 3:1 einer dieser halbgaren Spielabschnitte der Grizzlies, den die Gäste – erneut in Überzahl – mit Röthkes 3:2 bestrafen konnten. Alles Anrennen wäre in der Endabrechnung (und vor allem im katastrophalen Endabschnitt) ad absurdum geführt worden, hätten Norm Milley und Tyler Haskins nicht noch kurz vor der zweiten Sirene ein echtes Zuckerstück ausgepackt: Milley Rückhandpass durch den gesamten Traffic vor dem Tigersgehäuse verwertete der am langen Pfosten heranstürmende Haskins zum vielumjubelten 4:2 – die rund 2100 Zuschauer gerieten zum ersten Mal richtig in Verzückung! Sollte es im Schlussabschnitt vielleicht so weitergehen?
Nein. Zwar versuchte Wolfsburg noch einmal an den Druck der ersten beiden Drittel anzuknüpfen, doch vor allem die ausgelassenen Chancen der Anfangsminuten dieses Drittels (Danner, Rosa und Abid) schienen den Gästen zusätzliche Motivation zu verschaffen. Spätestens, als Meunier den Puck zum 4:3 Anschlusstreffer durch Vogls Hosenträger schießen konnte, kippte das Spiel komplett in Richtung Gästeteam (47.). 
Mit viel Glück und allerletzter Kraft retteten die Grizzlies schließlich die knappe Führung auch durch zwei Unterzahlspiele über die Zeit. Der zuvor etwas unaufmerksam wirkende Schlussmann der Hausherren lief dabei obendrein wieder zu gewohnter Form auf und ermöglichte somit den ersten Heimdreier des Jahres 2014!
Man darf gespannt sein, wann das Team im neuen Jahr auch das erste Mal 60 Minuten konzentriertes Eishockey zustande bringt...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Sebastian Vogl zunächst mit einer seiner schwächeren Saisonleistungen, steigerte sich und hielt am Ende die drei (glücklichen) Punkte fest. Wirkte zu Beginn ähnlich schläfrig und leicht gebremst in seinen Aktionen wie der Rest des Teams.
 
Verteidigung
Wenn Likens auf dem Eis steht, hat man häufig das Gefühl, dass Wolfsburg mit vier Stürmern agiert. Nichts für schwache Nerven, wenn ein Verteidiger sich in Unterzahl zum Konter anbietet...
Kohl, obwohl zweimal bei Gegentreffern in Unterzahl auf dem Eis, mit einer starken Vorstellung. Sein Tor dabei ein Spiegelbild seiner geradlinigen und konzentrierten Spielweise.
Ansonsten keine Ausreißer nach unten zu beobachten.
 
Sturm
Aubin und Haskins bringen die Entschlossenheit und die Dominanz aufs Eis, die wir in den Playoffs von ALLEN Akteuren benötigen werden. Milley zum Glück weiter mit ansteigender Form, Rosa weiter etwas zu langsam, Abid weiter etwas zu ineffektiv. 
Furchi mit vielen, leider wenig gefährlichen, Abschlüssen, Fauser momentan einfach zu unsichtbar. Simon Danner und Chad Bassen (nicht berücksichtigt) liefern sich momentan dazu ein heißes Rennen um den Platz auf der Tribüne...
Insgesamt viel zu viele Nachlässigkeiten und Konzentrationsmängel, gegen Ende offenbar auch kräftemäßig am Limit – ich hoffe, das Team kommt in den kommenden Spielen wieder besser in Schwung und setzt den Trend der letzten Wochen nicht ungebremst fort. Mit einer Leistung wie in diesem Spiel gibt es in der DEL jedenfalls nicht viele Gegner, gegen die man mit drei Punkten vom Eis fahren kann. mb