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EHC - ERC Ingolstadt 3:4 n.V.

Die Sache mit dem Powerplay

Mit den Gästen aus Ingolstadt erwartete die Grizzlies gleich im ersten Heimspiel der Saison ein Team, dessen Ansprüche (und finanzielle Möglichkeiten) ein ganzes Stück oberhalb der des EHCs liegen. Theoretisch ein harter Brocken also, und es sollte die erwartet enge Partie werden…
Für einen Grizzly war die Begegnung allerdings bereits nach einer Minute gegessen – Greg Moore verließ nach einem Zweikampf an der Bande verletzt das Eis und sollte auch bis Spielende nicht zurückkehren. Wolfsburgs Trainer Pavel Gross ließ seinem Frust über ein nach seiner Ansicht in diesem Zusammenhang ungeahndetes Foul an der Bandentür freien Lauf, konnte das Schiedsrichtergespann jedoch nicht zu einer nachträglichen Sanktionierung der Situation „überreden“.
Doch die Strafen für Ingolstadt sollten schon bald folgen! Gleich sechsmal wanderte ein Spieler der Gäste in den ersten beiden Spielabschnitten in die Kühlbox, um den Grizzlies weiteres, nach den Eindrücken der Vorbereitung dringend benötigtes, Überzahltraining zu ermöglichen. Es sollte beim Training bleiben. Lediglich Palins Treffer ans Gestänge der Pantherbude (5.) und die eine oder andere mäßig zwingende Kombination im Angriffsdrittel blieben letztlich im Gedächtnis hängen – und verblassten mit Ingolstadts erstem Überzahlspiel dann völlig. Knapp 36 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt, Wolfsburg hatte die Partie über weite Strecken deutlich dominiert und das Überzahlspiel wie beschrieben fleißig geübt, da zeigten die Panther mit einem druckvoll vorgetragenen fünf gegen drei, wie ein Powerplay auszusehen hat. Per Schlagschuss vollendete der, völlig zu unrecht am Ende nicht in der Three-Star-Wertung auftauchende, Travis Turnbull zum 0:1 für die Gäste, das den Spielverlauf nun völlig auf den Kopf stellte.
Doch es sollte noch schlimmer kommen. Mit Auftakt zum letzten Drittel dachten sich die bayrischen Schlitzohren wohl: „Hey, lassen wir Wolfsburg doch noch mal in Überzahl ran – da bekommen wir den Vorsprung wohl am besten über die Runden…“ Und da sollten sie wohl mehr als Recht behalten, denn anstatt den Vorsprung zu verkürzen, vollstreckte das Team von der Aller mal schnell auf der falschen Seite. Erneut Turnbull war es, der die nun aufkommende Nervosität auf Seiten der Wolfsburger zu Gunsten seines Teams nutzen konnte und einen eigentlich aussichtslosen Konter auf das Tor der Grizzlies einfach mal zu Ende fuhr. Als der Ingolstädter Stürmer bereits an Vogl im Tor der Wolfsburger gescheitert war, rutschte der nachgerückte Likens in Diensten der Hausherren einfach mal im Liegen hinterher und bekam den Puck vom nach vorne abwehrenden Torhüter an die Ausrüstung…und beförderte ihn unhaltbar zum 0:2 in die eigenen Maschen (43.). So viel zum Thema Powerplay.
Wer jetzt dachte der Abend wäre gelaufen, sah sich jedoch schon bald getäuscht. Der EHC wirkte nur kurz geschockt und entfesselte zur allgemeinen Überraschung bis zum Ende der Partie einen in dieser (kurzen) Saison noch nicht zu bestaunenden Angriffswirbel. Zunächst verwandelte Neuzugang Marco Rosa einen an ihm verschuldeten Penalty eiskalt durch die Beine des Ingolstädter Goalies (45.), dann spielte bis zur Schlussminute nur noch eine Mannschaft: Die Grizzlies aus Wolfsburg!
So gelangen mit Jeff Likens (52.) und Benedikt Kohl (59.) zwei Verteidigern, was vorher keinem Stürmer aus dem Spiel heraus auf Seiten des EHC gelungen war: Die Tore zum 2:2 und 3:2! Vorbereiter war jeweils Norm Milley, der sich – wie seine Mannschaftskameraden, am Ende doch nicht über späte drei Punkte freuen durfte. Wenige Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit schickte Ex-Grizzly Laliberte die Grizzlies mit seinem 3:3 doch noch zum Nachsitzen, klaute somit – ohne Torhüter und mit sechstem Feldspieler auf dem Eis - den ersten Punkt. Den zweiten machte Ingolstadt in der 3.Minute der Verlängerung – Ironie, Ironie – mit dem zweiten Torerfolg im zweiten Powerplay klar und hinterließ eine gefühlsmäßig leicht verwirrte Halle.

Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl mit einem insgesamt sehr gelungenen Einstand vor heimischer Kulisse. Beide Überzahlgegentore waren hervorragend frei gespielt und erschienen kaum haltbar. Der slapstickartige Shorthander wäre mit etwas Übersicht zu verhindern gewesen, die Abwehrbewegung in Richtung des heranrutschenden Jeff Likens letztlich völlig überflüssig.
Ansonsten stets auf der Höhe des Geschehens und mit einigen sehenswerten Reflexen und gutem Stellungsspiel.

Verteidigung
Neuzugang Palin mit ähnlich überzeugender Vorstellung wie Wolfsburgs Bester Robbie Bina. Während Kohl und Wurm ansprechende Leistungen anboten, blieben Jeff Likens (wirkte übermotiviert, mit Eigentor und entscheidender Strafe) und vor allem Aaron Brocklehurst (konnte zu keinem Zeitpunkt der Wolfsburger Überzahl seinen Stempel aufdrücken) doch ein ganzes Stück hinter den in sie gesetzten Erwartungen zurück.

Sturm
Lichtblicke waren hier der besonders auffällig spielende Marco Rosa und Spätzugang Chad Bassen, der neben intensiver Laufarbeit eine ganze Reihe von intelligenten Anspielen und Laufwegen anzubieten hatte. Wer weiß, was diese Reihe noch so angestellt hätte, wenn ihnen mit Greg Moore (wohl für den Rest der Saison) nicht der Nebenmann abhanden gekommen wäre. Ansonsten gab es neben Milleys genialen Vorbereitungen nicht viel Überdurchschnittliches zu bewundern. Erst, als man sich im Schlussabschnitt das Überzahlspiel „verkniff“ und die Zweikämpfe mit äußerster Entschlossenheit anging, blitzte das volle Potential unserer Abteilung „Attacke“ deutlich durch. Daran gilt es anzuknüpfen.
Habe ich schon erwähnt, dass es nun gilt das Powerplay zu trainieren? Ja? Gut! mb