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EHC - Nürnberg Ice Tigers (VF2) 4:0

Grizzlies in eiskalter Mission
 
Nachdem sich Wolfsburgs Eishockeycracks in Spiel 1 als äußerst kaltschnäuziger und konzentrierter Gegner präsentiert hatten, durfte man gespannt sein, ob vor heimischer Kulisse ein ähnlicher Auftritt gelingen würde. Ein Blick auf die insgesamt eher durchwachsenen Ergebnisse vor eigenem Publikum ließ zumindest leise Zweifel an der Wiederholung des erfreulichen Spielverlaufs aus Nürnberg aufkommen.
Die Zweifel, so sie denn vorhanden waren, waren unbegründet. Erneut packten sich die Grizzlies den Kontrahenten aus dem Frankenland schon in den ersten zwanzig Minuten und verpassten diesem gleich die entscheidenden Tatzenhiebe.
Während beide Teams das Spiel mit enormem Tempo und dem Ergeiz möglichst früh den Aufbau des Gegners zu stören angingen, behielten die Gastgeber in den ersten Minuten weitestgehend die Oberhand. Besonders im Powerplay ließen die Grizzlies nichts anbrennen und landeten prompt im ersten Anlauf durch Tyler Haskins den ersten Treffer (8.). Völlig freistehend hatte sich Wolfsburgs Kapitän aus zentraler Position die Ecke aussuchen können und den Puck im Winkel des Gehäuses untergebracht. Die Gäste zeigten sich in der Folgezeit jedoch keineswegs schockiert, traten weiter aufs Gaspedal und übernahmen, bis zum nächsten Überzahlspiel der Gastgeber, das Kommando auf dem Eis. Was dem Nürnberger Spiel in dieser Phase (und auch bis zum Ende der Partie) fehlte, war das viel zitierte Quäntchen Glück...und schlicht und ergreifend die letzte Klarheit in ihren Aktionen. Viel zum Misslingen der Mission „Torerfolg“ der Ice Tigers trug dabei die konsequente Lauf- und Abwehrarbeit des EHC bei, der den Gästen nach allen Regeln der Kunst jede Luft zum Spielaufbau oder die Chance auf den zweiten Schuss zu nehmen wusste.
Dann war wieder Powerplay-Zeit – und Wolfsburgs zweiter Streich folgte prompt. Sebastian Furchner setzte gegen seinen Lieblingsgegner (zumindest was die Punktsausbeute betrifft) das nächste Ausrufezeichen (18.) und verwertete gegen den leicht indisponiert wirkenden Gästekeeper den eigenen Rebound zum 2:0. 
Als ein Großteil der Anwesenden in Gedanken wohl schon beim kühlen Blonden nach einem erfreulichen ersten Drittel war, setzte Wolfsburgs Ausnahmekönner Marco Rosa noch einen drauf. 12 Sekunden vor der Sirene nutzte Rosa die zu weit aufgerückte Position der Gäste zum Alleingang und vollendete auf einem Bein in den langen Winkel. 3:0 nach zwanzig Minuten – das saß!
Man kann nicht wirklich behaupten, dass Nürnberg das Spiel zu diesem Zeitpunkt abgeschrieben hätte – die Gäste bestürmten auch nach dem Pausentee weiter das von Sebastian Vogl gehütete Grizzlygehäuse. Doch neben einigen sehenswerten Saves des überragend aufgelegten Wolfsburger Goalies, gab es in erster Linie klare Chancen für die Grizzlies zu bewundern. Während Danners vermeintlicher Treffer nach Videobeweis zurecht nicht anerkannt wurde (Pfosten), zählte Abids Treffer bereits wenige Momente später und nach dem gleichen Untersuchungsprocedere als 4:0 für die Gastgeber. Der Drops war nach 29 Minuten definitiv gelutscht. Auch wenn einer altbekannten Phrase folgend  beim Eishockey vieles möglich ist, wenn ein Team derart wenig Durchschlagskraft vor dem Tor entwickelt, wie die Ice Tigers in den beiden bisherigen Begegnungen, dann gibt es nach einem 4:0 keine Hoffnung mehr.
Und tatsächlich: In den ersten Minuten nach dem Knockout auf dem Scoreboard marschierte Nürnberg noch wie ein Huhn, dass erst noch realisieren muss, dass der Kopf bereits am anderen Ende des Hofes liegt. Doch schon bald genügte den Grizzlies kontrolliertes Konterspiel, um den Spielstand über die Runden zu bringen...und dabei sogar noch die eine oder andere größere Chance herauszuspielen. 
Im Schlussabschnitt leistete sich Pavel Gross sogar den Luxus, der dritten und vierten Reihe großzügig Eiszeit einzuräumen, verzichtete dabei mit Jeff Likens obendrein auf einen etatmäßigen Verteidiger. Während dessen Vertreter Christoph Höhenleitner seine mittlerweile bekannte Alternativrolle hervorragend ausfüllte, beobachtete Likens, munter plauschend, das Geschehen von der Bank aus. 
Zwei Highlights hatte dieses etwas spannungsarme letzte Drittel dann doch noch zu bieten: Pohls Pfostentreffer stellte dabei die sportliche Variante, Abids Boxeinlage gegen Nürnbergs Stastny die blutige Variante dar. Wie ein Sinnbild dieser gesamten Begegnung fuhren die beiden Streithähne schließlich zur Strafbank. Abid mit einer Mischung aus Verärgerung und Amüsement im Gesicht, Stastny mit einer blutenden Nase.
Nachdem die Gastgeber, entgegen ihren bisherigen Gewohnheiten, zum Ende der Partie eine doppelte Überzahl ohne Torerfolg verstreichen hatten lassen, war der zweite Schritt im Duell mit den Ice Tigers schließlich vollbracht.
Die Vorfreude auf die nächsten Begegnungen dürfte bei Wolfsburgs Anhang nicht kleiner geworden sein, was man am kommenden Sonntag hoffentlich auch auf den Rängen sehen kann...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Vogl in bestechender Form. Tiefenentspannt, hochkonzentriert und mit hervorragendem Stellungsspiel treibt der Wolfsburger Goalie die Ice Tigers in den Wahnsinn. Fährt der Schlussmann der Grizzlies dann auch mal hinter das eigene Tor, so erhöht sich mein Puls nicht mal um einen einzigen Schlag.
 
Verteidigung
Kohl und Bina mit absoluten Galavorstellungen. Likens ebenfalls mit einer tadellosen Leistung, seit Wochen einer der besten Akteure in der Wolfsburger Verteidigung. Sollte der einst haarsträubende Leichtsinn völlig aus dem Spiel des Offensivverteidigers gewichen sein, so könnte sich die Vertragsverlängerung als gute Entscheidung herausstellen. Bei zwei weiteren Jahren in orange kann man nur die Daumen drücken.
Aber auch Wurm, Palin, Brocklehurst und Höhi reihten sich in die gnadenlos gute Defensivarbeit der Gastgeber ein und nahmen Nürnberg fast durchgängig die Luft zum Atmen.
 
Sturm
Die ersten beiden Reihen machen einfach den Unterschied. Während Nürnbergs Scoringmaschine den Sand, den die Grizzlies gleich tonnenweise heranschaufeln, nicht aus dem Getriebe bekommt, rocken die Paradereihen des EHC das Eis.
Rosa spielt teilweise das gesamte Team der Franken schwindelig, Haskins tankt und ätzt sich durch die dicht gestaffelten Abwehrreihen und Furchner knipst ein ums andere Mal gegen seinen (laut Presse) „Lieblingsgegner“. 
Während auch die anderen beiden Reihen durch extrem hohe Laufbereitschaft, selbst für Wolfsburger Verhältnisse, und extreme taktische Disziplin glänzen, muss sich der Gegner aus dem Frankenland nun definitiv etwas einfallen lassen, damit die Serie länger als 4-5 Spiele dauert. Man darf gespannt sein. mb

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