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EHC - Kölner Haie (HF4) 2:3

Seltsame Schwächephasen

Nach der zweiten Niederlage in der laufenden Halbfinalserie ging es für die Grizzlies nun schon fast um alles oder nichts. Ein 1:3 Rückstand in einer Best-of-seven Serie, dazu gegen einen defensiv derart stabilen Gegner wie die Kölner Haie, sollte unter allen Umständen vermieden werden.  
Vor mit 3300 Zuschauern für einen Wochentag bemerkenswert gut gefüllt Rängen starteten die Grizzlies zunächst extrem nervös in diese so wichtige Begegnung. Wurms Rückgabe vor das eigene Tor in den Anfangssekunden war da nur ein Sinnbild für die ersten zittrigen Versuche der Hausherren, sich in dieses Spiel hinein zu finden.
Köln hingegen präsentierte sich sofort voll konzentriert und abgeklärt, taxierte dabei mit klarer Spielanlage gleich zu Beginn den Spielraum beim Schiedsrichterduo aus. Und Köln hatte durchaus Spielraum. Zum Leidwesen der heimischen Fans schien dieser Spielraum nicht in gleichem Umfang für die Grizzlies zu gelten, so dass die Akteure in orange sich im Lauf der Partie gleich mehrere Male zwar regelkonform, aber in keinem Verhältnis zur sonstigen Linie der Referees auf der  Strafbank wiederfanden.
So fiel Kölns schön herausgespielte Führung denn auch in einer Überzahl, der zwar ein regelwidriges Vergehen Dzieduszyckis vorausgegangen war, die dem Foul vorangegangenen Kölner Regelwidrigkeiten (Beinstellen und Stockschlag) waren aber konsequent ignoriert worden. Minards Treffer (9.) sollte aber nicht lange unbeantwortet bleiben: Schon eine Zeigerumdrehung später versetzte Wolfsburgs Eismaschine Sebastian Furchner die Eisarena in Feierstimmung, als er den Kölner Goalie aus spitzem Winkel überwinden konnte.
Köln wirkte weiterhin kontrollierter, hielt dem kraftraubenden Forechecking der Grizzlies gut stand und brachte den Puck fast immer einigermaßen kontrolliert aus dem eigenen Drittel. Nicht verwunderlich, dass der vielumjubelte zweite Wolfsburger Treffer (16.) aus einem Konter entstand. Mit einem lässig zwischen die aufgerückten Kölner Reihen gespielten Zuckerpass schickte Rosa schließlich Ramzi Abid auf die einsame Reise gen aus den Birken. Der vollstreckte einem knallharten Schuss in den Stockhandwinkel zum 2:1, ließ die Grizzlies vom Ausgleich in der Serie träumen.
Und plötzlich bekam auch der Gast Strafen aufgebrummt! Gleich zwei Akteure der Haie fanden sich in den Schlussminuten des Drittels auf der Strafbank ein, doch Wolfsburgs Powerplay blieb ohne Power – und vor allem fast ohne Schuss. Statt aus allen Rohren auf die verbliebenen Spieler der Gäste und deren Goalie zu feuern, starb Wolfsburgs Überzahlspiel einmal mehr in Schönheit und brachte auf der Suche nach dem perfekten Spielzug gerade einmal einen mickrigen Schuss zustande.
Mit 40 Sekunden Reststrafe auf der Uhr ging es zum ersten Mal in die Kabinen.
Irgendwer schien den Grizzlies in der Pause den Stecker gezogen oder die Energieriegel geklaut zu haben.
Zwar reichte die Tankfüllung der Hausherren offenbar noch für die eine oder andere Spielminute, doch spätestens als Köln die erste Überzahl des Drittels wegen eines lachhaften Pfiffs gegen Wolfsburgs Abid genoss (übertriebenes Anstupsen – von Härte konnte keine Rede sein) , war es mit der Wolfsburger Kraft offenbar vorbei.
Die Haie spielten sich nun Chance um Chance heraus, waren fast immer einen Schritt schneller als ihre Gegenspieler und in der 38. Minute schließlich durch Marcel Müller erfolgreich. Bezeichnenderweise fiel das 2:2 zwischen zwei Überzahlspielen (!) der Grizzlies, die die zwei Minuten jeweils eher zum Luftholen oder sich selber in Bedrängnis bringen genutzt hatte. So blieb am Ende des Mitteldrittels die Enttäuschung über die durchgängig vergeigten Powerplaysituationen und die Erleichterung über den äußerst glücklichen Zwischenstand von 2:2.
Wolfsburg startete zwar spürbar erholt  in den Schlussabschnitt, setzte endlich wieder den einen oder anderen gefährlichen offensiven Akzent, doch die Gäste blieben das strukturierter auftretende Team mit den besseren Einschussgelegenheiten.
Dass auch in diesem Heimspiel gegen die Haie ein Missgeschick des sonst so überragend agierenden Sebastian Vogl die Grizzlies auf die Verliererstraße brachte, machte den Abend schließlich doppelt bitter für die Fans des EHC.
Gäste-Defender Tjernqvist drang ins Drittel der Wolfsburger ein, feuerte von der blauen Linie einen Puck hart auf den Mann – und Vogl ließ das Spielgerät durch die Schoner vor den Pfosten rutschen. Wolfsburgs Goalie zögerte nur den Bruchteil einer Sekunde zu lange – ebenso wie seine Vorderleute – und konnte den Nachschuss des durchfahrenden Tjernqvist nicht mehr verhindern (53.).
Während Köln in seinen berühmt berüchtigten Kontrollmodus umschaltete, dauerte es auf Seiten der Gastgeber doch einige Minuten, bevor so etwas wie eine Schlussoffensive zu erkennen war.
Doch wie so oft in den vergangenen Spielen nützte den Grizzlies alles Anrennen am Ende nichts: Das Kölner Bollwerk hielt den verzweifelten Versuchen des EHC souverän stand. Neben zwei bis drei mittelprächtigen Wolfsburger Gelegenheiten, setzte Köln mit einem „Beinahe-empty-netter“ das letzte Highlight des Spiels. Das Spielgerät prallte nach einem Kölner Befreiungsschlag in den letzten Sekunden noch gegen beide Pfosten, um dort brav auf die Schlusssirene zu warten.
Geknickt und etwas ratlos schlichen die Grizzlies in die Kabine…


Teamcheck

Tor
Zweites Heimspiel gegen die Haie, zweiter grober Schnitzer von Sebastian Vogl.
Der über weite Strecken der Play-offs so brillante Goalie der Grizzlies machte auch beim ersten Gegentreffer durch Chris Minard keine glückliche Figur, tauchte viel zu früh und viel zu tief ab und machte damit den gesamten Kasten frei.
Wäre sein Verbleib für nächste Saison noch nicht geklärt, gäbe es nur wenig Argumente gegen eine Pause im nächsten Spiel. So wird ein erneuter Einsatz wohl unter die Rubrik „Erfahrung sammeln“ fallen.

Verteidigung
Wurm in den ersten zwei Drittel immer wieder indisponiert, wirkte teilweise völlig blau und verwirrt.
Es dauerte eine Weile, bevor Kölns Angreifer realisierten, dass Kilian Keller zwar der Jüngste, aber keinesfalls der Schwächste an diesem Abend in Wolfsburgs Defensive war. Immer wieder wichen die Haie gezielt auf die Seite des Youngsters aus, hatte damit aber letztlich keinen Erfolg.
Kohl und Likens mit den besten Leistungen in diesem Mannschaftsteil, Bina mit einigen Schwankungen, Brocklehurst weiter bestenfalls unauffällig.

Sturm
Rosa, Abid und Furchner weiter in überragender Form. Doch gegen die mannschaftlich enorm ausgeglichen besetzten und beeindruckend geschlossen agierenden Haie müssen offenbar einige Spieler mehr einen Sahnetag erwischen.
Insgesamt machte sich in diesem Mannschaftsteil der enorme Kräfteverschleiß des Wolfsburger Spielsystems am deutlichsten bemerkbar. Gegen Mitte der Begegnung war plötzlich kaum ein Akteur mehr in der Lage das nötige Tempo zu gehen, so dass das Spiel bereits im Mitteldrittel locker hätte kippen können.
Gerade weil Wolfsburg in der Verteidigung nicht die personelle Qualität der Kölner Mannschaft vorweisen kann, muss der Sturm kontinuierlich und hundertprozentig seine defensiven Aufgaben wahrnehmen können.
Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob das gegen Mannschaften mit Kölns Qualität und Spielanlage mit unserem Spielsystem leistbar ist. Generell erscheint es fragwürdig, ob man mit einem derart laufintensiven System in den Play-offs (viele Spiele in kurzer Zeit) die beste Wahl getroffen hat. mb   

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