header
Log in
A+ A A-

EHC - Nürnberg Ice Tigers (VF4) 5:4 n.V.

Nervenkrieg mit Happyend
 
 
In einem von beiden Seiten mit enormem Einsatz geführten Spiel 4 gelang den Grizzlies der mittlerweile dritte Sieg gegen den Tabellendritten der Hauptrunde.
Die Ice Tigers, die in den ersten beiden Begegnungen noch große Probleme in Sachen „Play-off Einstellung“ offenbarten, präsentierten sich extrem verbessert und stiegen auch gleich deutlich aggressiver ins Geschehen ein.
Mit hohem läuferischen Aufwand fuhren die Kontrahenten sich gegenseitig die Räume zu, intensiv geführte Zweikämpfe (und nicht zuletzt der Torwartwechsel im Tor der Gäste) reduzierten zunächst Anzahl und Ertrag der Torszenen.
Der erste Treffer gehörte, wie in den ebenfalls siegreichen Spielen 1 und 2, den Grizzlies. Abid hatte nach einem Nürnberger Scheibenverlust entschlossen zum Konter angesetzt und sich nicht einmal die Mühe eines angetäuschten Abspiels auf seinen mitgelaufenen Teamkollegen gemacht. Knochentrocken jagte der Wolfsburger Angreifer den Puck per Schlagschuss am chancenlosen Weiman vorbei in die Maschen (14.). Doch kaum war der Jubel der Heimfans verklungen, brachte Jason Jaspers  mit einem sehenswerten Alleingang den eigenen Anhang in Feierlaune. Mit einer spektakulären Bewegung hatte der Nürnberger Stürmer den Puck hinter dem eigenen Rücken und am Gegenspieler vorbei bis an die Schoner von Sebastian Vogl getragen – den auf der Linie liegenden Puck schob Matt Hussey schließlich unbedrängt zum 1:1 Ausgleich über die Linie.
Die Gangart auf dem Eis blieb rau, die Referees hielten sich mit je einer Strafe pro Team allerdings spürbar zurück, wollten der Intensität der Partie offenbar nicht schaden. Dass am Ende der eine oder andere Akteur das Eis mit blauen, oder eventuell sogar schlimmer lädierten Extremitäten das Eis verließ, nahm das Duo Piechaczek / Brill dabei offenkundig in Kauf. Das Stockschlagfestival der Gäste, allen voran Spieler des Jahres Patrick Reimer, blieb jedenfalls – bis auf zwei Ausnahmen - straflos.
Kaum war das zweite Drittel angepfiffen, glaubte der heimische Anhang sich in einer Wiederholung der ersten beiden Spiele. Zwar erspielte sich der EHC kein nennenswertes Chancenplus (beide Teams arbeiteten weiter ausgesprochen hart an deren Vermeidung), doch die Grizzlies zeigten sich erneut von ihrer eiskalten Seite. Während Gästekapitän Reimer seine einzige und wohlverdiente Strafe wegen Stockschlags abbrummte, zog das Team von der Aller sein mittlerweile durchaus gefürchtetes Powerplay auf. Fast wie beiläufig versenkte Wolfsburgs bestens vor dem Tor postierter Pohl den Abpraller eines Rosa-Krachers zum 2:1 (26.Min)...und es sollte noch besser kommen. Bereits zwei Minuten später schickte Kohl mit einem absoluten Sahnepass aus der eigenen Zone seinen Kapitän auf die einsame Reise gen Tyler Weiman. Wolfsburgs Haskins ließ dem Goalie letztlich keine Chance, tanzte den Nürnberger Schlussmann in Nahdistanz gekonnt aus und vollstreckte per Rückhand zum 3:1. Beschwingt und guten Mutes strebten Team und Fans der Grizzlies in Richtung zweite Unterbrechung. Das zweite, und bis zum Schlusspfiff einzige, Überzahlspiel der Gastgeber blieb im Verlauf des Drittels zwar ohne Ertrag, doch wirklich ärgerlich wurde es erst in der 39.Minute. 
Evan Kaufmann hatte sich für die Gäste über links durchgesetzt und schickte einen wenig aussichtsreichen  Pass in Richtung Slot der Grizzlies. Ein Treffer an das Bein des zurückgeeilten Norm Milley machte daraus das unhaltbar abgefälschte 3:2 für die Gäste aus dem Frankenland. Zehn Sekunden später befanden sich eben jene sogar im zusätzlichen Luxus einer Überzahl, machten mächtig Dampf und schnupperten sogar am Ausgleich. 
Leicht genervt kehrte das Heimteam nach der nächsten Pause aufs Eis zurück, spielte die verbliebenen Sekunden der Unterzahl jetzt deutlich konzentrierter herunter, um dann seinerseits in Powerplaymanier zum 4:2 zu vollstrecken.
Einen Hintertorpass hatte der aufgerückte Jeff Likens per one-timer in die Maschen gedrückt und somit den alten Abstand wieder hergestellt.
Was nun folgte war entweder der Offensivkraft der Ice Tigers oder der falschen Einstellung der Grizzlies geschuldet. Es schien jedenfalls, als ob die Hausherren im Anschluss an eine folgende Unterzahl nicht mehr den Weg vor das Gehäuse der Gäste finden würden. Wie nicht anders zu erwarten, stellte sich das Unterfangen, einen Vorsprung gegen das offensivstärkste Team der Liga über die Runden zu bringen, als ungeeignete Strategie heraus. Nürnberg übernahm bis zum Ende der regulären Spielzeit eindrucksvoll das Kommando. Auch in einer zwischenzeitlich von Trainer Pavel Gross anberaumten Auszeit (48.) gelang es den Grizzlies nicht mehr, auf eine aggressivere Spielweise umzustellen - die Gäste blieben am Drücker und deckten den Kasten von Sebastian Vogl mit einem wahren Bombardement an Schüssen ein. Der Wolfsburger Schlussmann wuchs zwar streckenweise über sich hinaus, wehrte sogar den einen oder anderen unhaltbaren Puck spektakulär ab, doch bei Erikssons (50.) und Pflegers (57.) Treffern musste auch er sich im Nachschuss geschlagen geben. Lediglich eine einzelne Aktion der Hausherren durch Simon Danner hatte den Angriffsreigen der Gäste unterbrechen können. Der Wolfsburger Stürmer hatte seinen Alleingang allerdings knapp neben den Pfosten abgeschlossen, wenig später folgte der Ausgleich der Ice Tigers. Mit Hängen und Würgen rettete sich das Heimteam in die nächste Unterbrechung: Den Fans in orange schwante nichts Gutes. Zu deutlich hatte das Momentum die Seite gewechselt, zu wenig hatten ihre Cracks dem Nürnberger Angriffsspiel in den letzten 15 Minuten entgegensetzen können.
Doch es kam alles (fast) ganz anders. Die Grizzlies kamen wie verwandelt aus den Kabinen, setzten nun mit voller Wucht zum finalen Hieb an...und blieben doch erfolglos. Wie in einem Abbild der Partie kamen die Franken erst auf der Zielgeraden der ersten Verlängerung wieder zum zuletzt gesehen Übergewicht – kein Spiel für schwache Nerven! Bedingungslose Anfeuerung und atemlose Spannung ergänzten sich zu einer schweißtreibenden Angelegenheit – nicht nur auf dem Eis!
Als Wolfsburgs Goalie dann in der 85. Minute der zweiten Verlängerung mit einem Monstersave der Kategorie „Geht doch gar nicht!“ seinen Stempel aufdrückte und das scheinbar leere Tor sich für Matt Hussey plötzlich wieder verschloss, war auch der Letzte im weiten Rund mit den Nerven zu Fuß.
Was dann – fünf Minuten und eine weitere Nürnberger Drangphase später – folgte, brachte die Eisarena endgültig zur Explosion und verschaffte den in der Hauptrunde um einen Sieg gebrachten Grizzlies durchaus süß schmeckende Satisfaktion. 
Ein Puck war letztlich im Gewühl vor dem Torraum der Gäste gelandet und, wie auch immer, ins Netz der Franken geschliddert. Ob Tyler Haskins den Puck in die Maschen gekickt, oder ob der heraneilende Norm Milley den Puck mit seiner Kelle durch die Spielertraube ins Tor gestochert hatte – die Videobilder konnten keine regelwidrige Aktion erkennbar machen: Die Halle tobte! Sei es im Siegesrausch, sei es vor Empörung über diesen fragwürdigen Treffer der Hausherren.
Wieder einer dieser Momente, in denen man es als Fan doch etwas schade findet, dass in den Play-offs traditionell keine Siege mit dem Anhang zelebriert werden...
 
 
Teamcheck
 
Tor
Sebastian Vogl mit einer der besten Leistungen der Wolfsburger DEL-Geschichte. Nur selten konnte man einen Goalie derartiges in den Farben der Grizzlies leisten sehen. Wie auf Autopilot spulte der Torhüter des EHC, völlig ruhig und unaufgeregt in der Körpersprache, eine ganze Reihe an Monstersaves ab, die mit dem spielentscheidenden Save gegen Matt Hussey in der 2.Verlängerung ihren Höhepunkt fanden. Un-fucking-fassbar!
 
Verteidigung
Bina und Kohl in absoluter Galaform. Hielten in allen Krisensituationen – und die gab’s reichlich – stand. Allein Kohls Zuckerpass zum 3:1 lässt den geneigten Fan schon jetzt seinen Abgang zu einem finanzstärkeren Team zutiefst bedauern.
Wurm und Likens im Vergleich zum letzten Gastspiel in Nürnberg ebenfalls stark verbessert. Palin und Brocklehurst teilweise mit dem schnellen und gut strukturierten Nürnberger Angriffsspiel am Limit ihrer Möglichkeiten. Höhi wie immer solide, nicht nur als Angreifer.
 
 
Sturm
Viel Eiszeit für die Reihen 3 und 4, wobei die 3.Reihe im Laufe der Partie mit Polo wohl den ersten Ausfall in Sachen Stockschläge zu verzeichnen hatte. 
Insgesamt sehr starke und konzentrierte Leistung der Wolfsburger Angriffsabteilung, die lediglich im 3.Drittel ihren Anteil zur Entlastung nicht mehr beitragen konnte. Besonders stark bei den Grizzlies: Kapitän Haskins und Ramzi Abid, die in allen Phasen der Begegnung Herr der Lage blieben, sich vor allem nicht provozieren ließen und sämtliche „Entscheidungen“ der Referees (Beinstellen war ausverkauft...Stockschlag im Sonderangebot: 4 für 1) ohne eigene Diszi ertrugen.
Dass mit Norm Milley am Ende einer der Spieler, die es zwischenzeitlich einfach zu kompliziert angegangen waren, für den Siegtreffer verantwortlich war, bleibt letztlich nur eine Randnotiz. 
Man darf gespannt sein, wie die Nürnberger mit dem Rücken zur Wand agieren werden. Nach solch einem Marathonmatch sind Prognosen jedenfalls fast unmöglich. Vermutlich wird es wieder etwas mit dem ersten Tor zutun haben. mb

Besucherzähler

Besucher gesamt: 4.560.669
Besucher heute: 353
Besucher gestern: 765
Max. Besucher pro Tag: 7.174
gerade online: 5
max. online: 95
Seitenaufrufe gesamt: 8.738.044
Seitenaufrufe diese Seite: 360
counter   Statistiken

DEL-News