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EHC - Nürnberg Ice Tigers (VF6) 8:3

Showdown in Wolfsburg
 
Nachdem in der begeisternden Serie gegen die Nürnberg Ice Tigers lediglich einmal das Gästeteam erfolgreich gewesen  war, sollte diese gute Gewohnheit auch in Spiel 6 beibehalten werden.
Da der letzte Nürnberger Sieg in der Eisarena schon einige Jahre zurückliegt, stand dieses Unterfangen – zumindest aus statistischer Sicht – unter keinem allzu schlechten Stern.
Und siehe da: Wolfsburg tat vom Auftaktbully weg alles, um diese positiven Vorzeichen nicht  als wertlose Zahlenspielerei in den Schubladen der Statistiker verschwinden zu lassen. Die Grizzlies brannten ein wahres Offensivfeuerwerk ab und brachten bereits in der 3.Minute sich und die ohnehin brodelnde Kulisse weiter auf Hochtouren. Norm Milley war es, der im Wolfsburger Angriffswirbel das 1:0 für sich und seine Farben verbuchen konnte, nachdem er einen Blueliner von Brett Palin unhaltbar abgefälscht hatte. Und weiter ging die wilde Reise...ganz im Stile der bisherigen fünf Aufeinandertreffen und zunächst eher zur Freude der rund 500 mitgereisten Nürnberger Fans um ihren Mäzen Thomas Sabo. Mit dem ersten druckvoll vorgetragenen Angriff gelang Nürnbergs Kapitän der Ausgleich im Nachschuss (9.), zweieinhalb Minuten später lies Wolfsburgs Goalie einen eher harmlosen Abschlussversuch von Yan Stastny durch die Schoner rutschen. Das Spiel war, wie so oft in dieser Serie, gekippt, in diesem Fall aber auch komplett auf den Kopf gestellt. Zuvor hatte sich Jeff Likens mit einer übermotivierten Aktion hinter dem eigenen Tor wegen Bandenchecks auf die Strafbank verabschiedet, der Treffer fiel folglich im überzeugenden Powerplay der Gäste.
Doch die Antwort der Grizzlies ließ nicht lange auf sich warten: Unter der frenetischen Anfeuerung ihres begeisterten Anhangs arbeiteten die Gastgeber in Person des „Nürnberger Alptraums“ Sebastian Furchner den Puck zum Ausgleich über die Linie. Die Tigers-Abwehr hatte sich wieder einmal nicht konsequent genug gezeigt und den Wolfsburger Stürmer zu lange im Torraum gewähren lassen (17.).
Die Diskussion über ein etwaiges Torraumabseits war gerade beendet, der Puck eingeworfen und die Ansage des zweiten Wolfsburger Treffers war in vollem Gange – da schlug es auch schon wieder hinter Tyler Weiman ein!
Simon Danner hatte per Blickkontakt das Abspiel zum mitgelaufenen Kollegen angedeutet und dann eiskalt in den kurzen Winkel abgedrückt – die Halle rastete nun völlig aus! Weitere Chancen der Hausherren folgten, mit 3:2 ging es schließlich denkbar knapp in die erste Pause. Denkbar knapp, weil sowohl die allgemeine Dominanz der Grizzlies, als auch das erdrückende Schussverhältnis von 18:7 zugunsten des EHC im deutlichen Kontrast zum Ergebnis auf der Anzeigentafel standen.
Das sollte sich auch im Mitteldrittel erst einmal nicht ändern. Denn allen Wolfsburger Angriffsbemühungen zum Trotz: Das Tor machten die Gäste aus Nürnberg. Erikssons Knaller von der blauen Linie schlug durch den Verkehr unhaltbar im Winkel ein (24.) und ließ die Anhänger aus dem Frankenland wieder von Spiel 7 träumen. Leicht genervt, aber weiter unbeirrt nahmen Fans und Spieler in orange den Fehdehandschuh auf und setzten zur nächsten spielerischen und akustischen Angriffswelle an. Robbie Bina war es schließlich, der mit seinem guten Auge den Puck an Freund und Feind per Schlenzer zum vierten Mal im Gehäuse der Ice Tigers unterbringen konnte (30.). Wenig später sorgte mit Evan Kaufmann ein Gast für die spielentscheidende Situation zugunsten des Heimteams. Während eines nicht wirklich überragend laufenden Überzahlspiels der Hausherren, leistete sich der Nürnberger Stürmer ohne Not einen deutlichen Stockschlag gegen Wolfsburgs Brocklehurst und brachte sein Team somit für rund 50 Sekunden in doppelte Unterzahl. Die Grizzlies ließen sich nicht zweimal bitten und platzierten ihre Angreifer mustergültig zum Nachschuss vor dem Tor der Gäste - mit Erfolg! Marco Rosa brauchte den Abpraller eines Dieselschusses nur noch in die leere Hälfte des Tors schaufeln (34.), die erste deutlichere Führung war komplett.
Kaum war die zweite Nürnberger Strafe abgelaufen, da blies der Gast auch schon zur (fast) bedingungslosen Offensive. Mit enormem läuferischen und kämpferischen Aufwand gelang es den Grizzlies schließlich den Vorsprung bis in die zweite Unterbrechung zu retten, fast jede drohende Großchance doch noch zu vereiteln und obendrein zwei Minuten Unterzahlspiel schadlos zu überstehen. Ein Wahnsinnsspiel nahm weiter seinen Lauf, atemlose Action blieb angesagt.
Nürnberg kam erwartet stark und aufgedreht aus der Kabine, setzte noch einmal alles daran den erneuten Anschlusstreffer zu markieren, Wolfsburg blieb seinerseits durch Entlastungsangriffe brandgefährlich. 
Dann folgte wieder einer dieser Momente, wegen denen man so gerne zum Eishockey geht. Schon zu Beginn der Begegnung hatte der Wolfsburger Anhang seinen vom Nürnberger Anhang konsequent geschmähten Kapitän Tyler Haskins mit Spruchbändern, Hunderten von Blättern mit der Nummer 10 und entsprechenden Gesängen gefeiert. Als es dann in der 47.Minute ausgerechnet der wiedereinmal wie besessen aufspielende Kapitän der Grizzlies war, der dem Gast aus dem Süden den endgültigen Genickschuss verpasste, brannte die Hütte bereits in Vorfreude auf das Halbfinale. Fast jeder in der Halle, inklusive der Gäste und ihrem Anhang, ahnte wohl, dass sich Nürnberg vom brillant über Weimans Fanghand in die Maschen genagelten 6:3 nicht mehr erholen würde. Und so folgte dieser Szene zwar noch eine Phase intensiverer Bemühungen der Gäste, doch der letzte Biss ging den Ice Tigers spür- und sichtbar abhanden. Während Fausers Knaller zum 7:3 (54.) die Vorfreude der Heimfans auf Kommendes noch einmal geringfügig zu steigern wusste, lies das 8:3 den Puls der Anwesenden doch noch einmal etwas schneller schlagen: Der Diesel meldete sich, nach wohlwollendem Abspiel des erneut bärenstarken Ramzi Abid, mit seinem ersten Play-off Tor endgültig zurück im Dienst (55.) und gab der Party somit den allerletzten Kick.
Bemerkenswert war schließlich auch die Auszeit, die Trainer Gross trotz des deutlichen Vorsprungs in der 56.Minute nahm, um sein Team vor dem aufkommenden Frust der Gäste zu schützen. Das sichere Aus vor Augen, drohte bei einigen Nürnberger Akteuren offenbar die letzte Sicherung durchzuschmoren und die ohnehin stockschlagbegeisterten Franken teilten nun tüchtig aus. Als Höhenleitner sich zwischenzeitlich mit schmerzverzerrtem Gesicht und die Hand haltend Richtung Bank begab und vor Erreichen der Bank sogar noch einen Stockschlag in die Kniekehlen mit auf die Reise bekam, zog Wolfsburgs Trainer schließlich die Reißleine und gab mit seiner Auszeit allen Beteiligten die Chance zur Abkühlung. Im Prinzip die einzige Szene der Begegnung, in der man den gut leitenden Hauptschiedsrichtern einen Vorwurf machen konnte. Ansonsten blieb das Gespann Brüggemann/Schimm jederzeit Herr der Lage, wusste dabei Stockfouls und Play-off Härte vorbildlich zu trennen.
Nach Abpfiff feierte der orangene Anhang sein Team mit minutenlangen Gesängen und tosendem Applaus. Aber auch das tapfer kämpfende Team aus dem Frankenland bekam von Gast- und Heimfans den gebührenden Respekt gezollt. Hatten doch nicht zuletzt auch die Ice Tigers mit ihrem bemerkenswerten Offensivspiel (und dem etwas weniger bemerkenswerten defensiven Auftreten) die Serie zu dem Spektakel gemacht, das es am Ende geworden war. 
Auch wenn den Fans mit Spiel 7 (zum Glück) der endgültige Gipfel des Nervenkitzels versagt blieb, so bleibt doch am Ende der Blick auf eine hochklassige und extrem unterhaltsame Serie, wie man sie sich anderorts meist nur wünschen kann.
 
 
Teamcheck
 
Tor
Sebastian Vogl wirkte nach seiner kurzen Zwangspause im ersten Drittel noch ungewohnt unruhig. Steigerte sich ab seinem Patzer zum 1:2 im Verlauf der Partie aber deutlich – fast bis auf das bisher von ihm gewohnte Play-off Niveau.
Vielleicht passt das Timing mit dem Nachwuchs im Hause Vogl und der Wolfsburger Goalie kann als frisch gebackener Vater ins Halbfinale gehen...
 
Verteidigung
Beeindruckende Leistung gegen die Angriffspower der Gäste. Allerdings blieben den Wolfsburger Verteidigern diesmal einige brenzlige Situationen erspart, da das Back-Checking der Grizzlies fast durchgängig auf Hochtouren lief.
Lediglich Aaron Brocklehurst offenbarte in der einen oder anderen Druckphase der Gäste kleinere Schwächen und klärte nach Puckgewinn im eigenen Drittel oftmals einfach zu zögerlich.
Robbie Bina mal wieder in seiner gewohnt bescheidenen Art unser „Eishockeygott“ ;)
 
Sturm
Am Ende wieder einmal ein Spiegelbild der Serie. Unsere ersten beiden Reihen, vorneweg Haskins und Furchner, tauen in Nürnberg das Eis ab.
Aber auch Marco Rosa und Ramzi Abid entpuppen sich mit Einsatz und Körpersprache als echte Play-off Spieler. 
Vielleicht finden wie im Zuge der nächsten Serie sogar noch unser „Play-off Monster“. Einige Bewerber hätten wir ja schon mal.
Was besonders erfreulich ist: Sieben verschiedene Stürmer dürfen in dieser abschließenden Begegnung sich ein Gefühl fürs Toreschießen holen und zeigen damit, dass auch von den hinteren Reihen (Fauser, Danner) neben beeindruckendem Einsatz auch Torgefahr ausgehen kann.
Insgesamt – bei 7 erzielten Toren und guter Defensivarbeit – nicht der geringste Anlass zu Kritik.
Mal schauen, wie die Wolfsburger Offensivabteilung mit der um Klassen besseren Defensive der Kölner zurecht kommen wird. mb

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