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EHC - Iserlohn Roosters 2:5

Schlechtes Karma ist meistens hausgemacht…

…oder wie Pavel Gross, Trainer der Grizzlies, es formulierte: „Wir haben den Eishockeygott beleidigt!“. Gemeint ist damit der peinlich zahnlose Auftritt bei Aufsteiger Schwenningen, der unter der Woche die Serie von drei Niederlagen in Folge ins Rollen gebracht hatte. Zwar zeigten die Cracks von der Aller im Spiel gegen die ebenfalls mit ihrer Form hadernden Gäste weiter aufsteigende Form, zu einem Punktgewinn reichte es am Ende dann letztlich wieder nicht.
Zu Beginn wirkten beide Teams durchaus konzentriert und gewillt den jeweiligen Negativtrend durch harte Arbeit in den Griff zu bekommen. Zum Leidwesen der Grizzlies wurde die deutlich härtere Gangart der Roosters durch das insgesamt mäßig bis schlecht leitende Schiedsrichtergespann während der gesamten Partie nicht in einer einzigen fraglichen Szene geahndet. Strafen gegen den Gast gab es nur nach Vergehen wie Haken, Behinderung oder Spielverzögerung. Lediglich beim Austausch von Zärtlichkeiten wanderte der betreffende Gästespieler mit auf die Strafbank. So ergab sich im ersten Spielabschnitt ein ausgeglichenes Spiel mit annähernd ähnlich vielen Chancen und einer ungerechtfertigt gleichen Anzahl von Strafzeiten auf beiden Seiten.  Die Roosters schlugen aus einer dieser Überzahlmöglichkeiten als Erstes Kapital und konnten das Auftaktdrittel somit knapp mit 0:1 für sich verbuchen. Auch wenn Raymonds Schuss ins Wolfsburger Gehäuse (4.) etwas glücklich begünstigt wurde, so spiegelte die knappe Führung durchaus die bisherigen Spielanteile wieder. Eine klaffe Platzwunde im Gesicht von Aaron Brocklehurst hingegen spiegelte das Zustandekommen dieser Spielanteile recht treffend wider.
Doch der EHC sollte zunächst Besserung zeigen – ein Umstand, auf den man bei der Leistung der beiden Referees leider vergeblich wartete.
Per Schlenzer von der blauen Linie stellte Brett Palin zunächst in Überzahl den Ausgleich her (25.), eine Zeigerumdrehung später erhöhte Wolfsburgs Höhenleitner auf 2:1 für die Hausherren. Eiskalt hatte der fleißige Arbeiter in Diensten der Grizzlies den Gästegoalie im Slot umkurvt und zur verdienten Führung eingeschoben. Wolfsburg schien auf die Siegerstraße zu gelangen, bekam wenig später in Überzahl sogar Gelegenheit die Führung weiter auszubauen – doch weit gefehlt.
Nach einem vermeintlichen Foul an Brent Aubin behielt der EHC zwar zunächst den Puck in seinen Reihen, einen Sekundenschlaf später bei Norm Milley rollte jedoch der 3 auf 1 Konter der aggressiv aufrückenden Iserlohner. Raedekes Rebound landete glücklich beim nachrückenden Giuliano, der reichlich schmeichelhafte Ausgleich war komplett (34.).
Angesichts der fortdauernden „Seltsamkeiten“ in Sachen Regelauslegung platzte Wolfsburgs Coach im Anschluss der deutlich sicht- und hörbar der Hals. Mehrere „Türknaller“ mit der Banktür und entsprechend lautstarke Unmutsbekundungen brachten seinem Team postwendend eine zusätzliche Unterzahl ein. Zwar überstanden die Grizzlies die folgenden zwei Minuten unbeschadet, doch 10 Sekunden nach Ablauf der Strafe machte sich Iserlohns Wolf auf die Reise in Richtung 2:3. Dass diese Reise am Ende von Erfolg gekrönt war, verdankte der Toptorjäger der Roosters natürlich in erster Linie seinem sehenswerten Antritt, doch sowohl die drei Spalier stehenden Grizzlies, als auch der etwas tapsig aus seinem Gehäuse gelockte Dshunussow machten es ihm dabei leider zusätzlich leicht (36.).
Wer an dieser Stelle noch nicht bedient war, bekam rund eine Minute später das – ebenso völlig überflüssige – 2:4 serviert. Nach einem katastrophalen Abspielfehler durch Kilian Keller hinter dem Gehäuse der Grizzlies, konnte Brent Raedeke gegen aus den Positionen gefahrene Hausherren völlig unbedrängt den Puck in die Maschen hämmern. Das hatte gesessen, die Hausherren zeigten bis zur zweiten Sirene deutlich Wirkung.
Doch auch im Schlussabschnitt blieb die Initialzündung auf Seiten der Grizzlies aus. Zwar gelang es ihnen noch einmal die Intensität ihres Spiels etwas zu steigern, an die Überlegenheit der ersten 10 Minuten des zweiten Drittels reichte das Auftreten des EHC aber in keiner Phase mehr heran. So blieb es bei zwei spärlichen Treffern gegen Iserlohns etatmäßige Nr.3 im Tor und lediglich die Roosters konnten in der Endphase noch ein weiteres Mal (vor dem Abpfiff) jubeln. Simon Fischhabers 2:5 ins leere Tor der Grizzlies machte die Sache zwei Minuten vor dem Ende endgültig klar und besiegelte das unrühmliche Ende einer miserablen Woche für die Mannschaft aus der Volkswagenstadt.


Teamcheck

Tor
Dshuni fehlt, besonders in Hamburg zu bewundern, deutlich die Spielpraxis. Deshalb kann ich, trotz einiger Unsicherheiten und dem ungeschickten Auftritt beim dritten Gegentreffer, nichts Kritikwürdiges in seiner erneuten Nominierung sehen.
Ich hätte ihm allerdings eine dankbarere Saisonphase gewünscht, um das Gefühl für sein Stellungsspiel wiederzuerlangen…

Verteidigung
Keine der bisher vom Trainer favorisierten Verteidigerkombinationen hat mich bisher durchgängig überzeugen können. Lediglich die Kombination von Kohl mit dem offensiv bislang mehr als enttäuschenden Brocklehurst scheint einigermaßen stabil zu funktionieren…lässt man die Begegnung in Schwenningen außen vor.
Besonders Sorgen bereitet mir dabei die eher fragwürdige Kombination Brett Palin + junger Verteidiger (Keller/Wurm). Ein geradezu epischer Wert von -7 nach neun Partien auf dem Konto von Palin, bei einem alles andere als schlechten Tabellenplatz spricht eine deutliche Sprache: Der Neuzugang der Grizzlies braucht einen stabilisierenden Nebenmann anstatt der Stabilisator für einen Anderen zu sein. Hoffentlich merkt das unser Trainer irgendwann und gibt Palin einen mobilen und abgeklärten Nebenmann wie z.B. Bina oder Kohl.

Sturm
Es klemmt in den ersten beiden Reihen…und das schon seit drei Spielen. Zwar waren in Hamburg erste Tendenzen in Richtung alte Stärke zu sehen, doch bei fünf gegen fünf bleibt vor allem Wolfsburgs Paradereihe, auch in wechselnder Besetzung, unproduktiv. Weder Pohl, noch Fauser können darüber hinaus die Rolle von Rosa in Reihe Nr.2 ausfüllen, so dass dessen Rückkehr sehnlichst erwartet werden darf.
Wirklich leid tun kann einem hier Neuzugang Aubin, der in bisher jedem Spiel durch guten Einsatz und je einen Scorerpunkt zu gefallen wusste. Vielleicht erlebt er ja demnächst auch mal den ersten Sieg mit seinem neuen Team…die dritte Reihe stellte mit ihm, Höhenleitner und Polo jedenfalls einen der Lichtblicke im Spiel der Grizzlies dar. mb