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EHC - Düsseldorfer EG 3:0

Nach der Kür kommt die Pflicht

Den langjährigen Angstgegner auswärts besiegt, nah dran an der Tabellenführung und nun das Schlusslicht zu Gast: Eine Konstellation also, die auf den ersten Blick durchaus Spielraum für eine negative Überraschung lassen würde. Die DEG, in der laufenden Spielzeit noch ohne Sieg und dank spielfreiem Freitag gut ausgeruht, hatte schon im einzigen Heimspiel der Vorbereitung den Spielverderber gegeben und den Grizzlies eine peinliche Heimschlappe zugefügt. Ob das wohl Warnung genug für die überragend in die Saison gestarteten Hausherren war?
Nun, ja. Zunächst hatte man nicht wirklich den Eindruck, als hätte das Team von Pavel Gross die Absicht den Gast vom Tabellenkeller sonderlich ernst zu nehmen. Wie schon in der Vorbereitung versuchten die Cracks von der Aller die Aufgabe mit rein spielerischen Mitteln zu lösen und holten keinesfalls die in den verbissen geführten Zweikämpfen nötigen 100 Prozent aus sich heraus. Prompt entwickelte sich für beide Teams ein erstes Drittel auf Augenhöhe, in welchem die DEG auch in Sachen hochkarätige Chancen mindestens ebenbürtig auftreten konnte. Dass es letztlich torlos in die erste Unterbrechung ging, lag einerseits am wenig überzeugenden Powerplay beider Teams, andererseits am bestens aufgelegten – und zu diesem Zeitpunkt noch beschäftigten – Sebastian Vogl im Tor der Gastgeber. Erst gegen Ende des Drittels hatte Wolfsburg endlich mehr Willen gezeigt und war mit Fausers Schuss an den Pfosten mit einem dicken Ausrufezeichen in die erste Drittelpause gegangen.
Dann sollte es (endlich) auch auf Seiten der Hausherren eine intensivere Partie werden.
So intensiv, dass Gästecoach Christian Brittig nach knapp drei gespielten Minuten die Auszeit bemühte, um seinem Team einen Augenblick zur Reorganisation zu verschaffen…und natürlich, um Wolfsburgs Spielfluss zu unterbrechen. Doch es half letztlich nichts: Der EHC nahm nun endlich Fahrt auf, spielte die DEG förmlich an die Wand und lieferte nicht nur streckenweise Powerplaysituationen bei 5 gegen 5 ab.
Als zur Mitte der Begegnung (31.) mit Furchners Tor zum 1:0 und dem wenig später folgenden 2:0 durch Aleksander Polaczek (35.) der Bann gebrochen schien, stand zwischen den verzweifelt kämpfenden Gästen und einem sich abzeichnenden Debakel nur noch ein Mann: Bobby Goepfert im Tor der DEG!
Was der Keeper des Tabellenschlusslichts an diesem Nachmittag alles aus dem Kasten fischte, ließ wohl den einen oder anderen Zuschauer in orange nur verzweifelt den Kopf schütteln. Erst gegen Ende des Mittelabschnitts bekam der Gast die herbeigesehnte Entlastung in Form von zwei aufeinander folgenden Strafzeiten gegen die Grizzlies (35. und 38.), so dass auch Goepferts Gegenüber vor dem mittlerweile drohenden Sekundenschlaf bewahrt wurde und ebenso seine Klasse unter Beweis stellen konnte.
Im letzten Abschnitt zeigte sich dann, vermutlich recht deprimierend aus Düsseldorfer Sicht, wie wenig die DEG der sich abzeichnenden Niederlage entgegenzusetzen hatte. Trotz spielfreiem Freitag ging dem aufopferungsvoll spielenden Low-Budget-Team vom Rhein sichtbar die Puste aus – eine Chance das Spiel zu drehen war selbst mit bestem Willen nicht zu erkennen, so dass es für den Gast in den letzten 20 Minuten eigentlich nur ums blanke Verhindern einer ausgewachsenen Klatsche ging.
Dass den Hausherren lediglich ein weiterer Treffer gelang, war am Ende wohl einer Mischung aus Fleiß, Glück und Goepfert zu verdanken. Dem Spielverlauf entsprach das 3:0 durch den in den letzten Wochen immer stärker werdenden Christoph Höhenleitner jedenfalls längst nicht mehr. So mussten die Heimfans ab der 46. Minute zwar ohne jeden weiteren Torjubel auskommen, bekamen aber trotzdem jede Menge sehenswerte Aktionen ihres Teams geboten.
Sowohl Ehrenrunde als auch Jubel nach Abpfiff deuteten jedenfalls keinesfalls auf einen „Pflichtsieg“ hin...

Teamcheck

Tor
Sebastian Vogl scheint von Woche zu Woche besser zu werden. Besonders sein Stellungsspiel ist mittlerweile von allererster Güte, über seine Reflexe braucht man sich sowieso keine Gedanken zu machen. Fehlerlos und im ersten Drittel durchaus gefordert verdiente er sich den shut out mehr als redlich und dürfte bis auf weiteres im Wolfsburger Tor gesetzt sein.

Verteidigung
Dank „entspannter“ Spielgestaltung im ersten Drittel noch gut beschäftigt, brachte Wolfsburgs Verteidigung in den folgenden vierzig Minuten den Düsseldorfer Angriff fast vollständig zum Erliegen. Gegen ein Team, in welchem neben dem Torhüter mit Long und Bostrom bestenfalls zwei Akteure wirklich so etwas wie DEL-taugliches Spielverständnis demonstrierten, vermutlich nicht die schwerste aller Aufgaben. Angesichts der zuletzt auch gegen andere Teams gezeigten Leistungen aber auch kein Zufall.
Die beiden Neuzugänge zeigten dabei die einzigen kleineren Wackler. Besonders Likens strahlt immer noch nicht die Souveränität aus, die von einem Mann seiner Klasse zu erwarten könnte. An der Seite von Mr. Zuverlässig Robbie Bina zeigt sich der eher offensiver ausgelegte Verteidiger der Grizzlies aber mit erkennbar wachsender Stabilität.
Von der blauen Linie legt man allerdings, insgesamt betrachtet, besser weiter den Mantel des Schweigens über diesen Teamteil.

Sturm
Nur gut, wenn mit Aleksander Polaczek dann eben ein Stürmer von der Blauen einnetzt.
Der scoring-technisch bisher eher wenig in Erscheinung getretene Stürmer der Grizzlies belohnte sich endlich für seine, auch in diesem Spiel, hervorragende Leistung und erzielte mit einem echten Knaller nicht nur seinen ersten Saisontreffer, sondern markierte mit seiner genialen Vorlage zum 3:0 auch gleichzeitig seinen ersten Assist.. Ob hier wohl der nächste Knoten im Team der Grizzlies geplatzt ist? Denn neben Polaczek war es Sebastian Furchner, der außer einem erneuten Torerfolg auch eine fantastische Gesamtleistung anbot und sich momentan, meiner bescheidenen Meinung nach, in der Form seines Lebens befindet. Obendrein krönte Wolfsburgs Ur-Gestein Christoph Höhenleitner die guten Leistungen der bisherigen Pflichtspiele mit seinem Premierentreffer, so dass auch hier eine interessante Entwicklung nicht ausgeschlossen scheint, denn: An Chancen mangelt es dem Stürmer der Grizzly eigentlich nie, der sich mit unglaublichem Arbeitswillen und taktischer Disziplin nicht nur einen Platz in der 3.Reihe sondern auffällig viele Torchancen erarbeitete. Lediglich der Abschluss bleibt dabei nicht sein Freund (bisher 2 vergebene Penalties und zahlreiche weitere Chancen im 1 gegen 1 zeugen davon).  Sollte sich die nötige Lockerheit bei ihm einstellen, wird der einstige Wackelkandidat in Sachen Vertragsverlängerung vielleicht für eine dicke Überraschung sorgen können – ich wünsche es ihm jedenfalls von Herzen!
Fazit: Einfach nur wunderbar, wie der EHC die Ausfälle von Moore und Rosa scheinbar mühelos zu kompensieren versteht und obendrein mit Brent Aubin ab Mittwoch einen weiteren verheißungsvollen Neuzugang auf dem Eis begrüßen darf.
Momentan macht es einfach Spaß, ein Grizzly zu sein!