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EHC - Kölner Haie (HF2) 1:4

Die vielzitierten Kleinigkeiten 
 
Nach dem äußerst effizienten Auftritt der Grizzlies im ersten Spiel der Serie, wollte der Wolfsburger DEL-Ligist nun vor eigener Kulisse nachlegen.
Gestützt auf die lautstarke Anfeuerung der heimischen Fans unter den 3750 Zuschauern (rund 300 Kölner Anhänger waren ihrem Team nach Wolfsburg gefolgt), mussten die Hausherren zunächst einmal ein Unterzahlspiel überstehen. Binas ungeschickte Arbeit im Slot hatte die entsprechende Strafe nach sich gezogen (1.) und Köln machte schon früh deutlich: „Mit uns ist heute zu rechnen!“.
Zwar brachte das energiegeladene Powerplay der Gäste noch keinen Torerfolg, doch die Haie hinterließen schon einmal tüchtig Eindruck.
Wolfsburg überstand also diese Unterzahl schadlos und durfte sich direkt im Anschluss daran im eigenen Überzahlspiel probieren.
Praktisch mit dem letzten Angriffsspielzug dieses Powerplays gelang dem EHC der vielumjubelte Führungstreffer. Marco Rosa hatte die unwiderstehlich schnell vorgetragene Puckstafette seiner Reihe zum 1:0 nutzen können (5.), eine Minute später war das Ganze schon wieder hinfällig.
Nach Puckverlust im gegnerischen Drittel ließ sich Wolfsburg vom Konter der Gäste überrumpeln, Kölns in der Mitte mitgelaufener Abwehroldie Mirko Lüdemann vollendete elegant per Rückhandschuss. Das Drittel blieb intensiv, Chancen auf beiden Seiten ergaben sich schon allein durch das hohe Tempo, das beide Teams gingen.
Mit einem leistungsgerechten, wenn auch aus Grizzlysicht ärgerlichen, 1:1 ging es zum ersten Mal in die Pause.
Der Mittelabschnitt sollte bereits die Entscheidung bringen. Zweimal machten die Grizzlies den Fehler, zweimal netzten die Gäste eiskalt ein.
Treffer Nr. 1 fiel denkbar kurios: Wolfsburgs Brocklehurst erwischte den Puck bei der Fahrt hinter das eigene Tor zunächst nicht mit der Kufe, der nachfahrende Kölner verlor das Spielgerät ebenfalls auf dem Weg um das Tor herum...und führte somit Wolfsburgs Goalie in die Irre. Während Vogl die gegenüberliegende Seite mit dem Schoner schloss, konnte Kölns Hannula ungehindert am Pfosten gegenüber einschieben (24.).
Den zweiten Aussetzer hatte zum allgemeinen Entsetzen Wolfsburgs bisher so sicherer Torhüter, der hinter dem eigenen Kasten den Puck eine gefühlte Ewigkeit hielt und sich nicht dazu durchringen konnte, einen seiner suboptimal postierten Mitspieler anzuspielen – oder das Spielgerät einfach in die Rundung zu chippen.  
Ohmann stach in seinem Rücken heranfahrend die Scheibe zu Mitspieler Ticar aus, der passte direkt auf den im Rückraum heranfahrenden Riefers...Tor zum 1:3.
Begünstigt durch zwei Überzahlspiele konnten die Gastgeber bis zum Ende des Mittelabschnitts zwar noch einmal Druck auf den Kölner Kasten ausüben, ein Tor wollte dabei trotz einiger guter Chancen nicht mehr herausspringen.
Die volle Tragweite dieser Zwei-Tore-Führung zeigte sich allerdings erst im Schlussabschnitt der Begegnung.
Routiniert und extrem kontrolliert spielte das Team von Uwe Krupp die verbleibende Zeit von der Uhr und demonstrierte nebenbei eindrucksvoll, was während der Saison die große Stärke der Haie gewesen war: Stabile Defensive und Kontrolle der eigenen Zone.
Das 1:4, welches Minard bereits nach zweieinhalb Minuten nachgelegt hatte, machte den Restschwung der Grizzlies spürbar zunichte und ließ die folgenden Minuten eher zu einer Art Vorbereitung auf Sonntag verkommen. Zu aussichtslos schien das Anrennen gegen das nun voll in seinem Element befindliche Bollwerk der Gäste vom Rhein.
 
 
Teamcheck 
 
Tor
Sebastian Vogl mit seinem ersten wirklich unglücklichen Auftritt in den diesjährigen Play-offs. Nicht mangelnde Reflexe oder schlechtes Stellungsspiel, sondern etwas Pech und im Falle des dritten Kölner Tors schlichte Zögerlichkeit brachten den Gästen den entscheidenden Vorteil im Mitteldrittel dieser Partie.
Ich habe allerdings keinerlei Zweifel, dass sich der Wolfsburger Keeper am Sonntag wieder in der gewohnten Form und vielleicht auch etwas mehr mit dem Glück im Bunde präsentieren wird.
Zu den dafür notwendigen Vorraussetzungen kommen wir gleich unter den nächsten Kategorien. .
 
Verteidigung
Brocklehurst und Bina leider mit einem sehr, sehr mäßigen Auftritt im zweiten Spiel dieser Serie. Besonders Aaron Brocklehurst schwankt in den letzten Wochen enorm in seinen Leistungen, baut immer wieder große Klöpse im eigenen Drittel ein. Bina ließ sich ein wenig anstecken...und schon war die Katastrophe perfekt. Gegentreffer Nr. 2 geht eindeutig auf Brocklehursts Kappe, beim dritten Tor hilft das passive Stellungsspiel der gesamten Mannschaft unserem Goalie nicht unbedingt weiter.
Auch beim schnellen 1:1 Ausgleich entscheidet sich Binas Nebenmann für den falschen Gegenspieler und lässt Lüdemann ungestört zum Tor ziehen.
Während Keller und Kohl eine gute Partie ablieferten, wusste beim soliden Duo Wurm-Likens vor allem der frisch um zwei weitere Jahre verlängerte Jeff Likens zu gefallen. Der riskierte bei seinen Checks teilweise Kopf und Kragen und war dabei ungewohnt stabil in der eigenen Zone. Offensiv ist der Wolfsburger Abwehrexperte ja sowieso eine Klasse für sich. 
Brett Palin und seine physische Präsenz wurden zum ersten Mal wirklich schmerzlich vermisst. Das aggressive Auftreten der Haie vor dem Wolfsburger Gehäuse schrie förmlich nach dem bärtigen Hünen in Diensten der Grizzlies...
 
Sturm
Während Kapitän Haskins gewohnt beherzt vorneweg marschierte, fehlte dem einen oder anderen Akteur gerade im Mittelabschnitt ein wenig die letzte Konsequenz. Im Schlussabschnitt dürfte schließlich klargeworden sein, womit man es im Falle eines Rückstands gegen die Haie zu tun bekommen wird. Kein wirkliches Durchkommen mehr gegen die auf Kontrolle bedachten Gäste!
Während Höhenleitner leider einen gebrauchten Tag erwischte, stach beim Rest der Truppe eigentlich niemand wirklich heraus. Was hingegen mittlerweile wirklich auffällt ist, dass Wolfsburgs Torjäger Matt Diesel fast alle wichtigen Fähigkeiten wieder dabei hat...nur leider die wichtigste fehlt: Der Abschluss des Diesels wirkt durchgängig schwach und unplatziert, während Stellungsspiel, Körpereinsatz und Passgenauigkeit fast schon auf dem gewohnten Niveau angekommen sind. 
Während für Moore und Polo die Saison gelaufen ist, bleibt das Comeback von Wolfsburgs Aubin weiter unklar – schön wär’s schon. mb